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Frankreich. Ein j√ľdischer Gesch√§ftsmann gibt auf. Dokumentation

Dieser 59 Jahre alte Held des Jom Kippur Krieges, wirft das Handtuch. "Ich kann nicht anders handeln," betont er. Am 26. M√§rz 2010 war sein Schnellimbi√ü "Illico Presto" mitten in der Nacht angegriffen worden. Antisemitische Beschimpfungen waren mit Markern auf die Tische geschmiert. Anfang Mai wird er endg√ľltig seinen Laden schlie√üen.

Narbonne. Erledigt. Mo√Įse Chekroun wirft das Handtuch. Zu hart. Zu gef√§hrlich (siehe unsere Ausgaben vom 8. und 18. April). Am kommenden Donnerstag wird er seine Einrichtung versteigern. K√ľhlschrank, K√ľchenger√§te ... Er beh√§lt nichts. Nur Bedauern, Bitterkeit. Der Gesch√§ftsmann zieht einen Schlu√üstrich unter Narbonne und den Stadtteil Razimbaud. Er kehrt mit Ehefrau und Kindern zur√ľck in die Pariser Region. Die Angriffe, denen er und seine Familie ausgesetzt waren, dieser Held des Jom Kippur Krieges [1] kann sie nicht akzeptieren. So wie er auch niemals den Boykott verstehen wird, der um seinen Laden herum organisiert worden ist.

F√ľr ihn hat das Martyrium nur einige Tage nach der Er√∂ffnung seines Schnellimbisses "Illico Presto", im Stadtteil Razimbaud, begonnen. Am 26. M√§rz 2010, als er um 8:15 Uhr ankommt, stellt er fest, da√ü eine oder mehrere Personen w√§hrend der Nacht dort in seine Boutique eingedrungen sind. Der K√ľhlschrank ist umgest√ľrzt. Auf dem Boden sind die ganzen Fleischvorr√§te und sein K√§se vermischt mit Schokolade und Reinigungsmitteln. Die gesamte Nahrung ist zertreten. Auf den Tischen kann man lesen: "Tod den Juden, Tod der Polizei". Und es gibt mit Textmarkern gezeichnete Hakenkreuze.

Seine Geschichte hat gro√ües Aufsehen erregt in Israel. Einige Tage sp√§ter zersticht man ihm einen Autoreifen, am folgenden Tag zerst√∂rt man ihm die Batterie, am darauf folgenden Tag versucht man, ihm sein Auto zu stehlen. Schlimmer: am Donnerstag, den 11. April, wird sein eben 13-j√§hriger Sohn am Kanal angegriffen. "Es sind Jungen von 16 oder 17 Jahren. Sie haben ihm seine Lippe zugerichtet ... Man hat keine Klage eingereicht, weil man nicht wu√üte, wer das ist. Das f√ľhrt zu nichts ... Sie wollten ihm seine Umh√§ngetasche stehlen. Sie haben ihm zwei oder drei Dinge zu verstehen gegeben ...", erz√§hlt ein desillusionierter Mo√Įse Chekroun ... W√§hrend die Einsch√ľchterungen sich h√§ufen, geht sein Gesch√§ft abw√§rts. "Niemand kauft mehr Pizza, kein Geb√§ck, keine Getr√§nke. Man hindert die Leute vielleicht daran, zu mir zu kommen." Aus allen diesen Gr√ľnden klappt er seine Boutique zusammen und verl√§√üt die Region, um einen neuen Betrieb zu er√∂ffnen. Morgen und Samstag wird er seinen Bestand liquidieren. Er wird Pizzas f√ľr 5 Euro, drei Geb√§ckteilchen f√ľr 1 Euro und die Getr√§nke f√ľr 50 Centimes verkaufen. Seine Geschichte hat gro√ües Ausehen erregt in Israel, in dem Land, wo er 18 Jahre gelebt hat. Die Lokalzeitungen haben sich ihrer schnell bem√§chtigt. "Da hinten verstehen die Leute nicht, warum mir das geschieht." Niemand versteht ...

[1] Im Jom Kippur Krieg stehen sich Israel und eine von √Ągypten und Syrien angef√ľhrte Koalition gegen√ľber. (1)

Der Leser wei√ü nicht, wer im Jom Kippur Krieg angegriffen hat. Der Journalist erw√§hnt es nicht, genauso wenig nennt er die T√§ter, die dem Mo√Įse Chekroun die Existenz vernichten. So wie er es formuliert, k√∂nnen es auch Neo-Nazis sein, es sind aber Muslime, wie man in den 19 000 Beitr√§gen nachlesen kann, die Google.fr anbietet. Und da√ü niemand versteht, das entspringt der Phantasie des Nicolas Boussu, vom Ind√©pendant, aus der Le Monde-Gruppe. Es sind die franz√∂sischen Politiker und die MSM, die eine Stimmung anheizen, in der solche √úbergriffe auf Juden erst m√∂glich werden. Liest Nicolas Boussu seine eigene Zeitung nicht?

Dort werden die T√§ter nur √§u√üerst selten benannt, d.h. meistens, wenn es sich um franco-franz√∂sische T√§ter handelt, dann steht da, da√ü Pierre Dupont das&das verbrochen hat. Sind die T√§ter Muslime, so werden ihre Namen selten bis gar nicht erw√§hnt. Die L√ľge beginnt mit solchen Auslassungen. Allein f√ľr den 29. April 2010 gibt es drei Beitr√§ge, in denen die Herkunft der T√§ter verschwiegen wird:

Merke: Eine Frau, erst recht ein Ungl√§ubige, hat einem Muslim nichts zu sagen, rein gar nichts, und Schwule? Was der Prophet und seine Anh√§nger √ľber die sagen und befehlen (Stichwort: Baukran) ... (2)

√úbersetzung des Artikels √ľber Mo√Įse Chekroun: Gudrun Eussner, 30. April 2010

Update

N√ģmes. Auf einer der zwei Eingangst√ľren einer Synagoge, in Bahnhofsn√§he, wird am Samstagmorgen, am Feiertag der Juden, gegen 8 Uhr, von drei Individuen ein Graffiti "Nike L√© Juifs" angebracht, Argot: Fick die Juden. Kurz darauf bespr√ľht derselbe Mann aus der Gruppe einen 78-j√§hrigen Juden, 50 Meter vor der Synagoge, mit Tr√§nengas. Der Mann kann sich in der Synagoge mit viel Wasser die Augen reinigen, er mu√ü nicht ins Krankenhaus, ist aber sehr schockiert, wie Paul Benguigui, der Pr√§sident der j√ľdischen Gemeinde, mitteilt. Nach dem Angriff gehen die drei M√§nner seelenruhig in Richtung Bahnhof davon. Die Polizei hat bislang keine Erkenntnisse. (3)

Die antisemitischen Ausschreitungen werden laufend auf der offiziellen Site des Conseil Représentatif des Institutions juives de France (CRIF) veröffentlicht. Deren Liste ist meist nicht vollständig, sie kommen einfach nicht nach mit dem Dokumentieren. (4)

Ich erw√§ge deshalb, neben den permanenten Schaf-Seiten eine weitere aufzumachen, zum Thema "Languedoc-Roussillon: Unsern t√§glich´ Antisemitismus gib uns heute!"

Affaire à suivre ...

3. Mai 2010

Quellen

(1) Ventes aux ench√®res. Mo√Įse Chekroun, le commer√ßant agress√©, d√©cide de quitter Razimbaud. Par Nicolas Boussu, L´Ind√©pendant, 29 avril 2010
http://tinyurl.com/35qd4wd

Mo√Įse Chekroun. Google.fr 19 000 r√©sulats
http://tinyurl.com/3y7f5p8

(2) Ils attiraient des homosexuels sur Internet pour les agresser.
Par Laure Moysset, L´Ind√©pendant, 29 avril 2010
http://tinyurl.com/36e5thm

Cahier mal tenu : un √©l√®ve poignarde son professeur. L´Ind√©pendant,
29 avril 2010
http://tinyurl.com/2umed4b

Une surveillante rou√©e de coups. L´Ind√©pendant, 29 avril 2010
http://tinyurl.com/2w2gd4r

(3) N√ģmes. Un fid√®le de la synagogue asperg√© de gaz lacrymog√®ne au niveau du visage. Par Richard Boudes, Midi Libre, 2/3 mai 2010, p. TEO 2
http://tinyurl.com/34po8am

(4) Conseil Représentatif des Institutions juives de France
http://www.crif.org/

Siehe auch:

Mo√Įse Chekroun : "Die Gemeindeverwaltung hat mir gesagt, da√ü ich nicht zu viel dar√ľber sprechen soll, und da√ü sie mir Ende M√§rz helfen werde. Letztlich ist nichts getan worden. Ich bin zutiefst verletzt. Ich habe den Eindruck, allein zu sein mit den Meinen. Wir haben Angst."

Racisme La famille de Mo√Įse Chekroun reste la cible de violences.
Par Nicolas Boussu, L´Ind√©pendant, 18 avril 2010
http://tinyurl.com/2w58kzb

Narbonne. Votre Mairie. Député-Maire Jacques Bascou
http://www.mairie-narbonne.fr/1-7611-Mairie-Annexe-de-Narbon ne-Baliste.php


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2010-04-30_01-07-06.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 21.01.2017, 10:20 Uhr