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Gaza: Der Überfall, der schockiert. BlĂŒtenlese

Zeitung gelesen [14]: Lose BlÀtter, nicht von Dauer, nur ein leichter Wochenschauer!

Gaza: Der Überfall, der schockiert. Am 2. Juni 2010 gibt es im IndĂ©pendant 23 Ergebnisse, wenn man dort in die Suchfunktion "gaza : le raid qui choque" eingibt. (1)

Über den mißlungenen Einsatz der Elitetruppe Sayeret 13 auf offener See gegen den Hilfskonvoi fĂŒr Gaza ist bereits viel berichtet worden, und so beschrĂ€nke ich mich auf Marginalien. ZunĂ€chst einmal ist klar, daß deutsche und französische BĂŒrger in ĂŒberwĂ€ltigender Mehrheit die Operation Israels verurteilen. Es nutzt nichts, ErklĂ€rungen anzubieten wie Clemens Wergin in der WELT. 75 Prozent mögen nicht, was er schreibt, sie wollen bei ihrem Urteil bleiben. Der Artikel ist nicht lesenswert, weil er Fakten bringt, die stören. (2)

Angesagt sind Auftritte der drei Kommunisten Norman Paech, Inge Höger und Annette Groth. Sie haben dem Tod durch die Juden ins Auge geblickt, sind noch einmal davongekommen, werden von den Anstalten der ARD und des ZDF als einzige direkt involvierte Personen interviewt und erklĂ€ren die Maßnahmen Israels fĂŒr völkerrechtswidrig. Das wird nicht etwa kommentiert, hinterfragt und mit Fakten bestĂ€tigt oder widerlegt, sondern so belassen. Warum sollten deutsche öffentlich-rechtliche Anstalten ihre Zuschauer ĂŒber internationales Seerecht anders als durch Kommunisten informieren? Warum sollten sie mitteilen, daß ein kriegfĂŒhrendes Land sehr wohl auf offener See ein Schiff entern kann, das beabsichtigt, in seine GewĂ€sser vorzudringen. (3)

Am 1. Juni 2010 werden im Bayerischen Fernsehen Ausschnitte der PrĂŒgelei auf dem tĂŒrkischen Schiff Mavi Marmara gezeigt, dort schlagen Passagiere der Friedensmission mit Holzlatten, Eisenstangen und zweckentfremdeten StĂŒhlen auf die enternden israelischen Soldaten ein, aber der dazu gesprochene Text sagt das Gegenteil aus. Den Zuschauern wird suggeriert, daß die Israelis die vermummten SchlĂ€ger sind.

Die Informationen von ARD und ZDF bieten die Weltsicht der Linkspartei; sie ist ihnen der Maßstab fĂŒr GlaubwĂŒrdigkeit. Einen deutschsprachigen Israeli zu interviewen, einen Nachkommen von Holocaust-Überlebenden etwa, die sonst immer gefragt sind, wenn es um Israel geht, das paßt den Anstalten nicht. Es werden Bilder gezeigt von Demonstrationen gegen Israel. In den ARD-Nachrichten sieht man neben zahlreichen PalĂ€stinenser- und TĂŒrkeiflaggen auch eine gelbe mit Emblem der Hezbollah, was die Kommentatoren aber nicht hindert, weiter auf Israel einzudreschen. Im ZDF ist ein Ă€hnliches Foto zu sehen, ob´s dasselbe ist, kann ich nicht beurteilen, und da ist neben den PalĂ€stinenser- und TĂŒrkeiflaggen auch eine schmutziggelbe Fahne zu sehen. Ein Emblem ist nicht darauf zu erkennen. Wer möchte, schaue in die Mediathek, da sind die Videos der letzten Nachrichten sicherlich noch online.

Die französischen MSM widmen sich der gleichen Hetze gegen Israel. Sie informieren nicht ĂŒber die HintergrĂŒnde. Die Operation wird dargestellt als ein blutiger Überfall, als ein schockierender Angriff in internationalen GewĂ€ssern auf eine friedliche humanitĂ€re Flotte auf dem Weg nach Gaza. Der IndĂ©pendant weiß ebenfalls nichts vom internationalen Seekriegsrecht, er ĂŒbernimmt die Anschuldigungen seiner linken Leser. Es wird kein Foto der Mavi Marmara, eines Schiffes aus der Flotte der Stadt Istanbul, mit großer tĂŒrkischer Flagge und Emblem der Hilfsorganisation IHH abgebildet, sondern eines vom Boat 8000, das benannt ist nach der Anzahl der in Israel gefangenen PalĂ€stinenser. Jeder Bezug zur TĂŒrkei wird vermieden. (4)

Die TĂŒrkei fĂŒhrt einen Stellvertreterkrieg gegen Israel. Niemand fragt, warum allein auf der Mavi Marmara, dem Leitschiff der "Friedensflottille", die Aktivisten ĂŒber die Soldaten herfallen. Niemand fragt oder erklĂ€rt gar, um wen es sich bei der Hilfsorganisation IHH handelt. Dazu muß man Sites und Blogs sowie die Site der Terrorsympathisanten konsultieren. (5)

Leser und Zuschauer erfahren nirgends, welche Rolle die TĂŒrkei spielt, wie es möglich sein kann, daß drei tĂŒrkische Schiffe ohne Genehmigung ihrer Regierung nach Gaza auslaufen könnten, daß BĂŒlent Yildirim mehrere Pressekonferenzen abhĂ€lt, in denen er ĂŒber die kriegerischen Absichten gegen Israel informiert, ohne daß eine Behörde, gar das Außenministerium der TĂŒrkei, sich einschaltet. Israel ist isoliert nach dem Überfall vor Gaza und Schwere Krise zwischen Israel und der TĂŒrkei, lauten die Schlagzeilen im Figaro. Die Krise wird demnach nicht durch die TĂŒrkei, sondern durch Israel herbeigefĂŒhrt. Zwei ganze Seiten mĂŒllen die Journalisten voll, ebenfalls angereichert mit einem Foto des unverdĂ€chtigen Boat 8000. Die blutige Operation gegen die "Friedensflottille" - wenigstens in AnfĂŒhrungszeichen. (6)

Alles wird genau geschildert, was die pro-palĂ€stinensischen Passagiere behaupten, nĂ€mlich, daß die Soldaten, kaum aus dem Hubschrauber herabgelassen, um sich schossen, sowie die Aussage der Soldaten, die einen bewaffneten Angriff der friedlichen Passagiere nicht erwartet hĂ€tten. So steht Aussage gegen Aussage. Wer schaut sich schon die Videos an, die von der israelischen Regierung und ihrer Armee zum Beweis ins Internet gestellt werden, und wenn schon, man sieht´s ja am Bayerischen Fernsehen, wo die prĂŒgelnden Leute als israelische Soldaten angeboten werden.

AuffĂ€llig ist, daß die vereinten MSM auf Israel eindreschen, weil sie Gaza von See her abriegelten, daß aber erst jetzt, als die Hamas Ägypten energisch auffordert, den LandĂŒbergang Rafah wieder zu eröffnen, ein Blick auf Ägypten fĂ€llt. Schlimm ist es allein, wenn Israel etwas zur Sicherung seines Territoriums und seiner BĂŒrger unternimmt. Deshalb auch versteckt der Figaro die Nachricht von der Grenzöffnung am Ende eines Artikels mit einer gegen Israel gerichteten Überschrift: Unter Druck entscheidet Israel, die auslĂ€ndischen Zivilisten zu befreien. Israel sei vollstĂ€ndig isoliert in der Welt, totalement isolĂ© dans le monde, und da frage ich doch den Marc Henry: Und? Wayne interessiert´s? (7)

Wenn Barack Hussein Obama jetzt dem israelischen MinisterprĂ€sidenten in den RĂŒcken fĂ€llt, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, daß in Teheran die Lichter ausgehen. Das liest man nicht im BlĂ€tterwald, sondern kostenlos und unabonniert in der NationalReviewOnline. Wenn der US-PrĂ€sident entscheide, Israel vorzufĂŒhren, um damit Kairo, Beirut, Teheran und Ankara zu beeindrucken, dann sei das fĂŒr Israel der Beweis, daß es sich auf die UnterstĂŒtzung seiner Sicherheit durch die USA nicht verlassen könne. Die Folge werde sein, daß Israel allein entscheide, welche Maßnahmen es gegen den Iran und sein Nuklearprogramm zu ergreifen habe. (8)

Was ebenfalls nicht zu lesen oder zu hören ist in deutschen und französischen MSM, das ist die Frage, wieso es bis heute nicht möglich ist, die NationalitĂ€t sĂ€mtlicher neun getöteten Aktivisten festzustellen. Vier von ihnen seien TĂŒrken. Weiterhin fragt niemand, wie es angeht, daß auf der Mavi Marmara mehrere zig Passagiere ohne Paß einchecken können. Den israelischen Behörden ist es nicht möglich, deren NationalitĂ€t festzustellen. Der nĂ€chste Schluß, daß die Aktion im Einvernehmen, ja auf Anweisung des tĂŒrkischen MinisterprĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan im Rahmen seiner Wahlkampagne veranstaltet wird, kann von den MSM entsprechend nicht gezogen werden. Wer schon einmal mit tĂŒrkischen Behörden zu tun hatte, der weiß, daß es unmöglich ist, auf einem tĂŒrkischen Schiff ohne Paß ins Ausland zu schippern - oder kann es sein, daß den MSM deshalb nichts auffĂ€llt, weil sie bereits jetzt verinnerlichen, daß die TĂŒrkei in die Fußtapfen des osmanischen Reiches getreten sein könnte und das Gebiet als Inland betrachtet, nach dem Motto: War und ist seit 500 Jahren alles unser! (9)

Sollte der tĂŒrkische MinisterprĂ€sident das so sehen, so sei er gewarnt. Die Iraner, besser die Perser, machen ihm den Garaus, so schnell kann er nicht schauen. Was den Messias im Weißen Haus angeht, der möge sich seine Reaktion ebenfalls ĂŒberlegen. Die Welt ist nicht so einfach gestrickt wie PalĂ€stinenserfreunde und europĂ€ische MSM sich das einbilden.

Wer isoliert ist, das wird sich erst zeigen.

2. Juni 2010

Quellen

(1) "gaza : le raid qui choque". L´IndĂ©pendant 23 rĂ©ponses
http://tinyurl.com/2vq7ro3

(2) Israel ist den Radikalen in die Falle gegangen. Von Clemens Wergin,
WELTOnline, 2. Juni 2010
http://tinyurl.com/35wf4uv

(3) The Gaza flotilla and the maritime blockade of Gaza. Documentation.
1. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-01_06-50-10.html

(4) Islamisme. Raid sanglant israĂ©lien contre la flottille de Gaza, crise avec la Turquie. Par Joseph Krauss, L´IndĂ©pendant, 31 mai 2010
http://tinyurl.com/3xv72dx

MĂ©diterrannĂ©e. TollĂ© international aprĂšs le raid sanglant israĂ©lien contre la flottille de Gaza. L´IndĂ©pendant, 31 mai 2010
http://tinyurl.com/2wmpx43

(5) Free Gaza ´Peace Activists´ Turn Violent. Top 6) Snapshots. A CAMERA Blog, May 31, 2010
http://tinyurl.com/27vph42

A brutal ambush at sea. By Ron Ben-Yishai, YNetNews, May 31, 2010
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3896796,00.html

Ein brutaler Überfall auf See. Von Ron Ben-Yishai. Übersetzung heplev,
abseits vom mainstream, 31. Mai 2010
http://tinyurl.com/2b7mhp4

(6) Opération sanglante contre la "Flottille de la paix". Par Adrien Jaulmes,
Le Figaro, 1 juin 2010, p. 6 (nicht oder nicht mehr online)

(7) Sous pression, Israël décide de libérer les civils étrangers. Par Marc Henry,
Le Figaro, 2 juin 2010, p. 5 (nicht online)

(8) The Gaza Crisis: Decision Time for Obama. By Michael Rubin, the corner,
NationalReviewOnline, May 31, 2010
http://tinyurl.com/29fox33

(9) Bad Moon Rising. By Lee Smith, Tablet, June 2 2010
http://www.tabletmag.com/news-and-politics/34973/bad-moon-ri sing/

Bisher erschienen:

Zeitung gelesen [13]: Lose BlÀtter, nicht von Dauer ... 8. Mai 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-05-08_22-54-55.html

Zeitung gelesen [1] bis [13]: Lose BlÀtter, nicht von Dauer ...
http://tinyurl.com/ygp3fae


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2010-06-02_11-03-43.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 20.01.2017, 17:07 Uhr