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Plume du Paon. George Y. Kohler: Im Interesse Europas

Waren die Schiffe, die von der israelischen Marine aufgebracht wurden, tats├Ąchlich eine "pro-pal├Ąstinensische Hilfsflotte", wie europ├Ąische Medien behaupten, oder eher ein Vorsto├č zur Unterst├╝tzung der Hamas? Die Hamas, um es nicht zu vergessen, ist eine von allen europ├Ąischen Staaten als terroristisch eingestufte Organisation, die sich offen zu unz├Ąhligen t├Âdlichen Anschl├Ągen auf Zivilisten bekennt und ihre Macht in Gaza durch systematische Morde an ihren politischen Opponenten aufrechterh├Ąlt. Der Konvoi wurde durch die t├╝rkische IHH organisiert, eine als Hilfsorganisation getarnte radikal-islamische, anti-westliche Gruppe, deren F├╝hrer B├╝lent Yildirim ein pers├Ânlicher Freund und Unterst├╝tzer von Hamas-Generalsekret├Ąr Khaled Meshaal ist.

Schon 2006 hat das d├Ąnische Institut f├╝r Internationale Studien zahlreiche terroristische Verbindungen der IHH nachgewiesen, gest├╝tzt vor allem auf Aussagen des franz├Âsischen Terrorismus-Experten Jean-Louis Brugui├Ęre. Laut Brugui├Ęre unterh├Ąlt Yildirim seit Mitte der neunziger Jahre direkte Kontakte zu Al-Quaida. 1997 wurden IHH-B├╝ros in Istanbul von der t├╝rkischen Polizei durchsucht und Waffen und Sprengstoff beschlagnahmt.

Ob mit oder ohne Wissen der anderen Teilnehmer des Konvois ist es der IHH gelungen, eine Gruppe von rund einhundert gewaltbereiten t├╝rkischen Aktivisten an Bord eines der Schiffe zu bringen, die sich (wie Video-Aufnahmen beweisen) gezielt auf eine gewaltsame Konfrontation vorbereit hatten. Israel bot der Flotte an, entweder umzukehren oder ihre Fracht im Hafen von Ashdod zu l├Âschen, von wo sie vom Roten Kreuz nach Gaza transportiert werden sollte, nach einer israelischen Sicherheitskontrolle. Die Forderung bestand im Rahmen der sogenannten "Blockade" von Gaza, die sich allerdings nur auf Materialien bezieht, die zur Waffen-, insbesondere Raketenproduktion gebraucht werden. Die meisten Hilfsg├╝ter der Flotte (Medikamente, Spielzeug etc.) waren von der "Blockade" von vornherein nicht betroffen - daher herrscht aber auch kein Mangel an diesen G├╝tern in Gaza. Sie werden beinahe t├Ąglich von Israel nach Gaza geliefert, genauso wie Elektrizit├Ąt und Treibstoff.

Der Hintergrund f├╝r die "Blockade" ist der fortgesetzte Waffenschmuggel nach Gaza, vor allem aus dem Iran - die "Grad"-Raketen zum Beispiel, die uns hier im S├╝den Israels im Januar 2009 in die Luftschutzbunker gezwungen haben. Bereits zweimal hat die israelische Marine Schiffe mit vielen Tonnen iranischer Waffen und Raketen nach Gaza abgefangen. Als die Schiffe der Hilfsflotte sich israelischen Gew├Ąssern n├Ąherten, wurden sie ├╝ber Funk erneut zur Umkehr aufgerufen. Erst nach der Weigerung der Organisatoren liessen Navy-Hubschrauber 15 israelische Kommandosoldaten auf das Ober-Deck des gr├Â├čten Schiffes herunter - ausger├╝stet, statt mit der ├╝blichen M-16, mit sogenannten Paintball-Gewehren und einer Pistole zur Selbstverteidigung.

Jeder einzelne dieser Soldaten wurde von einer Gruppe von bis zu 20 Schl├Ągern empfangen, die, sobald die Soldaten das Deck erreicht hatten, mit Eisenstangen und ├äxten auf sie einschlugen. In diesen ersten Minuten der Kommando-Aktion ist es zu den t├Âdlichen Sch├╝ssen gekommen. Der Kommandeur der Elite-Einheit beschreibt, dass er mit einem Messer angegriffen wurde und sein Leben gef├Ąhrdet sah. Als der letzte der urspr├╝nglich 15 f├╝r den Einsatz vorgesehenen israelischen Soldaten an Deck kam, sah er seinen Kommandeur und weitere drei Soldaten verwundet auf dem Boden liegen, die Angreifer hatten zwei israelische Waffen entwendet und schossen damit auf die Soldaten. Er konzentrierte die verwundeten Soldaten (zwei mit Schusswunden, einer bewusstlos mit Sch├Ądelfraktur) an einer Wand und bildete aus den ├╝brigen Israelis einen Halbkreis um sie. W├Ąhrend der Deckung und des Abtransports der Verwundeten wurden allein von diesem Soldaten sechs t├╝rkische Angreifer erschossen.

Erst als mehr israelische Soldaten aus der Luft das Schiff erreichten, brachten sie das Oberdeck unter ihre Kontrolle. Die israelischen Kommandos beschreiben ihre Gegner als gut vorbereitet, milit├Ąrisch trainiert (sie zeigten bei Warnsch├╝ssen keinerlei Reaktion) und in organisierten Gruppen ├╝ber das Deck verteilt. Es wurden Patronenh├╝lsen gefunden, die nicht aus israelischen Waffen stammten. Nach Aussagen des t├╝rkischen Kapit├Ąns des Schiffes sollen die Schl├Ąger ihre Schusswaffen ├╝ber Bord geworfen haben, als der Kampf verloren war. Die Mitglieder der Schl├Ągertruppe waren als einzige Schiffspassagiere ohne ID-Dokumente unterwegs, daf├╝r wurden in ihren Taschen gr├Â├čere Summen US-Dollar gefunden.

Die ├ťbernahme der anderen Schiffe der Flotte verlief friedlich und ohne Widerstand. Im Hafen von Ashdod wurden alle Aktivisten mit Kleidung und Verpflegung versorgt, die Ladung der Schiffe gel├Âscht und von Israel nach Gaza transportiert, wo die Hamas ihre Annahme allerdings verweigerte.

Mit einem Wort: aus israelischer Perspektive muss der Eindruck entstehen, es handelte sich bei dem "Hilfskonvoi" um eine gezielte Aktion radikal-islamischer Gruppen zur Unterstützung der Hamas, die im Auftrag des iranischen Regimes im Gaza-Streifen ihre grausame Herrschaft errichtet hat. Die Schaffung eines iranischen Stützpunktes im Mittelmeer gilt es aus naheliegenden Gründen zu verhindern. Das sollte nicht nur Anliegen der unmittelbar bedrohten Anrainerstaaten Israel und Ägypten sein, sondern es liegt auch im Interesse Europas.

(c) George Y. Kohler, Doktorand an der Ben Gurion Universit├Ąt Beer Sheva, Israel
5. Juni 2010

Gaza T├╝rkei Israel in meinem Archiv
http://tinyurl.com/37vzrvf

The Role of Islamic Charities in International Terrorist Recruitment and Financing.
By Evan F. Kohlmann, Danish Institute for International Studies. DIIS Workingpaper
no 2006/7. About IHH, pp 10 - 14
http://tinyurl.com/322q6b6

Insani Yardim Vakfi (IHH) in meinem Archiv
http://tinyurl.com/337q9lv


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2010-06-05_13-40-52.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 20.01.2017, 23:21 Uhr