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Wie der Islam funktioniert. George Cosbuc: El-Zorab. Dokumentation

Zum Pascha kommt ein Araber,
Die Augen erloschen, die Stimme schwach.
Ein Beduine bin ich,
Aus Bab-el-Mandeb komm ich her,
Um zu verkaufen meinen El-Zorab.

Alle Araber kommen geeilt aus ihrem Zelt,
Nur um meinen Hengst zu sehen, wie ich ihn f├╝hre,
Das Spiel der Z├╝gel zu betrachten,
Und wie galant im Trab er rennt!
Ich liebe ihn mehr als mein Augenlicht selbst.

Verkaufen w├╝rde ich ihn nicht einmal tot,
Doch meine Kinder vor Hunger sterben!
Ihre M├╝nder sind verdorrt,
Meines Weibes Milches Quelle ist erloschen,
Und uns allen droht der Tod.

Verloren sind wir, Pascha, und zwar alle:
Erbarme dich unser voller Gnade!
Kaufe meinen Hengst, denn ich bin arm,
Gib mir Geld, wenn Du Gefallen an ihm findest,
Gib mir, so viel Du magst!

Er f├╝hrt den Hengst in grossen Kreisen,
Im schnellen Trab und langsam schreitend.
Des Paschas Augen vor Entz├╝cken gl├Ąnzen,
├ťber seinen Barte streichelnd,
Mit leerer Seele bleibt er stumm.

Oh, tausend Zechinen sollst du haben! Nimmst du an?
Gewiss mein Herr, welch G├╝te!
Mehr als ich je zu tr├Ąumen wagte,
Gott soll dich daf├╝r beh├╝ten,
Oh du guter Mann!

Mit grossen Augen nimmt der Araber dann das Gold an.
Gerettet sind wir von nun an und reich,
Das Leben im Zelte ist beendet,
Das Betteln ist vorbei,
Jetzt werden wir den Armen milde Gaben schenken!

Im schnellen Schritt geht er davon,
Vor Gl├╝cke fast von Sinnen
Betrachtet er das Geld in seiner Hand,
Doch Zweifel gehen durch seinen Kopf, zitternd,
Und wie erstarrt da h├Ąlt er inne.

Mit gesenktem Haupte langsam schreitet er zur├╝ck.
In die Augen des Pferdes blickend,
Das Weinen kaum noch unterdr├╝ckt,
Umarmt er dessen sch├Ânen Hals,
Vergr├Ąbt das Antlitz in der M├Ąhne

Und wimmert leise vor sich hin.
Du Sohn der L├Âwen, Meines Lebens Sinn,
Wei├čt du, dass ich dich verkaufe?

Meine Kinder werden nicht mehr mit deiner M├Ąhne spielen,
Dich lachend dann zum Flusse bringen,
Dir voller Entz├╝cken Datteln aus den H├Ąnden geben,
Zu mir mit ausgestreckten H├Ąnden rennen
Damit ich sie auf deinen R├╝cken In den Sattel setzen kann.

Was soll ich meinen Kindern sagen,
Meinem Weib, wenn sie nach El-Zorab fragen wird,
Alle Araber werden lachen
├ťber den armen Ben-Ardun!

Auch du, mein Weib Raira,
Wirst El-Zorab nicht mehr erblicken,
Der auf deinen Befehl in die Knie knickte,
Um dich zu lassen in den Sattel!

Mich, Ardun, deinen Ben-Ardun,
Wirst du nicht mehr tragen Stund f├╝r Stund
Von einem Ort zum anderen in Blitzes Schnelle,
So schnell wie nur der Wind es kann!

Niemand wird mehr l├Ącheln,
Wenn er mich auf deinem R├╝cke sieht,
Oder meine Ankunft sp├╝ren,
Indem er sein Ohr zum Boden f├╝hrt.

Oh du mein Pferd, mein ganzer Stolz,
Von jetzt an werde ich dich nicht mehr sehen,
Dein Spiel der Z├╝gel, deine Kraft dein Stolz,
Dein Galopp so wie ein Donner,
Wie ein Gewitter, das ├╝ber die W├╝ste tobt.

Und wessen wirst du nun jetzt sein,
Wem sollst du nun geh├Âren?
Wer wird dich vor Wind und Regen h├╝ten?
Schlagen werden sie dich mit ihren Ruten.

Hungern wirst du und sie werden dich beschimpfen,
Selbst in den Krieg wirst du mit ihnen ziehen.
Damit du nicht mit ihnen umkommst,
Werde ich dich nicht verkaufen!
Pascha gib mir mein Pferd zur├╝ck!

Was soll ich tun ? Guter Mann bist du von Sinnen?
Was f├╝r unversch├Ąmte Worte kommen denn aus deinem Munde?
H├╝te deine Zunge gut,
Sonst verf├╝ttere ich dich an meine Hunde!
Das Pferd, das ist jetzt meines!

Deines mein Herr wird er niemals sein!
Ich habe ihn aufgezogen, er ist mein,
Nur ich kann ihn b├Ąndigen,
Aus einem L├Âwen mache nur ich ein Lamm !
Auf mein Wort gehorcht er dann,

Er geh├Ârt nur mir, nur mir allein!
Allah soll daf├╝r hier mein Zeuge sein,
Mein Herr du kannst bessere Pferde haben,
Aber f├╝r mich gibt es keine anderen,
Nur diesen einen "El-Zorab"!

Oh Gott im Himmel, Allah, hier,
Dein ganzes Mitleid schicke mir,
Und richte zwischen mir und ihm!

Der Pascha gibt ein Zeichen geschwind:
Reisst ihm die Kleider vom Leib und peitscht ihn aus!
Die Diener kommen aus den Zelten raus,
Um ihn zu strafen, wie ein Kind.
Des Arabers Augen sind vor Leid erstarrt ...

Aus seiner Tasche zieht er dann einen Dolch hervor,
Ein Meer aus Blut, eine wahre Quelle
Str├Âmt aus des Pferdes Halses blitzesschnelle
Und erf├╝llt den ganzen Ort.

Des Paschas Augen sind erloschen,
Die Diener ziehen sich vor Schreck zur├╝ck.
Der Araber auf dem Boden kniend,
K├╝sst er dann das warme Blut.
Dann steht er auf, er wirft die Klinge fort,
Und voller Reue sagt er dann sein letztes Wort.

Meine Kinder werden Rache ├╝ben!
Und wie es vorhin kam aus deinem eigenen Munde,
Verf├╝ttere mich nun an deine Hunde!

EL-ZORAB von George Cosbuc (1866 - 1918)
├ťbersetzung aus dem Rum├Ąnischen.

9. Juni 2010

Quellen

El-Zorab. George Cosbuc. Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=A4HHiY9pkj0

George Cosbuc. El-Zorab. Poezii, Romanian Voice
http://www.romanianvoice.com/poezii/poezii/elzorab.php

Ich-will- Opfer-sein-Syndrom, um jeden Preis! Von Daniel Katz,
Politically Incorrect, 9. Juni 2010
http://tinyurl.com/39db3zb

Kommentar # 21 Denker:
Ehrlich gesagt: ich versteh´ den Text dieser Gedicht-├ťbersetzung nicht so richtig -
1. er verkauft sein Pferd f├╝r viel Geld;
2. will dann aber sein Pferd zur├╝ckhaben - nat├╝rlich OHNE das Geld zur├╝ckzugeben;
3. weil er sein Pferd nicht zur├╝ckbekommt, bringt er es lieber um, weil er es liebt. Das Geld beh├Ąlt er trotzdem.

Kommentar # 23 Lucky_Bastard:
@denker
und stellt die anderen als schuldige dar, an denen sich die kinder r├Ąchen werden

Zum Gedicht siehe auch die Kommentare # 42, 44

asp= persisch Pferd; sur = persisch Pferd von dunkelgrauer Farbe mit wei├čen Streifen von M├Ąhne bis Schwanz (wie man glaubt, ungl├╝ckbringend). Ich bin nicht sicher, ob der Name El-Zorab daher kommt.

Heinrich F. Junker, Bozorg Alavi: Persisch-deutsches W├Ârterbuch,
M├╝nchen 1968, S. 25 und 437
http://tinyurl.com/35g396q

Bab el-Mandeb, the encyclopedia of earth
http://www.eoearth.org/article/Bab_el-Mandeb

Zechine. Numispedia.de
http://www.numispedia.de/Zechine


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2010-06-09_08-48-49.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 30.03.2017, 06:37 Uhr