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Der ultimative Krimi. Nach einer Idee von Wolfgang Röhl

Die Kriminalr√§tin Berte Bock erbleicht: "Die Ermittlungen f√ľhren in h√∂chste Kreise." (Trailer). Sie mustert ihr starkes Team der Kriminalober-, Haupt- und Kommissare. Es gibt Arbeit, ´ne Tote im Moor, im Nachbardorf.

Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter erbleicht: Ist die Tote etwa meine Cousine Consobrina, sie wohnt dort? Er schnappt sich sein Schulterhalfter und schafft´s eben noch ins Polizeiauto, das mit Lal√ľ und Lala ins Dorf abrollt. Sie kommen am Haus der Familie des Opfers an, und Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter hat Gewi√üheit. Ich werde alles tun, ihren M√∂rder zu finden, verspricht er bebender Stimme seiner untr√∂stlichen Tante, die ihn ger√ľhrt in die Arme schlie√üt: Br´er Rabbit, nur du kannst uns helfen!

Der rei√üt sich aufgew√ľhlt los. Das Team verl√§√üt die Tante und nimmt sich Henri Boucher, den Fleischer des Ortes vor, der, wie die Tante berichtet hat, schon seit langem der Cousine gewogen ist und ihr bei jedem Einkauf ´ne Trille Wurst schenkt, aber dennoch von ihr verschm√§ht wird, da sie als bekannte Splash Mountain Bikerin mit Nachkommen der Hugenotten nichts zu tun haben will: "Wo waren Sie gestern zwischen 19 und 20 Uhr?"

Das ist wohl die Tatzeit? pre√üt gerunzelter Stirn der Fleischer heraus. Warum fragen Sie mich? "Nichts Besonderes, reine Routinefragen," geben sich die Ermittler betont locker. Da war ich im B√ľro, hinter dem Laden, und habe die Tagesabrechnung gemacht. Die Ermittler treten aus dem Laden, der sich inzwischen mit neugierigen D√∂rflern gef√ľllt hat. Es bilden sich Gruppen f√ľr und gegen den Fleischer. Oma Apfel, die sich kurz von ihrem Streichel-Computer entfernt hatte, verdr√ľckt sich ungesehen (wie sie meint), weil sie nichts mit dem Mord zu tun haben will. Wiederholt sich denn alles als Schmierenkom√∂die? seufzt sie und denkt an ihren Urlaub l√§ngst vergangener Tage im Wirtshaus von Dartmoor.

Sie gr√ľbelt √ľber ihren Enkel, den sie aufzog, weil seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren, und den es aus dem Dorf trieb, weil er die ewigen H√§nseleien in der Dorfsch√§nke nicht mehr ertrug. Er war der Jugendfreund der Consobrina, bis sie ihn des Sohnes des Dorfarztes wegen br√ľsk von sich stie√ü, was ihn seinerzeit ein: Warte nur, du Biest! zwischen den Z√§hnen hervorquetschen lie√ü. Sollte er etwa ...

Inzwischen hat er Finanzwissenschaften studiert, irgendwas mit Aktien und Geld, sogar seinen Doktor gebaut und es in einer Gro√üstadt zwischen M√ľnchen, K√∂ln und Wismar vom Vorstandsassistenten zum Vorstandsvorsitzenden der Tochter des Konzerns Financialgiant gebracht, was die Dorfbewohner nicht wissen sollen, weil Oma Apfel sich nicht mit Neid und Neugier der Dorfbewohner auseinandersetzen will und deshalb schweigt, als w√§re sie schon gestorben. Der Enkel Heinz-Hermann Apfel, im Freundeskreis der Gro√üstadt kurz HaHaAh genannt, sieht keine Veranlassung, sich jemals wieder in das Dorf zu begeben, Oma hin&her. Ich schreib´ dir mal, hat er ausgerufen, als er sich damals, lang´ ist´s her, auf sein Moped schwang und im Fr√ľhnebel auf der Landstra√üe verschwand. In Omas Hinterhof kr√§hte gerade der Hahn, was die abergl√§ubische Oma sich bekreuzigen lie√ü.

Sollte er etwa ...

Warum schleicht sich die Oma fort? Kriminalr√§tin Berte Bock, der nichts entgeht, winkt ihrem Team: Kommt! Sie lassen die D√∂rfler bei Fleisch und Wurst zur√ľck und folgen Oma Apfel, die sich nur m√ľhsam, auf ihren Stock gest√ľtzt, fortbewegt. Da, st√∂√üt Kriminalkommissar Pit Bossy einen unterdr√ľckten Schrei aus, sie betritt ihr Haus. Mit einer Handbewegung hei√üt er die anderen, sich hinter dem Geb√ľsch zu verstecken. Wie die Hasen stehen sie halb geb√ľckt und mucksm√§uschenstill. Sie warten und lauern, sie wittern.

Jetzt ist die Oma im Haus. Kaum setzt sie die Einkaufstasche mit Wurstebrei und Braunschweiger ab, da klingelt´s. Da sie erst einmal verschnaufen mu√ü, schafft sie es nicht gleich zur T√ľr. √Ėffnen! schallt´s von au√üen, wird´s bald?!

Eingesch√ľchtert kommt Oma Apfel dem Befehl nach. Die Kriminalr√§tin und ihre Kriminalober-, Haupt- und Kommissare dr√ľcken die T√ľr weit auf. Ist es des Jungen, ist es Heinz-Hermanns wegen? Oma schickt einen verzweifelten Blick gen Himmel und gedenkt jenes nebelverhangenen Morgens und der drei Briefe, die sie bis heute von ihrem Enkel erhalten hat.

Nach einigen geschickten Fragen kennt die Kriminalr√§tin die Geschichte des Enkels und seiner Drohung. Aber warum sollte er erst jetzt ... fragt Br´er Rabbit Vetter zweifelnd, es ist doch schon so lange her. Derweil versteckt sich Oma Apfel hinter ihrem Streichel-Computer und will nichts mehr h√∂ren und sehen. Das Team st√ľrmt los, mit Lal√ľ und Lala geht´s in die Gro√üstadt, Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler schwenkt die von Oma mit zittriger Hand notierte Adresse als Fahne voran.

Mit quietschenden Reifen h√§lt das Polizeiauto am Haupteingang der Financialgiant. Am Empfang vorbei geht´s die Treppe des lichtdurchfluteten modernen Neubaus hinauf. Aber..., haucht die Empfangsdame, Generaldirektor Apfel ist nicht im Haus. Die Kriminalober-, Haupt- und Kommissare grinsen. Sie kennen den Tagesablauf von Tochtergesellschaften der Financialgiant, hatten sie nicht erst vor drei Monaten bei einer anderen Tochter zu ermitteln? Da ging es ebenfalls um Mord, er war als Selbstt√∂tung getarnt, aber Kriminalr√§tin Berte Bock hatte dank guter Zusammenarbeit mit den Fahndern der Finanzabteilung des Kommissariats den Fall in Nullkommanichtssimsim gel√∂st.

Nun kann sie auch die Chefsekret√§rin Frau Sandra Solid nicht aufhalten, sie ist eh gerade in ein Telefongespr√§ch mit ihrer st√∂rrischen Tochter Anja verwickelt. Alleinerziehend hat sie andere Sorgen, als sich einem Haufen wildgewordener Gesetzesh√ľter entgegenzuwerfen. Bitte, fl√∂tet sie zuvorkommend, als wenn es an ihr l√§ge, wenn hier dem Recht Bahn gebrochen w√ľrde.

HaHaAh schreckt hinter seinem ausladenden Teakholzschreibtisch hoch. Sie w√ľnschen? Wie kommen Sie hier herein? Die Chefsekret√§rin verkr√ľmelt sich schleunigst und versucht, das Telefonat mit ihrer Tochter fortzusetzen. Die hat l√§ngst aufgelegt und macht weiter mit ihren Dummheiten.

Es geht um Consobrina Vetter! - Ja, was ist mit ihr? - Ach, das wissen Sie nicht? Die Kriminalrätin kann sich einen ironischen Ton nicht verkneifen. - ??? - Sie ist gestern im Moor tot aufgefunden worden. HaHaAh kann es nicht glauben: Consobrina (diese durchgeknallte Zicke Conso, denkt er)? Was tat sie denn im Moor? - Das herauszufinden, Herr Dr. Apfel, sind wir hier. - Und wie kann ich ihnen dabei helfen? Er blickt sie fragend an. Ich habe Conso, das heißt, Consobrina, seit langem nicht mehr gesehen. - Sehen Sie, und das glauben wir Ihnen nicht, oder warum nennen Sie sie noch heute bei ihrem Kosenamen, den nur Sie gebraucht haben, alle anderen nannten sie immer Sobri, wie wir von ihrer Tante wissen.

Wo waren Sie gestern zwischen 19 und 20 Uhr? - Frau Solid! - Ja, bitte, Herr Dr. Apfel? - Frau Solid, wo war ich gestern zwischen 19 und 20 Uhr? Die Chefsekretärin schaut ihm tief in seine wasserblauen Augen: Hier waren Sie, wir haben die Bilanzen zum Monatsende erstellt. - Also!

Ob der Verd√§chtigung schaut HaHaAh langsam und eindringlich einen nach dem anderen der Kriminalober-, Haupt- und Kommissare an, dann wendet er sich an Kriminalr√§tin Berte Bock, seine Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen: Was wollen sie von mir? - "Reden Sie, verdammt noch mal, es geht hier um Mord!" - Und ich bitte Sie jetzt h√∂flichst, mein B√ľro zu verlassen, ich werde meinen Anwalt einschalten, und es wird f√ľr Sie Konsequenzen nach sich ziehen, Sie werden demn√§chst wieder Streife gehen. Ihre Anschuldigungen lasse ich nicht auf mir sitzen, wissen Sie √ľberhaupt, wen Sie vor sich haben?

Wie Sie wollen. "Sie machen es nur noch schlimmer," und auf die Beleidigung kommen wir noch zur√ľck. Die Kriminalober-, Haupt- und Kommissare schauen einander fragend an und dann ebenso fragend auf die Kriminalr√§tin. Die meint mit einer Handbewegung leise zu ihrem Team: "Lassen wir ihn laufen. Wir haben nichts gegen ihn in der Hand."

Jetzt schaltet er den Anwalt ein, und das kann ich euch fl√ľstern: "Sein Anwalt macht Hackfleisch aus uns." Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler str√§uben sich bei dem Gedanken seine restlichen Haare, hat er doch bereits einmal eine Abmahnung in seine Personalakte erhalten, weil er einen Verd√§chtigen in Anwesenheit von dessen Anwalt beleidigt haben sollte - sollte!

Wir kommen wieder, rufen die Ermittler drohend, was HaHaAh ein m√ľdes L√§cheln entlockt. Inzwischen haben die im Kommissariat zur√ľckgelassenen Teammitglieder Kriminalhauptkommissar Robby Rollstuhl und Kriminalkommissar Karl Kr√ľcke so einiges √ľber die Machenschaften des Dr. Heinz-Hermann Apfel und der Financialgiant herausgefunden. Consobrina Vetter ist darin verwickelt gewesen, die arme Frau wu√üte wohl zuviel und wollte auspacken. Jetzt haben wir genug Material in der Hand, der wird uns kennenlernen, st√∂√üt die Kriminalr√§tin nach einigen Tagen weiterer fieberhafter Recherche aus.

Inzwischen ist HaHaAh nicht unt√§tig geblieben. Er verwischt Spuren, r√§umt seine Konten und seinen Schreibtisch leer, er macht sich fertig zum Absprung. Zwei Flugscheine f√ľr sich und seine Geliebte Mona Loren hat er in einem Reiseb√ľro der Gro√üstadt gekauft und bar bezahlt: Ab, nach Brasilien, das Land hat mit Deutschland keinen Auslieferungsvertrag. Er verl√§√üt das Geb√§ude, Mona wartet in einem alten blauen Citro√ęn auf dem Angestelltenparkplatz, hinterm Haus. Hoffentlich springt der Oldie diesmal an, und HaHaAh mu√ü nicht wieder schieben.

Mit hochgeschlagenem Mantelkragen steigt Dr. Heinz-Hermann Apfel die Treppe herab und begibt sich in die Empfangshalle; er will sich unauff√§llig fortstehlen. "Sie haben keine Chance. Das Geb√§ude ist umstellt," ert√∂nt es da aus der Polizeifl√ľstert√ľte: Achtung, Achtung! Zielperson zieht einen Browning M.1900. "Waffe weg!" erklingt der Schrei der Ermittler wie aus einem Mund. Da setzt sich HaHaAh den Browning M.1900 an die Schl√§fe. "Selbstmord ist auch keine L√∂sung," also, reden Sie jetzt, insistiert die Kriminalr√§tin, wir wollen Ihnen doch nur helfen, aber "wir k√∂nnen Sie auch aufs Pr√§sidium mitnehmen ..." Der Verd√§chtige wei√ü, da√ü er da sowieso abgeliefert wird und schweigt sich aus. Dann will er seinen Anwalt anrufen. Bitte! genehmigt es ihm die Kriminalr√§tin, Sie haben ein Recht darauf.

Mona l√§√üt den Citro√ęn an und f√§hrt, als HaHaAh nicht kommt, entt√§uscht nach Hause. Hat er sie sitzenlassen, fliegt er allein nach Rio? Sie hat von dem Drama nichts mitbekommen, was sich f√ľr sie als Gl√ľck herausstellen wird.

Im Kommissariat angekommen, geht´s sofort zur Sache. Was ist mit Consobrina Vetter? "Geben Sie zu, Sie haben das Opfer gehasst." Je, nun, also, da√ü ich sie nicht leiden konnte, weil ich ihretwegen damals in der Dorfsch√§nke gefrozzelt wurde, nun, also, je, "aber deswegen bringe ich doch keinen Menschen um." Dr. Heinz-Hermann Apfel blickt flackernden Auges um sich. "Wovor haben Sie Angst?" Da weiten sich seine Pupillen und verengen sich ebenso schnell wieder, er wirkt, als blickte er in einen tiefen Abgrund. Dann stammelt er: "Aber ich war¬īs nicht! Sie m√ľssen mir glauben!"

Sie sind hinter mir her. - Wer? - Die M√§nner! Welche M√§nner? fragt Kriminalr√§tin Berte Bock. Kommt jetzt eine fantastische Geschichte, in der Sie das arme, arme Opfer darstellen? Dr. Heinz-Hermann Apfel sch√ľttelt resigniert den Kopf. Er will jetzt nur noch reinen Tisch machen, und stockend, immer wieder befallen von Zittern und Schwei√üausbr√ľchen, erz√§hlt er, wie er durch Spielschulden in Schwierigkeiten gekommen ist. Meine Bosse in den USA haben das herausbekommen und mich gezwungen, den Asylbewerbern am Waldesrand, in ihrem Heim, das Leben zur H√∂lle zu machen, sie st√§ndig zu schikanieren. Daf√ľr haben sie meine Spielschulden beglichen. Ich habe den Auftrag durch Handwerker unserer Firma ausf√ľhren lassen, sie haben st√§ndig Reparaturen an der elektrischen und an der Wasserleitung durchgef√ľhrt, vorm Heim Gr√§ben ausgehoben und Teile des Daches abgedeckt, so da√ü die dort gelagerten Habseligkeiten der Asylanten na√ü wurden. Dann, eines fr√ľhen Morgens, brannte das Heim ab, es war an mehreren Stellen Feuer gelegt worden. Ich kam bei den Asylanten sofort unter Verdacht, und die M√§nner drohten mir durch anonyme Anrufe und durch Briefe, in einem wurde mir eine Patrone geschickt.

Warum haben Sie nicht die Polizei eingeschaltet? Sind die Briefe noch in Ihrem Besitz? - Ich habe die Briefe vernichtet. Die Polizei konnte ich nicht einschalten, es wäre doch herausgekommen, daß mich die Bosse aus den USA zu den Schikanen veranlaßt haben. Es wäre das Ende meiner Karriere gewesen.

Ja, aber was war denn so interessant an dem Asylantenheim? fragt interessiert die Kriminalr√§tin. Das Grundst√ľck sowie einige der umliegenden Grundst√ľcke sind bereits im Besitz der Financialgiant, das erstklassig gelegene Gel√§nde soll anderweitig genutzt werden. Die Asylanten sind Gefolgsleute des Kriegsverbrechers Ratko Mladic, es entwickelte sich in dem Heim eine nationalistisch-serbische Szene, sie nannte sich R√§cher des Amselfeldes. Da horchen die Ermittler auf: Die Schl√§chter der bedauernswerten muslimischen Kosovaren hatten dort ihre Hochburg? "K√∂nnte die Initiative ¬īB√ľrgermut gegen rechts¬ī hinter dem Brandanschlag stecken?"

Dr. Heinz-Hermann Apfel starrt die Kriminalr√§tin fragend an: Wer soll denn das sein? Ach, seufzt sie vor sich hin, da zahlt nun die Bundesregierung den Kampf gegen rechts, und keiner merkt´s, au√üerdem, des Morgens in der Fr√ľh´, unwahrscheinlich. "Ich tippe eher auf die Investoren des geplanten Freizeitparks. Das Asylbewerberheim stand ihren Pl√§nen im Wege," wirft der Verd√§chtige ein, ohne zu merken, da√ü er sich soeben massivst belastet. Aber das ist doch die Financialgiant, das sind doch Sie!

Chefsekret√§rin Frau Sandra Solid ist derweil von Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler verh√∂rt und auf die Pflicht aufmerksam gemacht worden, die Wahrheit zu sagen: Oder wollen Sie einen Meineid schw√∂ren und f√ľr Ihren Chef ins Gef√§ngnis wandern? Nachdem sie anfangs dabei bleibt, da√ü sie zur Tatzeit gemeinsam mit ihrem Chef an den Bilanzen gesessen hat, kommt in ihr nun doch die Eifersucht hoch. Wie war das nochmal mit Mona Loren?

"Es sieht nicht gut aus f√ľr Sie. Ihr Alibi wackelt. Wollen Sie nicht endlich gestehen?" fragt Berte Bock den Dr. Heinz-Hermann Apfel mit der sanftesten Stimme, in der ein wenig Mitleid mitschwingt. M√∂chten Sie einen Kaffee? - Gern! - Die Kriminalr√§tin wendet sich ab, HaHaAh springt auf, entrei√üt ihr die Waffe, dem eintretenden Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter versetzt er mit deren Knauf einen Schlag auf den Kopf, springt zur T√ľr, und weg ist er.

Der Kriminaloberkommissar, der anfangs an der Schuld des Dr. Heinz-Hermann Apfel zweifelte, kriegt nun die bissigen Bemerkungen seiner Kollegen voll ab: Du mit deinem Hang zu den Dörflern, du warst befangen. Die Großfahndung nach Dr. Heinz-Hermann Apfel wird eingeleitet. Er ist der Mörder von Consobrina Vetter, er muß es sein!

Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter mag seiner Tante nicht mehr unter die Augen treten. Sie hatte alle Hoffnung in ihn gesetzt, da√ü er den M√∂rder von Sobri dingfest macht. Nun ist der auf&davon.

Im Unternehmen ist inzwischen Diplomvolkswirt Geert Risk, der Stellvertreter des Dr. Heinz-Hermann Apfel, eingetroffen. Er war zur Tatzeit auf R√ľgen im Urlaub, und jetzt macht er sich daran, Ordnung im B√ľro zu schaffen. Er findet die Chefsekret√§rin Sandra Solid in Tr√§nen aufgel√∂st und nimmt sie sanft in seine Arme. Sandra Solid kann sich kaum beruhigen: Ich h√§tte beinahe einem M√∂rder ein Alibi gegeben! - Wer h√§tte denn auch so etwas angenommen, beschwichtigt sie der Stellvertreter. Da klingelt das Telefon: "Eine Million in kleinen, nicht fortlaufend numerierten Scheinen."

Wer sind Sie? - Antwort am anderen Ende der Leitung. - Was wollen sie? Er erbleicht und fl√ľstert Sandra Solid die Forderung des Anrufers zu. Die will sofort 110 anrufen, aber da bestimmt der Erpresser bereits die Modalit√§ten der Geld√ľbergabe: "Und kommen Sie allein! Keine Polizei!" Nein, kreischt Geert Risk auf, lassen Sie das, Sandra! Die aber √ľberzeugt den Stellvertreter nach einigem Hin&Her, die Kriminalr√§tin Berte Bock anzurufen. Was meinen Sie, wer der Erpresser ist? fragt diese. Na, Dr. Heinz-Hermann Apfel, platzt Sandra Solid heraus.

"Die L√∂sung ist mir irgendwie zu einfach," gr√ľbelt die Kriminalr√§tin. Sie trommelt ihr Team zusammen und schildert die neue Sachlage. Wir bekommen Probleme, bemerkt finster Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter. Der Mord an Consobrina Vetter ist nicht aufgekl√§rt, der mutma√üliche M√∂rder uns entwischt, und jetzt haben wir auch noch einen Erpresser am Halse. Da geht die T√ľr des Besprechungszimmers auf: "Wir sind vom LKA und √ľbernehmen den Fall," erkl√§rt einer der beiden eintretenden M√§nner lapidar. "Sie werden hier gar nichts √ľbernehmen. Das ist unser Fall, kapiert?" baut sich Berte Bock vor ihrem Team auf, die H√§nde in den H√ľften.

Wieso kann ein Erpresser von Diplomvolkswirt Geert Risk eine Million fordern, was k√∂nnte er gegen ihn in der Hand haben? Diese naheliegende Frage stellt, als die beiden LKA-Beamten mit der Drohung: Wir kommen morgen wieder! den Raum verlassen haben, ausgerechnet das j√ľngste Teammitglied, Kriminalkommissar Pit Bossy. Eine fieberhafte Arbeit beginnt. Wer ist Geert Risk? Woher stammt er? Was ist mit seinem Aufenthalt auf R√ľgen? Wie war sein Verh√§ltnis zu Dr. Heinz-Hermann Apfel? Kannte er gar Consobrina Vetter?

Kriminalhauptkommissar Robby Rollstuhl und Kriminalkommissar Karl Kr√ľcke finden heraus, da√ü Consobrina Vetter und Geert Risk sich aus Studienzeiten kennen m√ľ√üten. Der Pathologe tritt ein mit dem Obduktionsbefund. Kriminalr√§tin Berte Bock liest und staunt: Ach, nee! Die Tote war im dritten Monat schwanger. Die Tante wird telefonisch befragt. Ja, erkl√§rt sie, Sobri war bei mir, um ihr Herz auszusch√ľtten und mich um Rat zu fragen eines Mannes wegen, sie hat aber nicht gesagt, wer er ist, und worum es im einzelnen geht. Ich fahre nach R√ľgen, ich will wissen, ob er mich wirklich liebt. Nach R√ľgen? Sind Sie sicher? Die Kriminalr√§tin sieht ein Mosaik sich allm√§hlich zusammensetzen.

Geert Risk wird zum Verh√∂r abgeholt. Ein Polizist dr√ľckt ihn, die Hand auf seinem Kopf, ins Auto. Erst behauptet er, Consobrina Vetter nicht zu kennen, dann erinnert er sich doch. Und wie war das mit R√ľgen? - Von dort bin ich mit meiner Familie nach Hause gefahren. Die Ehefrau wird verh√∂rt und berichtet unter Tr√§nen, da√ü ihr Mann zwei Tage vor Urlaubsende ins Unternehmen zur√ľckkehren mu√üte, und sie mit den Kindern auf R√ľgen geblieben sei. Da kann Geert Risk nicht mehr an sich halten. Die Wut bricht aus ihm heraus: Sie wollte mich ruinieren, meine Familie zerst√∂ren, meiner Frau alles sagen. Sie hat sich eingebildet, da√ü ich mich scheiden lasse, wovon nie die Rede war. Ich w√ľrde doch bei einer Scheidung ohne einen Cent dastehen, alles geh√∂rt meiner Frau, und wir haben im Ehevertrag G√ľtertrennung vereinbart.

Ich wu√üte, da√ü sie bei ihrer Tante ist, ich habe sie dort angerufen und ihr gesagt, ich k√§me zu Besuch ins Dorf, w√ľrde mit ihr alles besprechen, die Scheidung h√§tte ich eingereicht, sie solle mich am Dorfeingang erwarten, es m√ľsse mich niemand sehen. Dann bin ich mit ihr ins Moor, einen kleinen Spaziergang machen, wobei es zu Auseinandersetzungen gekommen ist. Ich wollte es nicht, ich wollte sie nicht umbringen, das m√ľssen Sie mir glauben! - Dar√ľber hat der Richter zu befinden. Abf√ľhren!

Der Erpresser wird einer aus dem Dorf sein, der ihn gesehen und herausgefunden hat, wer der Mann ist, meint Kriminalkommissar Pit Bossy. Sollen wir dem noch nachgehen? Er erh√§lt keine Antwort und fragt so nebenbei: Was ist jetzt mit Dr. Heinz-Hermann Apfel? Die Kriminalr√§tin wundert sich: Was soll mit ihm sein? Er wird noch von uns h√∂ren, der Schlag mit dem Kolben meiner Waffe auf den Kopf von Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter wird ein Nachspiel haben. Aber was ist mit dem Asylantenheim? setzt Kriminalkommissar Pit Bossy nach. Wo kein Kl√§ger ist, ist kein Richter, Menschen sind doch nicht wirklich zu Schaden gekommen.

Derweil hat HaHaAh vernommen, da√ü der M√∂rder seiner Jugendfreundin Conso gefa√üt ist. Er ruft seine Geliebte an, die schon gef√ľrchtet hat, er sei ohne sie nach Rio abgehauen: "Lass uns irgendwo hingehen, wo uns keiner kennt, und neu anfangen." - Und was ist mit Rio? - Ja, das war f√ľr den Fall, ich komme aus der Mordsache Conso und der Sache mit dem brennenden Asylantenheim nicht heraus. Mit meinen Ersparnissen kommen wir nicht weit, wir m√ľssen schon noch arbeiten. Mona Loren hat sich das aber nicht so vorgestellt und schmollt.

Ich wei√ü nicht, ich wei√ü nicht, meint Kriminalkommissar Pit Bossy. Das ist keine Gerechtigkeit, non est iustitia. Dr. Heinz-Hermann Apfel kommt einfach davon? "Er war nur ein armes W√ľrstchen. An die Hinterm√§nner kommen wir nicht ran," belehrt ihn Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler, "komm, ich geb¬ī ne Currywurst aus."

Moral: So ist das, und daf√ľr gibt´s ´n Bonustrack:

"Wissen Sie, wie viel Schei√üe einer gefressen haben muss, bevor er kriminell wird?" (Sozialarbeiter zu Kapit√§n Ehlers von der "Albatross", aus der ZDF-Vorabendserie "K√ľstenwache"). Pa√üt doch, oder?

Regie: Das wirklich wahre Krimi-Leben in ARD und ZDF
Buch: Gudrun Eussner, nach einer Idee von Wolfgang Röhl (1)
Kamera: Team Darkroom
Musik: Anton Karas (2)

Darsteller: Casting läuft, Bewerbungen erbeten an ARD und/oder ZDF

Kriminalrätin Berte Bock
Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter
Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler
Kriminalkommissar Pit Bossy
Kriminalhauptkommissar Robby Rollstuhl
Kriminalkommissar Karl Kr√ľcke
Zwei Beamte vom LKA
Pathologe

Heinz-Hermann Apfel
Consobrina Vetters Tante
Oma Apfel
Chefsekretärin Sandra Solid
Diplomvolkswirt Geert Risk
Mona Loren
Empfangsdame

28. August 2010

(1) Sätze, die in keinem deutschen Fernsehkrimi fehlen (sollten).
Von Wolfgang Röhl, Achse des Guten, 28. August 2010
http://tinyurl.com/2u6ggjt

(2) Anton Karas - Der dritte Mann - live - 1982. Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=lZZHq2JSnnE

SOKO Rhein-Main. Gebt mir meinen Pißpott wieder! 20. August 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-08-20_18-36-53.html

Krimi in meinem Archiv
http://tinyurl.com/3x6j9a7


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2010-08-28_13-49-16.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 23.02.2017, 18:23 Uhr