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USA. Zwischenwahlen: Frankreich sieht, was es sehen will

Guy Milli├Ęre ist ein Kenner der USA. Er ist von einer Vortragsreise zu Organisationen in S├╝dkalifornien zur├╝ckgekehrt. Zum Thema "Pourquoi l´Europe est morte, et ce que cela signifie pour l´Am├ęrique et pour le monde". Warum Europa tot ist, und was das f├╝r Amerika und die Welt bedeutet, referiert er bei Act! for America, das gegen die Infiltration des radikalen Islam in die USA k├Ąmpft, im David Horowitz´ Freedom Center zur Verteidigung der Meinungsfreiheit, der amerikanischen Werte und des Staates Israel, bei mehreren Gruppen der Tea Party S├╝dkaliforniens und im Lincoln Club des Orange County. (1)

Besonders interessiert den Autor, wie die Stimmung unter den Amerikanern jetzt ist, vor den Zwischenwahlen. Er fa├čt zusammen:

Ein gro├čer Teil der Amerikaner ist w├╝tend und versp├╝rt ein tiefes Gef├╝hl der Emp├Ârung und der Gefahr. Dazu geh├Ârten Konservative, aber auch Demokraten und andere, die Barack Obama zum Pr├Ąsidenten gew├Ąhlt haben.

Diejenigen, die f├╝r Barack Obama gestimmt haben, geh├Ârten zu den aktivsten Gegnern, weil sie ganz offensichtlich das Gef├╝hl h├Ątten, betrogen worden zu sein. Sie belie├čen es nicht dabei zu versprechen, da├č sie nicht mehr reinfallen, sondern sie verpflichteten sich, andere vor einem neuen Reinfall zu bewahren. Nirgendwo, ob in L├Ąden, Caf├ęs oder Restaurants, h├Âre man ein einziges positives Wort ├╝ber Barack Obama. Die MSM, die Barack Obama einst am meisten zugetan gewesen seien, verhehlten heute nicht die Stimmung im Land.

Kein Wunder, kann man dazu nur bemerken, sind sie doch von Rahm Emanuel genug gequ├Ąlt worden in den letzten zwei Jahren. Nur einzelne J├╝nger, wie Bill Maher, sind aus ihrem Taumel noch nicht so richtig zu sich gekommen; er macht den Rassismus in den USA verantwortlich f├╝r die schlechten Umfragewerte. (2)

Barack Obama habe es geschafft, schreibt Guy Milli├Ęre, da├č sich die Linke und die Mitte der Demokraten von ihm abwendeten, ebenso wie die Unabh├Ąngigen, und da├č er von den Konservativen nur Feindschaft zu sp├╝ren bek├Ąme. Derweil h├Ątten seine wichtigsten Berater ihn verlassen - wie die Ratten das sinkende Schiff, hei├čt das zu deutsch. Nur in der franz├Âsischen Presse lese er weiterhin bedingungslose Zustimmung. Das stimmt zwar nicht in dieser Ausschlie├člichkeit, aber der Figaro geht einmal mehr voran und beteiligt sich, obgleich die Wahlen nicht in Frankreich stattfinden, am Wahlkampf f├╝r Barack Obama. Auf dem Figaro-Blog OBAMA ZOOM herrscht die ungetr├╝bte Adoration gepaart mit Beschimpfung der Republikaner. Der Blog nennt sich Observateur engag├ę, einen engagierten Beobachter, was ein Widerspruch in sich ist. (3)

Der Blog monde contemporain 2010 w├╝tet ├╝ber die Geldstr├Âme, die in den Wahlkampf fl├Âssen, vor allem f├╝r die Rechten. Der AFP-Korrespondent in Washington Emmanuel Parisse berichtet von den vielen kleinen Spendern f├╝r Barack Obama; sie g├Ąben jetzt nach und nach mehr. (4)

Hier kann man beobachten, wie selektive Wahrnehmung funktioniert. Der Bericht zeigt die Parteilichkeit f├╝r Barack Obama; das passende Foto findet man bei Getty: Ein Aufkleber zur Unterst├╝tzung von US-Pr├Ąsident Barack Obama ist am Deckel eines Laptops befestigt, w├Ąhrend ein freiwilliger Helfer daran arbeitet, in einer Au├čenstelle der Demokraten, nahe der Universit├Ąt von Virginia, in Charlottesville, Virginia, W├Ąhler f├╝r die anstehenden Zwischenwahlen zu registrieren, 7. Oktober 2010.

Text des Aufklebers: I stand with the President. (5)

Der Korrespondent arbeitet gewi├č nicht erst seit gestern in Washington, und da├č er nicht von gestern ist, sollte man zu seinen Gunsten annehmen. Hat er noch niemals von den 800 Millionen Dollar Wahlkampfspenden geh├Ârt und gelesen, die Barack Obama vor zwei Jahren, teilweise unter ungekl├Ąrten Umst├Ąnden, eingefahren hat? So zynisch wie dieser Korrespondent kann man kaum sein. Da kassiert Barack Obama von seinen Finanziers Hunderte von Millionen Dollar, und Emmanuel Parisse macht den Lesern weis, das Geld stamme von den vielen kleinen Spendern. Im Artikel Vier Jahre eines weltweiten Alptraums kann man Einzelheiten ├╝ber den Geldsegen lesen. (6)

Es mag allerdings sein, da├č die Geldstr├Âme f├╝r Barack Obama diesmal nur sp├Ąrlich flie├čen. Gro├čfinanzier George Soros jedenfalls h├Ąlt sich zur├╝ck. Ich kann keine republikanische "Lawine" anhalten, sagt er dazu. (7)

Es geht nicht darum, den Republikanern eine Wei├če Weste zu attestieren, wie sollte das auch gehen, aus der Ferne, ohne Zugang zu Daten und Aussagen von Beteiligten. Es fehlt nur die sachliche Berichterstattung ├╝ber die eine und die andere Seite. Wer, wenn nicht die ausl├Ąndischen Korrespondenten k├Ânnte das leisten? Die Wahlen finden nicht in Frankreich statt.

Guy Milli├Ęre erw├Ąhnt die Unzufriedenheit der Amerikaner mit innen- und au├čenpolitischen Vers├Ąumnissen des Pr├Ąsidenten: Mi├člungener Versuch zur Ankurbelung der Wirtschaft, Anstieg der B├╝rokratie und der Arbeitslosigkeit, der Plan zur Gesundheitsreform, mit der niemand zufrieden sei, die f├╝r Ende Dezember 2010 vorgesehenen Steuererh├Âhungen, in deren Erwartung die Unternehmer nicht mehr einstellen. Die Armen w├╝├čten, da├č sie in ihrer Armut verbleiben m├╝ssen, wenn die Unternehmer nicht einstellen. Die Politik des Pr├Ąsidenten gegen├╝ber dem Iran werde als unverantwortlich angesehen, die gegen├╝ber Israel als die eines Mannes, der dem ├ťberleben des Staates Israel feindlich gesonnen sei. Auch die Frage, ob Barack Obama Muslim sei, verstumme nicht.

Wenn man die franz├Âsische Presse lese, finde man nur positive Texte ├╝ber die Leistungen des Pr├Ąsidenten in den verschiedenen Bereichen. Wenn Guy Milli├Ęre deutsch l├Ąse, w├Ąre er mit den Elaboraten seiner Landsleute nicht gar so allein.

Die Journalisten von heute, ob in Frankreich oder in Deutschland, beherrschen nicht die Grundlagen des Journalismus. Vorbei sind die Zeiten des Hanns-Joachim Friedrichs: "Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache." Im Gegenteil, sie halten es sich zugute, ihr Publikum zu erziehen. Der ehemalige Intendant des WDR Friedrich Nowottny sagt in einer Rede zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2010, die Korrespondenten und Reporter seien dazu da, den Zuschauern die Welt zu erkl├Ąren.

Bei diesem vergeblichen Unterfangen trifft man die deutschen und franz├Âsischen MSM an. Wer sich den Einsatz f├╝r The One, f├╝r den Messias antun m├Âchte, gebe bei Google.fr Obama mi-mandat und bei Google.de Obama Zwischenwahlen ein und sehe, wie die Internetauftritte der MSM sich positionieren. (8)

Guy Milli├Ęre jedenfalls hat auf seiner Vortragsreise dies vorgefunden: Die Erwartungen sind sehr deutlich artikuliert und befinden sich im Gegensatz zu dem, was Obama angelastet wird. Sie lauten: Schlu├č mit den Verschwendungen und den unbesonnen Ausgaben der nationalen Regierung, Aufhebung des Planes der Gesundheitsreform, Beibehaltung des aktuellen Niveaus der Steuern und Abgaben - sogar zus├Ątzliche Steuersenkungen -, aber ebenfalls ein bestimmteres Verhalten gegen├╝ber dem Iran und die R├╝ckkehr zu einer klaren Unterst├╝tzung Israels. (9)

Allen denen, die bis hierher durchgehalten haben, widme ich The Hilarious Musical Comedy by Benny Bell. Viel Vergn├╝gen! (10)

13. Oktober 2010

Quellen

(1) Act! for America
http://www.actforamerica.org/

David Horowitz´ Freedom Center
http://www.horowitzfreedomcenter.org/

"Tea Party" "South California". Google.de 1 920 Ergebnisse
http://tinyurl.com/34c7yvf

Lincoln Club of Orange County
http://lincolnclub.ning.com/

(2) Maher on Opposition to Obama: ┬┤Almost All of It┬┤ Racially Motivated.
Video. The Blaze, September 30, 2010
http://tinyurl.com/26lbfll

Bill Maher in meinem Archiv
http://tinyurl.com/286gbou

(3) The United States of Fox News. Par Jean-S├ębastien Stehli,
OBAMA ZOOM, 10 octobre 2010
http://tinyurl.com/323s9ee

(4) Élection 2 novembre 2010 enrichissement. Par Emmanuel Parisse,
monde contemporain 2010, 9 octobre 2010
http://tinyurl.com/39uedw4

(5) Photo Getty Images. October 10, 2010
http://topics.npr.org/photo/05Q6gYz9qn8di?q=World

(6) Vier Jahre eines weltweiten Alptraums. 5. November 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-11-05_13-56-43.html

Money Chooses Sides. By John Heileman, New York Magazine, April 16, 2007
http://nymag.com/news/politics/30634/

(7) I Can┬┤t Stop a Republican ┬┤Avalanche┬┤. By Sewell Chan, The Caucus.
The Politics and Government Blog of The Times, October 11, 2010
http://tinyurl.com/2539eau

(8) Obama mi-mandat. Google.fr 91 800 Ergebnisse
http://tinyurl.com/22nl8qn

Obama Zwischenwahlen. Google.de 35 500 Ergebnisse
http://tinyurl.com/2bpjft4

(9) USA : la France voit ce qu´elle veut voir (info # 011110/10).
Par Guy Milli├Ęre, Mena Press, 11 otobre 2010
http://www.menapress.org/

(10) The Hilarious Musical Comedy by Benny Bell. Volume 1/10
Audio. Judaica Sound Archives. Florida Atlantic University
http://tinyurl.com/32heulz

Comedy Albums - Judaica Sound Archives. Florida Atlantic University
http://faujsa.fau.edu/jsa/cc_albums.php?cc=comedy


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2010-10-13_15-03-18.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 20.02.2017, 15:18 Uhr