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Offener Brief an FrĂ€ulein KrĂŒger, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung

Sehr geehrtes, liebes FrĂ€ulein KrĂŒger,

Sie sprechen mir aus der Seele! Ich kann gar nicht schnell genug begeistert sein, es reißt mich aus dem Frack!

Wie bemerkt schon Hera Klitoris zu recht: panta rhei. Es dauert 2 500 Jahre, bis auch die Bundesregierung in die Strömung gerĂ€t und die durchgĂ€ngige BerĂŒcksichtigung der Gleichstellungsfrage, zu deutsch Gender Mainstreaming, nicht auf die starren Kategorien Mann/Frau, sondern auf das flexible Geschlecht ausweitet. Geschlechtervielfalt gibt´s heute, nicht mehr zwei, in denen eine Minderheit unserer Gesellschaft hin&wieder hin&herwichselt, sondern viele, viele, viele. (1)

Und alle, alle, alle arbeiten mit an der Aufhebung der IdentitĂ€ten, die "Frauenbewegung", wie Sie von Ihnen so schön in DummegĂ€nsebeinchen gesetzt wird, ist ĂŒberlebt zugunsten neuer gesellschaftlicher Notwendigkeiten, die Sie fĂŒr uns definieren. Nicht mehr nur die "Gleichstellung von Frauen und MĂ€nnern als durchgĂ€ngiges Leitprinzip", wie von der Bundesregierung am 23. Juni 1999 beschlossen, sondern die Auflösung der Geschlechterkategorien, die Auflösung tradierter Beziehungen, daran arbeiten Sie, der Prozess der Implementierung ist in der BpB noch in vollem Gange. Die Mitglieder der Interministeriellen Arbeitsgruppe auf Bundesebene wissen inzwischen nicht mehr, ob sie MĂ€nnlein oder Weiblein sind, und das ist auch gut so. (2)

Nicht die Familie, sondern Eremiten sind des Schutzes unseres Grundgesetzes wĂŒrdig, und ich erwarte mit Spannung eine entsprechende Petition an den Bundestag: "Der Eremit ist die natĂŒrliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat." So könnte der revidierte Artikel 6 GG lauten. (3)

Es ist schon lange nicht mehr damit getan, daß MĂ€nner und Frauen gleiche Chancen haben, gleichen Zugang zu Bildung und Beruf, sondern sie haben als menschliche Wesen aller Art akzeptiert zu werden; frau fragt nicht, auf welche Toilette sie gehen. Ebenso, und daran sollten Sie umgehend zu arbeiten anfangen, verehrtes FrĂ€ulein KrĂŒger, steht das Mainstreaming menschenĂ€hnlicher Tiere an, die Homologisierung des Orang Utans und von sexuell attraktiven Ziegen und Eseln - oder besser gleich von allem, was grundsĂ€tzliche Übereinstimmung auf Grund eines gemeinsamen evolutionĂ€ren Ursprungs hat. Auch die Barbie-Puppe und ihre muslimische WidergĂ€ngerin Fulla gehören aufgenommen und unter den Schutz des GG gestellt.

In diesem Bestreben sollten Sie mit Muslimen zusammenarbeiten, die schon seit achtzig Jahren an der Aufweichung der starren Geschlechterordnung arbeiten, wie Ramona ZĂŒndloch erfahren durfte: (4)

Und dieser Perser wurdÂŽ stets perverser,
bis eines Tages ihr nicht wurde ganz und gar
klar,
ob sie ein Weibchen oder MĂ€nn-e-chen war.

Wenn das meine geliebten Fummeltanten aus dem warmen LĂŒtzower LĂ€mpchen noch hĂ€tten erleben dĂŒrfen, daß Sie das "flexible Geschlecht" propagieren, lieber Herr KrĂŒger! Und in der Ecke, ganz privat, sitzt eine Dame vom Senat. Das ist Herr Meier, heut´ mit Rock, aus dem Rrrathaus im 17. Stock! (5)

Der Herr Meier hĂ€tte heute kein Privatleben mehr nötig, er kĂ€me direkt in Ihren dritten Kongreß mit seinem GlĂŒck in Krisenzeiten. Und da trĂ€fe er auch die bekopftuchten Musliminnen, die Modelle aus Ihrer vergriffenen BroschĂŒre "Geht´s noch?" - oder wie hieß die nochmal? Die Meierin, nach den wichtigsten Koranversen zum Thema Kleidung und Benehmen aufgetakelt, setzte sich neben die tĂŒrkische Hausfrau, gĂ€be ihr ein dickes Bussi auf ihren anatolischen Busen und begĂ€nne mit der Beratung, wie die ganze Familie Hartz IV beziehen kann. (6)

Frauen und Sklaven mĂŒssen nicht nur im Machtbereich der Hamas, sondern in unsere Gesellschaft strukturell eingeschlossen und gewĂŒrdigt werden. Auch in diesem Bereich ist der Islam Avantgarde. (7)

Ja, Verehrteste, Sie haben recht und Recht, die Kategorie Geschlecht oder Gender bezeichnet ein VerhĂ€ltnis, und warum soll eine Frau kein VerhĂ€ltnis haben? Ein BesitzverhĂ€ltnis? Sie reden ĂŒber die Unterwerfung von Frauen und die Versklavung und Ausbeutung von Arbeitskraft anderer MĂ€nner, Sie monieren, daß die MĂ€nner durch Arbeit zu Frauen degenerieren anstatt durch eigene Willensentscheidung. Das wirft uns hinter den Islam zurĂŒck, der MĂ€nner nicht durch Arbeit, sondern durch SpiritualitĂ€t und Glaubenskrieg unterwirft. Diese Feinheit mĂŒssen wir erst noch lernen.

Ich bin beeindruckt von Ihrer gendermaingestreamten Kritik beim Gang durch die Geschichte des Abendlandes: "Klasse" / "soziale Schicht", "ethnische" oder "kulturelle Herkunft". Und dann "BrĂŒderlichkeit", pfui! Zum Thema der vermeintlich "natĂŒrlichen" Ungleichheit von Menschen sind Sie und die TeilnehmerInnen des dritten Kongresses der BpB das beste Gegenbeispiel. Die Gleichstellungsfrage ist kein Nebenwiderspruch, diese verfehlte Ansicht monieren Sie zurecht bei den Genossen der DDR. Sie zitieren auch meine Lieblingsschriftstellerin Simone de Beauvoir: "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es" (1949). Herr KrĂŒger - wenn ich Sie noch einmal so nennen darf -, Simone de Beauvoir ist ohne Jean-Paul Sartre wie Aishe ohne Mohammed, das weiß schon mein Schaf (noch mĂ€nnlich!), sie ist die Frischfleischlieferantin des Jean-Paul Sartre, der Ă€hnliches ĂŒber die Juden sagt; die eine erkennt den Frauen und damit sich selbst die IdentitĂ€t ab, der andere den Juden, in dem er behauptet, die wĂ€ren das erst, wenn andere sie dazu machen. Das Cleverle lĂ€ĂŸt sich selbst dabei schön außen vor; denn wer wollte diesen Antisemiten zum Juden erklĂ€ren? (8)

Castor, immer Ă€lter und faltiger werdend und noch unsicherer als zur Zeit ihres Geliebten Nelson Algren, da hieß das dem Manne zugefĂŒhrte Kind Olga Kosakiewicz, Castor also sorgt fĂŒr Unterhaltung im Bette ihres Pollux; es hat sich sogar bis zum Spargel herumgesprochen. Es ist nicht etwa so, daß Pollux sich auf den Weg macht, seinem/seiner Castor einen jungen Mann oder ein MĂ€del zu lesbischen Spielen zu beschaffen, das wĂ€re spießig. Sie tun gut daran, dieses Beispiel an Emanzipation zu bringen. Darf ich Sie fragen, FrĂ€ulein KrĂŒger, - und nun habe ich meinen Frack wieder ĂŒbergezogen -, ob Sie das auch so geil finden wie ich und alle BeauvoirSartre-Verehrer? Mann stelle es sich vor, Mann macht mit Plaste und Elaste aus der Frau ´n Kerl, wenn´s einen danach gelĂŒstet, und ein MĂ€dchen kann durch entsprechendes Verhalten bewirken, daß es keine Frau wird. Was aber stattdessen, ´ne dumme Gans wie Simone? (9)

Oder vielleicht eine unerotische Figur des nacktgewordenen Langweilers wie die auf dem Poster Eine ehrliche Haut mit Bart und Babyspeck? (10)

Dann bleiben Sie doch lieber das aufregende FrĂ€ulein KrĂŒger mit dem "flexiblen Geschlecht", von Paul O´Montis als Moritz fehlidentifiziert und besungen - aber IdentitĂ€ten kommen bei Ihnen ja eh nicht an. (11)

Eine bescheidene Kritik hĂ€tte ich allerdings anzubringen: Sie bleiben stehen bei der Anerkennung der Geschlechterdifferenzen, BĂŒndnisse mit HeteronormativitĂ€t, Zweigeschlechtlichkeit und Kleinfamilie wollen Sie hinter sich lassen. Das kann nur ein Anfang der Durchsetzung von Gerechtigkeit sein. Ebenso die Babypause fĂŒr MĂ€nner, die Sie zur Vorbereitung auf Ihr FrĂ€uleindasein selbst genossen haben, ebenso die Ablehnung, den eigenen Körper und die eigene SexualitĂ€t zur Norm zu erklĂ€ren. Nein, nacktgewordene asexuelle Langweiler kann unsere Gesellschaft nicht gebrauchen.

FrĂ€ulein KrĂŒger, wann unterstĂŒtzen Sie Forschungsarbeiten, MĂ€nner zu GebĂ€renden werden zu lassen? Gab es nicht neulich schon eine Nachricht, daß ein Mann schwanger geworden sei? Sind Sie gar schon befaßt mit der Aufgabe? Zwar sind Sie aus dem gebĂ€rfĂ€higen Alter heraus, aber denken Sie doch an all das MutterglĂŒck, das den heutigen Jungen demnĂ€chst zuteil werden könnte. Bislang bleiben Ihre BemĂŒhungen ja nur darin stecken, daß Frauen, im traditionellen Sinne des Wortes, die mit Busen, Vagina und GebĂ€rmutter, keine Kinder mehr bekommen, was Recep Tayyip Erdogan sehr freut. (12)

Bis bald, Sie wilder böser Ossi, Sie geile Berliner Dorfschlampe, Sie duftende ThĂŒringer Bratwurst, Sie wĂŒrdiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland! Vielleicht trifft frau sich bald einmal im Darkroom, in der Niebuhrstraße?

Ihre Bewunderin
Gudrun Eussner

14. November 2010

Mutterboden und Vaterhoden

(1) mainstreaming. Deutsch--Englisch-Wörterbuch dict.cc
http://www.dict.cc/?s=mainstreaming

(2) Gender Mainstreaming. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung
http://www.bpb.de/die_bpb/GN6Z7D,0,0,Gender_Mainstreaming.ht ml

(3) Der Eremit oder JuchtenkÀfer. Erlebnisraum Natur
http://tinyurl.com/35v57mw

(4) Ramona ZĂŒndloch - Paul O´Montis. Video. YouTube
Erwin Reich / Frank GĂŒnther, 1930
http://www.youtube.com/watch?v=bAyqmF-KUm0

(5) Das Stelenfeld - kein Denkmal fĂŒr Paul OÂŽMontis.
23. MĂ€rz / 19. Dezember 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-28_19-47-50.html

(6) Was geht? Mit oder ohne. Das Heft zum Kopftuch. BpB
http://tinyurl.com/24xcldz

(7) Article 12. The Covenant of the Islamic Resistance Movement (Hamas),
August 18, 1988. MidEast Web Historical Documents
http://www.mideastweb.org/hamas.htm

(8) RĂ©flexions sur la question juive (1946). Par Jean-Paul Sartre,
Gallimard 1954, page 84
http://www.acontresens.com/livres/45.html

(9) Bianca Bienenfeld, Ă©pouse Lamblin. Textes et citations. Denis Touret
http://www.denistouret.net/textes/Lamblin.html

Biographien. Klassisches Dreieck. DER SPIEGEL 32/1993 vom 09.08.1993,
Seite 140
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9284967.html

(10) Thomas KrĂŒger: Einer fĂŒr alle. SPD
http://tinyurl.com/m7w4pp

(11) Was hast du fĂŒr GefĂŒhle, Moritz - Paul O´Montis. Video. YouTube
Fritz Löhner-Beda, Mischa Spoliansky, 17. Dezember 1927
http://www.youtube.com/watch?v=vGcr-wZ_s3M

(12) Das flexible Geschlecht: Gender, GlĂŒck und Krisenzeiten in der globalen
Ökonomie, Berlin 28.-30. Oktober 2010. Eröffnungsrede von Thomas KrĂŒger,
PrĂ€sident der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 28. Oktober 2010
http://tinyurl.com/2wshyys

Siehe auch:

Der gesamtdeutsche feuchte Traum. Die Editrix auf Deutsch,
15. November 2010
http://tinyurl.com/2fy29mq

Frau Merkel, schmeißen Sie bitte Herrn Thomas KrĂŒger raus!
Von Osi, DeutschlandWoche, 14. November 2010
http://tinyurl.com/2uvb7ry

BIFFF. Berliner Institut fĂŒr Faschismus-Forschung und
Antifaschistische Aktion e.V. Peter Kratz
http://www.bifff-berlin.de/


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2010-11-14_07-43-04.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 30.04.2017, 08:44 Uhr