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CML. Die Geburtstagsfeier f√ľr Jean Genet f√§llt aus. Teil IX

Es gibt Geburtstagsfeiern, deren Festredner im Augenblick der Feier interessanter sind als der Gefeierte. Bedauerlich also, wenn sie ihre Gl√ľckw√ľnsche nicht √ľberbringen, wie im Fall des Tahar Ben Jelloun, Prix M√©diterran√©e 1994, der am
19. November 2010 den 100. Geburtstag des Jean Genet zelebrieren sollte. Die Veranstaltung f√§llt ohne Angabe von Gr√ľnden aus. (1)

Und daf√ľr habe ich sein Buch Jean Genet, menteur sublime, durchgearbeitet, Jean Genet, erhabener L√ľgner! Alle in Klammern gesetzten Seitenzahlen beziehen sich auf das Buch. (2)

Hätte ich eher gewußt, daß es nichts wird mit dem Jubel, wäre ich am 12. oder
13. November zu einem der Vortr√§ge von Caroline Daviron gegangen. Sie hat 2007 ein Buch √ľber Jean Genet und die Frauen verfa√üt und jetzt Jean Genet, une passion m√©diterran√©enne. Jean Genet, eine Mittelmeerleidenschaft / eine Leidenschaft f√ľrs Mittelmeer. Auf ihrer Site k√ľndigt sie unver√∂ffentlichte Tatsachen √ľber die Kindheit des Schriftstellers an. Man erf√§hrt auch, wann Jean Genet mit welchem Liebhaber bei wem zu Gast ist, bei Violette Leduc n√§mlich, mit Lucien S√©n√©maud, einem Mith√§ftling, nach dem Krieg, verewigt im einzigen Film, den Jean Genet gedreht hat, 1950, im Stummfilm Un chant d´amour. Ein Liebeslied. (3)

Die erste Veranstaltung, in Canet-en-Roussillon, findet im Rahmen des Programms Lire en Méditerranée 2010 des Centre Méditerranéen de Littérature (CML) statt, das Albert Camus keine und Jean Genet zwei Ehrungen widmet, die andere in Le Soler, dort werden Jean Genet und Albert Camus geehrt. (4)

Nebenbei erf√§hrt man auf der offiziellen Site von Le Soler, da√ü es in der Person des franco-algerischen Journalisten und Schriftstellers St√©phane Babey, Autor des Buches Albert Camus, une passion alg√©rienne. Albert Camus, eine algerische Leidenschaft, durchaus einen Referenten gegeben h√§tte, der im Rahmen des CML zu Ehren des Nobelpreistr√§gers h√§tte auftreten k√∂nnen. Einmal mehr wird deutlich, da√ü eine Ehrung durch das CML nicht gew√ľnscht wird. Ich wage die Behauptung, da√ü der Grund mangelnde Eignung des Albert Camus f√ľr Juden- und Israelschelte ist. (5)

Das CML und das Mittelmeerprojekt Frankreichs

Die 26. Ausgabe des Prix M√©diterran√©e, die Preisverleihung und die Schwerpunkte des Programms Lire en M√©diterran√©e sind konzipiert im Einklang mit den Interessen Frankreichs und seines Projektes, der Union pour la M√©diterran√©e (UPM), und der damit einhergehenden Kritik an Israel, ebenfalls im Interesse der UPM. Daf√ľr stehen Dominique Baudis, Jacques Huntzinger und besonders der israelische Schriftsteller Amos Oz. Die Veranstaltung mit Tahar Ben Jelloun w√§re noch ein zus√§tzlicher Schlag gewesen, vom hohen literarischen Niveau des Amos Oz direkt unter die G√ľrtellinie plaziert.

Solcherart Anstrengungen reichen nicht aus, das Projekt vorw√§rts zu bringen. Der Einsatz von Kultur, von Sprache und Literatur bleibt ergebnislos. Man sieht´s an der Francophonie, mit der Frankreich tats√§chlich meint, verlorenen Einflu√ü zur√ľckzugewinnen. Der Kulturrat der UPM ist eine franz√∂sische ganz nutzlose Angelegenheit, es sei denn, er w√ľrde zweckentfremdet f√ľr handfeste strategische, milit√§rische und wirtschaftliche Verhandlungen, er w√§re ein Deckmantel f√ľr franz√∂sische Machtpolitik au√üerhalb EU-Reichweite. (6)

Es ist geraten, da√ü die √ľbrigen "Mittelmeerstaaten", von Finnland √ľber Deutschland bis Portugal, die Aktivit√§ten des Nicolas Sarkozy unter die Lupe nehmen, er zerst√∂rt im Nahen Osten und im gesamten Mittelmeerraum mehr als er aufbaut.

Der Zweite Gipfel der UPM, vorgesehen erst f√ľr den 7. Juni, dann f√ľr den
21. November 2010, ist erneut verschoben worden. Israel und der Stand des Friedensprozesses im Nahen Osten dienen als Vorwand daf√ľr, da√ü die Quadratur des Kreises, genannt Union pour la M√©diterran√©e, zu keinem f√ľr den Ruhm Frankreichs medienwirksamen Auftritt in Barcelona f√ľhrt. Das h√§tte schon der vorislamische Mittelmeeranrainer Archimedes von Syrakus voraussagen k√∂nnen. (7)

Sonst haben die arabischen und die Staaten der UPM keine Probleme, was Nicolas Sarkozy in einer Rede aus Anla√ü des 40. Jahrestages der Franco-arabischen Handelskammer vor Gesch√§ftsleuten und arabischen Diplomaten, im Elys√©e-Palast, noch einmal best√§tigt. Die Schwierigkeiten in der islamischen Welt kommen aus der Nahostpolitik, von Israel: "So sehr ich auch der Sicherheit Israels verbunden bin, so bin ich doch zutiefst √ľberzeugt, da√ü die wirkliche Sicherheit f√ľr Israel die Existenz eines souver√§nen, demokratischen, modernen pal√§stinensischen Staates ist, der sich einsetzt f√ľr das Recht auf unantastbare Sicherheit Israels." (8)

Wer aber sagt das mit dem souver√§nen, demokratischen, modernen pal√§stinensischen Staat den Pal√§stinensern, wer fordert sie unter Androhung von politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen auf, die unantastbare Sicherheit Israels zu gew√§hrleisten, ohne daf√ľr von den arabischen Staaten mit Liebesentzug bestraft zu werden, mit √Ėlembargo, Stop der R√ľstungsk√§ufe, Reduzierung der Importe aus Frankreich? Nicht nur Mahmud Abbas, sondern die Mehrheit der pal√§stinensischen Araber will keinen Staat, sondern Israel vernichten.

Die Juden und Israel, vorzuf√ľhren von Tahar Ben Jelloun

Die Organisatoren des Prix Méditerranée sind besessen von Juden, von Anti-Zionismus, Palästinenser- und Araberverehrung. Nach dem Vortrag des israelkritischen Juden Amos Oz (Israel, image of an oppressor, the call of the helpless etc.) wäre der Höhepunkt der Auftritt des Tahar Ben Jelloun gewesen, eine Dröhnung geballter Israelfeindschaft und Palästinenserverehrung. Es ist weniger der Juden- und Israelhasser Jean Genet, bald 25 Jahre tot, als der marokkanische Schriftsteller, Jahrgang 1944, der sehr lebendig ist und ins Programm paßt. Jean Genet, von dessen Einstellung zu den arabisch-palästinensischen "Widerstandskämpfern" einerseits sowie zu den Juden und Israel andererseits man in der politischen und literarischen Welt Frankreichs grundsätzlich alles weiß, ist vorgeschoben, es geht um die Aktualisierung der Botschaft des Jean Genet. (9)

Wer sich informieren will √ľber Jean Genet, von Jean-Paul Sartre : Saint Genet, com√©dien et martyr √ľber die Fr√ľhwerke des Autors bis zu Quatre heures √† Chatila. Vier Stunden in Shatila, und zum letzten Werk Un captif amoureux. Ein verliebter Gefangener, der findet reichlich Stoff im Beitrag von √Čric Marty : Jean Genet √† Chatila. Die Abschnitte sind √ľberschrieben: (10)

I. Pompes Funèbres / Das Totenfest

II. Le Témoin / Der Zeuge

III. L´√©v√®nement / Das Ereignis

IV. Genet et la morale

√Čric Marty dokumentiert auf 71 Seiten die Besessenheit des Jean Genet von Juden und von Israel. Jean-Paul Sartre setzt den Ma√üstab f√ľr die Verkl√§rung und Rechtfertigung dieser Besessenheit, die Richtung ist festgelegt, ein Antisemit nennt einen Antisemiten Antisemit - oder einen, der damit spiele, einer zu sein. Auf die "Judenfrage" folgt immer eine judenvernichtende Antwort, beginnend mit der Aberkennung der j√ľdischen Identit√§t, hier durch Jean-Paul Sartre ("Der Jude ist ein Mensch, den die anderen Menschen f√ľr einen Juden halten ... Der Antisemit macht den Juden"), im Zweiten Weltkrieg endend in der Gaskammer, heuer modifiziert zu anti-zionistischen Aktivit√§ten der privaten und offiziellen Juden- und Israelhasser in Regierungen, Beh√∂rden, staatlichen Organisationen, Parteien, NGOs, Kirchen und MSM zwecks Schw√§chung und letztlich Zerst√∂rung Israels.

Tahar Ben Jelloun. La voix de son ma√ģtre. Die Stimme seines Herrn

Den Weg in diese Richtung setzt Tahar Ben Jelloun fort, das Sprachrohr des Jean Genet, der seinerseits das Sprachrohr Jasser Arafats und der PLO ist: j´ai √©crit un texte que m´a demand√© Arafat, ich habe einen Text verfa√üt, um den mich Arafat gebeten hat. (S. 17) Als der Artikel nach zahlreichen √Ąnderungen und Korrekturen endlich fertig ist, verh√§ngt Genet ein sine qua non √ľber seine Ver√∂ffentlichung:
Izz al-Din al-Kalak, der Vertreter der PLO in Paris, m√ľsse mich dazu autorisieren.
(S. 21)

Das erste Treffen der Leila Shahid mit Jean Genet findet auf Vermittlung von Tahar Ben Jelloun statt bei dem marokkanischen Juden Edmond El Maleh, er ist Professor und Philosoph, Spezialist f√ľr Walter Benjamin. Mit ihm kann Jean Genet nichts anfangen, obgleich der sich 100% als Marokkaner f√ľhle und bedingungslos auf der Seite der Pal√§stinenser stehe. "OK, das ist ein arabischer Jude, marokkanisch, aber hat er die Juden verraten? Du wei√üt, das ist wie mit Abraham Serfaty, er ist in Marokko im Gef√§ngnis, aber er hat den Zionismus nicht verraten." (S. 66f.)

Der Kommunist Abraham Serfaty hat sein ganzes Leben lang gegen die Diktatur in Marokko gek√§mpft, 17 Jahre, von 1974 bis 1991, hat er im Gef√§ngnis des Hassan II gesessen, ist gefoltert und verurteilt worden zu lebenslanger Haft "wegen Verschw√∂rung gegen die Sicherheit des Staates". Er entstammt einer 1492 aus Spanien vertriebenen j√ľdischen Familie aus Tanger. Er ist ein √ľberzeugter Antizionist. Erst dann werde er Pal√§stina besuchen, wenn es dort einen Staat gebe, anschlie√üend ginge er nach Israel, seine j√ľdischen Freunde zu sehen. Dazu kommt es nicht mehr; denn er ist am 18. November 2010 in Marrakesch verstorben. (11)

√úber einen solchen Mann wie auch √ľber den anscheinend den Pal√§stinensern wohlgesonnenen Edmond El Maleh redet Jean Genet abf√§llig, spricht vom unterlassenen Verrat - eine seiner aufregenden Lieblingsvokabeln, bei der alle Verehrer erschaudern - seines Judentums, und Tahar Ben Jelloun hat dazu nichts zu kommentieren. Juden sind vogelfrei, man kann sie beleidigen und √ľber sie erz√§hlen, was immer man will. Jean Genet ist im Einsatz f√ľr die Pal√§stinenser, was ihm Leila Shahid hoch anrechnet: "Ich bin Pal√§stinenserin, und ich bin auf dem laufenden √ľber Ihre Auseinandersetrzungen mit der jordanischen Polizei, und au√üerdem habe ich Ihren Artikel ´Die Pal√§stinenser´ in der Revue der PLO gelesen." Er antwortete: "Das ist ein Auftrag von Arafat; er hat mich darum gebeten, ihn zu schreiben, ich habe ihn geschrieben." (S. 65)

Das Buch Jean Genet, menteur sublime dokumentiert die Besessenheit des Duos Genet-Ben Jelloun von Juden und von Israel. Tahar Ben Jelloun bleibt Jean Genet darin nichts schuldig. Mit dem sicheren Blick des Genies hat der gro√üe Schriftsteller, der wahrhafte Mann, der kein L√ľgner ist, den 30-J√§hrigen Sohn im Geiste an einem sonnigen Herbstmorgen (sic!), am 5. Mai 1974, ausgew√§hlt, zum Komplizen gemacht, ihm seine Propaganda diktiert. Ich war f√ľr ihn derjenige der seine Worte, seine Ausspr√ľche hintragen w√ľrde √ľberall dorthin, wo ich die Gelegenheit h√§tte, es zu tun. (S. 23)

Eine Eckermann-Billigausgabe f√ľrs gebildete Publikum des Caf√© Flore.

Bei solchem Druck kann er schon direkt vom Fr√ľhjahr in den Herbst gesto√üen werden, der Auserw√§hlte. (S. 12) Tahar Ben Jelloun liefert noch kleinste Kleinigkeiten zum Thema Juden. Die Zeitung Le Monde betreffend, eine dieser verabscheuensw√ľrdigen "Institutionen der Bourgeoisie", erinnert er sich, da√ü ihn Jean Genet eines Tages fragt: "Wer ist das, √Čric Rouleau? Das ist ein Jude? Er schreibt zutreffende Dinge √ľber den Nahen Osten, aber er mu√ü Anstrengungen machen ..." (S. 23) An diesem Redakteur k√∂nnte der Judenhasser noch heute eitel Freude haben. Schade, da√ü er es nicht mehr erlebt! √Čric Rouleau hat eine Karriere als Diplomat durchlaufen und ist jetzt Mitglied im F√∂rderkomitee des Russell Tribunals sur la Palestine. Nurit Peled-Elhanan und Leila Shahid, Freundin des Jean Genet und des Tahar Ben Jelloun, sind die Schirmherrinnen. (12)

Ein weiteres Mitglied neben vielen anderen ist Staranwalt Fran√ßois Roux, der Verteidiger des Kaing Guek Eav alias Duch, des ehemaligen Verantwortlichen der Roten Khmer f√ľr das Internierungs- und Folterlager von Tuol Sleng, sowie zahlreicher Antisemiten und Linksradikaler. (13)

√Čric Rouleau und Tahar Ben Jelloun finden sich gemeinsam wieder in Le Monde, vom 25.-26. Mai 1975, wo sie sich, ein jeder auf seine Art, √ľber Israel auslassen, Tahar Ben Jelloun mit Lyrik √ľber die Annektion der Schneise von Rafah, an der √§gyptischen Grenze, durch Israel: "Les amandiers sont morts de leurs blessures", "Die Mandelb√§ume sind an ihren Wunden eingegangen". Ein Berater der Botschaft Israels habe ihm einen Brief geschickt, in dem sinngem√§√ü gestanden habe: "Was gef√§hrlich ist an ihrem Text, das ist die Ergriffenheit und die Poesie, die daraus entstehen; der Artikel von Rouleau wird vergessen, aber nicht der Ihre!" (S. 121)

Der Artikel von √Čric Rouleau ist eine Filmkritik, die nicht vergessen, sondern im Werk des Orientalisten Vincent Monteuil √ľber das terroristische Israel verewigt ist, ins Internet gestellt von den Neo-Nazis und Holocaustleugnern AAARGH / VHO, Vereinigungen, die so kriminell sind, da√ü selbst Google deren Websites aus dem Repertoire entfernt hat: Eric Rouleau hat in Le Monde, vom 25.-26. Mai 1975 den mutigen Artikel verfa√üt, der hierunter reproduziert ist: Kafr-Kassem ist ein Film, den man schwer aushalten kann. (14)

Die Palestine Facts berichten √ľber die Erschie√üung von ca. 50 israelischen Arabern in Kafr Kassem durch israelisches Milit√§r, am 29. Oktober 1956, und √ľber die Ma√ünahmen, die ergriffen worden sind, da√ü sich solches nicht wiederholt. Der Film aus dem Jahr 1974 ist ausgerechnet eine libanesisch-syrische Koproduktion. √úber diesen Film schreibt √Čric Rouleau, und tats√§chlich, Anstrengungen, um das Niveau der Israelfeindschaft von Jean Genet und Tahar Ben Jelloun zu erreichen, mu√ü √Čric Rouleau zu der Zeit noch machen: Nicht einen Augenblick wird in dem Film der Name Israel ausgesprochen. Borhan Alaoui√© (der Regisseur) sieht nur "zionistische Invasoren", die auf t√ľrkische und britische Besatzer folgen. Er h√§lt den Film f√ľr den Ha√ü der Pal√§stinenser anstachelnde Propaganda. (15)

Tahar Ben Jelloun zittert um seinen Herrn, da√ü er die gute Sache der Pal√§stinenser nicht mit antisemitischen √Ąu√üerungen besch√§digen m√∂ge: Gl√ľcklicherweise beging er nicht ein zweites Mal den Irrtum gegen√ľber den Juden, um die Pal√§stinenser zu verteidigen, er h√§tte unreparierbar sein tiefsinniges Denken verrraten und der pal√§stinensischen Sache einen unerme√ülichen Schaden zugef√ľgt. (S. 60)

Diese Logik ist bemerkenswert, die Juden spielen in ihr als Subjekte keine Rolle, nicht der Antisemitismus als solcher ist zu verachten, sondern antisemitische √Ąu√üerungen sind nur deshalb zu vermeiden, um der pal√§stinensischen Sache nicht zu schaden. Aber auch die Pal√§stinenser sind Jean Genet gleichg√ľltig, wenn sie ihren Staat, ihre Arm√©e und ihre Polizei h√§tten, interessierten sie ihn nicht mehr, erkl√§rt er mehrfach. (S. 60, 119, 203) Er k√∂nne nur an der Seite derjenigen sein, die kein Land h√§tten. F√ľr die Juden gilt das nicht, da√ü sie Land brauchen, sie sind ausgeblendet. Diese Haltung hat er gemein mit vielen linken Pal√§stinenserfreunden, die Araber instrumentalisieren, Judenha√ü und Israelfeindschaft auszuleben.

Die Presse wird gescholten, sie sei auf der Seite Israels, und das komme, man ahnt es schon, von der j√ľdischen Lobby. Tahar Ben Jelloun fragt scheinbar naiv, von wem Jean Genet spreche. "... von den Juden! - Du willst sagen die Israelis? - Nein, lihoudi [der Jude], Israel leitet die Zeitungen nicht, es macht es besser als das, es setzt seine Freunde dort ein. Deshalb hat man nie erfahren, was sich wirklich seit 1948 in den Territorien abgespielt hat."

Im Abschnitt Derrida, handelnd von der Freundschaft der beiden Juden- und Zionistenhasser Jacques Derrida und Jean Genet, wird beiden best√§tigt, und sie best√§tigen es sich gegenseitig, da√ü sie keine Antisemiten seien. Jacques Derrida kennen meine Leser aus zahlreichen Artikeln. Das ist der Philosoph, der die USA f√ľr den ersten Schurkenstaat h√§lt. (16)

Tahar Ben Jelloun lernt Jacques Derrida in Mailand auf einem Kolloquium kennen. Den Bericht √ľber seine Unterhaltung mit ihm nutzt er, den Lesern den Antisemitismus als eine Form des Rassismus zu verkaufen: ... es handelt sich (bei seinem Essay √ľber Hospitalit√© fran√ßaise) um eine Geschichte des Rassismus in Frankreich seit der Aff√§re Dreyfus bis heute. Ich erz√§hle, wie in Frankreich bei jeder Krise der Fremde, der Jude, der Araber, der Italiener, der Pole auf den Index gesetzt und Opfer von Gewalt geworden ist. (S. 131)

Er zitiert ein Gespr√§ch mit einem Pariser Taxifahrer, der alle Nicht-Franzosen rassistisch ablehnt, alle au√üer Juden, die anderen verdienten den Rassismus, "Les autres, ils m√©ritent le racisme ...". (S. 134) Abgesehen davon, da√ü ich bezweifle, da√ü ein Pariser Taxifahrer jemals solche Spitzfindigkeiten √§u√üert wie die anderen verdienen den Rassismus, schon allein deshalb, weil solche Taxifahrer ihre √Ąu√üerungen √ľber Schwarze, Nordafrikaner, Zigeuner, nicht als Rassismus, sondern als in der Erfahrung mit dem Personenkreis begr√ľndet vortragen, zeigt sich einmal mehr, da√ü Tahar Ben Jelloun wirklich alles benutzt, es gegen Juden zu wenden. In diesem Fall demonstriert er, da√ü derjenige, der nichts gegen Juden hat, daf√ľr Rassist den anderen gegen√ľber ist - wie diejenigen, die auf der Seite Israels stehen. Sie lehnen demnach nicht den Islam als totalit√§re Politideologie ab, sondern die Muslime, aus Rassismus.

Gegen Michel Foucault gibt´s auch noch einen Seitenhieb. Er √ľbe Druck aus auf die Pariser literarische Welt, damit einer seiner j√ľdischen Freunde aus Tunesien einen Literaturpreis bekommt: (S. 108) "Er hat einen j√ľdisch-tunesischen Liebhaber und w√ľrde gern f√ľr ihn einen der gro√üen Literaturpreise Frankreichs erhalten." (S. 149)

Soweit einige Anekdoten des Tahar Ben Jelloun. Zahlreiche Bemerkungen gegen Juden durchziehen das Buch. Was er √ľber Israel und entsprechend √ľber Pal√§stina zu berichten hat, ist ebenfalls nicht wenig.

Leser Y. Simon, auf Amazon.fr - der Versandhandel hatte mich gebeten, eine Rezension des Buches zu liefern -, kommentiert meinen kurzen Beitrag so: est-ce un livre politique ? ce n´est pas le genre de Tahar ! Ist das ein politisches Buch? Das ist nicht die Art des Tahar! Kaum zu glauben! Ich habe lange keine derartige Propagandaschrift gelesen wie Jean Genet, menteur sublime. Das mu√ü dem Pr√§sidenten des CML Andr√© Bonet einfach gefallen, das spiegelt die Politik des CML, des Kulturrates der UPM sowie der franz√∂sischen Regierung wider.

Affaire à suivre ...

23. November 2010

Bisher erschienen:

Perpignan. Das Centre Méditerranéen de Littérature (CML)
Roussillon, 18. Oktober 2010
http://www.eussner.net/roussillon_2010-10-18_17-04-30.html

Die Mittelmeerunion, ihr Kulturprojekt und das CML. Teil II.
20. Oktober 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-10-20_14-54-44.html

Der Kulturrat der Mittelmeerunion und das CML. Teil III. 24. Oktober 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-10-24_13-39-05.html

CML. Im Griff der französischen Arabienpolitik. Teil IV. 27. Oktober 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-10-27_16-08-15.html

CML. Die Arabienpolitik Frankreichs. Das Kuriositätenkabinett. Teil V.
10. November 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-11-10_15-23-47.html

CML. Israelfeindchaft auf hohem Niveau. Heute mit Amos Oz. Teil VI.
13. November 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-11-13_18-40-31.html

CML. Amos Oz in Perpignan: Woanders, zu einer anderen Zeit. Teil VII.
16. November 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-11-16_15-17-29.html

CML. Albert Camus, kein Thema im Literaturprogramm 2010. Teil VIII.
21. November 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-11-21_09-15-42.html

Quellen

(1) Tahar Ben Jelloun. Célébration du centenaire de la naissance de Jean Genet,
avec Tahar Ben Jelloun, de l´Acad√©mie Goncourt auteur de Jean Genet
menteur sublime [Gallimard]. Programme Lire en Méditerranée 2010.
Lire en Méditerranée. 26e édition du Prix Méditerranée. CML, p. 26 + 27
http://www.prixmediterranee.com/images/stories/cml-brochure- 2010pdf.pdf

Prix Méditerranée. Jury. CML. Lire en Méditerranée
http://tinyurl.com/34ts3uo

(2) Jean Genet, menteur sublime. Tahar Ben Jelloun, Gallimard 2010
http://tinyurl.com/2g8u27k

(3) un chant d´amour. Written and Directed by Jean Genet. 1950,
France - 25 minutes, black & white (silent). Jim´s Reviews
http://jclarkmedia.com/film/filmreviewchantdamour.html

"un chant d´amour" "Jean Genet". Vid√©os. YouTube
http://tinyurl.com/27qnlmo

(4) Blog Caroline Daviron, du 24 septembre au 7 novembre 2010
http://carolinedaviron.skyrock.com/

(5) Conférence "Regards croisés". Le Soler, 13 novembre 2010
http://www.lesoler.com/sol-2100.php?CatID=3&ArtID=252

St√©phane Babey √† l´Expression. Propos recueillis par Hadjar Guenanfa,
22 mars 2010. Mon Algérie
http://www.mon-algerie.com/pause-litteraire/stephane-babey-a -lexpression

(6) Monsieur Renaud Muselier. Conseil Culturel de l¬īUnion pour la M√©diterran√©e
http://tinyurl.com/25a39cg

(7) Le sommet de l´Union pour la M√©diterran√©e √† nouveau repouss√©.
Par Le Monde avec AFP, 15 novembre 2010
http://tinyurl.com/34d9x9n

(8) La France ne renoncera pas au projet de l´UPM selon Sarkozy. Par MAP,
aufait, 22 novembre 2010
http://tinyurl.com/2c2vkxw

(9) Rencontre avec Tahar Ben Jelloun, 19 novembre 2010, 18h30.
Ecrit par Médiathèque de Perpignan, LE SITE CATALAN
http://tinyurl.com/347t5a3

(10) √Čric Marty : Jean Genet √† Chatila. In: Les Temps Modernes N¬į 622,
Décembre 2002 - Janvier 2003, p. 52 + 54
http://tinyurl.com/25moc39

(11) Maroc : mort d´Abraham Serfaty, opposant √† Hassan II.
Par Le Monde avec AFP, 18 novembre 2010
http://tinyurl.com/2d3auub

(12) Membres du Comité de Parrainage. Russell Tribunal sur la Palestine
http://www.russelltribunalonpalestine.org/pages/Parrains-104 1547.html

(13) Frankreich. Star Fran√ßois Roux bedarf eines k√ľhlen Kopfes.
11. Juli 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-07-11_07-55-18.html

(14) Vincent Monteuil : Dossier secret sur Israel: le terrorisme, Guy Authier,
Paris 1978. Editions de l´AAARGH 2006. pp. 150-151
http://tinyurl.com/3xfvl8l

(15) Kfar Kassem. Film politique de Bughan Alaouie, Liban et Syrie 1974.
Larousse
http://www.larousse.fr/encyclopedie/film/Kafr_Kassem/5783

What happened at the Arab village of Kfar Kassem in 1956?
Palestine Facts
http://palestinefacts.org/pf_1948to1967_kfarkassem_1956.php

(16) Jacques Derrida - Schurken jetzt handlich im Taschenbuchformat.
16. Februar 2006
http://eussner.net/artikel_2006-02-16_20-26-00.html

Jacques Derrida in meinem Archiv
http://tinyurl.com/2weaouj


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2010-11-23_15-50-45.html
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