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StĂ©phane Hessel: Empört Euch! Die LĂŒge höret nimmer auf

Da können Tatsachen dem entgegestehen, der bewunderte KÀmpfer selbst kann eine andere Darstellung gegeben haben, auch Sascha Lehnartz behauptet auf WeltOnline: Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er als Diplomat bei den Vereinten Nationen zu den Verfassern der allgemeinen ErklÀrung der Menschenrechte. ... Er arbeitet als Kabinettschef des stellvertretenden UN-GeneralsekretÀrs Henri Laugier an der Abfassung der Deklaration der Menschenrechte mit. Das wird auch durch Wiederholung nicht wahr. (1)

"J´assistais aux sĂ©ances et j´Ă©coutais ce qu´on disait mais je n´ai pas rĂ©digĂ© la DĂ©claration. J´ai Ă©tĂ© tĂ©moin de cette pĂ©riode exceptionnelle", ajoute-t-il. Ich habe an den Sitzungen teilgenommen und zugehört, was gesagt wurde, aber ich habe die ErklĂ€rung nicht verfaßt. Ich war Zeuge dieses außergewöhnlichen Zeitabschnitts," ergĂ€nzte er, nĂ€mlich StĂ©phane Hessel. (2)

Die Vereinten Nationen, die es am besten wissen, zÀhlen elf Verfasser auf: Eleanor Roosevelt (United States of America), René Cassin (France), Charles Malik (Lebanon), Peng Chun Chang (China), Hernan Santa Cruz (Chile), Alexandre Bogomolov/Alexei Pavlov, (Soviet Union), Lord Dukeston/Geoffrey Wilson (United Kingdom) William Hodgson (Australia), and John Humphrey (Canada). (3)

Die Leistung des französischen Juden RenĂ© Samuel Cassin, des offiziellen Vertreters Frankreichs bei den Vereinten Nationen, von 1946 bis 1958, unterschlĂ€gt StĂ©phane Hessel in seinem Pamphlet. Jener erhĂ€lt dafĂŒr 1968 den Friedensnobelpreis. Einen umfangreichen Entwurf liefert der Kanadier John Humphrey, der die Arbeiten bis zur Annahme der ErklĂ€rung durch die Generalversammlung leitet. Eleanor Roosevelt, Witwe des US-PrĂ€sidenten Franklin D. Roosevelt, ist das einflußreichste Mitglied der Gruppe. Ihr Enthusiasmus fĂŒr ihre Arbeit in den Vereinten Nationen war verwurzelt in ihren menschenfreundlichen Überzeugungen und in ihrem stetigen Glauben an menschliche WĂŒrde und Geltung, schreibt das Franklin and Eleanor Roosevelt Institute ĂŒber sie. (4)

Solches zu benennen, gar zu wĂŒrdigen, tĂ€te dem Anti-Amerikanismus der Franzosen und der Deutschen gar nicht gut - von der Auflage des Indignez-vous ! nicht zu reden. Die Herausgeber des Pamphlets behaupten, daß StĂ©phane Hessel neben Eleanor Roosevelt, P. C. Chang, Charles Habib Malik, RenĂ© Cassin und John Peter Humphrey einer von sechs des engeren Kreises der Verfasser der ErklĂ€rung gewesen sei, enfin StĂ©phane Hessel (France), diplomate, chef de cabinet du mĂȘme Laugier, le plus jeune. (Indignez-vous ! Seiten 26f.) Das ist eine LĂŒge. (5)

Sogar das ZDF hat sich nicht mehr getraut, diese LĂŒge zu wiederholen, sondern Andreas Postel formuliert sibyllinisch: Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt er eine diplomatische Karriere und wird Mitglied der französischen Delegation bei der Ausarbeitung der Allgemeinen ErklĂ€rung der Menschenrechte. Danke fĂŒr den ersten Schritt in die richtige Richtung. "Es ist nichts zu fein gesponnen, es kommt alles ans Licht der Sonnen!" (6)

SelbstverstĂ€ndlich erwĂ€hnt Sascha Lehnartz im Zusammenhang mit der sozialen Absicherung der BeschĂ€ftigten nicht, daß es genau drei Jahre vor der Verabschiedung des Programms des Conseil National de la RĂ©sistance die Vichy-Regierung ist, die mit Gesetz, vom 14. MĂ€rz 1941, das System der sozialen Absicherung der BeschĂ€ftigten aus welchen populistischen GrĂŒnden auch immer entwickelt: Gebt Vichy das, was Vichy gebĂŒhrt! meint Blogger Mr Klein. (7)

Das System der sozialen Sicherheit sei nach dem Krieg so geschaffen worden, wie der Widerstand es gewollt habe, sowohl im Krankheitsfall als auch fĂŒrs Alter, behauptet StĂ©phane Hessel. (Indignez-vous ! Seite 10)

Es ist wie bei allen Linken, Personen und Tatsachen werden, wenn sie ihre Schuldigkeit getan haben und/oder in Ungnade gefallen sind, aus Fotos und GeschichtsbĂŒchern entfernt.

Auch Sascha Lehnartz betet dem StĂ©phane Hessel nach, daß der Widerstand in Frankreich aus Empörung entstanden sei. Die WiderstandskĂ€mpfer ein Haufen zornesroter Aktivisten? Ja, das ist´s wohl, was alle Stubenhocker und Sesselpuper antörnt, ein randalierender alter Mann, der Hoffnung macht, daß man selbst vielleicht eines Tages 93 Jahre alt wird, gesund ist und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Die WiderstandskĂ€mpfer rotieren derweil in ihren GrĂ€bern. Ihr Einsatz ist unterschiedlichen Antrieben zu danken, als da wĂ€ren Ethik & Moral, Gewissen, Verantwortungsbewußtsein, FamilienverhĂ€ltnisse, Überlebenswille, Machtstreben sowie eine Mischung aus diesen Ingredienzien. Die WiderstandskĂ€mpfer mögen auch empört gewesen sein, das ist sogar wahrscheinlich, aber die RĂ©sistance ist nicht aus Empörung entstanden, einem dem Antisemitismus verwandten Ressentiment.

Was das VerstĂ€ndnis StĂ©phane Hessels fĂŒr die palĂ€stinensischen Araber angeht, so verweise ich auf meinen Artikel StĂ©phane Hessel : Indignez-vous ! Empört Euch! Die LĂŒge als Programm und behaupte, StĂ©phane Hessel hĂ€tte keine Tausend Exemplare des Pamphlets verkauft, wenn nicht seiner Beschimpfungen Israels wegen. (5)

Von seinen AktivitĂ€ten gegen Israel in Frankreich und in Gaza berichtet Sascha Lehnartz nichts, nichts darĂŒber, daß er aufruft zum Boykott israelischer Exporte. Auf geringeres VerstĂ€ndnis stoßen allerdings meist seine Thesen zu Israel. Thesen? Hier sind ein Dutzend davon, ich habe sie im erwĂ€hnten Artikel zitiert:

Hessel, dessen Vater Jude war, schmerzt der Vorwurf, schreibt Sascha Lehnartz, immerhin vorsichtig, ĂŒber den reformierten Protestanten. Der Vater ist zum Protestantismus konvertiert, was meist verschwiegen wird, da StĂ©phane Hessel, um seine VorwĂŒrfe gegen die Israelis noch zu erhĂ€rten, zum Juden stilisiert wird. Das tun AnhĂ€nger und Journalisten nicht von ungefĂ€hr, denn StĂ©phane Hessel behauptet von sich selbst, Jude zu sein: "Ich mag ein schlechter Jude sein, denn ich gehe nicht in die Synagoge. Ich lasse mir aber von niemand meine Kritik an der Politik Israels verbieten", zitiert ihn Interviewer Joseph Hanimann in der FAZ, die wenigstens die angebliche Mitverfasserschaft an der ErklĂ€rung auslĂ€ĂŸt - alle LĂŒgen auf einmal verkraftet die FAZ anscheinend nicht. (8)

StĂ©phane Hessel wĂ€re nach der Halacha selbst dann kein Jude, wenn sein Vater nicht konvertiert wĂ€re, seine Mutter, Tochter eines preußischen Bankiers, ist Protestantin, nachzulesen bei Wiki und Wape: Seine Eltern waren der deutsche Schriftsteller Franz Hessel, der dem in Preußen assimilierten polnisch-jĂŒdischen BĂŒrgertum entstammte, und die aus einer deutschen protestantischen Familie stammende Journalistin Helen Grund. Die Deutsch-Arabische Gesellschaft kann die LĂŒge aus der FAZ gern wiederkĂ€uen, so oft sie will, und damit dokumentieren, daß man in ihren Kreisen nichts gegen Juden hat, sie mĂŒssen nur fest an Seiten der Araber gegen Israel stehen. LĂŒge bleibt LĂŒge. (9)

Es ist Ă€hnlich wie bei den zum Islam konvertierten Schwestern Lila und Alma LĂ©vy, mit muslimischer kabylischer Mutter. Ihre jĂŒdischen Wurzeln mißbrauchen sie, gegen die Juden und Israel zu agitieren und Witze zu machen, daß sie bei Banken ihres Namens wegen leichter Kredit bekĂ€men. (10)

Über die Fehlinterpretation des Angelus Novus durch StĂ©phane Hessel und seine linken Freunde verliert Sascha Lehnartz kein Wort. Schweigen ĂŒber die TĂ€tigkeit des protestierenden Diplomaten im Auftrag des französischen Außenministeriums, das seine Reisen 2008 und 2009 nach Gaza finanziert und organisiert, das seine untergeordneten Behörden GesprĂ€che mit Terroristen in Gaza vermitteln sowie in London ein jiddelndes Konzert ihm zu Ehren veranstalten lĂ€ĂŸt. DafĂŒr aber ein Foto des tobenden Alten in JakobinermĂŒtze von ar-Reuters. LĂ€cherlicher geht´s kaum noch. Auch die anderen drei Fotos diverser Agenturen zeigen den resoluten WiderstandskĂ€mpfer, auf einem steht ihm zur Linken Michel Warschawski und zur Rechten Leila Shahid, zwei seiner zahlreichen ebenfalls empörten Genossen und Verteter muslimisch-arabischer Interessen. DarĂŒber kann man in der Dokumentation StĂ©phane Hessel und seine empörten Adepten Einzelheiten lesen. Seine Auftritte dienen außenpolitisch der Arabienpolitik Frankreichs und innenpolitisch der Anbiederung an die Linken und andere PalĂ€stinenserfreunde. (11)

Wer die beiden sind, die auf dem Foto den StĂ©phane Hessel einrahmen? Was geht´s die WELT an? Die beiden MitkĂ€mpfer sind namenlos. Untertitelt ist das AFP-Foto der glorreichen Drei: Daneben versteht er sich als leidenschaftlicher Anwalt der Menschenrechte, der auch immer wieder mit unpopulĂ€ren Forderungen von sich reden machte. (12)

Einige Kommentare zeigen, wozu solche Artikel wie die des Sascha Lehnartz dienen, zur UnterstĂŒtzung anti-israelischer Kampagnen auch in Deutschland: Ich finde es sehr beeindruckend, wenn ein Mann in diesem Lebensalter sich noch fĂŒr seine Ideale engagiert. Gibt es das Buch auch auf Deutsch? Ich wĂŒrde es sehr gerne lesen, meint F. Roland Richter, am 28. Januar 2011, um 17:27 Uhr. (1)

6. Februar 2011

Update

Hilfe! Das Pamphlet des alten LĂŒgenbarons kommt am 8. Februar 2011 in deutscher Sprache in die BuchlĂ€den, verlegt von Ullstein. Die Ausmaße der BeschrĂ€nktheit deutscher MSM sieht man daran, daß die Nassauische Neue Presse meint: Man kann es auch als Antwort auf die Sarrazin-Thesen lesen. Knapp 20 Seiten lang soll der Text sein, der im Original 14 von 32 Seiten einnimmt. (13)

Die bieten dem Bestseller Deutschland schafft sich ab Widerpart? Armes abgeschafftes Deutschland! (14)

Der Westen meint, es handle sich um ungeschminkte Gesellschaftsanalyse, das ist wirklich abgeschafft. Die gesammelten LĂŒgen fĂŒhren jetzt zu einer internationalen Meta-Diskussion auf wissenschaftlichem PISA-Niveau. Und wieder wird die Juden-Karte gezogen, die jĂŒdische Abstammung des Autors wird etlichen französischen Intellektuellen und jĂŒdischen Organisationen entgegengehalten wie der Knoblauch dem Dracula. Vom Westen der WAZ-Mediengruppe erfahren die Leser dieses aus StĂ©phane Hessels Munde: "Ich bin vom Judentum geprĂ€gt, habe aber nie eine Religion ausgeĂŒbt", sagt StĂ©phane Hessel, und fĂŒgt hinzu: "Ich bin Freidenker." (15)

Es versteht sich von selbst, daß nicht erlĂ€utert wird, was die genannten etlichen französischen Intellektuellen und jĂŒdischen Organisationen gegen das Buch und den Auftritt des Autors gemeinsam mit Leila Shahid und Michel Warschawski einzuwenden haben, warum die Ecole normale supĂ©rieure die Zusage eines Saales zurĂŒckzieht. In einem KommuniquĂ©, vom 20. Januar 2011, ist es nachzulesen. Eine Übersetzung findet man in der Dokumentation StĂ©phane Hessel und seine empörten Adepten. (11)

Solche Informationen enthalten deutsche MSM den Lesern vor. Sie könnten ins GrĂŒbeln geraten.

7. Februar 2011

Quellen

(1) Bestseller "Empört Euch!" Streitschrift eines 93-jÀhrigen bewegt Frankreich. Von Sascha Lehnartz, WeltOnline, 28. Januar 2011
http://tinyurl.com/5uwwfj3

(2) Hessel : La DĂ©claration des droits de l´homme, tĂ©moin de l´audace de l´Ă©poque. Centre d´ActualitĂ©s de l´ONU, 10 dĂ©cembre 2008
http://tinyurl.com/6ztrlha

(3) Who were the key contributors to the drafting of the Universal Declaration of
Human Rights? Frequently Asked Questions About the Universal Declaration
of Human Rights. Unites Nations Cyber Schoolbus
http://www.un.org/Pubs/CyberSchoolBus/humanrights/qna/faqudh r.asp

Who were the key contributors in the drafting of the Declaration?
Questions and answers about the Universal Declaration of Human Rights
United Nations Association in Canada.
http://www.unac.org/rights/question.html

(4) Eleanor Roosevelt. Franklin and Eleanor Roosevelt Institute
http://www.udhr.org/history/frbioer.htm

(5) Stéphane Hessel : Indignez - vous ! IndigÚne éditions,
10e édition : décembre 2010
http://tinyurl.com/3xmpxf2

StĂ©phane Hessel : Indignez-vous ! Empört Euch! Die LĂŒge als Programm.
16. Januar 2011
http://www.eussner.net/artikel_2011-01-16_16-47-41.html

Gaza - Manif à Paris - Stephane Hessel. Vidéo. Dailymotion, 10 janvier 2009
http://tinyurl.com/648kexc

(6) "Die schlimmste Haltung ist die GleichgĂŒltigkeit". StĂ©phane Hessel fordert mehr Empörung. Von Andreas Postel. ZDF, 27. Januar 2011
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/7/0,3672,8202087,00.html

(7) Retraites : une histoire récente, une situation fragile. Par Jacques George,
Cahiers paedagogiques, janvier 2005
http://www.cahiers-pedagogiques.com/spip.php?article1364

Rendre à Vichy ce qui est à Vichy! Par Mr Klein, Libération 44, 16 septembre 2010
http://tinyurl.com/5wfbefc

Programme du Conseil National de la RĂ©sistance (C.N.R.)
15 mars 1944
http://felina.pagesperso-orange.fr/social/programme_cnr.htm

(8) Stéphane Hessel. Frankreichs Rebell der Stunde. Von Joseph Hanimann, FAZ.net, 20. Januar 2011
http://tinyurl.com/6ka3d2a

(9) Wer ist Jude? Konflikt zw. weltlichem u. religiösem Recht.
Religionsforum, ab 29. Dezember 2009
http://tinyurl.com/65hnd7y

Frankreichs sanfter Empörer. Von Joseph Hanimann,
F.A.Z., 20.01.2011, Nr. 16 / Seite 27. Deutsch-Arabische Gesellschaft
https://www.d-a-g.de/index2.php?option=com_content&do_pdf=1& id=544

Wiki: Stéphane Hessel. Wapedia
http://wapedia.mobi/de/St%C3%A9phane_Hessel

(10) Lila Alma LĂ©vy juives. Google.fr 276 Ergebnisse
http://tinyurl.com/4tmv7pz

(11) Stéphane Hessel und seine empörten Adepten. Dokumentation.
20. Januar 2011
http://www.eussner.net/artikel_2011-01-20_16-46-05.html

(12) Michel Warschawski in meinem Archiv
http://tinyurl.com/6etjzy9

Leila Shahid in meinem Archiv
http://tinyurl.com/5um2efo

(13) Hessels "Empört euch!": Der alte Mann und die Rebellion. Von Esteban Engel,
Nassauische Neue Presse, 7. Februar 2011
http://tinyurl.com/6xh7eza

(14) Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen [Gebundene Ausgabe]. Amazon.de, 22,99 Euro, August 2010
http://tinyurl.com/2g6ojob

"Thilo Sarrazin" "Deutschland schafft sich ab" in meinem Archiv
http://tinyurl.com/6fajxqs

(15) Ein Mini-Buch empört Frankreich. Von Gerd Niewerth, Der Westen,
6. Februar 2011
http://tinyurl.com/5voaauq


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2011-02-06_13-06-55.html
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