www.eussner.net
Le Roussillon insolite (Anklicken zum Vergrößern)
Foto: Monsieur Boris
Le Roussillon insolite

Der Katalane Christophe Beck gibt ein Lebenszeichen - Stand: 21. März 2006

Es versteht sich schon fast von selbst, daß man bei Google.fr nichts in den Aktualitäten findet, wenn man Christophe Beck eingibt. Die Entführung dieses Farmers dokumentiert einmal mehr die Inkompetenz der französischen Außenpolitik. Der damalige Außenminister Dominique de Villepin, heute ebenso inkompetenter Premierminister, kann zwar gemeinsam mit dem französischen Botschafter Kolumbiens und Ehemann der Schwester der Ingrid Betancourt in Bogotà deratigen Wind machen, daß die arme Ingrid heute noch nicht frei ist, aber Erfolge erzielen kann er nirgends - nicht einmal mit seiner schöngeistigen Literatur.

Seit einer Woche nun gibt es ein Lebenszeichen des in Venezuela entführten Christophe Beck, schreibt Sandra Canal im Indépendant, vom 21. März 2006. Man erfährt außerdem, daß wochenlang nach der Entführung, vom 13. Dezember 2005, die französische Regierung es damit bewenden läßt, den Fall von Paris aus telefonisch zu behandeln. Es ist klar: Weihnachtszeit, wer will da schon ins unsichere Kolumbien?

Inzwischen sind zwei Mitarbeiter des Außenministeriums vor Ort und auch der Abgeordnete der Nationalversammlung für den dritten Wahlbezirk Pyrénées-Orientales François Calvet ist eingeschaltet. Die Entführer wechselten ständig die Summe des Lösegeldes, es steige immer mehr an, sagt er. Das ist der Stand der Dinge in einem Land, in dem der Präsident unsichtbar, wenn nicht politisch tot ist, und der Premierminister es nicht einmal für nötig hält, mit den Verbänden der von Gesetzen Betroffenen auch nur zu reden.

Ich hoffe mit der Familie, daß Christophe Beck nicht das Opfer der verfehlten französischen Politik wird.

Das Venezuela des Hugo Chávez und die korrupte Polizei

In zwischen hat es, wie man in den Google-Aktualitäten sehen kann, nicht nur die venezolanische Presse, sondern auch die französische Weltpresse erreicht. Im Land des Menschenfreundes Hugo Chávez wird, in Barinas, im Süden seines Musterländles, der 60-jährige Franzose Christophe Beck von seiner 1200 ha messenden Farm entführt, auf der er gemeinsam mit seiner Ehefrau Martine seit 1992 weiße Zebus züchtet. Seine Farm hat er aus dem Nichts aufgebaut, auf der Pampa.

Wann ist die Entführung? Vor einem Monat, am 13. Dezember 2005.

Die Dorfbewohner haben ihn hart arbeiten sehen", sagt seine Tochter Francesca Beck, in Perpignan, der Journalistin des ""Indépendant" Sandra Canal. Sein Geschäft floriert. Christophe Beck stammt aus Corbère, aus Nordkatalonien, 22 Kilometer von Perpignan entfernt. Das bestätigt das französische Außenministerium bereits heute. Vielleicht ist es wie seinerzeit bei der Tsunami-Katastrophe: erst müssen Weihnachten und St Sylvestre gefeiert werden sowie der Staatspräsident die Neujahrsansprache halten, in der er seine Wünsche und jede Menge fauler Versprechungen kundtut: "trucs", wie sie der Canard enchainé in seiner heutigen Ausgabe bezeichnet, Verpflichtungen, die, wenn überhaupt, seine Nachfolger zu erfüllen hätten, dann folgt die Information zu weniger wichtigem. Spätestens seit Florence Aubenas ist die Luft raus. Entführungen, erst recht, wenn sie nicht im Nahen Osten stattfinden, sind zur Routine geworden. In Venezuela gibt es bereits mehrere Entführungen von Franzosen, darunter der jungen Studentin Stéphanie Minana. Sie wird im Januar 2004 nach 46 Tagen Geiselhaft befreit.

Selbstverständlich habe die französische Regierung sofort alles unternommen, um gemeinsam mit der lokalen Polizei die Befreiung der Geisel zu erreichen, ab dem Tag seiner Entführung nämlich, versichern der französische Botschafter in Caracas Pierre Jean Vandoorne und Baptiste Mattéi, der Sprecher des Quai d´Orsay.

"Haben Sie den Eindruck, daß alles unternommen worden ist, um seine Befreiung zu beschleunigen?" fragt Sandra Canal die Tochter. "Ehrlich gesagt, nein ... Dort (in Venezuela) haben die Zeitungen die Entführung aufgedeckt. Was die Polizei angeht, die sind alle korrupt! Meine Mutter mußte einen Kleintransporter mieten, damit sie die Untersuchung führen konnten. In Frankreich habe ich sofort den Präsidenten des Regionalrates Christian Bourquin benachrichtigt, dann hatte ich Kontakte zur UNO und zur Botschaft Frankreichs in Caracas. Wir waren mittellos der Situation gegenüber ..."

Die Entführer, "guerilleros", Freischärler, Partisanen, wie Francesca Beck sie bezeichnet, verlangen zunächst ein Lösegeld von einer Million Euro, senken aber den Betrag nach und nach bis auf 40 000 Euro. Der Kontakt zu den Entführern läuft über den Bruder von Francesca Beck. Die Summe soll bis zum 15. Januar übergeben sein, widrigenfalls die Geisel "exekutiert" würde, umgebracht. Die Geisel befinde sich in der Nähe der kolumbianischen Grenze. Dort residieren, wie bekannt, Terroristen aller Art, einige von ihnen mit finanzieller Unterstützung des venezolanischen Landesvaters.

Seit zwei Jahren spüre man ein Klima großer Unsicherheit in dem Land, sagt Francesca Beck der Journalistin des "Indépendant". Zwei Züchter seien schon vor ihrem Vater entführt worden. Ziel sind nicht mehr nur Industrielle, sondern andere, wie der Züchter Christophe Beck. Bei ihrer Hochzeit, im Dezember 2004 hätte extra ein Wachdienst eingeschaltet werden müssen, um das Fest abzusichern.

Seit zwei Jahren will Christophe Beck die Farm verkaufen, um wieder nach Frankreich zurückzukehren. In der Online-Zeitung ElUniversal.com ist neben den Artikel über den Entführungsfall eine Anzeige geschaltet: Vivir y Trabajar en EE.UU., Leben und Arbeiten in den USA. 50 000 Gewinner werden in den USA leben und arbeiten können.

So haut jeder ab, so gut, er kann!

11. Januar 2006

Francesca Beck: "Les ravisseurs nous mènent en bateau", Sandra Canal, L´Indépendant et Midi Libre, 11 janvier 2006
http://www.midilibre.fr/actuv2/article.php?num=1136916781

Un Français otage depuis un mois au Venezuela, Reuters, L´Express, 11 janvier 2006
http://www.lexpress.fr/info/infojour/reuters.asp?id=12600&16 06

Un Français pris en otage, AP, NouvelObs.com, 11 janvier 2006
http://permanent.nouvelobs.com/etranger/20060111.OBS1705.htm l

Francia sigue de cerca caso de ganadero francés secuestrado en Barinas. ElUniversal.com, Caracas, martes 10 de enero, 2006
http://deportes.eluniversal.com/2006/01/10/suc_ava_10A652965 .shtml

U.S. Program of Green Card. Lottery - Year 2006
http://www.usafis.org/_sys/ES/spanish_id_land_2.asp

Venezuela. 2006 Index of Economic Freedom. The Heritage Foundation
http://www.heritage.org/research/features/index/country.cfm? id=Venezuela


Quelle: http://www.eussner.net/roussillon_2006-01-11_20-20-38.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 20.11.2008, 18:20 Uhr