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| Foto: Monsieur Boris |

Illusions gauloises
Am 31. März 2006 weilt der UMP-Abgeordnete der Nationalversammlung, der Vertreter des Vierten Pariser Wahlbezirkes Pierre Lellouche, in Perpignan, um sein neuestes Buch vorzustellen und zu signieren: Illusions gauloises, gallische Illusionen. Es ist eines der zahlreichen Bücher über die verfehlte Politik der Präsidentschaft des Jacques Chirac. (1)
Pierre Lellouche distanziert sich bereits seit mehr als zehn Jahren von der Politik des Präsidenten, anders als der Schleimer und Intimfreund bis gestern Franz-Olivier Giesbert, der noch einige Tage vor dem Erscheinen seines Buches über den Verlierer, Lügner, Manipulateur einer der auserwählten am Tisch des Präsidenten ist. Er veröffentlicht La tragédie du président und brüstet sich nun in Talk Shows seines Verrats am Vertrauen des Präsidenten, über den er die pikantesten Anekdoten verbreitet und ihn, der ohnehin massiv angeschlagen ist, damit vollends politisch erledigt. Intimitäten und Geheimnisse des unfähigsten Präsidenten der V. Republik könne man lesen, schreibt Myosotis auf seinem Blog. Es sei schlimmer als das French Bashing der amerikanischen Rechten gegen Frankreich und seinen Präsidenten im Augenblick des Irakkrieges, meint Le Monde über das für den Präsidenten tödliche Buch des FOG, wie er in eingeweihten Kreisen genannt wird. (2)
An dieser Stelle sei daran erinnert, daß FOG einer der Unterstützer des Antisemiten Edgar Morin ist: Franz-Olivier Giesbert, Redaktionsdirektor der Zeitschrft "Point", Gesprächspartner der salafidischen Web Site Oumma.com, der er versichert, die Medien in Frankreich seien nicht islamophob, was Oumma.com schon lange weiß. (3)
Franz-Olivier Giesbert verkörpert die politische und mediale Szene, die Frankreich so lächerlich macht in der Welt. Smart und wortgewandt: Jacques Chirac ist nul, und, man staune, Nicolas Sarkozy ist sincère, aufrichtig, und wahrhaftig. So stellt sich der Opportunist auf die Nach-Chirac-Zeit ein. Aber auch in Frankreich gilt das Wort: Man liebt den Verrat aber nicht den Verräter.
Der Transatlantiker
Nun aber zu Pierre Lellouche. Er wird im Mai 55 Jahre alt. Er ist in Tunesien geboren, und stammt aus einer orthodoxen jüdischen Händlerfamilie. Die Familie muß 1956, als er fünf Jahre alt ist, Tunesien verlassen. Er gehört zu den 850 000 Juden, die nach 1948 aus den arabischen Staaten vertrieben werden. Er hält ein Diplom des Pariser Institut d´Études Politique (IEP) und ist Doktor der Rechtswissenschaften der Harvard-Universität. 1989 wird er außenpolitischer Berater des Bürgermeisters von Paris und ab 1995 Präsidenten Frankreichs Jacques Chirac, der ihn aber bald aus seinem Umkreis entfernt. Eine detaillierte Beschreibung seines Werdegangs findet man u.a. auf dem Voltairenet des Thierry Meyssan, der den Experten für Verteidigungsfragen über dritte und vierte Beziehungen in Zusammenhang mit allen denjenigen bringt, die bei den Linken in Frankreich nichts als Abscheu erregen: Raymond Aron, CIA-Agent, Irving Kristol, Kibutzim, mit denen er für die Entwicklung Israels arbeitet, Olivier Dassault, Michel Gurfinkiel, der bei Thierry Meyssan Michel Gurkinkel heißt, usw.
Pierre Lellouche, der "Botschafter der USA in der Nationalversammlung", gehört zu den in Frankreich geschmähten Transatlantikern. Er ist Vizepräsident der sehr US-freundlichen parlamentarischen Versammlung der NATO und Mitglied des Londoner International Institute for Strategic Studies. (4)
Selbstverständlich läßt auch die durch Liebedienste für die französische Regierung inzwischen als regierungsnah zu bezeichnende linksliberale Libération kein gutes Haar an Pierre Lellouche, Grande Bush, große Klappe, geschrieben nicht bouche, sondern Bush, was genauso ausgesprochen wird und eine dem Niveau der Libération angemessene geniale literarische Leistung bedeutet. Pierre Lellouche rühme sich seiner zahlreichen "copains", Kameraden, in den USA, darunter Paul Wolfowitz und Richard Perle, zweier neo-konservativer Denker und Planer des Irakkrieges. Wie sie sei er besessen von islamistischer Radikalisierung, dem "grünen Faschismus", und er brüste sich einer weiteren "Kameradin", der Außenministerin Condoleezza Rice, der engen Mitarbeiterin von George W. Bush.
Wie anders kann der Journalist der Libération Thomas Lebègue die Einstellung des Pierre Lellouche zum weltweiten islamistischen Terror bezeichnen als Besessenheit? Die Entführung oder angebliche Entführung dreier äußerst araberfreundlicher französischer Journalisten im Irak, darunter seiner Kollegin Florence Aubenas, geben keinen Anlaß, über islamistische Radikalisierung nachzudenken, sie als gefährlich für Frankreich, Europa und die ganze Welt wahrzunehmen, von den Terroranschlägen des 11. September 2001 in New York, von denen in Madrid, 11. März 2004, in Beslan, 1. September 2004, und in London, 7. Juli 2005, sowie von den Attentaten im Irak und den permanenten Suizidattentaten auf die israelische Zivilbevölkerung gar nicht zu reden.
Thomas Lebègue meint, Pierre Lellouche bilde es sich nur ein, daß im Quai d´Orsay, dem Außenministerium Frankreichs, ein pro-arabisches diplomatisches Korps arbeite. Wer die französische Außenpolitik seit 1965 näher betrachtet, kann zu gar keiner anderen Ansicht gelangen. Die französische Außenpolitik ist total pro-arabisch. Bereits 1965 setzt Präsident Charles de Gaulle in Überschätzung des französischen Potentials auf eine anti-amerikanische Linie, in dem er aus dem integrierten Kommando der NATO austritt, und gemeinsam mit den ehemaligen französischen und britischen Kolonien einen europäisch-arabischen Block rund ums Mittelmeer anstrebt. Seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 wird diese Politik durch eine konsequent anti-israelische ergänzt. Einzelheiten über diese Entscheidung und die von Frankreich in der Folge iniitierten zahlreichen Aktivitäten, wie den Euro-arabischen Dialog (EAD), der nach der Ölkrise von 1973 in allen Politikbereichen, vom militärischen bis zum kulturellen, geführt wird, können bei Bat Ye´or nachgelesen werden. (5)
Dagegen wirft Thomas Lebègue dem Pierre Lellouche vor, er verspotte Frankreich als das der Amélie Poulain, der Heldin der bei uns unter dem Titel Die fabelhafte Welt der Amélie seit 2001 in den Kinos zu bewundernden Schnulze, als ein sklerotisches Land, in dem eine Vorliebe für wirtschaftliche Unterstützung und gegen den Liberalismus herrsche. Er verurteile die Darstellung der Palästinenser als Opfer, die Krawalle vom November 2005 als städtische Intifada und erkläre, 80 Prozent der kriminellen Population Frankreichs bestehe aus Immigranten und aus Nachkommen von Immigranten. Den Journalisten der Libération empört der Vortrag von Fakten. Er legt noch ein wenig Häme nach, in dem er von zwei Scheidungen und drei zu versorgenden Kindern redet. Dieser Journalist, der es nicht gewagt hätte, auch nur die leiseste Andeutung über die uneheliche geheimgehaltene Tochter des François Mitterand zu machen, suhlt sich geradezu in solchem Klatsch. Wie die Neo-Cons der USA habe auch Pierre Lellouche als Linker angefangen, was den offensichtlich nicht lernfähigen Thomas Lebègue zu den abfälligen Worten hinreißt, 25 Jahre später verteidige der zum Antikommunisten gewordene ehemalige Linke den amerikanischen Imperialismus, sage er habe einen Telefondraht zu Gott und suche einen Termin für die Bar mitsva seines Sohnes. Thomas Lebègue scheint es als selbstverständlich anzunehmen, daß Frankreich mit keinem irgendwie gearteten Imperialismus zu tun hat. Er verkörpert damit genau die Art Medienvertreter, die dazu beitragen, die französische Öffentlichkeit zu verdummen; er ist ein Darsteller der heilen Welt der Amélie Poulain. (6)
Von Thomas Lebègue und seinesgleichen handelt das Buch Illusions gauloises. Pierre Lellouche belegt seine Vorwürfe in Perpignan vor einigen Interessierten, darunter drei Jugendliche, an konkreten Beispielen: Indien, China und Großbritannien stehen wirtschaftlich besser da als Frankreich, jedes Neugeborene in Frankreich bekommt 60 000 Euro Staatsschulden mit auf den Lebensweg, die Jugendlichen streben Umfragen zufolge zu annähernd 70 Prozent in den öffentlichen Dienst. Auf Frankreich wird weltweit wirtschaftlicher und politischer Druck ausgeübt, aber in Frankreich interpretiere man das als Sieg. Der Autor verspottet Frankreich nicht, sondern er charakterisiert die Einstellung der Mehrheit von Regierung, Medien und Bevölkerung treffend: Die Arroganz, als in den USA im August 2005 der Hurrikan Katrina wütet. Zwei Monate später versinkt Frankreich in Krawallen, mit denen die Regierung nur schwer fertig wird. Städtische Intifada nennt sie zurecht Pierre Lellouche. Vergessen vor lauter Anwürfen gegen die USA über die angebliche Benachteiligung von Schwarzen bei den Rettungsaktionen ist auch die Hitzewelle von 2003, wo innerhalb von zwei Wochen 15 000 mehrheitlich alte Menschen sterben, allein gelassen von der französischen Gesellschaft, von einem unflexiblen Gesundheitssystem.
Man müsse in Frankreich noch auf die Beerdigung eines Angehörigen 19,6 Prozent Mehrwertsteuer entrichten, wirft er als Anekdote ein. So kassiere der Staat noch von den Toten.
6+3+3, sechs Millionen Staatsbedienstete, drei Millionen Arbeitslose und drei Millionen Menschen mit gesellschaftlichem Minimalstandard von 22 Millionen Franzosen im arbeitsfähigen Alter sind für ihn kein Grund, das französische Gesellschaftsmodell zu loben, sondern er führt es vor. Sein Buch handelt von der Herausforderung durch den Terror, vom Anti-Amerikanismus und vor allem von der Traumtänzerei der Mehrheit der Franzosen, ihrer Regierung und ihrer Medien über die Stellung Frankreichs in der Welt. Diese Thematik behandele ich in einem Artikel über die Sommeruniversität des Parti Radical, vom 8. bis 10. Juli 2005, in Perpignan. Seit 25 Jahren, wenn nicht länger, befinden sich Politik und Wirtschaft Frankreichs im Niedergang, die Ablehnung der Europäischen Verfassung durch die Bürger Frankreichs, am 29. Mai 2005, die Eliminierung von Paris als Austragungsort der Olympiade 2012, im Juli 2005, die Krawalle der größtenteils muslimischen jungen Männer in den Vorstädten Frankreichs, ab Ende Oktober 2005, und die bis jetzt anhaltenden Streiks, Proteste und Krawalle aus Anlaß des Gesetzes Contrat première embauche (CPE), über die Kündigungsregelungen für Jugendliche bis 26 Jahren, sind spektaluläre Tiefpunkte der französischen Politik. (7)
Demonstranten gegen Pierre Lellouche
Die französische Gesellschaft aber möchte das alles nicht hören und sehen. Die demonstrierenden Jugendlichen aus den Gymnasien und den Universitäten sind größtenteils gar nicht negativ betroffen von dem neuen Gesetz. Es sollte dazu dienen, den schwer zu vermittelnden muslimischen Jugendlichen einen Einstieg ins Berufsleben zu verschaffen. Die Unkenntnis der französischen jungen Elite aus gutem Hause über das Berufsleben, mit dem sie nichts im Sinne hat, bringt sie nicht auf den Gedanken, daß ein Unternehmer nicht so ohne weiteres jemanden, den er monatelang ausbildet und anlernt, kurz und bündig auf die Straße setzt. Er investiert nämlich in den Azubi. Heute aber ist es für Unternehmer schwierig, ungeeignete Mitarbeiter wieder loszuwerden. Sie zögern deshalb mit der Anstellung. Das schadet den Arbeitslosen.
In ihrer Verblendung demolieren die Jugendlichen gemeinsam mit professionellen Krawallmachern die Lehreinrichtungen, in denen sie ausgebildet werden, fackeln Autos ab und machen auch vor Symbolen ihrer liberalen amerikafreundlichen Erzfeinde nicht halt, beispielsweise vor dem Büro des UMP-Abgeordneten Pierre Lellouche, der gerade im Roussillon, am schönen Mittelmeer weilt. An die 300 Krawalllmacher demolieren in der Nacht von Freitag auf Samstag, ab 3 Uhr, das Büro in der Rue Maubeuge, im Pariser 9. Arrondissement, bis zur Unkenntlichkeit. Die Polizei kann der Wandalen erst eine Stunde später Herr werden. Pierre Lellouche erstattet Anzeige. (8)
Auf seinem Blog veröffentlicht Pierre Lellouche, am 23. März 2006, einen Beitrag über die Sicherheit von Journalisten, die aus Konfliktzonen der Welt berichten. Dieser Beitrag bleibt zehn Tage unkommentiert. Am 1. April reizt es zwei Kommentatoren, wahrscheinlich aus Kreisen der Demonstranten, infame schadenfrohe Bemerkungen zu dem zerschlagenen Büro des Paladin des Neo-Liberalismus zu machen. Es gebe bei IKEA gerade Sonderangebote. Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung! Mein bevorzugter kleiner Basar-Tocqueville hat diese Nacht seinen Sitz zersplittern gesehen. Die Wortwahl zeigt, daß es sich nicht um einen muslimischen Immigrantenjungen handelt, sondern um einen Akademiker, genau um einen derjenigen, die das Elend Frankreichs verantwortungslos immer weiter treiben.
Und sieh, mein Pierrot, das Unglück der einen macht das Glück der anderen. So ist es. Nur in einem anderen Sinne, als der Herr Yéoutonchar mit der passenden Email-Adresse hayek@nazijaune.ca meint. Ahmed Melon und Peter Greenfinch, die nächsten Antisemiten, ergänzen: (9)
Die Geschäftsstelle verwüstet?
Franzosen, noch eine Anstrengung, um den Zionismus auszurotten!
Das alles ist nicht sehr schlimm. Rothschild und die Botschaft vom Lande Zion werden den Wiederaufbau des durch die CPE-Demonstranten Zerstörten vollständig finanzieren. Alles das wird die liberale WIRTSCHAFT zum Laufen bringen, und der "Abgeordnete" Lellouche wird nicht fehlen, seinen kleinen Gewinn zu machen. Was sein muß, muß sein, nicht?
Auf weitere Ergänzungen der linken Antisemiten darf man gespannt sein.
1. April 2006
Quellen
(1) Pierre Lellouche: Illusions gauloises. Bernard Grasset, Paris 2006
(2) L´anti-Chirac s´arrache en librairie. Par Béatrice Gurrey, Le Monde, 21 mars 2006
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3224,36-753136,0.h tml
Franz-Olivier Giesbert ou la misère du journalisme politique. Myosotis, Blog Mille feuilles, 20 mars 2006
http://livres.fluctuat.net/blog/2490-franz-olivier-giesbert- ou-la-misere-du-journalisme-politique.html
(3) Der Antisemitismus in Frankreich: ein Krebsgeschwür. Abschnitt: Die Unterstützerliste, Anmerkung 32. 1. Juli 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-07-01_13-45-34.html
(4) Réseaux d´influence atlantistes. Madelin et Lellouche contre Chirac. voltairenet.org, 15 avril 2003
http://www.voltairenet.org/article9514.html
Lellouche, ambassadeur US à l´assemblée nationale. Par Ziad Gebran
http://www.surlering.com/pdf.php/id/4900
(5) Eurabia. The Euro-Arab Axis. By Bat Ye´or. Madison. Teaneck. Fairleigh Dickinson University Press, USA 2005
(6) Pierre Lellouche. Grande Bush. Un portrait critique. Par Thomas Lebègue. Libération, 1 février 2006. Site de Denis Touret, Université Paris 12, Faculté de droit
http://www.denistouret.net/constit/Lellouche.html
http://www.liberation.fr/page.php?Article=355777
(7) Sommer in Frankreich. 12. Juli 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-07-12_03-52-17.html
(8) A Paris, une joyeuse "randonnée politique" nocturne. Par Luc Bronner, Le Monde, 1 avril 2006
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3224,36-756940@51- 725561,0.html
(9) Pierre Lellouche: Sécurité des journalistes et liberté d´informer dans les zones de conflit. Le blog de Pierre Lellouche, député et conseiller de Paris
http://pierrelellouche.blogs.com/pierre_lellouche/2006/03/sc urit_des_jour.html