

Zwei angebliche Dokumentarfilme kommen in Frankreich in die Kinos
Liebe Freunde!
Ich weiß es jetzt schon: nicht nur, daß ich mir kein Buch des großen Linguisten von Boston Noam Chomsky kaufen darf, nein, ins Kino darf ich gewiß auch nicht. Meine Herrin brauche ich gar nicht erst zu fragen. In den mit der Goldenen Palme von Cannes gekrönten Film Fahrenheit 9/11 des Michael Moore will ich freiwillig nicht, weil doch der Autor sich schon selbst wundert, warum man ihm für sein Werk einen Preis, und dann noch den besten, verleiht. Soviel Selbstkritik muß schaf achten. Aber die beiden anderen Filme, über Dabbelju, den der Umweltaktivistin und Pazifistin Christine Rose Liberty Bound und den des Enthüllungsdokumentaristen William Karel Le Monde selon Bush, die hätte ich doch gern gesehen. Stellt Euch vor, Liberty Bound, was doppeldeutig sowohl heißt Gefesselte Freiheit als auch Hin zur Freiheit (so ähnlich wie in grauer Vorzeit Brüder, zur Sonne, zur Freiheit ...) kommt am selben Tag in die Kinos wie Le Monde selon Bush, Die Welt gemäß Bush, oder wie Bush sie sieht. (1)
Ich hätte ja ins Espace St Michel, in Paris eh nicht gehen können, wo Liberty Bound gezeigt und wohin Tout Paris eingeladen wird, aber den anderen, den hätte ich in Perpignan gern angesehen. Frank C. Carlucci, den ehemaligen Präsidenten der Carlyle Group, den William Karel dazu gebracht hat, ein Interview mit ihm aufzunehmen, den zu verpassen, das schmerzt mich schon jetzt. Frank C. Carlucci meint, wie uns William Karel aufklärt, daß er mit seiner Darstellung über die Carlyle Group sachlich informieren könnte, aber da vergißt er den Spruch Alles was Sie jetzt sagen, kann gegen Sie verwendet werden. Hat er nicht von den anderen Filmen des Regisseurs gehört, die alle hinter den Kulissen der USA spielen?
Wie Ihr Euch lebhaft vorstellen könnt, würde ich auf meine Bitte wieder hören, ich möge mich im Internet informieren, mehr sei nicht drin. Also habe ich das lieber gleich getan, denn es ist nicht gut, Menschen in Mißlaune zu versetzen, selbst meine Herrin nicht, die sich, was mich angeht, im Grunde zu einem umgänglichen, nachsichtigen Kumpel entwickelt hat.
Habt Ihr deren Text Le Monde selon Bush und ein Artikel, vom 4. Dezember 2001, hier auf dieser Site, gelesen? Wenn ja, dann seid Ihr schon in etwa eingestimmt. Ich habe also gleich geguckt und, Treffer! dumbledore sieht den Film auf FR2 und setzt sich noch in derselben Nacht hin, um der Welt seine Ansicht kundzutun. (2)
Sie weicht nicht groß von der meiner Herrin ab, muß ich sagen. William Karel besitze ungeachtet der Ansicht, die jemand über George W. Bush haben könnte (und dumbledore hat keine gute), ethisch, menschlich und intellektuell nicht die Eigenschaften eines Dokumentaristen. Er achte nicht dessen erstes Gebot, nämlich die Worte des anderen zu respektieren, sondern er verstümmele ihren Sinn, fügt er noch verschärfend hinzu. Seine Argumente seien nicht unumstößlich und objektiv, sondern man erlebe 90 Minuten Manipulation. Äußerungen der von ihm abgelehnten Personen aus dem Kreis um George W. Bush würden nur deshalb zitiert, um eine Menge gegnerischer Äußerungen vorzuführen, die den zitierten herabwürdigten und zum Nichts reduzierten. Da muß ich sagen, mit Menschlichkeit und intellektueller Redlichkeit hat das tatsächlich nichts zu tun. dumbledore meint, William Karel habe einen Propagandafilm hergestellt.
Damit kommt William Karel in Frankreich bestimmt gut an, mit den Lügen des George W. Bush und seiner Regierung. Das ahnt schaf schon bei der Lektüre einer anderen Filmkritik, die den Film zwar als Pamphlet, allerdings als ein gelungenes darstellt. Der Regisseur nehme sich seines Themas mit verblüffender journalistischer Exaktheit an. Er montiere nur die eigenen Worte der Protagonisten. Diesem Kritiker fällt nicht auf, daß ein solches Vorgehen noch nicht für Leidenschaftslosigkeit und Sachlichkeit sprechen muß. (3)
Diese beiden Filme sind nun im Angebot. Christine Rose, die sagt, sie habe jeden Glauben an die Demokratie verloren, und die nun den Schleier vom dunklen Gesicht des amerikanischen Imperiums lüften will, vergleicht in ihrem Film George W. Bush mit Adolf Hitler, in dem sie Reden beider zusammenschneidet und sie mit passenden Archivfotos unterlegt: Als man Hitler den Reichstagsbrand mitteilte, sprach er von einem terroristischen Akt und einem Zeichen Gottes. Er bediente sich dessen, um seinen totalen Krieg gegen den Terrorismus zu rechtfertigen.
Reichtagsbrand, Pearl Harbor und 11. September - alles eins für Howard Zinn, den Historiker, der am Film der Christine Rose mitgearbeitet hat.
Ich habe gesehen, was Michael Moore mit seinen Filmen machte, und ich habe verstanden, daß ein Film sehr wohl die Seele der Menschen erschüttern kann, sagt die Regisseurin.
So schwimmen sie mit auf der Erfolgswelle des Michael Moore. Wie dieser präsentieren sie die surrealistische Szene des Präsidenten des mächtigsten Staates der Welt, in dem sie zeigen, wie er in der Schule in Florida, als ihm die Nachricht übermittelt wird, einfach weiter Geschichten vorliest, und sie erwähnen den Großvater Prescott Bush und seine Finanzierung von Nazi-Unternehmen. (4)
Ich sage voraus, daß diese Filme noch von Michael Moore zehren und einiges einspielen werden, wenn auch nicht sehr viel; denn die Leute wollen lieber Spaß haben, als olle Kamellen zum x-ten Mal vorgesetzt bekommen.
Blök!
Euer Schaf
21. Juni 2004
Anmerkungen
(1) Liberty Bound. Un film de Christine Rose. Actualité Cinéma
http://www.commeaucinema.com/news.php3?nominfos=31331
(2) Le Monde selon Bush. Critique De dumbledore, le 19 juin à 00:45
http://dvdtoile.com/Film.php?id=29432&page=2
(3) Le Monde selon Bush. Cinéma en salles, 19 juin 2004, 21:34
http://www.chronicart.com/cine/cine_ensalles.php3?id=8813
(4) Deux documentaires mettent le président Bush en accusation
AFP - les dernières dépêches, 21 juin 2004, 11:00 - TV5.org
http://www.tv5.org/TV5Site/cinema/afp_article.php?idArticle= 040621105947.k65esv1l.xml