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Was das Schaf zu blöken hat...Was das Schaf zu blöken hat...

Die Familie Dassault und die Presse - eine lange Geschichte. Ein Geblöke vom Schaf, vom 17. Juni 2004

Liebe Freunde!

Ihr habt doch sicherlich schon längst die Faxen dicke vom dünnbrüstigen Noam Chomsky und seinen noch kurzatmigeren Adepten, oder? Seit unserer Rückkehr aus dem Urlaub setze ich mich dafür ein, daß ich endlich etwas anderes blöken darf, aber meine Herrin hat taube Ohren. Schaf, sagt sie, dem berühmten Linguisten wollen wir noch eine Weile die Ehre erweisen, die ihm gebührt, und deshalb bleibt dein Geblöke über ihn noch stehen.

Ehrlich, ich kann das schon nicht mehr sehen und sitze ganz maulig in meinem Pferch, da hören wir heute die Nachricht, daß der Rüstungs- und Medienkonzern Groupe Industriel Marcel Dassault (GIMD) es geschafft hat, mit einigen Auflagen durch Mario Monti, Kommissar der Konkurrenzabteilung der EU, 82 Prozent der Socpresse zu übernehmen. Meine Herrin ist ganz Ohr. Leider sagt niemand, von wem der GIMD die Anteile an Socpresse übernimmt. Das wissen anscheinend schon alle Rundfunkhörer.

Schaf, sagt sie, darum könntest du dich jetzt einmal kümmern. Sitze nicht nutzlos in deinem Pferch. Da kriege ich gleich wieder Angst, von wegen Kochtopf oder Spieß, so daß ich nicht widerspreche, sondern sofort zu suchen anfange. Ich grase bei Google und werde fündig.

Ich will eine Zeitung, um einigen Journalisten zu antworten, die nicht sehr angenehm über mich geschrieben haben, erklärt der heute 79-jährige Serge Dassault im Jahre 1997 in einem Interview des Fernsehsenders LCI. Seit 1986 ist der enge Freund von Jacques Chirac Präsident des Rüstungs- und Medienkonzerns GIMD, Produzent u.a. der Flugzeuge Mirage und Rafale, und mit den Stimmen des Front National gegen den Kandidaten der Linken zum Bürgermeister (UMP) von Corbeil-Essonnes gewählt. Sein Vermögen wird von Forbes auf 5,2 Milliarden Euro geschätzt. Er ist der drittreichste Mensch in Frankreich, nach Liliane Bettencourt und Bernard Arnault, und weltweit steht er an 60. Stelle. (1)

Serge Dassault ist der Sohn von Marcel Dassault, Gründer des GIMD. (2) Schon sein Vater hat einen Hang zur veröffentlichten Meinung. Er gründet u.a. die Wochenzeitung Jours de France, die er als Chefredakteur leitet. (3)

Die Chancen für Serge Dassault, mindestens eine Zeitung zu erwerben, stehen günstig, denn im April 1996 stirbt der Medienmagnat Robert Hersant und hinterläßt seinen Erben an die 70 verschiedene Printmedien, darunter Le Figaro, L´Express, L´Expansion, mehrere Regionalzeitungen und zahlreiche Druckereien, ein stattliches Reich, wozu neben der kleineren France Antilles die Socpresse gehört, die Hauptholding der Hersant-Gruppe. Geführt wird der Konzern von Philippe Hersant, einem der Erben. Das Management gestaltet sich schwierig. (4)

Im Juni 1999 steigt trotz aller Bemühungen und eines Angebotes in Höhe von 1,6 Milliarden Franc (ca. 244 Millionen Euro) des GIMD erst einmal die europäische Zweigstelle der US-amerikanischen Carlyle Gruppe, der seinerzeit 730 Millionen Euro schwere Fonds Carlyle Venture Partners Europe unter seinem Präsidenten, dem ehemaligen britischen Premierminister John Major in die Hauptholding der Hersant-Gruppe Socpresse ein, in dem sie 4,9 Prozent der Figaro-Holding, der neuen Kontrollstruktur der Figaro-Gesellschaft übernimmt und damit maßgeblich Kontrolle über Le Figaro erhält. Außerdem erwirbt der US-Fonds das Vorkaufsrecht bis Juni 2006 von bis zu 40 Prozent der Anteile. Umgehend wird der Figaro Online angereichert mit Links zum US-Verteidigungsministerium und seinem DefenseLink.mil, der Steckbrief von Osama bin Laden wird dort veröffentlicht, und der Figaro-Korrespondent Jean-Jacques Mével schreibt begeisterte Kriegsartikel: Bref, il faut frapper vite, Kurz, man muß schnell zuschlagen, steht in seinem Artikel Deux mois pour une victoire américaine, Zwei Monate für einen amerikanischen Sieg, am 6. Dezember 2001. (5)

Über den Kauf beabsicht Carlyle auch, auf die Publications quotidiennes régionales (PQR), die europäischen Regionalzeitungen Zugriff zu bekommen, was die französischen Nationalisten nicht mehr schlafen läßt. Serge Dassault ist bis Anfang 2002 erst einmal abgemeldet. Ein für die Grande Nation unhaltbarer Zustand ist eingetreten. Der ändert sich erst, als Serge Dassault am 30. Januar 2002 mit 457 Millionen Euro zu 30 Prozent in das Kapital von Socpresse eintritt, indem er Aktien von den 13 Hersant-Erben kauft. Die Umstrukturierung führt dazu, daß die Carlyle Group keinen Zugriff über die Socpresse auf die Regionalzeitungen bekommt. Der Carlyle Fonds zieht sich nach einem großzügigen Angebot von Socpresse zurück. Sein Anteil wird ihm abgehandelt.

Am 11. März 2004 besitzt Serge Dassault durch Zukauf 82 Prozent von Socpresse, nachdem die meisten Erben ihre Anteile an ihn verkaufen. 13 Prozent, mit Vorkaufsrecht auf die übrigen Hersant-Aktien, werden noch von Aude Ruettard, Enkelin von Robert Hersant und Studentin in Kalifornien, gehalten und 5 Prozent vom Socpresse Management. Serge Dassault ist sehr zufrieden, hört man aus seiner Umgebung. Die Hersant-Erben ebenfalls. Sie sind mit dem Erlös ihrer Verkäufe ins Ausland verzogen, um somit dem französischen Fiskus zu entgehen. Eine Seite wird umgeblättert, sagt der Präsident des Direktoriums des Figaro dazu. Nach vielen vergeblichen Versuchen hat Serge Dassault sein Ziel erreicht.

Heute gibt Mario Monti sein Einverständnis zum Kauf, nachdem Dassault sich bereit erklärt, die Finanzzeitung La Vie Financière aus der Socpresse herauszulösen. Damit kann er gut leben.

Der Wert von Socpresse wird auf eine Milliarde Euro beziffert, niedriger als 2002, ihr Umsatz für 2003 auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt. GIMD bezahlt die nötigen 500 Millionen Euro zum Erwerb von 82 Prozent an Socpresse ohne Kreditaufnahme aus seinem Vermögen. Serge Dassault interessiert sich hauptsächlich für Le Figaro (352 735 verkaufte Exemplare täglich), Le Figaro Magazine (samstags herausgegeben zu 456 545 Exemplaren) und L´Express (547 057 Exemplare wöchentlich). So kann es sein, daß die anderen Publikationen weiterverkauft werden. (6) Die Beschäftigten in den erworbenen Medien sind um ihre Arbeitsplätze besorgt. Die Gewerkschaften des Figaro wollen unbedingt sofort Serge Dassault sprechen. (7)

Frankreichs Regierung ist ebenfalls zufrieden. Die Rüstungs- und Medienkonzerne GIMD und EADS kontrollieren nun mehrheitlich die französischen Medien. Weitere Besitzer sind François Pinault, Le Point, Printemps, und Bernard Arnault, LVMH. Man stelle sich doch nur vor, daß die Carlyle Group die Medien Figaro-l´Aurore, le Figaro Magazine, Presse Océan, le Courrier de l´Ouest, le Maine libre, le Dauphiné libéré, le Progrès, le Bien public, Madame Figaro, TV Magazine, Paris Turf und zahlreiche Druckereien kontrolliert hätte. Es reicht schon, daß Carlyle Aprovia von Vivendi Universal Publishing (VUP) erwirbt, die Herausgeberin von Fachzeitschriften für Medizin, für Industrie und Technologie. (5)

So, liebe Freunde, Ihr seht, daß in Frankreich alles fest in französischer Hand ist. Na, ja, über EADS und den einen oder anderen Konzern auch ein wenig in deutscher, klar. Aber US-Kapital in den Medien ist erst einmal zurückgedrängt, und Ignacio Ramonet, der Diplo und ATTAC müssen nicht mehr so laut zetern. Wenn es so weitergeht, braucht man diese linken Claqueure bald gar nicht mehr. Dann formiert sich dank der gleichgeschalteten Medienlandschaft die Gesellschaft von ganz allein.

Blök!
Euer Schaf!

17. Juni 2004

Anmerkungen

(1) Serge Dassault, l´héritier sur les traces de son père
http://actu.voila.fr/Depeche/depeche_media_040617143527.4c32 3br5.html

(2) Le groupe Dassault entre dans le capital de la Socpresse, la maison mère du quotidien "Le Figaro", par Nicole Vulser, Le Monde, 31 janvier 2002, 12h53
http://www.lemonde.fr

(3) Zur aufregenden Gechichte des Marcel Dassault in Luftfahrt und Medienwelt Frankreichs siehe: Marcel Dassault. Dassault de A à Z. Histoire. Marcel Dassault. Dassault Passion
http://www.dassault-aviation.com/passion/fr/dassault_a_a_z/h istoire_aviation/hommes_aviation/dassault.cfm

(4) Socpresse. Docpresse
http://www.esj-lille.fr/docpresse/Presse/eco/socpresse.htm

(5) Carlyle Group: vers un contrôle de la presse européenne? par mirmillon.
Infocrise, lundi 17 février 2003
http://www.infocrise.org/article.php3?id_article=46

Die Carlyle Gruppe, bekannt auch als der Club der ehemaligen Präsidenten, da zahlreiche von ihnen in Diensten der Gruppe stehen, ist einer der größten Auftragnehmer des Pentagon und eine der stärksten Mächte im Telekommunikationssektor. Ihre Investoren sind die größten Banken und Versicherungsunternehmen der Welt sowie die größten Pensionsfonds der USA.

(6) Le groupe Dassault rachète la Socpresse. Par Pascale Santi. Le Monde, 12 mars 2004
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3234,36-356481,0.h tml

(7) Figaro: les syndicats de journalistes veulent rencontrer Serge Dassault.
Voila.fr, 17 juin 2004, 17h00
http://actu.voila.fr/Depeche/depeche_media_040617150021.xhwv 33ez.html


Quelle: http://www.eussner.net/schaf_2004-09-18_22-44-51.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 20.11.2008, 19:27 Uhr