

Lyon - kein Platz für lebende und für tote Juden - Ein Geblöke des Schafes, vom 11. Augsut 2004
Liebe Freunde!
Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll, daß meine Herrin manchmal das Lokalblättchen L´Indépendant und mich in meinem Pferch unbeaufsichtigt zurückläßt; denn was ich dann lese, das erfreut mich gar nicht.
Gerade habe ich Euch von der angeblichen Aggression gegen eine junge Frau in der Pariser Vorortbahn RER D und dem Überfall, vom 1. August, auf drei jüdische junge Männer durch 15 arabischstämmige ebenfalls junge Männer im Vorort von Lyon Villeurbanne geblökt, wobei die Polizei bis heute nicht ausschließt, daß es sich um Raufereien (drei gegen fünfzehn!) zwischen Gruppen handeln, also von Antisemitismus nicht die Rede sein könnte, da geht es schon wieder weiter. Es geht auch weiter mit der Art, wie die französischen Politiker und die Medien die Fälle behandeln, nämlich mit schrillem Geschrei und allerlei billigen Ausreden.
Meine Herrin berichtet auch darüber, daß Ariel Sharon beim französischen Präsidenten Jacques Chirac seit Mitte Juli nicht mehr willkommen ist (falls er´s denn jemals war), weil jener meint, die französischen Juden sollten des zu starken Antisemitismus in Frankreich wegen nach Israel auswandern. Der französische Präsident bedarf des Ariel Sharon und Israels nicht, denn er hat bessere, einflußreichere Freunde in den arabischen Staaten. Den Terroristenchef der schiitischen libanesischen Hisbollah (Partei Allahs) Sajjed Hassan Nasrallah beispielsweise, mit dem er sich um die Beliebtheit in den arabischen Staaten die Ränge streitig macht, sieht schaf mal vom 1970 verstorbenen ägyptischen Nationalisten Gamal Abdel Nasser ab.
Die Affinität der französischen Regierung zu den arabischen Staaten zur Sicherung beiderseitiger Interessen bleibt bei der Beschaffenheit dieser Staaten und derer autoritären oder diktatorischen Regierungen nicht ohne Folgen. So kann der bigamistische salafidische Imam Abdelkader Bouziane mit seinen zwei Frauen und 16 Kindern in Vénissieux, einem anderen Vorort von Lyon, unbehelligt die Scharia samt Schlagen unbotmäßiger und Steinigung untreuer Ehefrauen predigen, der islamistische Prediger Tariq Ramadan, Enkel des Gründers der ägyptischen Muslimbrüder Hassan al-Banna, Lyon zum Zentrum seiner Islamisierung Frankreichs machen und dazu mit dem florierenden Verlag Tawhid zusammenarbeiten, wo Schriften über den Glaubenskrieg verbreitet werden - in Frankreich wird das alles geduldet. Wenn sich der Innenminister Dominique de Villepin dazu entschließt, den Imam Abdelkader Bouziane aus Frankreich auszuweisen - gegen ihn liegt ein Ausweisungsbeschluß schon monatelang vor, aus der Zeit des Innenministers Nicolas Sarkozy, ohne daß er ihm überhaupt zugestellt wird -, dann ist der Imam nach einer Karenzzeit wieder in Lyon und agitiert weiter. Bezahlt wird das eh von Saudi-Arabien, das über die letzten Dutzend Jahre weltweit 90 Milliarden Dollar für die Islamisierung im salafidischen wahhabitischen Sinne ausgibt: Fremdfinanzierung des Staates im Staate.
Dennoch wundert es mich Schaf immer wieder, wenn ich über antisemitische und antiisraelische Ausschreitungen in den französischen Medien lese. Eigentlich sollte schaf sich doch daran gewöhnt haben, nicht?
Nun geht es um die Schändung des jüdischen Friedhofes La Mouche, in Lyon. 56 Gräber, ein Denkmal für die fürs französische Vaterland gefallenen jüdischen Soldaten und eine Friedhofsmauer werden in der Nacht vom 9. auf den 10. August mit linksdrehenden Hakenkreuzen, Keltenkreuzen und falschgeschriebenen Adolf Hitlers (Hadol Hitler) sowie einer dubiosen islamfeindlichen Schrift versehen. Was schreibt Jacques Patoz heute im Indépendant darüber? Es wäre möglich, daß es sich um un acte gratuit d´un quelconque imbécile, die Tat eines wie auch immer Verrückten, handeln könnte. Er weist hin auf die große Aufregung über den angeblichen Fall der Aggression in der RER D und endet in Rätseln, indem er schreibt, es würde das Spiel der Rassisten getrieben, wenn die Regierung gegen gewöhnliche Fälle von Aggressionen nichts unternehme, sondern nur solche Fälle wie die Schändung der jüdischen Gräber groß herausstellte.
Soviele Zeilen schindet er, in denen er stattdessen hätte darauf hinweisen können, daß die Friedhofsschändung passend zu einem Gedenktag geschieht, nämlich zum 60. Jahrestag der Abfahrt des convoi 78, des Transports Nr. 78, ins Vernichtungslager Auschwitz, am 10. August 1944. Die jüdische Gemeinde von Lyon gedenkt heute vor dem Fort Montluc dieses Transportes, die Namen der Deportierten werden dort verlesen und ein Denkmal soll eingeweiht werden.
Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, was da wieder an Betroffenheit seitens der Regierungsvertreter und der Gemeinde von Lyon abgeht. Der Justizminister Dominique Perben ist anwesend und vertritt den auf der Insel Réunion im Urlaub weilenden Jacques Chirac würdig. Während die Medien ausführlich über die Untersuchungen in alle Richtungen schreiben, wird der convoi 78 auch ein bißchen mit erwähnt. Ansonsten geht es bei Olivier Mouton von lalibre.be um intolérance entre communautés, um Intoleranz zwischen den religiösen Gruppen, und auch über den auf dem Friedhof von Lyon gefundenen Slogan über die invasion islamique berichtet er.
L´Express hat für die Leser eine blutbeschmierte Axt, die eine Verbindung zu einem anderen Kriminalfall bedeuten könnte, in dem ein mysteriöser Phinéas eine Rolle spielt. Dieser Name wird auf drei geschändeten Gräbern gefunden. Er bezieht sich auf eine US-amerikanische Neo-Naziorganisation: Phineas Priesthood. Der Täter auf dem jüdischen Friedhof La Mouche, von Lyon, könnte derselbe sein, der letzte Woche einen jungen Maghrebiner angriff, schreibt die Libération. Sie weiß noch etwas, außer daß zwei gewöhnliche Einbrecher, die nichts mit den Grabschändungen zu tun haben, ihre Beute auf dem Friedhof verstecken: der Wiederholungstäter mit der blutigen Axt sei beeinflußt von der amerikanischen Neo-Naziorganisation. Die Untersuchungen schritten rasch vorwärts. Die Polizei sei auf die Web Site von Phineas Priesthood, Priesteramt des Phineas, gestoßen.
Phineas Priesthood und die Gruppen Aryan Nations und The Order fordern dazu auf, Gewalttaten gegen Juden und Nicht-Weiße auszuführen. Die terroristische, mordende und raubende Gruppe The Order, auch bekannt als Bruders Schweigen, die gewalttätigste Gruppe in den USA der 80er Jahre, ist eine Gründung von Robert J. Mathews, der 1984 in einem Schußwechsel mit der Polizei getötet wird. Aus der Beute finanziert The Order Neo-Nazigruppen. Noch 1999 existieren Reste dieser Gruppe. Einzelne Mitglieder agitieren aus den Gefängnissen heraus. David Eden Lane (Jahrgang 1939), der gegenwärtig bis zum Jahre 2041 in Florence/Colorado wegen Mordes und Terrors inhaftiert ist, erfindet die berüchtigten 14 Words: We must secure the existence of our people and a future for white children, Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft für weiße Kinder sichern. Die Zahl 14 ist inzwischen weltweit zum Code der gewaltbereiten Rassisten avanciert, schreibt das Lexikon Rechtsextremismus.
Der Investmentberater Richard Kelly Hoskins, ein Mitglied der rassistischen und antisemitischen Identity Bewegung, einem Klan Splitter von The Order, schreibt 1990 das Buch Vigilantes of Christendom: The Story of the Phineas Priesthood, wobei Phineas oder Pinehas eine biblische Gestalt ist. Pinehas ist im Alten Testament der Sohn des Priesters Elasars, des Sohnes Aharons, der um die Reinheit Israels zu erhalten, einen Israeliten tötet, der mit einer Frau der Midianiter "gemischtrassige" sexuelle Beziehungen hat. Er macht kurzen Prozeß mit ihnen und durchbohrt sie mit dem Speer.
Für Richard Kelly Hoskins und seine Anhänger sind die Europäer das auserwählte Volk, und die Juden sind Abkömmlinge des Teufels. Schwarze sind Unter- oder Schlammenschen, mud people.
Die Organisation Phineas Priesthood des Richard Kelly Hoskins, der mit Hochachtung von The Order, Adolf Hitler und von Mördern von Homosexuellen und Menschen aus Mischehen zwischen Schwarzen und Weißen spricht, fordert auf zu Taten des Phineas, Gewalttaten gegen Juden und Nicht-Weiße. Phineas Priesthood versteht sich als christliche Guerilla, die sich an jüdisch-christlichen Verrätern rächt. Sie legen Bomben in Zeitungsverlage, in eine Planned Parenthood Klinik, rauben Banken aus und veröffentlichen Schmähreden gegen das Bankensystem. Auch sie finanzieren aus der Beute Neo-Nazigruppen.
Der Täter auf dem jüdischen Friedhof La Mouche, in Lyon, ist vielleicht im Zuge der Globalisierung aus den USA hierher geschwappt, oder sind es nur die Ideen des Überlegenheitswahnes?
Schaf kann nur hoffen, daß die französische Polizei den aus den USA von diesen Neo-Nazis beeinflußten verrückten Einzeltäter bald festnimmt, und daß damit Antisemitismus und Rassismus in Frankreich endlich aufhören.
Blök!
Euer Schaf
11. August 2004
Weidegründe, in denen ich das fand:
Trois adolescents juifs agressés près de Lyon. La police n´est pas persuadée du caractère antisémite de l´incident intervenu dimanche soir à Villeurbanne.
Par Blandine Grosjean, Libération, mardi 3 août 2004
http://www.liberation.fr/page.php?Article=228103#
La profanation du cimetière juif de Lyon suscite l´indignation. REUTERS France. À la Une.
Tue August 10, 2004 5:37 PM CEST
http://www.reuters.fr/locales/c_newsArticle.jsp?type=topNews &localeKey=fr_FR&storyID=5925536
Réprobation générale après la profanation de tombes à Lyon, par Jacques Patoz, L´Indépendant, mercredi 11 août 2004, page 13
La profanation du cimetière juif de Lyon suscite l´indignation. REUTERS France,
Tue August 10, 2004 5:37 PM CEST
http://www.reuters.fr/locales/c_newsArticle.jsp?type=topNews &localeKey=fr_FR&storyID=5925536
La mémoire juive était bafouée à Lyon, par Olivier Mouton, lalibre.be, 11 août 2004
http://www.lalibre.be/article.phtml?id=10&subid=91&art_id=17 8575
mercredi 11 août 2004. Profanation d´un cimetière juif à Lyon: une hache au coeur de l´enquête. AFP. L´Express.fr
http://www.lexpress.fr/info/infojour/infos.asp?id=0408110933 54.6342zc4s&rub=fra&pid=040811073754&0933
Un nazillon pourrait avoir profané le cimetière juif de Lyon, par Olivier Bertrand, correspondant à Lyon, Libération, mercredi 11 août 2004, 11:15
http://www.liberation.fr/page.php?Article=229725#
David Eden Lane. Lexikon Rechtsextremismus. Informationsdienst gegen Rechtsextremismus
http://www.idgr.de/lexikon/bio/l/lane-david/lane.html
The Order and Phineas Priesthood, Anti-Defamation League (ADL), August 11, 1999
http://www.adl.org/backgrounders/an_phineas.asp