

Noam Chomsky - eine Hommage an den Carl-von-Ossietzky Preisträger 2004
Hi, ich bin der Reini und wohne in Kottingbrunn ...
Liebe Freunde,
auch ich will mich der Ehrerbietung gegenüber dem großen Linguisten und politischen Kämpfer für die gute Sache der Menschheit nicht verschließen. Ich verlasse also meinen saftigen Weidegrund, um einzustimmen in das Geblöke um den Preisträger Noam Chomsky. Bei Google findet schaf an die 800 Angebote, wenn schaf "Noam Chomsky - Carl von Ossietzky Preis" eingibt. Ich habe nur neutrale bis positive Beiträge unter die Klauen gekriegt. Das ist mir Richtung für meine Eloge.
Da der gelobte Mann mehr als 70 Bücher geschrieben hat, mit denen er der Welt sagt, wie sie wirklich beschaffen ist, wer sie lenkt und die Menschen mißbraucht, muß ich eine Auswahl treffen, sonst komme ich gar nicht mehr zum Fressen. Auch in der Zeit, in der ich geschoren werde (was jetzt gräßlicherweise dran ist), kann ich nicht gleichzeitig lesen, meint meine Herrin und ist damit anderer Meinung als ich. Verboten hat sie mir auch, Noam Chomskys Schriften in Nazi-Verlagen aufzuspüren, sie meint, das wäre nichts für mich.
"Barbarossa"! Findet Ihr das nicht auch einen aufregenden Namen für einen Verlag? Was ist dagegen "Europa Verlag" langweilig!
Meine Herrin meint, Werke von Benito Mussolini, Dieu La Rochelle, Ernst Niekisch, Jean Thiriart, Claudio Muti, Julius Evola, Guillaume Faye, Bernard Notin und all den anderen Holocaust-Leugnern, Alt- und Neo-Nazis und Nationalrevolutionären, einige von ihnen gute Bekannte von Noam Chomsky, seien nichts für meinen einfachen Schafverstand. Dabei habe ich schon einmal heimlich geschnüffelt in Robert Faurissons negationistischen Werken, die sogar der französischen Gerichtsbarkeit zu viel waren. Robert Faurisson ist, vermittelt seinerzeit durch Louis Pauwels, von "Le Figaro", ebenfalls ein guter Bekannter von Noam Chomsky, der sich für die Geschundenen und Entrechteten weltweit einsetzt, so wie "Barbarossa" sich stark macht für den armen Robert Brasillach, dessen vielversprechendes jugendliches Dichterleben am 6. Februar 1945 von Charles de Gaulle durch Hinrichtung ausgelöscht wird. Ein Denkmal setzt der Verlag ihm durch dessen ehemaligen Verteidiger Jacques Isorni. Aber ich schweife ab...
Jedenfalls soll Euch das schlichte und eindrucksvolle Titelbild von Noam Chomskys Buch "Controllo dei Mass Media. Le spettacolari conquiste della propaganda" nicht vorenthalten werden. Eine Ästhetik, tja, da kommen die Gänseblümchen auf meiner Weide und deutsche Buchdeckel oftmals nicht mit!
"Von einem der größten widerstreitenden Intellektuellen eine Studie über die Kontrolle der Kommunikationsmittel als notwendiges Mittel zur Aufrechterhaltung der politischen Macht gegen die Verfälschung der augenscheinlichen Wahrheit." (1)
Blök! liebe Freunde, mein Italienisch ist nicht so toll, verzeiht mir bitte. Ich war erst einmal als Gast auf einer italienischen Weide, wo ich mit solchen Geistesgrößen nichts zu tun hatte, und wo ich mich mit den anderen Schafen auch ohne die Sprache sehr gut verstehen konnte. Ihr wißt sicher, was ich meine? Ich blöke nur: Körpersprache! Aber ich schweife schon wieder ab ...
Ich suche mir nun einfach ein Buch heraus, dessen Titel ich sehr anregend finde, schon weil Jacques Derrida auch über "Schurken" schreibt. Das Buch von Noam Chomsky heißt: "War against People. Menschenrechte und Schurkenstaaten". Das Buch kommt auf deutsch im September 2001 heraus, im selben Monat - na, Ihr wißt schon. Da sind ja reichlich Schurkenstaaten am Werke. Aber von denen handelt das Buch nicht, und das kann es auch gar nicht, weil nämlich der Autor es schon im Jahr 2000 schreibt. Rechtzeitig zum Attentat auf New York und Washington hat der Europa Verlag die deutsche Übersetzung fertig. Wenn das nicht verkaufsfördernd ist! Noam Chomsky selbst ist doch der erste, der den USA die Schuld an ihrem Unglück gibt. Nun kann man die Gründe dafür in dem Schurkenbuch nachlesen, unerbittlich, klar und deutlich.
Der erste Teil des Titels ist englisch. An mich werden Anforderungen gestellt! "War against People", das hat der Europa Verlag sicherlich vom Originaltitel übernommen, denke ich: Krieg gegen Menschen! Das stimmt. Ich denke an die 3000 armen Menschen, die am 11. September 2001 umkommen. Erinnert Ihr Euch noch an diejenigen, die sich aus hohen Stockwerken des WTC in den Tod stürzen? Das geht gegen die Menschenrechte, wie der Titel schon sagt, vor allem gegen das Recht auf Leben. Wie staune ich aber über zweierlei. Erstens heißt der Titel im Original ganz anders: "Rogue States. The Rule of Force in World Affairs", so heißt er. Zweitens, daß der deutsche Verlag das in englisch bringt. Vielleicht, weil das schick ist, weltläufig? Ich fürchte, um biedere Schafe wie mich nicht auf den falschen Trampelpfad zu führen; denn die Rede ist gar nicht von Menschen, sondern von Staaten.
Blök! Das is ´n Ding! Schurkenstaaten. Die (Spiel-) Regeln der Macht in den Weltangelegenheiten. Warum ist der Verlag nicht annähernd an diesem Titel geblieben? Ich bekomme eine mögliche Erklärung, als ich sehe, daß gar nicht als Schurkenstaaten diejenigen wahrgenommen werden, die hinter solchen Attentaten wie dem vom 11. September 2001 stehen, sondern daß es allein die USA sind, die im Mittelpunkt des Interesses stehen. Wie ich darauf komme, noch bevor ich eine Zeile lese? Ich schaue mir das Titelbild der deutschen Ausgabe an, dort weht das auf Halbmast gesetzte star-spangled Banner in der Mitte, wenn auch schon leicht nach unten verrückt, und eingekreist wird das kleine Kästchen mit der Fahne auch schon. Warte, warte nur ein Weilchen ... (2)
Schurkenstaaten. Die (Spiel-) Regeln der Macht in den Weltangelegenheiten - eine solche wirklichkeitsgetreue, nüchterne und unromantische Übersetzung würden die deutschen Leser doch verstehen, an die eigenen Ambitionen und an die ihres Deutschland denken und somit vielleicht Sympathie mit den USA bekommen und wehmütig an alte transatlantische Bündnisse denken. Im weltweiten Zusammenleben bestimmt das Kräfteverhältnis, und Deutschland ist gerade mit Hilfe von Frankreich und dem übrigen Europa, jetzt "der 25", dabei, dieses Kräfteverhältnis zu seinen Gunsten zu verschieben. Die USA helfen ihnen durch ihre abenteuerliche Selbstüberschätzung dabei. Daher muß der Titel geändert und für die deutschen Friedensfreunde sämtlicher politischer Lager müssen die "Menschenrechte" darin eingeführt werden. Der Leser möchte sich und seine Bedürfnisse wiedererkennen, und das ist gegenwärtig, spätestens ab Ende des Jugoslawienkrieges, Frieden, Menschenrechte - und die Ablehnung der USA. (3)
Die Kurzbeschreibung bei Amazon.de berücksichtigt dies aufs trefflichste und stellt das Buch so vor:
"Der neue Chomsky: Die USA sind der Schurkenstaat Nr. 1. Die Macht- und Interessenpolitik westlicher Staaten widerspricht der Menschenrechtsdeklaration - benutzt diese aber zur Legitimation ihrer Gewaltanwendung. Chomsky reisst ihnen in seinem aktuellen Buch den Deckmantel marktwirtschaftlicher Demokratie herunter und macht deutlich: Schurkenstaaten sind die Vereinigten Staaten, und die Menschenrechte sind ihr Vorwand, Gegenspieler und Opfer. Beispielhaft untersucht Chomsky u. a. die Irak-Krise, den NATO-Einsatz im Balkan und die Rolle der USA in Lateinamerika, speziell Kuba. ´War Against People´ knüpft direkt an seinen Bestseller ´Profit Over People´ an."
In dieser Beschreibung wird sprachlich geschickt zweierlei verbunden: zunächst heißt es, die USA wären "Schurkenstaat Nr. 1". Das sitzt schon einmal. Um nun aber von vornherein einer Antwort auf die Frage aus dem Wege zu gehen, welches denn die Schurkenstaaten Nr. 2, 3 usw. wären, nimmt man die USA im Plural, so daß sie gleich alle Schurkenstaaten auf einmal sind, jeder US-Staat einzeln. So braucht auch nicht die Rolle Deutschlands beim NATO-Einsatz auf dem Balkan erwähnt zu werden, keine Überflugrechte für US-Bomber im Irak-Krieg, der Afghanistankrieg und damit die Rolle Deutschlands und Europas bleiben gänzlich unerwähnt. Noam Chomsky hat sich sowieso nur auf die USA eingeschossen. Genial!
Bevor ich armes Schaf nun an die Lektüre des Buches gehe, wofür mir meine Herrin kein Geld rausrückt, weil schaf es im Internet lesen könne, (4) sichte ich weitere Meinungen. Da fällt mir ein Rezensent auf, der erstens Österreicher ist, zweitens schon 120 Rezension für Amazon.de geschrieben hat und damit 765 Käufern bei ihrer Kaufentscheidung hilft. Amazon sollte ihn sich in Gold rahmen!
Auch mir soll dieser Menschenfreund helfen. Er stellt sich so vor und sagt über sich:
Benutzername: reinholdstansich
Über mich: Hi, ich bin der Reini und wohne in Kottingbrunn, Bezirk Baden (südlich von Wien).
Meine Hobbies sind Lesen und Schach spielen.
Wenn es nötig ist, werde ich den Beweis antreten, dass Ephraim Kishon mit der Aussage, seine Ehefrau sei die Beste der Welt, Unrecht hat. Vielleicht die Zweitbeste - aber die Beste Ehefrau von allen ist meine.
Wenn Sie mit mir zu Rezensionen (oder sonstigen Themen) in Kontakt treten wollen, dann benutzen Sie bitte die e-Mail-Adresse: reinhold.stansich@gmx.at
Geschriebene Rezensionen: 120
(765 hilfreiche Bewertungen)
Er läßt mich Einblick nehmen in seine sämtlichen Favoriten und Lieblingslisten im Bereich Sachbuch-Schachbuch und Belletristik.
Reini, Du glücklich verheirateter Ehemann der besten Ehefrau der Welt, Du "Top 100 Rezensent", wie kann ich Schaf Dir nur danken?! Ich werde Dir eine Email schreiben, vielleicht zu "sonstigen Themen", hä? Jetzt lese ich erst einmal Deine Rezension, vom 24. Januar 2004. Warum, Reini, hast Du sie so spät erst verfaßt? Soll sie rechtzeitig zur Verleihung des Carl-Von-Ossietzky-Preises das Buch wieder in Erinnerung bringen? Oder ist es der Mißwirtschaft und -handlungen der USA im Irak wegen? Egal!
Reini aus Kottingbrunn (Bezirk Baden, südlich von Wien) liefert sie, die "Abrechnung mit der US-amerikanischen Außenpolitik, 24. Januar 2004".
Der in den USA gescholtene und angefeindete Noam Chomsky - in den USA ist "Linker" ein "Schimpfword" (sic!), weiß Reini - der wäre bei uns in Europa wohl eher mitte-links. Reini, mein Lieber, ein solcher könnte bei uns in Old Europe auch linksradikal, rotbraun, braun oder islamistisch sein, ob Du das nun glaubst oder nicht!
Reini lobt den Autor, daß er sich gegen die Hegemonialbestrebungen der USA einsetzt. Die äußern solche Bestrebungen tatsächlich verschärft und schamlos seit dem unverrichteterdinge halbfertig liegengelassenen Ersten Golfkrieg. Nun haben sie die Schadenfreude, alles grinst von links bis schräg, vom Bundeskanzler über die Oldenburger Universität bis hin zu Reini aus Kottingbrunn. Die USA sind in der Tat nicht besser als die von ihnen verurteilten Länder und Organisationen, und, was Reini und Noam Chomsky zu erwähnen vergessen, die verurteilten Länder und Organisationen sind nicht besser als die USA. Dennoch ziehen jene über diese mit Moralsprüchen her, gerieren sich als Friedensfreunde, und nur weil sie politisch und militärisch nicht stark genug sind, muß es noch beim Nörgeln und beim Ärgern der USA im Nahen Osten bleiben.
"Der Wettlauf der Konzerne nach immer mehr Gewinn", der führt in den USA dazu, daß "auf die Menschen im eigenen Land keine Rücksicht genommen wird, von den Menschen in anderen Ländern ganz zu schweigen". Ja, Reini bringt es auf den Punkt. Nicht die in unseren europäischen Ländern genau wie in den USA tätigen Konzerne sind verantwortlich oder gar die Menschen, sondern es sind die USA. "Vertrauenswürdige Quellen" liefert Noam Chomsky dafür.
Reini meint, Noam Chomsky schreibe kein antiamerikanisches Buch, genauso wenig wie Michael Moore, sondern er versuche, seine Landsleute aufzuklären, -rütteln, -wecken. Ja, Reini, und was Noam Chomsky vor allem zeigt, das ist, wie gut wir Europäer, vor allem wir Deutschen sind. Die Mißstände bei uns sind verursacht durch die schamlosen Machenschaften der USA. Gegen die sollten wir uns zusammentun, was ja ATTAC schon macht. Eine ganze einstens ehrbare Zeitung, "Le Monde diplomatique", wird eigens dafür geraubt und umfunktioniert: "entwaffnet die Kapitalmärkte!"
Nicht, daß ich Schaf jetzt noch weitere Einschätzungen bräuchte, aber es stehen halt bei Amazon.de noch welche zur Verfügung. Die Rezensenten haben das Buch "gleich in einem Stück verschlungen", das Buch scheine eine Bestätigung für das "Unwohlsein gegenüber den Vereinigten Staaten" (wie wär´s mit Alka Seltzer - ist billiger?), die Darstellung sei aber auch unwissenschaftlich, unpräzise, und es gebe zu viele Wiederholungen. "Ein schlechtes Buch. Wer es von mir Zuhause abholt, kann es umsonst haben".
Da werde ich wieder ganz fickrig, aber meine Herrin meint, ich solle mich nicht unterstehen, sondern das Buch im Internet lesen. Gemein!
Ein anderer Rezensent meint, Noam Chomsky überzeuge diesmal nicht, er sei nicht mehr der alte brilliante Analytiker, dennoch ist auch für diesen Rezensenten klar: "Chomsky hat einfach recht", wie es im Text von der Klappe stehe. Ja, in Klappen regieren schon immer einfache Wahrheiten.
Der dritte Rezensent sieht es auch, daß die USA alles für ihren Machterhalt und den Griff nach Öl tun und dafür alles und jeden opfern. Die "Schilderungen der Zusammenhänge der jüngeren Vergangenheit" verdichteten das Bild der USA zum "Schurkenstaat par excelllence". Noam Chomsky könne "mit Quellenangabe und scharfzüngiger Abhandlung das Bild eines echten Schurkenstaates" zeichnen:
"Sollte Europa eines Tages in der Lage sein, eine Liste der Verbrecherstaaten zu veröffentlichen, wird dieses Buch das Zeugnis sein, um die USA in diese aufzunehmen."
Das sei Reini und den anderen Rezensenten versichert: Europa wird keine Liste der Verbrecherstaaten aufmachen, sondern Europa und allen voran Deutschland und Frankreich werden ganz andere Möglichkeiten haben, um den USA zu begegnen. Die Argumentation aus der Opferrolle heraus, aus der Position der Schwäche, die bleibt den ohnmächtigen Linken vorbehalten, die dem Noam Chomsky und seinem deutschen Verlag die Taschen füllen, die ihm den Carl-von-Ossietzky Preis 2004 zusprechen. Sie werden wie am Ende der Weimarer Republik wieder aufs falsche Pferd setzen. Das allerdings hat Carl von Ossietzky nie getan, sondern er hat als aufrechter Pazifist gelebt und gelitten. Er kann nichts dazu, daß ein dessen unwürdiger Mensch in seinem Namen geehrt wird. Möge der die 10 000 Euro der Oldenburger auf seine übrigen Tantiemen häufen. Die Mächtigen in Deutschland und Europa aber danken dem Noam Chomsky heute schon. Wenn´s soweit ist, werden sie ihn abschaffen.
Blök!
Euer Schaf
Hier der Misthaufen, auf dem ich das alles gefunden habe:
(1) Società Editrice BARBAROSSA
http://www.orionlibri.com/negozio/prodotti/controllodeimassm edia.jpg
http://www.libroelibri.com/barbarossa.htm
(2) Titelbild von Noam Chomsky: War against People. Menschenrechte und Schurkenstaaten
http://images-eu.amazon.com/images/P/3203760118.03.LZZZZZZZ. jpg
(3) Noam Chomsky: War against People. Menschenrechte und Schurkenstaaten. Aus dem Amerikanischen von Michael Haupt. Europa Verlag Hamburg und Wien, September 2001
Rogue States. The Rule of Force in World Affairs
http://www.southendpress.org/books/rogue.shtml
(4) Das Buch auf deutsch im Internet, als sozialistischer Klassiker. Freunde, Womit beginnen? Stellt´s Euch zwischen die MEWs und Was tun? !
http://www.sozialistische-klassiker.org/dir/Chomsky.html
9. Mai 2004
Und hier das Neueste:
Chomsky´s Book Burners. By Tom Nichols, FrontPageMagazine.com, March 30, 2005
http://www.frontpagemag.com/Articles/ReadArticle.asp?ID=1750 6
The Definitive Anti-Chomsky Link List
http://plaza.ufl.edu/slasher/antichomsky.htm