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Was das Schaf zu blöken hat...Was das Schaf zu blöken hat...

Quod licet Jovi, non licet ovi!

Liebe Freunde!

Für wie undankbar müßt Ihr mich halten! Euere Sorge um mein Wohlergehen ist beispiellos. Täglich erreichen meine Herrin waschkörbeweise Emails mit der Frage, ob ich zu Pessach oder zu Ostern vielleicht im Kochtopf gelandet wäre. Sie läßt mich keine einzige lesen, und sie antwortet auch nicht; denn sie ist wieder einmal neidisch auf meine Beliebtheit bei Mensch und Tier. Mich läßt sie deshalb immer nur ganz kurz an den Dell, und so kann ich Euch außer ein paar Weisheiten kein Lebenszeichen von mir geben. Man könnte meinen, die hätte meine Herrin mir nur untergeschoben, um zu vertuschen, daß ich gemeuchelt bin.

Herrin, blöke ich, was kann ich dafür, daß du Menschen als deine Freunde bezeichnest, die dich beleidigen, dir mißtrauen und dich verscheißern? Das macht mit mir nicht Esel, Hahn noch Depp. Du bist es, die Anlaß gibt, dich vorzuführen, du zeigst, daß mensch das mit dir machen kann. Jetzt läßest du es an mir aus! Darauf antwortet sie mit sanfter Stimme, mindestens drei Minuten hat sie eine halbe Träne der Rührung im linken Auge, und ich darf eine weitere Weisheit von mir geben, blök!

Wenn schon keine Gründerzeit, dann wenigstens wieder mal ´ne Fresswelle.

Da paradiesische Zustände nicht lange andauern, erst recht nicht, wenn schaf statt Möhren und Heu einen Apfel gereicht bekommt, ist nun bereits wieder Schluß mit der guten Laune meiner Herrin, und ich bin zur Vertreibung aus dem Garten Eden reif. Nun muß ich meine Leistungen wieder bei ungünstigen Bedingungen und mit natürlichem Grundfutter erbringen, ich, der graue gehörnte Heidschnuckenbock. Ich bin marsch- und denkfähig und verwerte mein wenig gehaltvolles Futter, das meine Herrin achtlos über den verzinkten Drahtgitterzaun kippt, so gut ich kann.

Der Ärger mit meiner Herrin fängt so richtig an, als sie mir verbietet, den neuen Hoffnungsträger der SPD Porky zu nennen. Dabei meine ich das nur gut; er ist einer von uns. Porky will für uns alle sorgen, das bringt ihn richtig ins Schwitzen, seine kurzen Borsten stehen ihm vom Gesicht ab und glänzen mit. Traditionssozi fürs Gemüt aber nennt meine Herrin den geliebten Porky ohne jeden Skrupel. Es ist wie immer: quod licet Jovi, non licet ovi!

Es wäre besser, Schaf, du nähmest deine Klauen von Angelegenheiten der deutschen Politik, warnt sie mich drohenden Blickes. Hast du denn bei deinen Streifzügen durch den französischen Blätterwald keine Beispiele erfolgreicher französischer Politik gefunden, die Rücknahme des CPE beispielsweise?

Ach, immer CPE, nörgele ich herum, die blöden demonstrierenden Mittelschichtkinder! Was, bitte, ist an ihren verfehlten Protesten erfolgreich? Sie demonstrieren gegen sich und ihre eigenen Interessen, vor allem aber gegen die Interessen der muslimischen Vorstadtkinder. Wirklich: "erfolgreiche Massenproteste"!

Ich bin überzeugt, daß Jacques Chirac die CPE-Arie, die Regelung der Ersteinstellung von Jugendlichen bis 26 Jahre, mit Hilfe seiner Hofschranze Dominique Galouzeau de Villepin inszeniert und wochenlang am Kochen hält, damit die UMP, seine eigene Partei, so verliert an Sympathie, daß im April 2007 Ségolène Royal oder ein anderer Kandidat des PS im zweiten Durchgang gegen Nicolas Sarkozy gewinnt. Anders ist die störrische Beharrlichkeit des Premierministers nicht zu erklären, der doch nach der Verfassung der V. Republik nur auszuführen hat, was der Präsident anordnet: Je décide et il exécute !

Es geht um die gegen die langfristigen Interessen Frankreichs und Europas gerichtete aber dem Präsidenten und der Chiraquie, allen voran der EADS, einträgliche Arabienpolitik. Für ihre Forsetzung hat Jacques Chirac nur dann eine winzige Chance, wenn sein größter Widersacher, "le petit Nicolas", nicht sein Nachfolger wird, blöke ich halblaut vor mich hin.

Meine Herrin ist ganz Ohr: Dann kann er vielleicht gemeinsam mit dem Schusterchen in Spanien und seinem alten Kumpel, dem "Professore", noch etwas retten. Hat der nicht mit dem italo-palästinensischen Il Manifesto-Journalisten Ali Hassan Rashid, von der Rifondazione comunista, im Parlament einen Regierungsvertreter der PLO? Der wird den Kontakt zur Hamas auch für Frankreich aufrecht erhalten.

Meine Herrin mag recht haben. Schon jetzt weiß Ali Hassan Rashid zu berichten, daß die Hamas gar nicht anders könne, als "einen Schritt vorwärts" zu tun und mit Israel zu verhandeln. So sieht´s auch Romano Prodi und telefoniert, da ist er noch nicht als Ministerpräsident eingesetzt, mit dem palästinensischen Regierungschef Ismail Haniyeh. Seine linken politischen Freunde sind begeistert. Begeistert ist auch Jacques Chirac, der sofort nachzieht und fordert, die Gehälter der 140 000 Angestellten der Palästinensischen Autonomie zu bezahlen, an die gegeneinander (außer, wenn´s um Israel geht) arbeitenden Sicherheitsdienste und die zusätzlichen Hamas-Angestellten, denen der inzwischen zum Außenminister der PA aufgestiegene Mahmoud Zahar ein gutes Auskommen versprochen hat.

Herrin, blöke ich beeindruckt, die Palästinenser sind ca. 4 Millionen in Gaza und der "West Bank", das bedeutet, daß auf 200 Einwohner 7 öffentlich Bedienstete kommen, darunter reichlich Sicherheitsdienste. In Deutschland müßte es bei gleichen Verhältnissen 5,6 Millionen öffentliche Bedienstete geben.

Da verengen sich die Augen meiner Herrin zu kleinen funkelnden Schlitzen, und sie preßt hervor: Diese palästinensischen Zustände haben wir beinahe erreicht. Wir haben einschließlich der 246 380 Soldaten und zivilen Bundeswehrmitarbeiter 4,8 Millionen , darunter 1,66 Millionen Beamte und Richter. 46 Prozent der öffentlich Bediensteten sind in unteren und mittleren Rängen: "We kehr for you!"

Jetzt weiß ich, warum wir uns mit den Palästinensern so gut verstehen, blök!

Die Euro-arabische Achse "Eurabia" kann vielleicht aufrecht erhalten werden, Frankreich, Italien und Spanien sind schon ´ne sichere Bank, nur Deutschland wackelt noch, aber das kriegt Romano Prodi auch noch hin. Die Bundeskanzlerin freut sich schon auf die Zusammenarbeit!

Blök!
Euer Schaf
Politbarometer

29. April 2006

Weidegründe, in denen ich das ausgerupft habe:

"L´apertura ad Hamas ? E´ un pericolo mortale - L´onorevole Rashid: ´L´elezione di Romano Prodi una svolta per l´Islam´ ". Emanuele Fontana - Luca Telese. Il Giornale, 14 aprile 2006
http://www.informazionecorretta.com/main.php?mediaId=9&sez=1 20&id=16035

Prodi sprach mit Haniyeh. APA/dpa, derStandard.at, 21. April 2006
http://derstandard.at/?url=/?id=2418991

Prodis heißer Draht zur Hamas. Martin-Hagen.de, 27. April 2006
http://martin-hagen.blogspot.com/2006/04/prodis-heier-draht- zur-hamas.html

Chirac calls for fund to pay PA salaries. AP, Jerusalem Post, 28 April 2006
http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1145961243956&pag ename=JPost%2FJPArticle%2FPrinter

Zahhar: Hamas victory big blow to USA, Israel. Hamas Daily News, January 26, 2006
http://www.palestine-info.co.uk/am/publish/article_16620.sht ml

Berlin weint Berlusconi keine Träne nach. Von Björn Hengst und Severin Weiland. SpiegelOnline, 12. April 2006
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,411119,00.h tml

Stichwort öffentlicher Dienst: Wichtigster Arbeitgeber in Deutschland. ZDF heute.de, 6. Januar 2003
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/10/0,3672,2023178,00.htm l

Streitkräfte. Stärke der Bundeswehr. Autor: Frank Bötel. Stand: 6. April 2006
http://www.bundeswehr.de/

BSR: We kehr for you
http://www.bsr-online.de/%20bsr/html/2763.htm


Quelle: http://www.eussner.net/schaf_2006-04-29_18-46-57.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 21.11.2008, 09:46 Uhr