
Perpignan. Visa pour l´Image 2010 und die Propaganda für Palästinenser
Auf der Site Perpignan - Palestine - Solidarité sind die ersten Vorzeichen der diesjährigen Foto-Ausstellung veröffentlicht. Die Aktivisten möchten, daß die Kampagne gegen Israel und für die Palästinenser im Jahr 2010 weitergeht. Auch in diesem Jahr sollen Profis und interessiertes Publikum nicht der "Wahrheit der Fotografie" genannten Manipulation von Tatsachen und Ereignissen im Nahen Osten entkommen. Anti-israelisch und anti-amerikanisch, das ist die Devise der Ausstellung seit ihrer Gründung, im Jahre 1989. So soll es bleiben.
Die frohe Botschaft über die Präsentation der Werke des palästinensischen Fotografen Raed Bawayah findet man unter der veralteten Einladung des Collectif 66 Paix et Justice en Palestine zum Vortrag, am 24. Juni 2010, des Internationalisten Thomas Sommer-Houdeville, über seine Erfahrungen als Mitorganisator der Gaza Flottille, der Flottille de la liberté, und der Ankündigung eines Filmes, für den folgenden Tag, des jüdisch-israelischen Filmemachers Eyal Sivan über Palästina, wie es Israel geworden ist: "Jaffa, la mécanique de l´orange" und die Marke JaffaTM, das Symbol der zionistischen Unternehmung. Der Film zeige die Verneinung des arabischen Palästinas seit 60 Jahren und die Ansiedlung des Staates Israel und seine Geschichte. Die entwickelt sich laut Regisseur von einer gemeinsamen jüdisch-arabischen bis hin zur Auslöschung der arabischen, einer jüdischen Nationalisierung, dann einer Leugnung, und vielleicht eines Tages, wenn die Götter und die Menschen es wollen, zur Genese einer gemeinsamen Geschichte. (1)
Es ist ein Film zur Propagierung eines binationalen Staates, zur Auslöschung Israels. Genaueres kann man auf der Site des Monde diplomatique lesen, des Blattes für Linksradikale, Drittweltler und Islam-Lobbyisten. Über den Israelhasser Eyal Sivan gibt es reichlich Stoff im Internet, bei Interesse bitte googlen. (2)
In dieser Gesellschaft befindet sich die Ankündigung der Ausstellung Palästina, Gefängnis unter freiem Himmel, wobei hier nicht Gaza gemeint ist, sondern das Westjordanland, seit biblischen Zeiten, bis 1947, bekannt unter der Bezeichnung Galiläa und Samaria. Der Fotograf, Jahrgang 1971, besucht das Dorf seiner Geburt Qutanna, in der Nähe von Ramallah. Dort findet er "Bedingungen des Eingeschlossenseins der Dorfbewohner, die Problematik des Eingeschlossenseins der palästinensischen Gesellschaft". Höhepunkt und Abschluß seiner Fotoreportage sind Fotos von Insassen einer psychiatrischen Klinik, "am Ort der Einsamkeit und des psychologischen Elends, der Kollateralschäden des Konfliktes ohne Ende für die palästinensischen Männer und Frauen ..." Damit recyclet er sein Projekt "Deadline", aus dem Jahr 2004.
Wer sich auf einer deutschen Site einen Begriff vom Fotografen machen möchte, der schaue aufs Radar des Art-Magazins. Nicole Fritz, Kunsthistorikerin, Dozentin und Kuratorin aus Stuttgart, erklärt dort, warum sie den Fotografen schätzt und ihn für einen "liebevollen Widerstandskämpfer" hält. Auch dieser Fotograf, wie die vielen anderen in Visa pour l´Image ausgestellten, ist als Ideologe unterwegs, erfüllt eine Mission, die in weiten Kreisen unserer Gesellschaft positiv bis begeistert aufgenommen wird. Über das Foto einer kleinwüchsigen Frau aus Stuttgart, einer Bettlerin, schreibt die Kunsthistorikerin: (3)
Auf einem der dort ausgestellten Porträts war eine kleinwüchsige Frau, der ich als Passantin in der Stuttgart Innenstadt im realen Leben schon des öfteren begegnet war, zu sehen. Doch diesmal ging mein Blick nicht von oben nach unten, um sich dann ganz schnell wieder von dem auf dem Boden kauernden, bettelnden Menschen abzuwenden. Ich begegnete ihr auf gleicher Augenhöhe von den gezeichneten Armen eines anderen Menschen gerahmt, in sich gekehrt, in die Ferne blickend. Raed Bawayah war ihr mit Respekt begegnet und hatte sie für einen Moment in eine Aura menschlicher Wärme gehüllt zurück in den Mittelpunkt der Gesellschaft gestellt.
Die Art und Weise wie es Raed Bawayah mittels seiner Fotografie gelang, den Menschen die Würde und Aufmerksamkeit wiederzugeben, die ihnen genommen worden war, hat mich zutiefst berührt. Raed Bawayah entwickelt seine künstlerischen Projekte aus einer unmittelbaren Betroffenheit heraus und findet seine Motive und Themen in einem "offenen Prozess", bei dem er seine eigene Lebenszeit in die Waagschale wirft und sich emotional auf die Menschen einlässt, auf die er trifft.
Man findet nahezu sämtliche Versatzstücke, aus denen Generaldirektor Jean-François Leroy und seine Mitarbeiter das Credo von Visa pour l´Image zusammenbrauen:
- Blick nicht von oben nach unten
- gleiche Augenhöhe
- mit Respekt begegnen
- eine Aura menschlicher Wärme
- Menschen die Würde und Aufmerksamkeit wiedergeben, die ihnen genommen worden war
- zutiefst berührt
- unmittelbare Betroffenheit
- sich emotional auf die Menschen einlassen
Es ist eine Fülle von Kitsch, entstehend aus Überheblichkeit, Sentimentalität und Ressentiment des Fotografen und des Betrachters gleichermaßen, es sind die Antriebskräfte der meisten Linken, ob sie nun Richtung Gaza schippern oder wissen, welcher Mais für unsere Gesellschaft einzig gut ist, es ist die Absage an die Aufklärung, an die Grundlagen von Kommunikation und Kunst, an Distanz und Unvoreingenommenheit. Wer kommuniziert und/oder Kunst herstellt, der wird wissen, daß es eines Blickes von oben nach unten bzw. aus der Ferne bedarf, daß das Objekt sich nicht auf gleicher Augenhöhe bewegt, von Respekt keine Rede ist, menschliche Wärme, noch dazu eine Aura derselben, allenfalls das Heizen des Kamins erspart, niemand jemandem Würde und Aufmerksamkeit zurückgeben kann; denn dieser hat sich der Mensch selbst begeben, daß eine zutiefst berührte Person keine für andere brauchbare, gar verbindliche Aussage trifft, daß unmittelbare Betroffenheit überallhin führt, nur nicht zur Erkenntnis, und daß in Kommunikation und Kunst gefühlsmäßiges Einlassen auf Menschen Verblendung und Korruption hervorbringt.
Nicole Fritz und Raed Bawayah wissen, wer Menschen die Würde genommen hat, keinesfalls diese Menschen selbst, und im Falle der Palästinenser Israel. Die Politik gegen Israel, den Hebräerstaat und seine Gesellschaft, ist sowohl Ursache als Folge von vorgeblich gleicher Augenhöhe mit den palästinensischen Arabern, von Respekt, menschlicher Wärme, zurückgegebener Würde, zutiefstem Berührt- und Betroffensein, die zu einer einzigen Gefühlsduselei führen, die Wohlbefinden, gar Rauschzustände hervorbringt bei dem, der sich oben und erhaben dünkt. Die Araber machen sich den Taumel zunutze, die Israelis werden von ihm heimgesucht.
Will man mehr herausbekommen über die Ankündigung der Perpignaner Palästina-Solidarität, so entdeckt man, daß der Fotograf im Jahr 2007 ausgestellt und der Text von der Site Rue89 auf Grund seiner zeitlosen Verwertbarkeit gegen Israel kopiert worden ist. Das Rührstück zieht immer, Foto zum Schnuppern anbei. (4)
Die Website des Fotografen ist in diesem Sinne gestaltet. Auftritt eine alte Frau mit ihren schneeweißen Gänsen. Man kann die Site in englisch und französisch genießen und seinen Tagesbedarf an Gemythswallung produzieren. Das ist für mich gerade jetzt willkommen, da meine Schnulzenserie Sturm der Liebe der Fußballweltmeisterschaft 2010 wegen nicht ausgestrahlt wird.
Es folgen in der Reihenfolge ihres Auftritts, in der Introduction, Ziegen, weiße Kaninchen, Familienmutter, Oliven und Zypressen, Palästinenser, die sich exilieren und ihre Arbeitskraft in Israel verkaufen müssen, Einsamkeit, unwürdige Aufenthaltsräume, Insassen einer psychiatrischen Klinik, Sinnbild eines psychologischen Elends, des moralischen Eingeschlossenseins, der auf ihrem eigenen Land als eine Art Gefangener lebenden Palästinenser. Dieser Sud wird vom Kulturminister Frankreichs finanziert und am Köcheln gehalten, Sinti und Roma, der Fotograf taucht ein in ihr Leben, und liefert mit großem Mitgefühl die Betroffenheitslyrik. Danke, Raed Bawayah, danke Agnès de Gouvion Saint-Cyr, Inspecteur Général pour la Photographie!
Wo lernt der Fotograf sein Handwerk? Richtig! In Israel, in der Naggar School of Photography, Media, New Music, Animation and Photo Therapy in Morasha, einem Projekt der von Teddy Kollek gegründeten Jerusalem Foundation. Dort macht er 2004 sein Diplom und wird sofort von Frankreich engagiert, um die ohne Arbeitserlaubnis in Israel tätigen palästinensischen Araber zu fotografieren. 2005 hat er eine persönliche Ausstellung im Kulturzentrum des Iran in Paris, nachzulesen in seiner Biographie, er wird finanziert durch die französische Regierung. (5)
Visa pour l´Image gibt dem Fotografen vor nunmehr drei Jahren ein Forum, Israel zu unterstellen, es brächte die Palästinenser ins Irrenhaus. In diesem Jahr ist der Fotograf nicht unter den Ausstellern gelistet. Was nicht ist, kann aber noch werden, bis zur Eröffnung der Ausstellung, am 28. August 2010, ist noch Zeit. (6)
Wie in so vielen Fällen, halten die Palästinenserfreunde es nicht mit den Tatsachen, für sie ist Wahrheit, was sie dazu erklären. Neben der Ankündigung des Fotografen, der in diesem Jahr nicht zur Ausstellung vorgesehen ist, liest man diese Überschriften: (7)
- Boycott - Désinvestissement - Sanctions (BDS)
- Abzug von Kapital der Vereinigten Methodistenkirchen der USA aus drei israelischen Unternehmen
- ein Schiff von Juden Deutschlands für Gaza
- Aktion des Komitees BDS von Montpellier
- Bericht über die Demonstration gegen die Freiheitsflottille, im Indépendant, vom 5. Juni 2010
- Supermarkt Carrefour Komplize der Kolonisierung von Palästina
- Supermarkt Carrefour Komplize der israelischen Apartheid! Das muß aufhören!
- Gedenken an die Nakba, Aktion BDS in Perpignan, am 15. Mai 2010
- Boykott Israel Carrefour Perpignan, 15. Mai 2010. Video
- Aktion gegen AGREXCO, auf dem Internationalen Landwirtschaftssalon MEDFEL, 4. Mai 2010
- Aktion von Paix et Justice en Palestine, auf dem Quai Vauban, 24. April 2010
Visa pour l´image 2010 zeigt Hadj-Fotos des japanischen Islamkonvertiten Kazuyoshi Nomachi und Polygamie-Fotos der Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints (FLDS), von Stephanie Sinclair. Vergleichbare Fotos von einigen der 180 000 in polygamen Familien lebenden Bewohner Frankreichs sind gerade nicht aufzutreiben, da müssen die Verhältnisse in den USA beleuchtet werden. (8)
Es gibt wieder Fotos zum Irakkrieg. Die bislang gelisteten Fotografen informieren nicht über die Verhältnisse in Frankreich, dessen Probleme nicht exotisch genug zu sein scheinen.
Munem Wasif trägt dazu bei, mit Fotos aus Bangladesh die kritische westliche Sicht auf den Islam zu revidieren: Misguided perceptions of Islam, usually via western observers, are often based on prejudice and ignorance, seeing the religion as fundamentalist, extremist or terrorist. Here is a non-western perspective. It is how we Muslims see our religion and how 9/11 has affected us. Vorurteile und Unwissenheit bestimmten oftmals die Ansicht vom Islam, die Religion werde als fundamentalistisch, extremistisch oder terroristisch eingeschätzt. Der Fotograf präsentiert eine nicht-westliche Sicht, wie die Muslime selbst ihre Religion sähen, und welche Auswirkungen der 9. September 2001 auf uns hat. Ein weiterer Beitrag zum Thema: Die Muslime sind immer Opfer.
Soweit die vorläufige Liste der ausgestellten Fotografen, sie ist unvollständig und unterliegt Änderungen. Diesmal ist der Nahostkonflikt nicht im Mittelpunkt, allerdings gibt´s auch keine Foto-Informationen aus dem Alltagsleben in Israel.
Auf Schmankerln muß man noch warten. Das kann doch nicht alles sein an Agitprop! Wo sind die Fotos der Demonstrationen gegen AGREXCO, wo die der Internationalisten von der Gaza Flottille?
Affaire à suivre ...
30. Juni 2010
Quellen
(1) Türkei. Insani Yardim Vakfi (IHH) und ihre "Friedensflottille". 4. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-04_14-30-38.html
(2) Jaffa, histoire d´un symbole. Par Marina da Silva, Le lac des signes,
Diplo Blog, 15 mars 2010
http://blog.mondediplo.net/2010-03-15-Jaffa-histoire-d-un-sy mbole
Le Monde diplomatique in meinem Archiv
http://tinyurl.com/ygndgo6
(3) Nicole Fritz über Raed Bawayah, art. Das Kunstmagazin, 26. Januar 2009
http://www.art-magazin.de/kunst/14686/radar_nicole_fritz
(4) Visa pour l´Image : La palestine, prison à ciel ouvert. Photo. Par Rue89,
10 Septembre 2007
http://www.rue89.com/oelpv/visa-pour-limage-la-palestine-pri son-a-ciel-ouvert
(5) Naggar School of Photography, Media and New Music.
Jerusalem Foundation
http://tinyurl.com/2g6u9qj
Raed Bawayah, Photographe
http://www.raedbawayah.com/
(6) Visa pour l´Image, du 28 août au 12 septembre 2010
http://www.visapourlimage.com/festival/exhibitions.do
Visa pour l´Image in meinem Archiv
http://tinyurl.com/ygob5d2
(7) Perpignan - Palestine - Solidarité. Videos
http://palestine-perpignan.org/default.aspx
(8) Frankreich. Einbürgerung und legale Polygamie. Mode d´emploi.
11. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-11_09-33-10.html
Einen Überblick über alle Artikel im Abschnitt "Le Roussillon insolite" finden Sie im Archiv
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