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Le Roussillon insolite (Anklicken zum Vergrößern)
Foto: Monsieur Boris
Le Roussillon insolite

Christophe Beck in Venezuela befreit - Versagen der französischen Außenpolitik

Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere meiner Leser an meine Berichte ĂŒber den Rummel um die angebliche Geisel, die Korrespondentin der LibĂ©ration Florence Aubenas, die im Irak, ab dem 5. Januar 2005, fĂŒnf Monate in einem 4x2 Meter messenden, 1,50 Meter hohen fensterlosen Kellerloch inhaftiert, geschlagen, gefesselt, augenverbunden unter stĂ€ndiger Angst vor Ermordung ausgeharrt haben soll, und die nach ihrer Befreiung und einem Debriefing durch die französischen Geheimdienste auf die Umwelt losgelassen wird, wo sie putzmunter zunĂ€chst eine Pressekonferenz abhĂ€lt, auf der sie wenig sagt und sich bei dem wenigen in WidersprĂŒche ĂŒber ihre Inhaftierung verheddert?

Anschließend tritt sie frisch und fröhlich auf der Flugzeugschau von Le Bourget mit ihrem Dolmetscher, dem in Frankreich ausgebildeten irakischen Bomberpiloten Hussein Hanoun al-Saadi, auf. Die Politiker, vom StaatsprĂ€sidenten Jacques Chirac ĂŒber den Außenminister Michel Barnier bis zu den willigen Medien sind versammelt, um diese Dienerin der französischen strategisch-militĂ€rischen Interessen im Irak und in Paris mit allen Ehren zu empfangen und schnell noch eine peinliche AffĂ€re zu inszenieren um den UMP-Abgeordneten und Freund des Jacques Chirac und der irakischen Diktatur Didier Julia, um sich von ihm und seinen anrĂŒchigen Kontakten zu distanzieren, kurz: französische VerhĂ€ltnisse, eurabische Mittelmeerpolitiker in Aktion. (1)

Die Gelder, die geflossen sind in dem TheaterstĂŒckchen, sie sind nicht wichtig, die französischen Steuerzahler regeln das. Sie zahlen noch ganz andere Potemkinsche Dörfer, beispielsweise ein Heer von VizeprĂ€sidenten des BĂŒrgermeisters von Perpignan Jean-Paul Alduy, des PrĂ€sidenten des Zusammenschlusses von Perpignan MĂ©diterrannĂ©e CommunitĂ© d´AgglomĂ©ration (PMCA), bestehend aus dieser Weltstadt und 24 StĂ€dtchen, Dörfern und Weilern, deren OberhĂ€upter und Vertreter monatlich 1460,46 Euro, 21 von ihnen, bzw. 934,21 Euro, 17 von ihnen, einstreichen. Das ergibt einen monatlichen Gesamtbetrag von 46 551,23 Euro und einen Jahresbetrag von 558 614, 76 Euro.

Mancher der VizeprĂ€sidenten arbeitet sogar dafĂŒr, aber nicht jeder. Auf der offiziellen Web Site ist die letzte Sitzung vom 19. Dezember 2005 vermerkt. Sicherlich wird uns auch demnĂ€chst die vorweihnachtliche Sitzung dieses Jahres prĂ€sentiert. Ich bin gespannt darauf, was es zum DĂźner gegeben hat, hoffentlich nur Bio-Nahrung aus der Umgebung. (2)

Der Zusammenschluß PMCA umfaßt insgesamt 180 000 Einwohner. Zum Vergleich hier die Daten der zwölf Bezirke von Berlin, von denen der kleinste, Spandau, 45 000 Einwohner mehr hat als das Roussilloner Konglomerat. Dieser Bezirk wĂŒrde dann analog fĂŒr VizeprĂ€sidenten, oder wie die dann bei uns hießen, an die 700 000 Euro ausgeben, und ganz Berlin nur fĂŒr die GehĂ€lter der VizeprĂ€sidenten 6 Millionen Euro. Wenn Wowi das erfĂ€hrt, wird er es sich nicht noch einmal nachsagen lassen, er werfe das Geld zum Roten Rathaus hinaus. (3)

Zur Sicherung von Ruhe und Ordnung gibt es in unserem Department PyrĂ©nĂ©es-Orientales, genannt Roussillon, noch eine zentral aus dem Innenministerium eingesetzte und bestĂŒckte PrĂ€fektur, deren Leiter, der prĂ©fet, auch noch abkassiert, und das nicht zu knapp. Dieser Absolvent der ENA, Jahrgang 1980 Henri François d´Aguesseau, heißt Thierry Lataste, ist Ritter des Ordens LĂ©gion d´honneur und Ritter des Ordre National du MĂ©rite, des nationalen Verdienstordens. Er hat zwei UnterprĂ€fekten in CĂ©ret und Prades, die ebenfalls GehĂ€lter, AufwandsentschĂ€digungen, Mitarbeiter kosten, die nach dem Rechten, nicht aber nach den Rechten schauen. Solcherart BĂŒrokratie ĂŒberzieht das Land, wo dennoch oder deshalb Maisausreißer wie JosĂ© BovĂ© ungestört und straffrei am hellerlichten Tage ganze Versuchsfelder plattmachen können. Das wird besonders geschĂ€tzt, wenn es sich um Monsanto handelt, den Konzern mit HQ in den USA, aber notfalls tun es auch französische Agrokonzerne. Die Volksseele braucht ein Ventil, oder sollen JosĂ© BovĂ©, dieser AstĂ©rix-Verschnitt, und die GrĂŒnen, Kommunistenligisten und sonstige spĂ€te Spontis etwa darauf kommen, sich ernsterer politischer Probleme anzunehmen? (4)

Nun aber genug der Vorrede!

Am 11. Januar 2006 berichte ich erstmalig ĂŒber einen EntfĂŒhrungsfall, der unsere gutgesicherte Region betrifft. Dazu können aber weder die 38 VizeprĂ€sidenten noch der PrĂ€fekt; denn der BĂŒrger von CorbĂšre wohnt in der Touristengegend von Barinas, im SĂŒdwesten Venezuelas, nahe der Grenze zu Kolumbien, im Land des Freundes Frankreichs Hugo ChĂĄvez. Dort zĂŒchtet er mit seiner Frau seit 1992 weiße Zebus und hat sich damit seine Existenz mĂŒhselig aufgebaut. Ich will es nicht wiederholen, es ist im Artikel Der Katalane Christophe Beck gibt ein Lebenszeichen nachzulesen. Am 13. Dezember 2005 wittern kolumbianische und venezolanische Terroristen, in Frankreich nennt man sie FreischĂ€rler, Partisanen, wieder einmal ein gutes GeschĂ€ft, und sie entfĂŒhren den 60-jĂ€hrigen Mann, woraufhin die französische Regierung wochenlang nichts unternimmt. (5)

Das Versagen des französischen Außenministeriums im Fall des entfĂŒhrten katalanischen BĂŒrgers beginnt ab dem ersten Tag der EntfĂŒhrung. Der Fall ist nĂ€mlich nicht interessant. Christophe Beck ist nicht unterwegs fĂŒr die militĂ€rstrategischen Interessen Frankreichs. Er ist tatsĂ€chlich entfĂŒhrt worden, was bei grĂ¶ĂŸeren Aktionen der französischen Regierung zu seiner Befreiung den guten Beziehungen zum Einparteien-Hugo gefĂ€hrden wĂŒrde. Der ist mit Frankreich gegen die USA, der empfĂ€ngt das Weltsozialforum der ATTAC&Co. So plĂ€tschert der EntfĂŒhrungsfall unbeachtet vor sich hin, die französische Regierung tut wirklich und definitiv nichts.

Am 21. MĂ€rz 2006 schreibt Sandra Canal, die hellwache Journalistin des IndĂ©pendant - lange wird sie in dem ProvinzblĂ€ttchen wohl nicht bleiben, daß es ein Lebenszeichen des EntfĂŒhrten gegeben habe. Inzwischen haben die Presse Venezuelas und die Weltpresse Frankreichs sich des Falles angenommen, und es sind zwei Mitarbeiter des Außenministieriums vor Ort, aber da sie keine Angebote machen, steigen die Forderungen der Terroristen von Woche zu Woche. Bei 40 000 Euro fĂ€ngt´s an.

Wie staune ich am Ersten Weihnachtsfeiertag, im IndĂ©pendant von eben der Journalistin Sandra Canal einen Artikel zu lesen ĂŒber die Befreiung und RĂŒckkehr des Christophe Beck. Fotos seines Empfanges in Perpignan, vom 23. Dezember, schmĂŒcken die Seite, alle freuen sich, die ex-Geisel, seine Frau und die 22-köpfige Großfamilie, Kinder, Enkel, Vettern, Basen, Nichten, Neffen. Die bereiten ihm in einer eigens hergerichteten Garage einen herzlichen Empfang. Eine Wohnung haben Christophe Beck und seine Frau noch nicht. Zu Weihnachten bekommen sie von ihren Kindern eine Mikro-Welle geschenkt, damit sie sich einen McDonald wĂ€rmen können; denn fĂŒr Bio reicht das Geld nicht. Das Lösegeld hat sie ruiniert, die Tausend Zebus und die Farm sind verkauft.

Einen der VizeprĂ€sidenten der PMCA wĂŒrde man auch vergeblich suchen, darum lĂ€ĂŸt man das besser bleiben. Diese gutbezahlten Gemeindevertreter haben am Tag vor Heiligabend keine Zeit. Das ist schon so, als Christophe Beck entfĂŒhrt wird. Die Terroristen scheren sich nicht um die Weihnachtszeit der anderen, sie wollen ihre eigene Weihnachtskasse aufbessern, was sich zunĂ€chst nicht gut anlĂ€ĂŸt, aber fĂŒr dieses Jahr ist´s geglĂŒckt. Die letzte von zwei Raten des Lösegeldes haben sie eingenommen.

Den staunenden Lesern des IndĂ©pendant wird ein KommuniquĂ© des Außenministers Philippe Douste-Blazy, vom Heiligen Abend, 24. Dezember 2006, prĂ€sentiert; er zeigt sich hocherfreut ĂŒber die Befreiung und RĂŒckkehr nach Frankreich seines Landsmannes. Er unterstreicht dabei, daß das Außenministerium wie in allen vergleichbaren FĂ€llen vollen Einsatz gezeigt habe, um die Befreiung zu beschleunigen.

Daraufhin hÀlt es den Christophe Beck nicht, und er dementiert diese Frechheit: (6)

Meine Familie hatte gewisse Hilfen, vor allem psychologischer Art erbeten, und sie wurde niemals erhört. Meine Frau hatte die französische Regierung sogar um einen Kredit von 10 000 Euro gebeten. Erfolglos. Ich lege Wert darauf zu sagen, daß der französische Staat nicht einen einzigen Cent gegeben hat, um das Lösegeld zu bezahlen, ĂŒber dessen Höhe ich noch schweigen möchte. In Paris ist ein Vertreter des Außenministeriums zum Flughafen gekommen, um uns zu empfangen. Er hat uns eine kleine Stadtrundfahrt machen lassen, bevor wir das Flugzeug nach Perpignan bestiegen. Von da an haben wir keinen Telefonanruf, kein Telegramm erhalten, weder vom Minister noch von Jacques Chirac.

Die Stadtrundfahrt wird wohl auch keine gewesen sein, sondern der ortsunkundige Beamte hat die ĂŒbermĂŒdeten Ankömmlinge in Paris herumgefahren, vom Flughafen CDG, im Nordosten der Stadt, zum Flughafen Orly, im SĂŒdwesten. Ein Shuttle hĂ€tte sie sicherlich schneller hingebracht.

Wie schon im EntfĂŒhrungsfall, vom 13. Dezember 2005, findet sich im Internet am 24. oder 25. Dezember 2006 nichts, weder in den ActualitĂ©s noch sonstwo. Schon seinerzeit konnte man allein meinen Artikel finden, auf deutsch. Es interessiert niemanden, kein Tanz vor dem Pariser Rathaus, kein GesĂŒlze der Kommentatoren, kein Video "Monsieur Julia, aide moi !"

Der Wiener Standard weiß bereits am 25. Dezember 2006, um 13:53 Uhr, mehr als die französischen Medien, berichtet aber vorsichtig: Angeblich von Guerilleros der kolumbianischen Nationalen Befreiungsarmee gefangen gehalten. Man kann ja nie wissen, vielleicht ist er nur bei Hugo ChĂĄvez gewesen? (7)

Am 24. Dezember 2006, 21h01, bringt Yahoo eine AP-Meldung, die der NouvelObs.com, am 26. Dezember, 0:23 Uhr, unverĂ€ndert bringt, da ist die ausfĂŒhrliche Berichterstattung von Sandra Canal bereits ganztĂ€gig zu lesen, auch, daß das Lösegeld nicht 40 000 Euro betrĂ€gt, aber wayne interessiert´s? Nicht die französischen Mainstream Medien, wenn ein einfacher ihrer Landsleute mehr als ein Jahr entfĂŒhrt und jetzt befreit ist. Das KommuniquĂ© des Philippe Douste-Blazy ist bereits zwei Tage alt. Die Regierungssender France 2 und France 3 haben die Nachricht schon wieder vom Netz genommen, vielleicht, weil die Schmach der Regierung dort erwĂ€hnt ist? (8)

Am Abend des 26. Dezember laufen die ersten Berichte an, die sich auf Fakten stĂŒtzen, wie sie Sandra Canal bereits zwei Tage vorher schreibt. Man kann wohl davon ausgehen, daß die Autorin ihre Informationen umgehend an die Medien gebracht hat. Sie ist vor kurzem fĂŒr ihre gute Arbeit mit einem Journalistenpreis ausgezeichnet worden.

Europe 1 interviewt Christophe Beck und zeigt dazu nicht etwa eine Karte des EntfĂŒhrungsgebietes, sondern vom Roussillon. Ich denke und habe den Verdacht, daß das Quai d´Orsay nicht im geringsten die nötigen Mittel bereitgestellt hat, weder der Botschaft, noch den Polizeioffizieren (die vor Ort stationiert sind), um die Arbeit weiterzufĂŒhren und erfolgreich zu beenden, sagt Christophe Beck verbittert. Er wendet sich gegen den Eindruck, der erweckt werden soll, daß der Staat fĂŒr seine Befreiung bezahlt habe. Auf daß es alle Welt weiß, der französische Staat hat nicht einen Cent fĂŒr meine Befreiung gezahlt. Europe 1 hat er angeblich auch die Summe von 40 000 Euro bestĂ€tigt. (9)

Heute nun lese ich im anderen Provinzblatt, dem Midi Libre, immerhin schon auf Seite 14, weitere Informationen von Sandra Canal. Die lĂ€ĂŸt nicht locker: Ich wurde wie ein Hund behandelt! Die wirklich wichtigen Nachrichten aus unserem Roussillon insolite stehen auf den Seiten 2 und 3, ĂŒber den Dorfpolitiker X oder den Unfall auf der A9. Sandra Canal kann von GlĂŒck sagen, daß man ihre Vermischten Nachrichten ĂŒberhaupt bringt. (10)

Christophe Beck antwortet auf die Frage nach der Höhe des Lösegeldes, daß man die Summe von 40 000 Euro genannt bekomme. Wir erinnern uns, das ist die Forderung vom Dezember 2005. Wenn ich diese Summe höre, meint er, dann muß ich lachen. Da fehlt eine Null. Wenn es 40 000 Euro gewesen wĂ€ren, die gleich und sofort zu ĂŒbergeben waren, dann wĂ€re Christophe Beck bereits vor einem Jahr nach Hause gekommen. Seine Farm will er da eh schon seit zwei Jahren verkaufen, aber in dem durch die Regierung des Hugo ChĂĄvez korrumpierten Land will keiner das Risiko ĂŒbernehmen. Tausend weiße Zebus ...

Nun hat die Familie Schulden bis an ihr Lebensende, und die Altersversorgung ist nicht mehr gesichert. Das Ehepaar lebt in CorbĂšre.

Interessant ist, daß niemand sich dafĂŒr interessiert, wer die Guerilleros sind, die den Zebu-ZĂŒchter mehr als ein Jahr gefangen halten und des Nachts an einen Baum anbinden wie einen Hund. Dazu muß man eine Site aus Argentinien befragen. Es sind Guerilleros de ELN (EjĂ©rcito de LiberaciĂłn Nacional) aus Kolumbien, direkt an der Grenze zu Venezuela, weiß die Online-Zeitung. Das Lösegeld habe 400 000 Euro betragen. (11)

Die EntfĂŒhrer verlangen ein Lösegeld von 100 Millionen BolĂ­var = 40 000 Euro fĂŒr das Leben des ViehzĂŒchters, der seit 1992 in Venezuela wohnt, schreibt die venezolanische Zeitung ElUniversal.com, am 25. Dezember 2006, und ĂŒbernimmt damit eine Nachricht aus Paris! (12)

Das venezolanische UnionRadio.net weiß, am 26. Dezember 2006, von einer Summe in Höhe von mehr als 400 000 Euro. Was die Höhe des Lösegeldes angeht: mit 40 000 Euro stĂŒnde der ViehzĂŒchter wohl kaum vor dem Nichts, bei seinen Freunden verschuldet bis zum Hals, mit ungesicherter Altersversorgung. Auf die Vorhaltungen von Christophe Beck habe das Außenministerium geantwortet, daß in jedem Augenblick Stillschweigen bewahrt werde in solchen FĂ€llen, schreibt Sandra Canal: Frankreich hat nichts anderes getan, als sich an die gewohnte Richtlinie zu halten, verlautbart der Sprecher des Quai d´Orsay Denis Simonneau. So kann sich der Minister herauswinden. Christophe Beck wĂ€re unglaubwĂŒrdig mit seinen Anschuldigungen in aller Öffentlichkeit gegen das Ministerium, wenn dieses ihn bei seiner Befreiung merkbar unterstĂŒtzt hĂ€tte. Verlassen von Frankreich, fĂŒhlt er sich. Ich heiße nicht Florence Aubenas, bin weder Journalist noch Politiker, also interessiere ich nicht. (13)

Update

Am 28. Dezember 2006 bringt Radio France Internationale (RFI) den Fall in seiner AktualitĂ€tenschau unter der Überschrift: Das Quai d´Orsay durch Geiseln in Frage gestellt. Wer sich beim Lesen wundert, daß im Text dann nur von einer Geisel die Rede ist, muß unser Provinzblatt L´IndĂ©pendant zu Rate ziehen. Da ist nĂ€mlich am selben Tag die Geisel Ingrid Betancourt mit aufgefĂŒhrt, die schon das fĂŒnfte Weihnachten in Kolumbien gefangen gehalten wird, ohne daß die französische Regierung das geringste dagegen machen kann. Seit 3 1/2 Jahren wissen deren Angehörige nicht, ob sie ĂŒberhaupt noch lebt. (14)

Das Außenministerium hat mit all dem nichts zu tun. Im Fall der Journalisten Christian Chesnot, Georges Malbrunot und Florence Aubenas lernt man das ganz anders kennen. Da reißt sich die Regierung, bis hinauf zum StaatsprĂ€sidenten Jacques Chirac alle Beine aus, um die drei freizubekommen. Millionen Euro werden dafĂŒr ausgegeben. In meinem Archiv finden sich einige Artikel zu den beiden EntfĂŒhrungen. (15)

Sandra Canal berichtet im IndĂ©pendant, daß die Familie Beck von der französischen Regierung im September 2006 vergeblich einen Kredit erbittet, um das Lösegeld zu zahlen. Daraufhin muß sie die Farm mit den Tausend weißen Zebus zu Schleuderpreisen verkaufen. Es fehlen 10 000 Euro an der Summe, wieder wird ihnen der Kredit verweigert. Aber den Flugschein in die Heimat habe das Ministerium bezahlt, berichtet sein Sprecher stolz.

Als es daran geht, das Lösegeld an die EntfĂŒhrer zu ĂŒbergeben, tun das nicht die beiden französischen, in Venezuela an der Botschaft stationierten Polizeioffiziere, sondern ein Freund der Familie riskiert sein Leben. In zwei Raten ĂŒbergibt er das Geld. Als der Vater dann freikommt, geht sein 34-jĂ€hriger Sohn Franck, von niemandem begleitet, mitten in der Nacht in den tiefsten Dschungel zum Lager der Terroristen, ohne daß er die geringste Garantie hat, den Vater dort anzutreffen.

HervĂ© Marro, VizeprĂ€sident des comitĂ© de soutien Ă  Ingrid Betancourt, eines der zahlreichen UnterstĂŒtzerkomitees der französisch-kolumbianischen Geisel Ingrid Betancourt, nimmt Kontakt zur Familie Beck auf, und es stellt sich heraus, daß beide FĂ€lle vom Ministerium nahezu gleich behandelt oder besser: nicht behandelt werden, obgleich Ingrid Betancourt, die PrĂ€sidentschaftskandidatin in Kolumbien, sehr viel bekannter ist in Frankreich. In den Medien berichten die Sprecher des Quai d´Orsay vom MitgefĂŒhl, das der Herr Minister mit den Geiseln habe, unternommen wird nichts. Es gibt nicht einmal einen Krisenstab, und wenn es eine Person wĂ€re, die sich des Falles der Französin annimmt. (16)

Man brĂ€uchte nicht gesondert zu erwĂ€hnen, daß der allseits beliebte Freund Frankreichs, PrĂ€sident Venezuelas Hugo ChĂĄvez, auf dessen Territorium die Geiselnahme des Christophe Beck geschieht, mit nichts etwas zu tun hat. Er verteilt Millionen Dollar des Landes in Form von kostenlosem Benzin lieber an US-amerikanische BedĂŒrftige.

30. Dezember 2006

Quellen

(1) Florence Aubenas befreit - Hussein Hanoun al-Saadi in Paris! 15. Juni 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-06-15_20-59-25.html

(2) PMCA. Conseil de Communauté 2005 : 19 décembre 2005.
http://www.perpignanmediterranee.com/articles.asp?id=4600

(3) Liste der Bezirke und Ortsteile Berlins. Stadtgliederung
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bezirke_und_Ortsteile _Berlins

Perpignan MĂ©diterranĂ©e CommunitĂ© d´AgglomĂ©ration
http://www.perpignanmediterranee.com/

(4) Thierry Lataste, prĂ©fet. 066, MinistĂšre de l´IntĂ©rieur
http://www.interieur.gouv.fr/sections/a_l_interieur/les_pref ectures/votre_prefecture/066/

(5) Der Katalane Christophe Beck gibt ein Lebenszeichen. 11. Januar 2006/ 21. MĂ€rz 2006
http://www.eussner.net/roussillon_2006-01-11_20-20-38.html

Barinas
http://www.venaventours.com/barinas.asp

(6) Ch. Beck "corrige" Douste-Blazy. Recueilli par S. Canal, L´IndĂ©pendant, 26 dĂ©cembre 2006, page 3

(7) Franzose nach einem Jahr Geiselhaft in Venezuela wieder in Freiheit, 25. Dezember 2006
http://derstandard.at/?url=/?id=2707406

(8) Retour de Christophe Beck, enlevé en décembre 2005. NouvelObs.com, 26 décembre 2006
http://tempsreel.nouvelobs.com/actualites/international/amer iques/20061225.OBS4387/retour_de_christophe_beckenleve_en_de cembre_2005.html?idfx=RSS_notr

(9) Christophe Beck amer envers le Quai d´Orsay. Europe 1, 26 dĂ©cembre 2006, 19:49
http://www.europe1.fr/informations/articles/647975/christoph e-beck-amer-envers-le-quai-d-orsay.html

(10) L´ex-otage catalan: "J´ai Ă©tĂ© traitĂ© comme un chien". Par Sandra Canal, Midi Libre, 27 dĂ©cembre 2006, page 14

(11) Francés estuvo secuestrado "como un perro" en Venezuela. INFOBAE.com
http://www.infobae.com/notas/nota.php?Idx=293470&IdxSeccion= 100891

(12) RegresĂł a Francia ganadero que estuvo secuestrado en Venezuela. ElUniversal.com, 25 de diciembre de 2006
http://politica.eluniversal.com/2006/12/25/sucgc_art_25A8182 81.shtml

(13) Ex secuestrado francés en Venezuela afirma que fue tratado "como un perro", UnionRadio.net, 26 de diciembre de 2006
http://www.unionradio.com.ve/Noticias/Noticia.aspx?noticiaid =190264.

MobilisĂ© ? Par Sandra Canal (L´IndĂ©pendant), Midi Libre, 27 dĂ©cembre 2006, p. 14

(14) Ingrid Betancourt (französisch, spanisch, englisch deutsch, italienisch)
http://www.educweb.org/Ingrid/indexFr.htm

Ingrid Betancourt (deutsch)
http://betancourt.blogg.de/

(15) Le Quai d´Orsay mis en cause par des otages. Radio France Internationale, Revue de presse internationale du 28/12/2006
http://www.rfi.fr/actufr/articles/084/article_48495.asp

(16) Affaire de l´otage Beck: un grand coup de gueule ! Par Sandra Canal, IndĂ©pendant, 28 dĂ©cembre 2006, page 3

Le ComitĂ© Betancourt mĂȘme combat contre le quai d´Orsay. Par Sandra Canal, IndĂ©pendant, 28 dĂ©cembre 2006, page 3

Un comité de soutien à Betancourt partage la colÚre de Christophe Beck. AFP/Le Monde, 29 décembre 2006
http://www.lemonde.fr/web/depeches/0,14-0,39-29252874@7-37,0 .html


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