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Le Roussillon insolite (Anklicken zum Vergrößern)
Foto: Monsieur Boris
Le Roussillon insolite

Olivier Pithon oder: Transatlantiker machen das Geschäft

Wer in www.Google.fr viticulteurs manifestation, Winzer Demonstration bzw. Veranstaltung eingibt, erh√§lt 140 000 Angebote. Von den ersten zehn betreffen sechs die Krise des Weinanbaus im S√ľden Frankreichs und eine in Cognac, ca. 90 Kilometer n√∂rdlich von Bordeaux, wobei manifestation in der Bedeutung von Demonstration gebraucht wird. Eine der Demonstrationen der Winzer richtet sich gegen den Ausbau einer TGV-Strecke . Die letzten drei der ersten Seite handeln von Veranstaltungen zu Wein aus Frankreich (zwei) und der Welt (eine). Ich liste die ersten Worte der ersten zehn Angebote auf:

  • Die Demonstration endete mit einer energischen Rede von Jean Huillet, Pr√§sident der Winzergenossenschaft des H√©rault ... Cette Semaine
  • Sonntagvormittag trafen sich die Winzer des Languedoc-Roussillon im Augenblick, da die Wut sich zusammenbraut in den Weinbergen ... Humanit√© (Zeitung des PCF)
  • M√§chtige Demonstration der Winzer im Midi, dem S√ľden Frankreichs ... Balade dans la vigne (Zeitschrift einer Winzerin)
  • Alle gemeinsam, mit unseren Traktoren! Universit√© de Marne-la-Vall√©e (Cognac, Charente)
  • In vier St√§dten des S√ľdens Winzerdemonstrationen, am 15. Februar ... Agrisalon.com ("Vom Produzenten zum Konsumenten")
  • 7000 w√ľtende Winzer in Montpellier. Schl√§gereien mit der Polizei ... Agrisalon.com ("Vom Produzenten zum Konsumenten")
  • Terre.net - Demonstration - Bauern und Winzer protestieren gegen LGV PACA (TGV im Department Provence - Alpes-C√īte d´Azur) ... Stop TGV Coudon
  • F√ľhrer zu Wein-Veranstaltungen. Aux Vignobles et Etiquettes
  • Wir sind 14 Winzer aus der Champagne ... Aux Vignobles et Etiquettes
  • Veranstaltung: Auf Entdeckung der Champagner ... Assembl√©e des r√©gions europ√©ennes viticoles (AREV)

Stichproben der folgenden Seiten bringen √§hnliche Ergebnisse: Protest, Wein vor Rath√§user gesch√ľttet, Schl√§gereien, Aufstand der armen in ihrer Existenz bedrohten Winzer, die offensichtlich wie kleinere und mittlere Bauern nicht ausreichend teilhaben an den Segnungen der EU-Subventionen f√ľr die franz√∂sische Landwirtschaft.

Der französische Wein in der Krise

Durch die internationale Konkurrenz, die Weine weltweit preiswerter anbieten kann als viele franz√∂sische Winzer, kommt es zur Gef√§hrdung der Existenz Tausender kleiner Winzer, die sich vom Staat vernachl√§ssigt f√ľhlen und entsprechend protestieren. Hilfe wird vom Staat erwartet, das ist noch ausgepr√§gter als in Deutschland. Die Hilfe kommt dann auch, wie Anfang 2005, in Gestalt von EU-Subventionen und Unterst√ľtzung aus dem franz√∂sischen Staatshaushalt, um eben einmal 250 Millionen Liter Wein zu destillieren, 80 Prozent davon Qualit√§tsweine, appellations contr√īl√©es. Derselbe Staat engt Produktion und Vermarktung der Weine durch restriktive Gesetzgebungen und Verordnungen derartig ein, da√ü die Winzer daran ersticken.

Eine Regierung, die t√§glich in Verlautbarungen und √ľber ihre Medien Anti-Amerikanismus verbreitet, die deshalb drittklassige Filme wie Fast Food Nation auf dem Filmfestival von Cannes f√∂rdert und den Propagandafilm mit Staatsknete umgehend ins Franz√∂sische √ľbersetzen l√§√üt, sie lebt komfortabel damit, da√ü zahlreiche Winzer die Produzenten der USA verantwortlich machen f√ľr ihre elende Lage, die Coca-colonisation, aber auch Australien und andere Weinanbaugebiete der Neuen Welt sind angeblich schuld. Die Weine dieser erfolgreicheren Konkurrenz werden in √ľbelster Weise heruntergemacht, sie schmeckten wie Fruchtsaft und h√§tten keine Seele. Der nationalistische rechtsextreme Pr√§sidentschaftskandidat 2007 Philippe de Villiers, vom Mouvement pour la France, begibt sich ans Krankenbett des gebeutelten Patienten. Verteidigung, Unterst√ľtzung, Hoffnung und L√∂sungen erwarten die Winzer von der franz√∂sischen Politik, vom Staat. Ein weites Feld ist das f√ľr Demagogen: Die Konkurrenz der Produkte aus der sogenannten Neuen Welt, die unsere traditionellen Exportm√§rkte √ľberschwemmen, wird, das ist wahr, wenn nicht ermutigt, so doch wenigstens mit einer unerh√∂rten Passivit√§t vom Staat beobachtet. (1)

Die US-Weinh√§ndler aber tragen zur Vermarktung der franz√∂sischen Weine bei. Der amerikanische Importeur Gallo vertreibt einen C√ītes du Rh√īne unter dem Etikett Pont d´Avignon. Dieser Name wird vom B√ľrgermeister Avignons an den amerikanischen Industriellen vergeben, schreibt Blogo Vino. Das bringt Geld ins Stadts√§ckel. Der im kalifornischen Palo Alto, im Silicon Valley, ans√§ssige Investor, business angel, Jeff Clavier (You can´t succeed if you don´t try) meint dazu: Mal abgesehen davon, da√ü "le pont d´avignon" franz√∂sische Vorstellungen hervorruft, bezweifle ich, da√ü viele Amerikaner jemals von Avignon geh√∂rt haben. Man kann solches von den ungebildeten Amerikanern kaum erwarten, hei√üt das. Direkt darunter wird auf demselben Blog ein Artikel aus dem Londoner Observer verlinkt √ľber die Krise des franz√∂sischen Weines, und Zahlen √ľber den Weinkonsum der USA im Jahre 2008 sind gelistet; da werden die US-B√ľrger mehr Wein trinken als die Italiener und Franzosen. Ihr Konsum steige im Vergleich zu 2003 um 28,6% an. (2)

Alcyon, eine franz√∂sische Beraterfirma f√ľr die Vermarktung von Wein, findet, da√ü die Amerikaner den Franzosen eine Lektion in Marketing erteilt h√§tten. Das kann man getrost annehmen, bevor man auch nur eine Zeile des Beitrages gelesen hat. Wer hier in Frankreich an Marketing oder nur an einfaches Verkaufsverhalten im Laden denkt, der wei√ü wovon die Rede ist. Die Kunden k√∂nnen dankbar sein, da√ü sie bedient werden. Es ist dabei nicht so wie bei Deutschen, die besser gehorchen oder herrschen als dienen k√∂nnen, sondern in Frankreich will man anscheinend nicht dienen. Die Beziehung geht vom Verk√§ufer aus, der entscheidet, wann er sich dem Kunden und wie er sich ihm zuwendet. Dem Kunden mu√ü es zun√§chst gelingen, das Interesse des Verk√§ufers zu wecken. Wenn er es dann schafft, sein Problem zu dem des Verk√§ufers zu machen, bekommt er alles, was er will und noch mehr. Als Kundin in Paris habe ich erlebt, da√ü zwei Verk√§ufer sich trotz meines Eintretens in den Laden und l√§ngeren Wartens weiterhin scherzend und lachend √ľber den Hund des einen unterhielten. Auf meine wirklich freundlich formulierte Vorhaltung, wenn das so weiterginge, k√§me ich nicht wieder, antwortete der eine: C´est votre choix, Madame ! Das ist Ihre Wahl! Etwa in dem Sinn und mit der Betonung: Wie Sie wollen, bitte sehr, wayne interessiert´s!

Alcyon h√§lt die Einf√ľhrung des Namens Pont d´Avignon f√ľr eine geniale Leistung des amerikanischen Importeurs, der bereits den Wein der Kooperative Sieur d´Arques, aus dem Languedoc, unter dem Namen Red Bicyclette f√ľr 10 Dollar/Flasche verkauft und ihn pr√§sentiert auf einer eigenen lustigen Web Site. Dort gibt es einen Franzosen mit traditionellem Beret, der Baskenm√ľtze, er radelt, bepackt mit Baguette-Broten, von denen eines sein Hund erbeutet. Die Site ist sehr liebevoll gemacht. (3)

Mit den beiden Weinen wolle Gallo die USA regelrecht √ľberschwemmen, und es zeige sich damit auf frappierende Art, da√ü die ausl√§ndischen Weinh√§ndler mehr vom Verkauf verst√ľnden als ihre franz√∂sischen Kollegen. Pont d´Avignon ist gleichzeitig ein historisches Denkmal und das ber√ľhmte Kinderlied; das sei auch in den USA bekannt. 5 Millionen Dollar investiert Gallo in die Vermarktung des Weins, der pro Flasche 15 Dollar kosten soll. Der sinnbildliche Widerstand des Dorfes Aniane, im H√©rault, dargestellt im Film Mondovino, liege damit weit zur√ľck. In diesem anti-amerikanischen Beitrag zum Festival de Cannes sagt der US-Amerikaner Neal Rosenthal in einem Dialog: "In Bordeaux, the terroir is there, but they´re destroying it. They´re suppressing their terroir. Just as our freedoms are being suppressed here, in the US. People say: "let´s be patriotic, therefore let´s give up our freedoms. Let´s not debate anything anymore. Let´s just accept." Ich habe diesen Film im Freundeskreis gesehen, und alle wu√üten danach wieder einmal Bescheid. Alles klar? Gegner sind George W. Bush und die US-Regierung. (4)

Die verfehlte Verkaufsstrategie der Winzer, wenn man √ľberhaupt von einer Strategie sprechen kann, ist derjenigen √§hnlich, die bei der Bewerbung der Stadt Paris als Austragungsort der Olympischen Spiele 2012 entwickelt wird. Muffige Pr√§sentation l√§ngst vergangenen Glanzes, Idylle der 50er Jahre: die fabelhafte Welt der Am√©lie Poulain, Medien, die dem Staatspr√§sidenten Jacques Chirac nach dem Munde reden und schreiben und der Bev√∂lkerung L√ľgen √ľber die Chancen der Bewerbung pr√§sentieren, und als der erhoffte Zuschlag nicht eintritt, Schuldzuweisungen √ľberallhin: der Sieg sei anders zustande gekommen als durch Olympiageist. Als gallische oder auch deftige Illusionen bezeichnet der UMP-Abgeordnete Pierre Lellouche solche Einstellung in seinem Buch Illusions gauloises. Am 31. M√§rz 2006 pr√§sentiert er in Perpignan seine Thesen √ľber die verfehlte Politik des Jacques Chirac. (5)

Einen guten Wein produzieren und ihn verkaufen!

Weine aus dem Roussillon kommen aus 118 Gemeinden des D√©partement Pyr√©n√©es-Orientales; sie erstrecken sich √ľber 4800 Hektar in f√ľnf gro√üen Zonen: die T√§ler der Agly, der T√™t und des Tech, den Aspres und den Alb√®res, schreibt der Internet-Exporteur Vin-Export, Libourne. (6)

W√§hrend dort manche kleine Winzer w√ľtend sind, demonstrieren, Wein wegsch√ľtten und auf finanzielle Zuwendungen vom Staat warten und hoffen, der aber in seinen Pl√§nen wie in der Landwirtschaft mit Sicherheit zun√§chst die Gro√üen bedenkt, erfahren die Leser des Provinzblattes L´Ind√©pendant von Olivier Pithon, einem 39-j√§hrigen Winzer aus Calce, einem kleinen Ort, 15 Kilometer von Perpignan. Es ist hier ebenso wie schon im Fall der Berichte √ľber den in Venezuela entf√ľhrten B√ľrger des Roussillon Christophe Beck, eine Frau bringt Spannung ins m√ľde Bl√§ttchen. Im Fall des Christophe Beck ist es Sandra Canal, die im Oktober 2006 f√ľr ihren ausgezeichneten Journalismus mit dem Prix Alexandre Varenne ausgezeichnet wird. Olivier Pithon wird interviewt von Marcelle Santa Maria. (7)

Er ist Winzer von Kindheit an. Einen guten Wein zu produzieren, heißt noch lange nicht, ihn auch zu verkaufen. Das wissen alle, nur, was tun?

Olivier Pithon steigert den Verkauf seines Weines der Domaine Pithon in f√ľnf Jahren von 15 000 auf mehr als 35 000 Flaschen, er gilt bei diesen Mengen als kleiner Winzer. Er arbeitet mit zwei Angestellten. Was tun im Zeichen der Krise, die in Frankreich die Winzer trifft? Olivier Pithon verkauft seinen Wein dort, wo er am meisten gesch√§tzt wird, in den USA. Die Journalistin wundert sich, da doch bekannt sei, da√ü die Amerikaner allein den Bordeaux liebten. Der Winzer stellt vor Ort fest, da√ü dem nicht so ist.

Ausgehend von einigen Visitenkarten von Importeuren, die er auf dem alle zwei Jahre stattfindenden Salon Vinisud, in Montpellier, kennenlernt, kontaktiert er sie, die sich dort nur ein wenig umgeschaut und Wein anderer Winzer verkostet haben, und k√ľndigt seinen Besuch bei ihnen an: der Wein aus dem Roussillon verkauft sich nicht von allein. Ein halbes Jahr bereitet er seinen Besuch vor, l√§√üt seine Prospekte ins Englische √ľbersetzen und informiert in einer Pr√§sentation mit Text und vielen Fotos ausf√ľhrlich √ľber sein Dorf, die Domaine Olivier Pithon und die Region. Er vermittelt ein ganz pers√∂nliches Image seines Weines, eine Mischung aus Information, Poesie und √úberzeugung. Er zeigt, da√ü er seinen Wein liebt, und da√ü er die anderen √ľberzeugen m√∂chte, ihn ebenfalls zu lieben. Seinen Kontakten vom Salon Vinisud schickt er Kostproben des Weines. (8)

W√§hrend der Vorbereitungszeit spart er mehrere Monate f√ľr die einw√∂chige Reise und heuert einen Dolmetscher an. Dann schn√ľrt er, der kein englisch spricht, sein R√§nzel, und reist in die USA. Dort empf√§ngt man ihn merveilleusement, wundervoll! Von den Professionellen des Marketings und einigen Verk√§ufern abgesehen, haben die meisten noch niemals einen franz√∂sischen Winzer gesehen; da√ü einer sie pers√∂nlich besucht, finden sie gro√üartig. Er wird mit Fragen √ľbersch√ľttet. Amerikaner lieben die kleinen franz√∂sischen Familienbetriebe, sie kommen ins Schw√§rmen.

Sehr schnell wurde mir klar, da√ü meine Vorstellungen vollkommen falsch waren: weit entfernt von den festen in Frankreich tief verwurzelten Vorstellungen, sind die Amerikaner, die ich getroffen habe, sehr neugierig auf Neuheiten, offen f√ľr Experimente, aufmerksam f√ľr das, was sie nicht kennen. Die totale √úberraschung! Und sie lieben den Wein, haben einen guten Geschmack f√ľr Wein, f√ľr franz√∂sischen Wein, das Synonym f√ľr Vollendung und Luxusklasse.

Olivier Pithon macht weitere Entdeckungen, √ľber die Falschinformation beispielsweise, da√ü die Beurteilung der Weine durch den ber√ľhmten Robert Parker das Schicksal der Weine und ihres Verkaufs bestimme. Das sei so in Frankreich, nicht in den USA. In Frankreich steigen oder fallen die Preise f√ľr Bordeaux-Weine zwischen 10 und 100 Prozent, wenn im Parker die Noten zwischen 50 und 100 vergeben werden. (9)

Die n√§chste √úberraschung: sofort ist von Geld die Rede. Alles wird direkt und ohne jede Heuchelei angesprochen. Das irritiert den Winzer, der eine andere Preispolitik macht, in Abh√§ngigkeit von vielen aus seiner Arbeit resultierenden Faktoren. Ihn interessiere nicht, welchen Preis der Restaurateur oder der H√§ndler realisiert, was nicht hei√üe, da√ü er seinen Wein verschleudere, sondern seine Weine seien teuer: sie kosten die Arbeit, die vom Team hineingesteckt wurde. ... Ein guter Bordeaux kann f√ľr 200 Euro/Flasche verkauft werden, also, warum unserer nicht?

Der kleine Winzer, durch seine Regierung und die Medien vollgedr√∂hnt mit anti-amerikanischer Propaganda, lernt in einer Woche die ganze Verlogenheit dieser Propaganda kennen, und er lernt das, was ihm hier verschwiegen wird, was er aber ben√∂tigt, um mit seiner Familie ein angemessenes Leben als Winzer f√ľhren zu k√∂nnen. Er erf√§hrt, da√ü der Parker keinen Stellenwert hat in den USA, was f√ľr ihn bedeutet, da√ü er sich nicht verstecken mu√ü, sondern da√ü ihm der US-Markt offensteht, da√ü die Amerikaner eine andere Vorstellung von Luxus haben als die Franzosen. Sie kaufen, wenn ihnen der Wein schmeckt, eben einmal mit Begeisterung 100 Flaschen. Wenn sie die finanziellen Mittel haben, was dort nicht selten ist, dann geizen sie nicht. Ich habe an der Westk√ľste alles verkauft, sagt Olivier Pithon, und vor einem Monat habe ich mit der Ostk√ľste, New York und Kanada angefangen. Das hei√üt aber nicht, da√ü er Kalifornien vernachl√§ssigt, er will diversifizieren, damit er nicht nur einmal verkauft, und das war´s, sondern sich langfristig einen Kundenstamm in Amerika heranzieht. Er kalkuliert ein, da√ü die Qualit√§t des Weines nicht jedes Jahr gleich ist, und es leicht passieren kann, da√ü Kunden abspringen. Die Mundpropaganda habe schon begonnen, aber man d√ľrfe da kein Schweigen aufkommen lassen.

Olivier Pithon lernt in den USA, da√ü seine N√§he zu Barcelona z√§hlt; denn diese erstaunlichen Kunden, Liebhaber des guten Weines, kennen das katalanische Priorat, el Priorato, wie es spanisch hei√üt, und die dortigen oftmals nur Eingeweihten bekannten kleinen Winzer, im Zentrum von Tarragona, in der Weingegend s√ľdlich von Barcelona. Das Gesch√§ft laufe, wenn man sage, das Roussillon liege eine Stunde entfernt vom Priorat. (10)

Solches hat dem Olivier Pithon der f√ľrsorgliche Staat niemals mitgeteilt, daf√ľr alle Gesetze, Regeln und Beschr√§nkungen seines Winzerlebens, und hin&wieder fallen ein paar Euro Subventionen der EU ab. Im francophonen Kanada ("Vive le Qu√©bec libre!") liebt man Frankreich, und es verkaufen dort sogar schon vier oder f√ľnf Winzer aus dem Roussillon ihre Weine. Es m√ľ√üten mehr werden, meint Olivier Pithon, damit das Roussillon und seine Weine bekannt w√ľrden: es ist Platz f√ľr alle Produzenten, die etwas anderes machen als Durchschnitt. Was Olivier Pithon produziert, zeigt er auf seiner originellen Web Site, wo Weine nach ´ner Kuh benannt sind, La√Įs, und nach der Route d√©partementale D 18, der Stra√üe zwischen Calce und dem Col de la Dona, mit Blick auf den Canigou. (11)

Entdeckungen kann ein weltoffener Franzose in Amerika machen! Sie haben kaum etwas gemein mit dem, was den Franzosen von ihrer Politik und den Medien an Propaganda √ľber die USA vorgesetzt wird. Mehr Artikel bitte von den Frauen des Ind√©pendant!

13. Januar 2007

Update

Ich gebe mein Wort, da√ü ich die Aktion nicht bestellt habe (*irony off*); sie wird nach der Weinlese ausgeheckt. Am 19. Januar 2007 zieht eine Kolonne von f√ľnf Traktoren, drei Kleinlastwagen und einigen Begleitautos mit an die zwanzig friedlichen Winzern, bepackt mit 500 Weinkartons (3 000 Flaschen) aus dem Languedoc-Roussillon, von Montpellier nach Paris, um Abgeordnete der Nationalversammlung und Senatoren sowie Verantwortliche der Superm√§rkte zu Verhandlungen zu treffen. Sie geh√∂ren zum parteiunabh√§ngigen collectif "Paysan toujours", Bauern immer und allzeit! Sie veranstalten einmal mehr, was Google.fr unter viticulteurs manifestations 140 000-fach anbietet: Protest. Sie verteidigen den Wein. Sie wollen von ihrem Wein leben und nicht von Subventionen, die ihnen der Staat in unregelm√§√üigen Abst√§nden √ľberweist. Hauptschuldige am Elend sind diesmal nicht die Weine der Neuen Welt, sondern es sind die des Nachbarn Spanien, wo mehr Wein verkauft als produziert werde, hygienische und Herkunftskontrollen des in Frankreich anlandenden Weines w√ľrden nicht durchgef√ľhrt; das haben die Winzer im August bei einer Aktion auf einem von Valencia kommenden Schiff im Hafen von S√®te festgestellt.

Sie wollen solche Kontrollen, und außerdem wollen sie, daß der Wein nicht mehr verteufelt, sondern als Nahrungsmittel in die französische Verfassung aufgenommen werde. Hier in der Gegend ist keine Karnevalszeit.

Die Superm√§rkte verkaufen preisg√ľnstigere Importweine bei gleichzeitiger Erh√∂hung der Preise f√ľr franz√∂sische Weine. Dagegen suchen die Winzer Hilfe bei den Politikern. Sie wollen keine Subventionen f√ľr das Ausrei√üen von Weinst√∂cken, sondern vom Verkauf ihres Wein leben, sagen sie denen. Im Languedoc-Roussillon gibt im Durchschnitt jeden Tag ein Winzer auf. Von 1980 bis 1990 sind 160 000 Hektar Weinst√∂cke ausgerissen worden, die H√§lfte der Produktion. Das Languedoc-Roussillon sei besonders betroffen, weil dessen Wein nicht so bekannt sei in der Welt wie Bordeaux und Burgunder.

Diesen Nachrichten, die seit Jahren bekannt sind, lauschen in Paris Abgeordnete der Nationalversammlung der regierenden UMP, anschlie√üend des PC, und im Senat trifft man Vertreter des PS. Am Vorabend gibt es eine Veranstaltung der Conf√©d√©ration paysanne, der Bauern"gewerkschaft", bekannt durch die Maisausrei√üaktionen des Jos√© Bov√© und seiner Freunde, der Faucheurs volontaires. Das Motto lautet Contre les naufrageurs du vin, gegen die Totengr√§ber des Weins. K√ľnstler und einige Abgeordnete unterzeichnen eine Petition gegen die Totengr√§ber, genannt werden Wein produzierende L√§nder wie Chile und Neuseeland. Deren Weine w√ľrden importiert, in Frankreich fermentiert und als Vins fran√ßais verkauft. Die Supermarktketten f√∂rderten diese Praktiken. (12)

Keiner der Politiker, erst recht nicht jetzt im Wahlkampf, weist die Winzer darauf hin, da√ü sie mit solchen Aktionen nichts erreichen au√üer Strapazierung ihrer Nerven, Frust und weitere finanzielle Verluste durch die Kosten der Aktion. Keiner sagt ihnen, da√ü weder die CAP Agrarsubventionen in H√∂he von mehr als 40 Milliarden Euro noch der Europ√§ische Globalisierungsfonds von bis zu 500 Millionen Euro f√ľr die kleinen Winzer gedacht ist, sondern beide Fonds sind auf Veranlassung Frankreichs von der EU geschaffen worden f√ľr franz√∂sische Gro√üunternehmen, die durch geschicktes oder gerade durch bewu√üt ungeschicktes Management als Kandidaten in Frage kommen. (13)

24. Januar 2007

Quellen

(1) Fast Food Nation - MALBOUFFE - Anti-Amerikanismus pur. 24. November 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-11-24_18-45-17.html

Villiers au chevet de la viticulture, MPF, 9 février 2006
http://www.pourlafrance.fr/propositions/agriculture/viticult ure.htm

(2) E.&J. Gallo Winery
http://www.gallo.com/

Why France is whining about wine. By Tim Atkin, The Observer, January 30, 2005
http://observer.guardian.co.uk/comment/story/0,6903,1401762, 00.html

Le pont d´avignon am√©ricain?? Blogo Vino, 11 f√©vrier 2005
http://www.blogovino.com/francais/international/index.html

People. Jeff Clavier. ziki. be visible
http://www.ziki.com/people/jeffclavier

(3) Red Bicyclette
http://www.redbicyclette.com/

Leçon de marketing en France par les américains... par leon, alcyon consulting, le blog du marketing du vin, 14 janvier 2005
http://winemarketing.blogs.com/wine_marketing/2005/01/leon_d e_marketi.html

(4) Mondovino. Un film de Jonathan Nossiter. USA/France 2004
http://www.gros-plan.org/soirees/mondovino.htm

Mondovino. Un film de Jonathan Nossiter. Festival de Cannes
http://www.festival-cannes.fr/films/fiche_film.php?langue=60 02&id_film=4183104

(5) Sommer in Frankreich. Abschnitt: Die Olympiabewerbung von Paris JO 2012. 12. Juli 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-07-12_03-52-17.html

Illusions gauloises. 1 avril 2006
http://www.eussner.net/roussillon_2006-04-01_23-23-23.html

(6) Vin-Roussillon. Vin-Export.com
http://www.vin-export.com/fr/cave/listereg/13/Roussillon.htm l

(7) Sandra CANAL de L´INDEPENDANT, pour son reportage intitul√© : G√©n√©ration puissance six ! Laur√©ats 2006. Fondation Varenne
http://www.famv.com/Concours/concours_PQR-Laureats.htm

(8) Vinisud. Prochaine édition : les lundi 18, mardi 19 & mercredi 20 Février 2008. Montpellier - France
http://www.vinisud.org/

(9) Le diktat de Parker. 75cl.info
http://www.75cl.info/article.10.124.1443.htm

(10) Denominación de Origen Priorat. VinosBodegas.Es
http://vinosbodegas.es/do/priorat/gmx-niv95.htm

(11) Vin √† forte typicit√©: comment s´organiser pour r√©ussir √† l´export. Recueilli par Marcelle Santa Maria. L´Ind√©pendant, 11 janvier 2007
http://www.lindependant.com/actui/article.php?num=1168463748

Domaine Olivier Pithon
http://www.domaineolivierpithon.com/

(12) Viticulture : les tracteurs sont entr√©s dans Paris. Par Catherine Methon, L´Ind√©pendant, 24 janvier 2007, page 16
http://www.lindependant.com/actui/article.php?num=1169582375

Des vignerons et leurs tracteurs vont boire le calice jusqu´√† Paris. Par Carole RAP. Lib√©ration, 17 janvier 2007
http://www.liberation.fr/actualite/economie/229514.FR.php

(13) Who gets what from the Common Agricultural Policy. framsubsidy.org
http://www.farmsubsidy.org/


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