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Le Roussillon insolite (Anklicken zum Vergrößern)
Foto: Monsieur Boris
Le Roussillon insolite

Perpignan. Visa pour l´Image 2010

Am 28. August 2010 ist es endlich soweit. Die 22. Ausgabe der internationalen Fotoausstellung Visa pour l´Image beginnt, und an die 200 000 Besucher lassen sich bis zum 12. September einmal mehr die Wahrheit des Generaldirektors der Ausstellung Jean-Fran√ßois Leroy und seiner Mitarbeiter andrehen. Es ist jedes Jahr gleich, aus der Wirklichkeit der Welt wird alles ausgeblendet, was die Ideologie der Ausstellungsmacher ins Wanken bringen k√∂nnte.

Die Provinzzeitung L´Ind√©pendant ist schon Tage vorher unterwegs, Jean-Fran√ßois Leroy und sein gespreiztes Ich ins rechte Licht zu setzen, auf der Pressekonferenz pr√§sentiert er es: "Je suis un mec heureux !" Ich (Ich!) bin ein gl√ľcklicher Kerl! Es dreht sich alles um ihn, und der Minister f√ľr Kultur und Kommunikation Fr√©d√©ric Mitterrand unterst√ľtzt ihn dabei, in dem sein Ministerium Fotos aus der Ausstellung aufkauft - vom Geld der gebeutelten Steuerzahler wohlgemerkt. Am 30. August beehrt der Minister Visa pour l´Image.

√úber Fr√©d√©ric Mitterrand, den Freund der Knaben und Verteidiger des Roman Polanski, gibt´s einiges in meinem Archiv. (1)

"J´en suis √† mon troisi√®me maire, souriait-il, Paul (Alduy) , Jean-Paul (Alduy) et aujourd´hui Jean-Marc (Pujol) m´ont tous soutenu et laiss√© libre d´exposer les sujets que je voulais". Ich (Ich!) bin jetzt beim dritten B√ľrgermeister angelangt, lacht er, Paul (inzwischen verstorben), Jean-Paul und heute Jean-Marc haben mich (mich!) alle unterst√ľtzt und mir (mir!) die Freiheit gelassen, die Themen auszustellen, die ich (ich!) wollte. Fr√©d√©rique Michalak, vom Ind√©pendant, setzt die Familiennamen dazu, damit die Leser Bescheid wissen, wer die Freunde des Jean-Fran√ßois sind. Die B√ľrgermeister der Stadt duzt er in der √Ėffentlichkeit, er ist Freund der einflu√üreichen Politiker des Roussillon. Distanz sowie Achtung vor dem Amt scheint er nicht zu kennen.

Dann ist er nochmal ein gl√ľcklicher Kerl, weil es 400 Antr√§ge auf Akkreditierung mehr als im letzten Jahr gibt (2 800 sind 2009 ausgegeben worden - Anmerkung der Redaktion), und das ist wunderbar in diesem Kontext, besonders der Krise, in der man heute lebt."

L´Ind√©pendant, dem man, was Visa pour l´Image angeht, kritiklose Begeisterung attestieren kann, setzt diese Zwischen√ľberschrift: "Die Kriterien meiner (meiner!) Wahl? Mein (mein!) schlechter Geschmack!" Das MSM ist nicht das erste, das ungewollt Tatsachen ausspricht. Die Kriterien der Auswahl sind gepr√§gt vom schlechten Geschmack des Generaldirektors.

Seine Erhabenheit √ľber die gew√∂hnliche Menschheit Frankreichs √§u√üert er im Ind√©pendant: "Das Wissen der Welt, ich (ich!) werde es nicht in Secret Story lernen". Secret Story ist eine popul√§re Unterhaltungssendung der Fernsehanstalt TF1. Das ordin√§re Volk Frankreichs ist nicht sein Thema, er sagt´s ihm deutlich, aber dennoch werden wieder mindestens 100 000 Secret Story Zuschauer in die Ausstellung str√∂men. Jeder l√§√üt sich beleidigen, so gut er kann. (2)

In dem Interview, das Fr√©d√©rique Michalak f√ľhrt, geht es vielmehr um Erziehung des Volkes, einer Erziehung zum Wissen der Welt. Er f√§ngt bei der Interviewpartnerin sogleich mit der Erziehung an, in dem er √ľber die mangelnde Spendierfreude in Europa f√ľr die Opfer der Fluten in Pakistan lehrt: Weil man Pakistan mi√ütraut! Aber wie kann man sie anders behandeln als die Fl√ľchtlinge von Haiti? Ja, warum nur? Der Ind√©pendant will´s nicht wissen, dabei ist der Grund dort sowie in Midi Libre bereits im letzten Jahr Thema: "Pakistan, zerm√ľrbt durch die Propaganda, und das doch so leidet". Der Fotojournalist Massimo Berruti, Gewinner des Prix du Jeune Reporter de la Ville de Perpignan, berichtet √ľber Korruption der gott- und gesetzlosen Regierenden, "durchschnittlich dreimal w√∂chentlich treffen terroristische Angriffe oder menschliche Bomben willk√ľrlich und hinterlassen Hunderte von Opfern, Frauen, Alte und Kinder. Das pakistanische Volk ist das unschuldige Opfer eines unsichtbaren Feindes geworden, beherrscht von Furcht und Unverst√§ndnis." (3)

Der Artikel ist nicht mehr online, stattdessen liest man auf Mediapart des ehemaligen Chefredakteurs von Le Monde Edwy Plenel √ľber - gelinde gesagt - Zust√§nde bei Visa pour l´Image. 2009 wird zum zweiten Mal hintereinander ein Mitarbeiter der Agence VU´ / Fabrica mit dem Prix du Jeune Reporter de la Ville de Perpignan ausgezeichnet, 2008 bekommt ihn Munem Wasif, der auch 2010 wieder dabei ist. Im Artikel Perpignan. Visa pour l¬īImage 2010 und die Propaganda f√ľr Pal√§stinenser habe ich dar√ľber berichtet, und auch √ľber Mediapart findet sich einiges im Archiv: (4)

Munem Wasif trägt dazu bei, mit Fotos aus Bangladesh die kritische westliche Sicht auf den Islam zu revidieren: Misguided perceptions of Islam, usually via western observers, are often based on prejudice and ignorance, seeing the religion as fundamentalist, extremist or terrorist. Here is a non-western perspective. It is how we Muslims see our religion and how 9/11 has affected us. Vorurteile und Unwissenheit bestimmten oftmals die Ansicht vom Islam, die Religion werde als fundamentalistisch, extremistisch oder terroristisch eingeschätzt. Der Fotograf präsentiert eine nicht-westliche Sicht, wie die Muslime selbst ihre Religion sähen, und welche Auswirkungen der 9. September 2001 auf uns hat. Ein weiterer Beitrag zum Thema: Die Muslime sind immer Opfer. (5)

Beide Preistr√§ger fotografieren numerisch und ver√∂ffentlichen ihre Fotos der krasseren Wirkung wegen in schwarz-wei√ü. Wie Sie sehen k√∂nnen, wenn Sie die beiden Portfolios von MediaVU´ betrachten, ist es wie eine Verwandtschaft in der numerischen Pr√§sentation der Realit√§t. Eine √§sthetische √Ąhnlichkeit. Bei der Preisverleihung erkl√§rt Jean-Fran√ßois Leroy: Le travail de Massimo m´a bluff√© et la r√©volte des avocats pakistanais m´a passionn√©... Die Arbeit von Massimo hat mich (mich!) verbl√ľfft, und der Aufstand der pakistanischen Anw√§lte hat mich (mich!) begeistert.

Der von Jean-Fran√ßois Leroy w√§rmstens empfohlene, von einer Jury gek√ľrte und daraufhin vom B√ľrgermeister Jean-Paul Alduy preisgekr√∂nte Massimo Berruti erkl√§rt in einem Interview: "Ich bin nicht Teil der Massenmedien, ich werde nicht daf√ľr bezahlt, also kann ich frei sprechen. Es gibt zahlreiche Gr√ľnde, Zweifel zu haben daran, was die Medien von Anfang gesagt haben, das hei√üt seit dem 11. September (2001)."

Er √ľbernimmt damit die Meinung des politischen Ideologen des Terrors, des Generals Hamid Gul, des ehemaligen Generaldirektors des pakistanischen Nachrichtendienstes Inter-Services Intelligence (ISI), der auf CNN erkl√§rt, die Attentate des 11. Septembers 2001 w√§ren eine in den USA mit Hilfe der US-Geheimdienste geplante und von den US-Luftstreitkr√§ften ausgef√ľhrte interne Operation, ein "inside job". Mit dessen Ansichten betextet er seine Fotos aus Pakistan, und er erg√§nzt: "In diesem Krieg ist nichts mehr sicher, au√üer da√ü die Wahrheit in den offiziellen Erkl√§rungen fehlt." (6)

Visa pour l´Image findet nichts Verwerfliches dabei, ist doch der Anti-Amerikanismus neben der Israelfeindschaft ein tragender Pfeiler der Ausstellung.

Das ist sogar der nicht als US-freundlich bekannten Le Monde zu viel, deren Sonderkorrespondentin Claire Guillot dar√ľber berichtet, im Artikel Die Verschw√∂rungstheorie zieht bei Visa pour l´Image ein. Die Ansichten des Massimo Berruti stammten aus dem Besteller-Film √ľber den 11. September 2001, Loose Change, man sehe es am Vokabular des Textes, den Claire Guillot ausf√ľhrlich zitiert. Die Konspi-Site Reopen911 hingegen ist emp√∂rt √ľber die Reaktion der Journalistin. Antisemitische, anti-amerikanische Artikel aller Art kann man dort aufrufen und sich endlich √ľber Larry Silverstein und Bernard Mendik informieren. Ich freue mich, den bei Le Monde k√§uflich zu erwerbenden Artikel auf der Konspi-Site kostenlos zu lesen. Danke! (7)

Ebenso empört ist Michel Puech, von Mediapart, und selbstverständlich Jean-François Leroy, der in Le Monde, am 12. September 2009, eine Gegendarstellung abgibt. (8)

Michel Puech l√§√üt sich seine Arbeit doch nicht von Spr√ľchen zerst√∂ren, die er gar nicht geh√∂rt hat, sondern nur die Konkurrentin der Le Monde. Am 3. September 2009 bringt er auf Mediapart ein Interview mit dem jungen Fotojournalisten, und man lernt nebenbei, da√ü MediaVU´ ein gemeinsames Projekt von Mediapart und der Agentur VU´ ist. Ach, so ist das! (9)

Was sich zun√§chst als eine Recherche √ľber die Vetternwirtschaft bei Visa pour l´Image liest, stellt sich als Ironie heraus, ein "Komplott" ohne "Visa", ohne Sichtvermerk. Es versteht sich, das unsere Provinzpresse, aus der Le Monde-Gruppe, die √Ąu√üerungen des Massimo Berruti verschweigt oder sie gar nicht erst mitkriegt. Val√©rie Pons zitiert Massimo Berruti: "Man bezichtigt heute Pakistan aller erdenklichen √úbel: ehemaliges schwarzes Schaf der Bush-Regierung, wird nun von Obama mit dem Finger auf das Land gezeigt!" Das Land werde von den USA verteufelt, "diabolis√©". Dabei m√∂chte es auch Michel Puech belassen und zitiert unsere Provinzpresse ausf√ľhrlichst. (3)

Was erwartet die Besucher von Visa pour l´Image 2010?

Exotik! Exotik! Als da sind Polygamie in den USA, ein japanischer Islamkonvertit, eine judenfreie Altstadt von Jerusalem und vieles mehr.

Angeblich ist Qualit√§t Ma√üstab der Auswahl unter 4 000 eingereichten Ausstellungsbeitr√§gen. Der Name, die Ber√ľhmtheit eines Fotografen tun nichts zur Sache. "Die Informationen, die mir (mir!) die Fotos von Stephanie Sinclair √ľber die polygamen Fundamentalisten der Vereinigten Staaten bringen, ... Das alles ber√ľhrt mich (mich!). Und in diesem Jahr sind alle guten Reportagen in Perpignan vertreten, ausgestellt oder projiziert." (10)

Die polygamen Fundamentalisten der Vereinigten Staaten recht zu beleuchten, wird die 37-j√§hrige Fotojournalistin Stephanie Sinclair bem√ľht, eine Frau, die sehr wohl einen Namen hat. In ihrer bio, ihrem Lebenslauf, hei√üt es: After college, she went to work for the Chicago Tribune, which sent her to cover the start of the war in Iraq. She later moved to Iraq and then to Beirut, Lebanon, covering the region for six years as a freelance photographer. Nach der Hochschule arbeitete sie f√ľr die Chicago Tribune, die sie entsandte, √ľber den Beginn des Krieges im Irak zu berichten. Sp√§ter zog sie in den Irak und dann nach Beirut, Libanon, und berichtete sechs Jahre lang als freie Fotografin √ľber die Region.

Ein Blick auf ihre Site, ein zweiter Blick auf die Ergebnisse bei Google.de, und man sieht, welche F√ľlle an M√∂glichkeiten bestanden h√§tten, ihre Fotos in Perpignan √ľber Tatsachen sprechen zu lassen. (11)

Das ber√ľhmte Foto der 11-j√§hrigen Kindsbraut, die in Afghanistan mit einem 40-j√§hrigen Mann verheiratet wird, wobei man eher annehmen k√∂nnte, mit einem 40 Jahre √§lteren Mann, ist von Stephanie Sinclair. (12)

Sie fotografiert vor deren Evakuierung auch j√ľdische Siedler in Gush Katif, Gaza, einen 18-j√§hrigen Milit√§rstudenten, der dort geboren ist, zitiert sie auf ihre Frage nach dem Risiko, das die israelischen Soldaten tragen, die Siedler zu sch√ľtzen: "Wir sind Teil von Israel und ein strategischer Punkt. Wenn wird fortgehen, werden sie Ashkalon bombardieren." (13)

Dem ist nichts hinzuzuf√ľgen. Die Website von Stephanie Sinclair bietet Fotos zum Libanon in der Krise, von afghanischen Frauen, die sich selbst verst√ľmmeln: Marzia, die im Alter von 9 Jahren verheiratet wurde, setzte sich selbst in Flammen, denn sie hatte Angst vor der Reaktion ihres Ehemannes, weil sie den Fernsehapparat der Familie zerbrach; von Glaubensk√§mpfern und amerikanischen Soldaten im Irak etc. Auch Fotos aus den USA sind darunter. Alle begleitenden Texte zeichnen sich durch Sachlichkeit aus. (14)

Visa pour l´image zeigt sie in den USA unterwegs f√ľr National Geographic und das Magazin der New York Times. Ihre Objekte findet sie bei der Polygamie praktizierenden Mormonensekte Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints (FLDS), der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. (15)

Diese machen viel Redens und Schreibens, die Polygamie der Sektenmitglieder zu rechtfertigen, der m√§nnlichen, wohlgemerkt, bis sie endlich ab Satz 34 in sechs S√§tzen ihre "gottgegebene" Doktrin spezifizieren und die vielen Ehefrauen und Konkubinen von Abraham, David, Salomon und Moses als Rechtfertigung anf√ľhren. Es handelt sich nach ihnen um das Gesetz der Bibel. Eine weitere Rechtfertigung konstruieren sie daraus, da√ü in der Bibel auch anderen Gesetzen ehern gehorcht worden sei, dem Befehl Gottes an Abraham etwa, seinen Sohn Isaak zu opfern, obgleich es geschrieben stehe: Du sollst nicht t√∂ten. Abraham aber weigerte sich nicht, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Einer solchen Spitzfindigkeit des Analogieschlusses bedarf´s f√ľr Christen; denn es ist nicht so einfach wie f√ľr Muslime, denen Allah im Koran die Vielweiberei ausdr√ľcklich erlaubt, sie gar als Wohltat den Frauen gegen√ľber verkauft. (16)

Visa pour l´Image weist darauf hin, da√ü die FLDS 2006 internationale Bekanntheit erlangt habe durch die Verhaftung ihres Pr√§sidenten Warren S. Jeffs gesetzwidriger Arrangements von Ehen zwischen erwachsenen M√§nnern und minderj√§hrigen M√§dchen wegen. 2008 sei auf der Ranch der FLDS, in Eldorado, Texas, durch die Polizei eine Razzia deswegen durchgef√ľhrt worden. CNN wei√ü dazu mehr. (17)

Das alles ist schlimm und rei√üerisch genug, eine weitere Begr√ľndung f√ľr die Ausstellung der Fotos ist anscheinend nicht n√∂tig. Als Anrei√üer wird ein Mann gezeigt, der Clan-Chef? mit seinem Pflock gl√ľcklicher Frauen und Kinder, wer z√§hlt die H√§upter, nennt die Namen! (18)

Vergleichbare Fotos von in polygamen Familien lebenden Bewohnern Frankreichs kann Visa pour l´Image gerade nicht auftreiben, da m√ľssen die Verh√§ltnisse in den USA kritisch beleuchtet werden. Der Polygamist Li√®s Hebbadj, verheiratet mit vier Frauen und Vater von 13 Kindern, ist nur einer der polygamen Muslime. Er lebt mit seiner Gro√üfamilie in einem gutb√ľrgerlichen Vorort von Nantes. Eine Erhebung aus dem Jahr 2008 ergibt, da√ü in Frankreich ungef√§hr 180 000 Personen in polygamen Familien leben. Das sieht bei einer angenommenen Zahl von durchschnittlich drei Kindern und zwei bis vier Ehefrauen konkret so aus: (19)

  • 1 Mann / 4 Frauen / 12 Kinder = 10 590 Familien;
  • 1 Mann / 3 Frauen / 9 Kinder = 13 840 Familien;
  • 1 Mann / 2 Frauen / 6 Kinder = 20 000 Familien.

Auch die an Zahl zunehmende Polygamie in der angeblich EU-tauglichen T√ľrkei lockt keinen Fotojournalisten hinter die Linse - oder w√§re es zu gef√§hrlich, die Besitzer des Harems und seine Insassen zu fotografieren? Ali Y√ľksel, von der Milli G√∂r√ľs, Berater des t√ľrkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan und der Religionsbeh√∂rde Diyanet und seines Leiters, des f√ľr die DITIB-Moscheen in Deutschland und im sonstigen eroberten und zu erobernden Ausland zust√§ndigen Ali Bardakoglu, ist der stolze Ehemann von drei Frauen, eine vierte heiratet er jetzt. Die Polygamie ist in der T√ľrkei seit 1926 verboten, aber sie wird in einigen Teilen des Landes in islamistischen Milieus geduldet, berichten der Figaro und die WELT. (20)

Das ist nicht erst seit gestern so, aber Fotojournalisten scheinen sich auch daf√ľr nicht zu interessieren, es fiele der Anti-Amerikanismus weg, was die Fotos in Westeuropa schwerer verk√§uflich machen w√ľrde. Bei Ver√∂ffentlichung von Polygamistenfotos aus der T√ľrkei k√∂nnte die Akzeptanz der begeisterten Artikel √ľber die Mavi Marmara und die Gaza-Flottille beeintr√§chtigt werden. Das Publikum beg√§nne vielleicht zu stutzen, da√ü eben der Ali Y√ľksel mit der IHH gemeinsame Sache gemacht hat, und nicht nur Inge H√∂ger, uit d√ľssen D√ľ√∂rpn, iut keoschieden Herwede, k√§me in Erkl√§rungsnot, auch der gesamte Deutsche Bundestag mit seinem interfraktionellen Antrag und dessen einstimmiger Annahme. (21)

Fotojournalisten der Ausstellung Visa pour l´Image pr√§sentieren Exotik, Hadj-Fotos des japanischen Islamkonvertiten Kazuyoshi Nomachi beispielsweise. Islam ist sch√∂n! Der Fotojournalist arbeitet ab seinem 25. Lebensjahr zwei Jahre in der Sahara, religi√∂se Pilgerfahrten sind im Mittelpunkt seiner Karriere gewesen. Es folgen Fahrten auf dem Nil, he traveled the Nile from the source to the delta, and onwards through Ethiopia, von der Quelle bis zum Delta und weiter durch √Ąthiopien. Wie das gehen soll bei der Geographie, wei√ü ich nicht, aber ab morgen kann ich dieses Wissen der Welt ja lernen.

Einige Jahre war er fasziniert von Afrika, bevor er sich Ende der 80er Jahre Asien zuwendet. Aber die gr√∂√üte Pilgerfahrt von allen, die Hadj in Mekka und Medina (Saudi-Arabien), war ihm versagt; bis 1994. Kazuyoshi Nomachi konvertierte zum Islam, so da√ü er die Hadj fotografieren konnte, und er verbrachte die n√§chsten f√ľnf Jahre damit, dieses heiligste der islamischen Rituale zu dokumentieren. Nomachis spirituelles und zutiefst menschliches Werk zeigt den tiefen Respekt, den er f√ľr religi√∂se Glauben aller Art hat. Die jetzige Ausstellung ist die erste Nomachi Retrospektive, die in Europa gezeigt wird, und sie ist eine einmalige Gelegenheit, das Werk dieses Meisters der Farbe zu entdecken. (22)

Ach ja, Israel ist diesmal auch vertreten, sogar Jerusalem. Die Fotografin Gali Tibbon lebt dort, und sie fotografiert ´ne Drag Queen of Sheba, hei√ü! Solche gibt´s in Israel also auch. (23)

Versprochen von Visa pour l´image wird eine mystische Reise in die Altstadt: die Kirche des Heiligen Grabes. Die Ausstellung bietet ein Kaleidoskop von Farben und Formen und gew√§hrt einen Blick in die Kirche, die Heimstatt ist f√ľr sechs verschiedene christliche Glaubensrichtungen und so ein au√üergew√∂hnliches Mosaik von V√∂lkern und Religionen darbietet. (24)

Man kann die Fotos auf Gali Tibbons Site bewundern, sie sind eins wie das andere der geballte Kitsch, aber des Generaldirektors Jean-Fran√ßois Leroy Liebe zum Kitsch und zum √§sthetisierten Nichts kennen Besucher der Ausstellungen bereits, ich habe dar√ľber berichtet. (25) (5)

Die Fotos bilden ein Kontrastprogramm zu den Schilderungen des Jakob Philipp Fallmerayer: Pal√§stina. Die heiligen Oertlichkeiten in Jerusalem (1852). Was die Begeisterung der Muslime f√ľr Jerusalem angeht, so lassen sie die Stadt, die dem osmanischen Reich untersteht, "die reine, die edle Heilige, "das Haus der Heiligkeit", schlicht und einfach verdrecken und verkommen. In diesem Zustand entdeckt sie der Theologe und Orientalist bei seiner Reise, im Jahr 1847: (26)

In welchem Grade das Verw√ľstungs-Project gelungen und der Tod an die Stelle hierosolymitanischen Pflanzenlebens getreten sei, hat man schon gesagt. Jerusalem, wie es heute ist, in d√ľrre Stein√∂den traurig hingelegt und dem Weltverkehr v√∂llig entr√ľckt, lebt nach Versiegung aller Quellen der Wohlfahrt und des b√ľrgerlichen Gl√ľckes nur noch von der Heiligkeit seines Terrains, vom geistlichen Credit und von den Legenden der Christen wie der Juden und der Mohammedaner. Mit welcher Ehrfurcht insbesondere die Bekenner des Islam √ľber Jerusalem schreiben und sprechen, ist allgemein bekannt. "Die reine, die edle Heilige, "das Haus der Heiligkeit" sind im Orient die landes√ľblichen Ausdr√ľcke von den h√∂chsten Classen der Gesellschaft bis zu den untersten herab, so oft von Jerusalem die Rede ist. ... (Seite 143 f.)

H√§tten Sie´s gewu√üt? Juden gibt´s in der Altstadt nicht. Juden kommen bei Gali Tibbon in der Altstadt von Jerusalem nicht vor, daf√ľr aber viele brennende Kerzen, lodernde Herzen und geistliche Schmerzen. Auf dem letzten Foto umkreisen die Gl√§ubigen ´nen Quader wie die Muslime die Kaaba. (27)

Nebenbei unterst√ľtzt Visa pour l´Image durch die Fotos offen die Al-Aqsa Foundation for Endowment and Heritage, die anl√§√ülich von Ausgrabungen am Westwall der Altstadt erkl√§rt, die Israelis h√§tten sich dieser islamischen historischen St√§tte seit dem Krieg von 1948 (sic!) bem√§chtigt und Teile davon zerst√∂rt. Die israelischen Beh√∂rden "haben es seit Beginn der Ausgrabungen nicht geschafft, j√ľdische Pr√§senz in der heiligen Stadt nachzuweisen, oder da√ü der Tempel jemals existierte." (28)

Anbei einige Fotos von der Vertreibung der Juden aus der Altstadt von Jerusalem durch Araber, während des Unabhängigkeitskrieges 1948. Ben Atlas ist auf meiner Site verlinkt, jeder kann dort immer nachsehen. Es gibt Fotos vom Leben in Israel, Teil 1-3. (29)

Nicht nur Deutschland, auch Frankreich schafft sich selbst ab, Perpignan macht begeistert mit, bringt der Rummel doch Einnahmen f√ľr die Tourismusindustrie. Ehre und Anerkennung bringt Visa pour l´Image weniger, jedenfalls nicht von aufrechten Menschen. Von der Ausstellung berichte ich vielleicht demn√§chst mehr. Ich kann´s gar nicht erwarten, die Verdrehung der Tatsachen zu sehen, ich bin masochistisch, ab morgen geht´s los mit der Qual! (30)

Affaire à suivre ...

27. August 2010

Fortsetzung:

Perpignan. Visa pour l¬īImage 2010. Die Realit√§t der Welt ist, da√ü diese die Realit√§t der Welt nicht sehen will. 29. August 2010
http://www.eussner.net/roussillon_2010-08-29_11-47-55.html

Quellen

(1) Frédéric Mitterrand in meinem Archiv
http://tinyurl.com/25kv5cr

(2) Secret Story. TF1
http://www.tf1.fr/secret-story/

(3) "Le Pakistan, miné par la propagande, et qui souffre tant". Par Valérie Pons,
L´Ind√©pendant, 5 septembre 2009, p. 2 (nicht mehr online)

(4) Mediapart in meinem Archiv
http://tinyurl.com/353mrtd

(5) In God We Trust. Nous avons foi en Dieu. Munem Wasif,
Agence VU / Fabrica. Visa pour l¬īImage, du 28 ao√Ľt au 12 septembre 2010
http://www.visapourlimage.com/exhibition/4396.do

Perpignan. Visa pour l¬īImage 2010 und die Propaganda f√ľr Pal√§stinenser.
le Roussillon insolite, 30. Juni 2010
http://www.eussner.net/roussillon_2010-06-30_17-45-22.html

(6) Hamid Gul. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Hamid_Gul

(7) La th√©orie du complot s´invite √† Visa pour l´image. Par Claire Guillot,
Le Monde, n¬į20098, 06 septembre 2009, p.19
Le Monde pratique la chasse aux sorcières "conspirationnistes".
Par Edward pour Reopen 911-News, 6 september 2009
http://tinyurl.com/3a5ywpq

(8) Massimo Berruti, "complot" sans "Visa". Par Michel Puech, Mediapart,
17 septembre 2009
http://tinyurl.com/37kr6zl

(9) La moisson des "Visa d¬īor 2009". Par Michel Puech, MediaPart,
7 septembre 2009
http://tinyurl.com/ktgymf

(10) Le monde sans retouches. Par Fr√©d√©rique Michalak, L´Ind√©pendant,
25 ao√Ľt 2010, p. 3
http://tinyurl.com/2uqtrz2

(11) Stephanie Sinclair. Google.de ungefähr 25 000 Ergebnisse
http://tinyurl.com/388ab7n

(12) Wettbewerb: Die Unicef-Fotos des Jahres 2007. SpiegelOnline,
17. Dezember 2007
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-27399.html

(13) Stephanie Sinclair: Photo # 05. Gaza Settlers
http://www.stephaniesinclair.com/gazasettlers/

(14) stephanie sinclair
http://www.stephaniesinclair.com/

(15) Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints
http://www.fldstruth.org/

(16) Doctrine and Covenants 132. Marriage. Celestial Plural Marriage.
President Rulon T. Jeffs 2:333 July 5, 1970 Sandy
http://tinyurl.com/36va4mq

Gr√ľnde, aus denen der Islam Polygamie erlaubt. The Religion of Islam,
6. Oktober 2008
http://www.islamreligion.com/de/videos/328/

(17) Social workers turned away from FLDS ranch. By CNN.com/crime,
May 21, 2008
http://edition.cnn.com/2008/CRIME/05/21/polygamist.ranch/

(18) Stephanie Sinclair / VII for National Geographic and The New York Times Magazine. Polygamy in America
http://www.visapourlimage.com/exhibition/4392.do

(19) Frankreich. Einb√ľrgerung und legale Polygamie. Mode d¬īemploi.
11. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-11_09-33-10.html

(20) Turquie: une affaire de polygamie √©nerve. Par AFP, Le Figaro, 6 ao√Ľt 2010
http://tinyurl.com/2cu243l

Vielweiberei. T√ľrkei streitet √ľber polygamen Regierungsberater.
Von Boris K√°lnoky, WeltOnline, 6. August 2010
http://tinyurl.com/23zm44h

(21) Volksgemeinschaft gegen Israel. Lizas Welt, 5. Juli 2010
http://lizaswelt.net/2010/07/05/volksgemeinschaft-gegen-isra el/

(22) Kazuyoshi Nomachi / Studio Equis. Pilgrimages. Pélerinages
http://www.visapourlimage.com/exhibition/4386.do

Photographer Kazuyoshi Nomachi. A Photographer´s Pilgrimage
http://www.nomachi.com/index_en.html

(23) Drag Queen of Sheba
http://www.galitibbon.com/ViewGallery.asp?ID=24

(24) Gali Tibbon. Echoes of Christian Jerusalem.
√Čchos de la J√©rusalem chr√©tienne
http://www.visapourlimage.com/exhibition/4448.do

Gali Tibbon Photographer
http://www.galitibbon.com/

(25) Visa pour l¬īImage in meinem Archiv
http://tinyurl.com/ygob5d2

(26) Jakob Philipp Fallmerayer: Palästina.
Die heiligen Oertlichkeiten in Jerusalem (1852)
http://www.eussner.net/artikel_2009-12-13_19-13-11.html

(27) Echoes of Christian Jerusalem. Gali Tibbon
http://www.galitibbon.com/ViewGallery.asp?ID=28

(28) More Incitement over Jerusalem archaeology. Elder of Zyon, May 26, 2010
http://elderofziyon.blogspot.com/2010/05/more-incitement-ove r-jerusalem.html

(29) LIFE in Israel in 1948 - Part 1. By Ben Atlas, July 2, 2009
http://benatlas.com/2009/07/life-in-israel-in-1948-part-1/

(30) "Plume du paon": Ein Lehrst√ľck in mehrfacher Hinsicht.
Von Hartmut Krauss. 25. August 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-08-25_12-32-14.html


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