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Was das Schaf zu blöken hat...├Âken hat...

Ich bin hier das Schaf, und ich habe jetzt ein eigenes Archiv

Ihr habt Euch in meine Weidegr├╝nde verirrt, und darum m├Âchte ich mich vorstellen:

Seit gut drei Jahren wohne ich in einem sehr bescheidenen Pferch bei Gudrun Eussner. Ich bin ihr zugelaufen, da wohnte sie noch in Berlin. Das waren harte Zeiten f├╝r mich; denn da war mein Status als Berater noch nicht gefestigt, und ich mu├čte jeden Tag zittern, ob ich nicht bald in den Kochtopf oder an den Spie├č k├Ąme. So sind sie n├Ąmlich, die Menschen, erst fragen sie einen um Rat, und wenn schaf den erteilt, kann schaf um sein Leben bangen.

Dann zog die Frau um und nahm mich mit. Wie Ihr Euch vorstellen k├Ânnt, war das nicht einfach, in dem kleinen Auto, worin ich bis nach Perpignan, 1800 km weit, reisen mu├čte. Dennoch war ich auch ein wenig stolz, da├č ich weder verspeist noch verschenkt, verkauft oder ausgesetzt wurde. Unterwegs habe ich nicht viel von mir gegeben, weil ich, um ehrlich zu sein, Angst vor der Zukunft hatte. Menschen k├Ânnen zwar freund sein, aber wenn es an ihre Interessen geht, hat schaf immer das Nachsehen.

Ich machte mich also klein, fast unsichtbar, um erst einmal abzuwarten, was k├Ąme. Meine Herrin gab mir zwar immer ausreichend zu fressen, damit ich S├╝nd und Missetat vermiede und nicht vom Wege der Moral abk├Ąme, aber meine allseits bekannten F├Ąhigkeiten nutzte sie nicht.

"Schaf", sagte sie, "ich kann Dich im Augenblick gar nicht gebrauchen. Sei froh, da├č Du nicht an den Spie├č ....". "Ja, ja", bl├Âkte ich verschreckt. Gleichzeitig war ich wieder sehr verletzt, da├č sie immer noch keinen Namen f├╝r mich hatte. "Schaf", das fand sie ausreichend, obgleich sie in einer Ecke ihres Wohnzimmers einen Weberknecht beherbergte, den sie liebevoll mit Freunden gemeinsam "Titi" getauft hatte. Daf├╝r wurde sogar ein gro├čes Tauffest mit D├«ner veranstaltet. Na, ja, das Tier ist nun schon seit einem Monat tot, es wurde nicht einmal zwei Jahre alt.

Zeit seines Lebens hat der Weberknecht Titi nichts zur geistigen oder gar finanziellen Bereicherung des Haushaltes beigetragen. Es war eben Liebe!

Ein solches Gef├╝hl entwickelt meine Herrin mir gegen├╝ber niemals. Sie meint, Liebe schade der Verl├Ą├člichkeit meiner Beratert├Ątigkeit. Was denkt sie sich eigentlich? Ich berate sie doch nur, weil ich sie liebe - na, und auch, um nicht in den Kochtopf oder an den Spie├č zu kommen, klar!

Ihr seht gleich, da├č meine Herrin gro├čes Vertrauen in mich setzt, denn sie hat jetzt erstmalig wieder meine Dienste in Anspruch genommen und mich sogar nach Den Haag geschickt. Ich war es, die sie darauf aufmerksam machte, da├č dort vordergr├╝ndig gegen einen Zaun verhandelt w├╝rde, in Wirklichkeit ginge es aber um die Verurteilung Israels. Meine Herrin konnte das gar nicht glauben. (*)

Das brachte mir meine erste Reise ein. Weitere Beratungst├Ątigkeit wird folgen.

Bl├Âk!
Euer Schaf
15. M├Ąrz 2004

(*) Meinen Bericht, vom 25. Februar 2004, ├╝ber die Reise nach den Haag zur Verhandlung ├╝ber den Sperrzaun k├Ânnt Ihr auf der "J├╝dischen" lesen: "Ein Schaf im Internationalen Gerichtshof von Den Haag". http://www.juedische.at, Artikelrubriken - Der Grenzzaun gegen Terror, vom 14. April 2004

Mein Archiv findet Ihr hier:
http://www.eussner.net/schaf_sectionindex.html


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