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Was das Schaf zu blöken hat...√∂ken hat...

Das Sonntagsvergn√ľgen des Bauern Jos√© Bov√© und der linksradikalen Politclowns

Liebe Freunde!

W√§hrend Sportsmenschen und -schafe sich am Sonntag den wunderbaren Schlu√ü der Tour de France ansehen, wo der Killer und Sheriff Lance Armstrong zum sechsten Mal aufs Siegertreppchen steigt, und wo Jan Ullrich laut eigener Auskunft die Holzmedaille erh√§lt - oder w√§hrend ein gen√ľgsamer Mann an diesem sch√∂nen Tag wenigstens ein Video mit Christine Nigg und Regina Hallmich einwirft, bevor er sich den weiteren Varianten widmet, begeben sich nach einem eint√§gigen Seminar √ľber la malbouffe, das schlechte Fressen, der Bauer und Meister im Maisausrei√üen Jos√© Bov√© und weitere Politclowns, der Regionalrat der Gr√ľnen No√ęl Mam√®re und seine Parteifreunde, der Europaabgeordnete G√©rard Onesta und der Nationalsekret√§r und ex-Maoist Gilles Lemaire sowie Vertreter der Ligue Communiste R√©volutionnaire (LCR) und der sozialistische ehemalige Kandidat zum B√ľrgermeisteramt von Toulouse Fran√ßois Simon sowie weitere Regionalr√§te aus dem Westen Frankreichs und der Gegend um Paris in Begleitung von 500 (Polizeisch√§tzung) bzw. 1500 (Angabe der Organisatoren des Theaters) aus ganz Frankreich angereisten Groupies, den faucheurs volontaires, den freiwilligen Schnittern, auf Schleichwegen nach Menville, 30 Kilometer entfernt von Toulouse, auf ein Versuchsfeld der Gesellschaft Pioneer, um da eine Handlung des zivilen Ungehorsams zu vollf√ľhren, in dem sie wie die Heuschrecken den genver√§nderten Mais vernichten. Sie n√§hern sich dem Ort des Schauspiels auf einem abgeernteten Weizenfeld, in dem sie unter Trommelkl√§ngen OGM, nein, nein, nein! rufen, wobei OGM Organismes G√©n√©tiquement Modifi√©s, genver√§nderte Organismen bedeutet.

Aus einem benachbarten Sonnenblumenfeld n√§hern sich einige Polizisten, insgesamt nicht mehr als drei√üig, die den Befehl haben, nicht einzuschreiten, sondern nur aufkl√§rerisch t√§tig zu werden, die Leute zu fotografieren, Autokennzeichen zu notieren, die freiwilligen Ausrei√üer √ľber die Gesetzwidrigkeit ihrer Handlung zu belehren und zum Schlu√ü den angerichteten Schaden festzustellen.

S√§mtliche Medien Frankreichs sind vorort vertreten und halten das im Sommerloch willkommene Schauspiel fest. Ein Hubschrauber der Polizei √ľberfliegt die Szene.

Unter den Teilnehmern sind wenig Bauern, die paar anwesenden sind Mitglieder der Conf√©d√©ration paysanne, der "Gewerkschaft" der Bauern. Die √ľbrigen faucheurs volontaires sind Sympathisanten der √Ėko-Bewegung und/oder Globalisierungsgegner. Ein Bauer, dem´s zu d√§mmern scheint, meint: Man k√§mpft gegen die OGM, aber man wei√ü gar nicht, ob die giftig sind. Die Amerikaner essen das doch auch, und die sind nicht d√ľmmer als wir. Eine seltene Einsch√§tzung ist das heutzutage, da von den USA doch alles Schlechte dieser Welt kommt.

Eine Pflanze pro Teilnehmer ist mit blo√üen H√§nden auszurei√üen, nicht mehr. Das ist die von einem Bauern des Larzac ausgegebene Devise. Regeln im Chaos m√ľssen sein. Das reicht immer noch f√ľr einen knappen Hektar zerst√∂rter Pflanzen. Die Aktion sei illegal, aber legitim, sch√§rft ihnen Jos√© Bov√© ein. No√ęl Mam√®re unterst√ľtzt ihn: Das ist eine legitime Aktion, weil wir es ablehnen, da√ü das Gesetz Privatinteressen dient. Er bestimmt auf dem kleinen Versuchsacker der Gesellschaft Pioneer √ľber Gesetz und Recht.

Wie ist es m√∂glich, da√ü die Franzosen solche Hallodris in politische √Ąmter w√§hlen?

Der Justizminister Dominique Perben ersucht die Staatsanw√§lte, am 4. Juni 2004, rigoros und mit Festigkeit gegen die Maisausrei√üer vorzugehen, und zwar unmittelbar nach der Tat. Bis zu f√ľnf Jahre Gef√§ngnis und Geldstrafen bis zu 75 000 Euro sind ausgeschrieben f√ľr den Theaterspa√ü. Jos√© Bov√© ist schon vom 22. Juni bis 2. August 2003 f√ľr seine Ausrei√üerei vom letzten Jahr in den Bau gegangen, was ihm als Wiederholungst√§ter wieder bl√ľhen wird. Die Conf√©d√©ration paysanne k√∂nnte noch einige zig Tausend Euro Strafe f√ľr die letztj√§hrige Aktion zu entrichten haben. Deshalb ist sie diesmal nicht Organisatorin.

Ein faucheur volontaire sagt, sie k√∂nnten doch nicht 1000 Leute in den Bau schicken,die Polizisten aber identifizieren f√ľr den Staatsanwalt von Toulouse zun√§chst zwei: Jos√© Bov√© und No√ęl Mam√®re. Weitere k√∂nnten, wie es genehm ist, hinzukommen. So dienen die Protestler denjenigen, die sie doch eigentlich bek√§mpfen. Sie begeben sich ohne Not in deren Abh√§ngigkeit. Der Justizminister und die Staatsanw√§lte werden bestimmen, ob Strafen verh√§ngt werden oder Gnade walten wird - und f√ľr wen.

W√§hrend diese Maschinenst√ľrmer des 21. Jahrhunderts ihre Kr√§fte medienwirksam gegen m√∂gliche Gefahren durch genmodifizierte Pflanzen richten - wer jemals versucht hat, eine Maisstaude auszurei√üen, wei√ü, wie schwer das ist -, setzt die Agence fran√ßaise de s√©curit√© sanitaire des aliments (AFSSA) Wissenschaftler an, die sich mit der Wirkung von genver√§nderten Nahrungsmittlen befassen. Eine 67-seitige Studie an vier Beispielen legen sie vor:

  • Resistenz der Pflanzen gegen Insektenbefall
  • Glyphosat-Toleranz der Zuckerr√ľbe (Glyphosat ist ein Pflanzenschutz-Wirkstoff)
  • Anreicherung an Vitamin A (Retinol): Fallbeispiel riz dor√©/Gelber Reis Golden Rice
  • genver√§nderte Mikroorganismen

Die Zusammenfassung der Ergebnisse steht auf den Seiten 65 bis 67. Leider mu√ü schaf davon ausgehen, da√ü die Freunde des Jos√© Bov√© und der anderen Politclowns sich um solche Forschungen nicht k√ľmmern. Wie schon in der Globalisierungskritik der ATTAC immer wieder deutlich wird, kann keine Tatsache die Wahrheit dieser K√§mpfer ins Wanken bringen. Das gilt f√ľr den Kampf gegen Liberalismus, Kapitalm√§rkte und Kasinokapitalismus wie f√ľr den Kampf gegen genver√§nderte Pflanzen. Diese werden schon jetzt in der H√§lfte aller Staaten der Welt angebaut. Es kommt nicht darauf an, das zu verhindern und r√ľckg√§ngig zu machen, sondern darauf, die positiven Eigenschaften der OGM zu entwickeln und damit gr√∂√ütm√∂glichen gesellschaftlichen Nutzen zu produzieren.

Grunds√§tzlich erkl√§ren die Forscher, da√ü die Problematik der Entwicklung von Nutzen und Risiken verglichen werden m√ľsse. Die Anylyse dieser vier "Schulbeispiele" l√§√üt hervortreten, da√ü es tats√§chlich Daten gibt, die nahelegen, da√ü die untersuchten OGM der menschlichen Gesundheit Nutzen bringen k√∂nnen, da√ü aber die Quantifizierung dieses Nutzens schwer zu realisieren ist, vor allem f√ľr die OGM der ersten Generation ...

Die Forscher schlie√üen nicht aus, da√ü es Risiken geben k√∂nnte, es sei aber bis heute noch keine einzige Krankheit aufgetreten, bei der festgestellt werden konnte, da√ü sie vom Konsum genver√§nderter Pflanzen oder Mikrokosmen herr√ľhrt. W√§hrend der Nutzen benannt werden k√∂nne, seien eventuelle Risiken nicht identifizierbar. Das f√ľhre dazu, da√ü es derartig unterschiedliche Auffassungen √ľber Nutzen und Risiken genver√§nderter Nahrungsmittel gebe. Die Unsicherheit √ľber m√∂gliche Risiken macht angst. Diese Angst wird von Jos√© Bov√© & Co. ausgenutzt zur Manipulierung besorgter Linker.

Wie sagt schon Erich Kästner sehr richtig:

Wird´s besser? Wird´s schlimmer?
Seien wir ehrlich:
Leben ist immer lebensgefährlich!

Blök!
Euer Schaf

Quellen

"Et n´oubliez pas la consigne: un seul √©pi chacun!" Par Matthieu Ecoiffier,
Libération, lundi 26 juillet 2004
http://www.liberation.fr/page.php?Article=226196

Les opposants aux OGM défient à nouveau la justice. AFP et Reuters,
Le Monde, dimanche 25 juillet 2004
http://www.lemonde.fr/web/recherche_articleweb/1,13-0,36-373 632,0.html

OGM et alimentation: peut-on identifier et évaluer des bénéfices pour la santé? AFSSA 2004
http://www.afssa.fr/ftp/afssa/2004-SA-0246-Bénéfices-OGM.pdf

Les OGM bon pour la santé? Par Olivier Frégaville-Arcas. Nouvel Observateur (26/07/2004)
http://sciences.nouvelobs.com/sci_20040726.OBS3430.html?1448

26. Juli 2004


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