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Was das Schaf zu blöken hat...öken hat...

Freiwillige Schnitter und unfreiwillig verprĂŒgelte Lyoner Juden im französischen Sommer - Was das Schaf am 3. August 2004 zu blöken hatte ...

Liebe Freunde!

Also, in Frankreich zur Zeit des Sommerlochs gibt es dennoch manches schrĂ€ge Ereignis, so daß schaf gar nicht so schnell nachkommt mit dem Blöken.

ZunĂ€chst ist da das Wirken zum Wohle der Menschheit der Maisausreißer um JosĂ© BovĂ©. Ihr erinnert Euch? Zur besten Tour de France Zeit reißen JosĂ© BovĂ©, die GrĂŒnen NoĂ«l MamĂšre, GĂ©rard Onesta und Gilles Lemaire am Sonntag, den 25. Juli, gemeinsam mit anderen Globalisierungsgegnern von der Ligue Communiste RĂ©volutionnaire (LCR), dem Parti Socialiste (PS) und Hunderten von gleichgesinnten aus ganz Frankreich angereisten Groupies, den faucheurs volontaires, den freiwilligen Schnittern, in Menville bei Toulouse unter den Augen der französischen Polizei und der Medien einen schlappen Hektar genverĂ€nderten Mais aus. Unbehelligt können sie ihr Happening vollfĂŒhren. Das ist was fĂŒr mich! Wenn ich denke, wie streng ich hier in meinem Pferch gehalten werde, dann könnte ich vor Neid platzen. Mich ausleben und dabei noch Gutes tun, davon trĂ€ume ich schon lange, aber vergeblich; nichts darf ich.

Diesmal sind die beneidenswerten Schnitter in Montauban am Werke, wo sie ihrem Namen alle Ehre machen und auf einer Versuchsparzelle von 542 Quadratmetern die Pflanzen in halber Höhe professionell abschneiden, und zwar in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli. Die Tageszeitung DĂ©pĂȘche du Midi erhĂ€lt ein Bekennerschreiben, unterfertigt mit Les faucheurs noctambules, die nachtwandelnden Schnitter.

Gegen beide Aktionen klagt die betroffene Gesellschaft Pioneer. Pioneer heißt Pionier, Bahnbrecher. Konnten sie sich nicht gut französisch Pionnier nennen? Die sind also bahnbrechend in der Erforschung von genverĂ€nderten Pflanzen. Da ahnt doch jedes Schaf, daß die von Übel sind, auch wenn nichts dergleichen bekannt ist. Ich habe mich vor einigen Tagen in unseren Medien umgesehen und bin dabei auf die Wiederholung eines Krimis der ARD gestoßen, wo im Provinznest MĂŒnster in Westfalen ebenfalls diese Verderber der Menschheit zugange sind. GenverĂ€nderter Mais fĂŒhrt zu LĂŒge und Betrug, zu Reifenzerstechen, Mord und Totschlag. Dieser Taten verdĂ€chtigt werden die UmweltschĂŒtzer, es stellt sich aber selbstverstĂ€ndlich heraus, daß die Genmanipulierer und ihre zwielichtigen GeschĂ€ftspartner die Kriminellen sind, die alles durcheinander bringen. Keiner kennt mehr keinen, der Mais wird immer dicker, wĂ€hrend der naturbelassene Mais des NachbargrundstĂŒcks von allem Ungeziefer befallen wird, das beim genverĂ€nderten keine Chance mehr hat. Die Weltordnung kommt durcheinander, die Globalisierung fĂŒhrt geradewegs in den Untergang des alten Europas und seiner Kultur und Kulturen.

Das mit der Untersuchung des Werkes der Schnitter betraute Kommissariat von Montauban kann jene nicht identifizieren. Das freut gewiß das GrĂŒndungsmitglied der ATTAC, das Syndicat de la magistrature (SM), die Juristengewerkschaft. Ihr erinnert Euch? Die veröffentlicht beim ATTAC-Verlag Mille et une nuits des RĂŒstungskonzerns LagardĂšre BĂŒcher, auf deren Titelseite unkonventionell ein Polizist mit Schweinekopf und ein Mensch, dem ein Kolt an die SchlĂ€fe gehalten wird, aus dem ein Dollar schießt, abgebildet sind. Vielleicht haben diese Publikationen die Polizisten zur Vernunft gebracht? Wer will schon so dargestellt werden - und das einer Untersuchung fĂŒr eine US-Firma wegen.

Ist das aufregend! Sage einer, in Frankreich ist nichts los!

Wiederum trifft es die Gesellschaft Pioneer, und nun muß ich doch einmal darauf zu sprechen kommen, wer diese Pioniere sind. Pioneer Semences SAS, mit Sitz in Aussonne, DĂ©partement Haute-Garonne, ist eine Filiale von Pioneer Hi-Bred International, einer Tochtergesellschaft des in mehr als 70 LĂ€ndern tĂ€tigen 1802 gegrĂŒndeten Chemiekonzerns DuPont de Nemours, mit Sitz in den USA. Seit 1962 ist Pioneer im Bereich Verkauf, Marketing, Forschung und Saatgutproduktion in Frankreich tĂ€tig und beschĂ€ftigt 220 Mitarbeiter.

Den Machenschaften dieser amerikanischen Firma muß Einhalt geboten werden, meinen die nachtwandelnden Schnitter. Die polizeiliche Untersuchungskommission möge bedenken, daß die Schlafwandler vom Dach fallen könnten, wenn sie angesprochen werden. Also ist es besser, nichts zu tun und niemanden zu finden, meine ich.

Das gilt auch fĂŒr diesen Fall, den ich heute in unserer Lokalzeitung L´IndĂ©pendant lese: 15 junge arabischstĂ€mmige junge MĂ€nner, einige davon minderjĂ€hrig, ĂŒberfallen treten und schlagen drei als Juden zu erkennende junge MĂ€nner zwischen 16 und 18 Jahren, als sie aus der U-Bahn kommen und dabei angeblich schief gucken. Zwei von ihnen werden daraufhin fĂŒr eine Woche krankgeschrieben.

Das kennt Schaf schon, so ist es auch im Dritten Reich: viele Verfolger gegen einzelne Juden.

Diesmal passiert´s am Sonntagabend, den 1. August, gegen 23 Uhr, in Villeurbanne, einem Vorort von Lyon. Das ist in der NĂ€he von VĂ©nissieux, wo der bigamistische salafidische Imam Abdelkader Bouziane lebt, der Frauen gemĂ€ĂŸ Scharia prĂŒgeln und steinigen will. Lyon ist das Zentrum der missionarischen AktivitĂ€ten des Tariq Ramadan und seines Verlages Tawhid - heutzutage ein heißes Pflaster fĂŒr Juden.

Vier der TĂ€ter werden gefaßt, drei davon sind minderjĂ€hrig und haben noch nie an einer derartigen antisemitischen Tat teilgenommen. Sie werden am nĂ€chsten Tag freigelassen, ein fĂŒnfter wird vernommen, aber die normale Prozedur der Untersuchung und des Versuchs der Identifizierung der weiteren TĂ€ter gehe weiter, versichern die Polizisten, die des Fehlens von Messern und BaseballschlĂ€gern wegen von keiner vorsĂ€tzlichen antisemitischen Tat ausgehen, sondern von einer Rauferei zwischen Jugendgruppen. Die drei Juden erkennen zwei oder drei der 15 TĂ€ter wieder, die schon am 13. Mai vor einer Schule in Villeurbanne antijĂŒdische Parolen rufen. Die Polizisten sehen keine ZusammenhĂ€nge zwischen den Ereignissen, auch nicht zu dem Fall zweier jĂŒdischer MĂ€dchen aus Villeurbanne, die im Juni als JĂŒdinnen beschimpft werden.

Die Polizisten von Lyon mögen vom Polizisten mit dem Schweinekopf gelernt haben und gewarnt sein.

Wenn sie, die erst nachdem die Aggression beginnt, hinzukommen, auch sonst nicht viel wissen, so verkĂŒnden sie doch, daß nicht alle 15 anwesenden Araber sich an der Tat beteiligt hĂ€tten, und es keine antisemitischen Beleidigungen der drei Juden gegeben habe, die wĂ€hrend des Zusammenstoßes mit den Arabern der eine die Kippa, der andere eine MĂŒtze mit hebrĂ€ischen Schriftzeichen tragen. Die drei berichten laut L´IndĂ©pendant und LibĂ©ration, daß die Araber sie sehr wohl als sales juifs, dreckige Juden, die bald sterben werden, beschimpfen. Das bestreiten die Aggressoren, die ja jeder 14 Zeugen haben - und auch die Polizisten haben nichts gehört.

Drei Tage vordem werden diese drei bereits einmal angegriffen, wenn auch nicht derartig gewalttĂ€tig, berichtet die PrĂ€fektur, fĂŒr die es sich um wechselseitige Intoleranz handelt. Was kommen die Juden da auch einfach so zu dritt aus der U-Bahn, zwei davon obendrein mit jĂŒdischen Symbolen gekennzeichnet, meine ich Schaf. Das ist in der Tat eine Herausforderung. Außerdem erinnere ich Euch an den angeblichen Überfall maghrebinischer Jugendlicher auf eine 23-jĂ€hrige junge Mutter, in der Pariser Vorortbahn RER D. Alles erfunden!

Deshalb mahnt der Großrabbiner von Lyon Richard Wertenschlag zu grĂ¶ĂŸter Vorsicht in dieser Art von AffĂ€ren. Dennoch handelt es sich fĂŒr ihn um eine antisemitische Tat. Das Tragen von jĂŒdischen Symbolen ist der Auslöser. Sich heutzutage mit ´ner Kippa auf die Straße zu wagen, ist fĂŒr Richard Wertenschlag das Problem. Da mĂŒssen sich die betroffenen Juden nicht wundern, wenn sie entsprechend behandelt werden.

Vielleicht kann man sich fĂŒr alle zukĂŒnftigen FĂ€lle vorab darauf einigen, daß sie nichts damit zu tun haben, daß es sich um Juden handelt, die von Nicht-Juden, mehrheitlich Arabern, getreten, verprĂŒgelt und mit Worten beleidigt werden. Dann muß sich der Großrabbiner, der in den letzten Monaten selbst Opfer von vier AnschlĂ€gen geworden ist, nicht so winden, und auch die Polizei hat weniger zu tun.

Der PrĂ€sident des CRIF RhĂŽne-Alpes Marcel Amsallem bedauert, daß junge Franzosen um 23 Uhr nicht mehr auf den Straßen ihrer Stadt spazierengehen können. Ja, da frage ich Schaf mich doch: lassen ihre Eltern die denn so spĂ€t noch raus? Meine Herrin mußte damals, in dem Alter, um 21 Uhr spĂ€testens zu Hause sein. Hat es ihr etwa geschadet, daß sie im Falle des Ungehorsams mit dem Kochlöffel grĂŒn und blau geschlagen wurde? Nein sage ich - außer daß sie sich jetzt an mir rĂ€cht, und ich auch nichts darf.

Blök!
Euer Schaf

3. August 2004

Faucheurs noctambules

Dupont de Nemours
http://www1.dupont.com/NASApp/dupontglobal/corp/index.jsp

Pioneer Semences SAS
http://www.pioneer.com/france/default.htm

OGM: Pioneer dépose une nouvelle plainte contre "les faucheurs noctambules",
AP, 02.08.04, Nouvel Observateur
http://permanent.nouvelobs.com/societe/20040802.FAP9689.html ?1133

France: nouvelle plainte de Pioneer contre des faucheurs d´OGM,
Edicom News, 2 août 2004
http://www.edicom.ch/news/international/040802151619.mo.shtm l

Agresseurs maghrebins

Agression antisémite: 4 jeunes relùches, Nouvel Observateur, 03.08.04
http://permanent.nouvelobs.com/societe/20040803.OBS3951.html

Trois jeunes agressés à Villeurbanne: le parquet semble exclure un acte antisémite. AP. Nouvel Observateur 02.08.04
http://permanent.nouvelobs.com/societe/20040802.FAP9756.html ?1633

Trois adolescents juifs agressĂ©s prĂšs de Lyon. La police n´est pas persuadĂ©e du caractĂšre antisĂ©mite de l´incident intervenu dimanche soir Ă  Villeurbanne.
Par Blandine Grosjean, Libération, mardi 3 août 2004
http://www.liberation.fr/page.php?Article=228103#


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