 
Die Terroranschläge des 11. September 2001 in der Berichterstattung deutscher Medien, drei Jahre danach
Liebe Freunde!
Nicht nur, dass ich so gut wie nichts darf, nein, meiner Herrin ist auch nie recht, was ich aus meinem bescheidenen Pferch heraus schreibe. "Schaf", sagt sie, "seit Du Dein eigenes Artikel-Archiv hast, kümmere ich mich weniger darum, was für ein Geblöke Du von Dir gibst. Ich sehe jetzt, dass es ein Fehler ist, Dir nicht genauer auf die Klauen zu schauen!" Spricht´s, nimmt sich meinen Artikel über den Anti-Amerikanismus der "Berliner Zeitung" vor und haut ihn mir um die Schnauze.
"Was ist denn?" blöke ich verschreckt und sehe schon wieder mein Schicksal, im Kochtopf oder am Spieß zu enden. "Haben die Journalisten dort nicht den 11. September 2004 benutzt, um in übler Weise mit den USA abzurechnen? Mußten sie ausgerechnet an diesem Tag dem George W. unterschieben, er fördere mit der Nichtverlängerung des Gesetzes gegen den Kauf von halbautomatischen Waffen den Terrorismus, und warum konnten sie es nicht lassen, auf ihrer "Seite 3", Daniel Rodriguez, "Amerikas Tenor" lächerlich zu machen, und nicht nur ihn, sondern gleich das halbe Amerika mit? Die Menschen dort sind dick und fett, sie singen fröhliche Lieder über Tod und Wiederauferstehung, sie produzieren Fahnen aus Buttercreme. Das schreiben sie. Mit keinem Wort zeigen sie etwa Empathie mit diesen, sondern von oben herab und kalt reißen sie ihre Witze: Polizeihunden wird gedacht, die bei den Attentaten umgekommen sind!"
Meine Herrin bleibt eisig. "Schaf", sagt sie, "im Artikel steht, dass sie die Namen verewigt hätten, weil auf der Decke noch Platz war. Es wird nicht klar, ob sich die Autorin über die Verewigung lustig macht oder darüber empört ist, dass die Hunde nur verewigt werden, weil noch Platz ist. Du hättest hinweisen sollen darauf, wie Deutsche zu ihren Hunden stehen. Adolf Hitler beispielsweise - er zeigt sich oft und gern mit Hunden, besonders mit Schäferhunden, die auch die Wachhunde in den KZs sind. Er hätte sicherlich die Namen aller dieser Hunde, vor allem aber seines geliebten Blondie, auf "Quilts" sticken lassen. Kann es da nicht sein, dass die Autorin den Amerikanern mangelnde Achtung vor ihren Hunden vorwirft?"
So habe ich das gar nicht gesehen. Gebt es zu, Ihr auch nicht. Blök!
Ich komme gar nicht zum Nachdenken; denn meine Herrin wirft mir gleich wieder etwas an den Kopf: "Warum berichtest Du nur darüber, was die ´Berliner Zeitung´ am 11. September 2004 über die USA schreibt?" legt sie nach. Das ist aber nun sehr gemein. Erinnert Euch: sie wirft mir ihr Exemplar in die Nähe des Pferches, damit ich es zerrupfe, oder? "Nein, es sollte nur ein Einstieg für Dich sein. Was ist mit den Weidegründen im Internet? Du bist ein faules Schaf!"
Ich fange also an zu suchen und zu schnüffeln - oder meint Ihr, ich will an den Spieß oder in den Kochtopf?
Der 11. September 2001, drei Jahre danach
Mit den Hunden haben es deutsche Berichterstatter: "Wir müssen leider draußen bleiben!" titelt der Deutschlandfunk. Diesen Spruch bezieht er aber nicht, wie in Deutschland üblich, auf Hunde, sondern auf Ausländer, die in den USA Probleme haben. Sie werden dort wie Hunde behandelt, meint der Autor - oder er hält sie für solche. Wie ein Hund wird demgemäß auch der von der "renommierten Notre Dame Universität als Lehrer für Nahost-Wissenschaften" angeheuerte Schweizer Tariq Ramadan behandelt. Gegen seine Art der Nahost-Forschung und Lehre haben die USA was. Der Autor teilt leider nicht mit, was es ist. Ich gebe Euch unten zwei Links, aus der "Washington Post" und von der "Tech Central Station". Vielleicht hilft´s Euch weiter. Der Artikel der "Washington Post" zeigt Euch auch, dass in den USA nicht unbedingt alle die Visa-Antragsteller als das erkennen, was sie sind.
Den Hundeartikel des Deutschlandfunks verdanken wir der unermüdlichen Arbeit des stellvertretenden Vorsitzenden des Rundfunkrates beim Deutschlandradio Dr. Robert Guttmann, dem Präsidenten der Zionistischen Organisation in Deutschland e.V.. Er sorgt für bescheidene Tantiemen von 450 Euro monatlich dafür, dass die Berichterstattung sich bei Deutschlandfunk und -radio verbessert. Er sollte sich wirklich nicht um jeden Hund kümmern, meine ich. Blök!
Für Jürgen Elsässer ist Osma bin Laden der "angebliche Auftraggeber der Anschläge vom 11. September". So schreibt er in der "Jungen Welt". Böse Kritiker meinen schon lange, dass ihm aus unerfindlichen Gründen dieses Ereignis das Gehirn verkleistert habe: es soll Zellen von Osama bin Ladens "sagenhafter Organisation Al Qaida" in vielen Ländern geben, behaupteten welche; die staunende Öffentlichkeit (sei) mit einer Unzahl von Fakten überschüttet" worden. Wo Osama bin Laden verortet werde: "überall - nur nicht auf dem Balkan", womit Jürgen Elsässer schnell und ohne Umschweife auf seiner Lieblingsrennstrecke, dem Balkan, angekommen ist. Es versteht sich, dass er keinerlei Empathie mit den Attentatsopfern vom 11. September 2001 zeigt. Sie werden gar nicht erst erwähnt.
Ebenso macht´s ein gewisser Thomas Immanuel Steinberg, der das Datum nutzt, um ein Buch von Michael C. Ruppert zu rezensieren: "Crossing the Rubicon – The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil". Der Buchautor unterstellt Dick Cheney, die Attentate vom 11. September 2001 geplant zu haben, und israelischen und britischen Geheimdiensten, dass sie "bei der Vorbereitung der Attentate und wohl auch bei ihrer Durchführung mit höchsten Regierungsstellen der USA zusammengearbeitet hätten". Auch hier also nichts als Hohn und Spott und "High Noon im Dschungel der Weltpolitik", erbaut auf Verschwörungstheorie.
Soweit meine Ausbeute bei der "Jungen Welt". Blök!
Nun schaue ich in den "Freitag". Diese Wochenzeitung ist immer gut für Überraschungen aller Art. Die Nummer 38 erscheint am 10. September 2004. Fünf Artikel befassen sich mit Terrorismus.
Sabine Kebir, die ab 1977 zehn Jahre mit ihrem algerischen Mann in Algerien lebt, meint, ausgehend von den Terroranschlägen Mitte der 90er Jahre in Algerien, zu den Geiselnahmen von Beslan: "Zu lange wurde im Westen hinter den Attentätern eine unterstützenswerte Befreiungsfront vermutet". Schaf traut seinen Augen nicht. Endlich räumt jemand mit den linken Sprüchen über legitimen Terror von nationalen Befreiungsbewegungen auf. Leider folgt die Ernüchterung auf der Klaue:
"Das Urteil über die algerische Gewaltszenerie hat sich nach dem 11. September 2001 geändert. Wäre dies nicht nur stillschweigend geschehen, hätte man aus diesen Erfahrungen lernen können. Durch die Eskalation des Terrorismus insgesamt - Bushs und Sharons Staatsterrorismus inbegriffen - fällt es nun um so schwerer, Gewalttaten nichtstaatlicher Milizen zu beurteilen."
Das ist alles, was sie über den 11. September 2001 äußert. Sabine Kebir bestreitet jede Ähnlichkeit des Terrorismus in Algerien und in Russland mit dem gegen die USA, "auch wenn nicht auszuschließen ist, dass al-Qaida daran (in Russland) aktiv beteiligt ist". George W. Bush und Ariel Sharon stellt sie auf eine Stufe mit Osama bin Laden, den sie zu einem "der konkurrierenden neoliberalen Tiger dieser Welt" erklärt. Dem Widerstand im Irak gesteht sie das Recht zu, "die Souveränität des Landes zu verteidigen." Vielleicht hat sie ja schon ihre 10 Euro für den irakischen Widerstand gespendet?
Die fünf Artikel, die sich mit Terror befassen, handeln alle von Beslan. Auffällig ist die Zuvorkommenheit, mit der Wladimir Putin und seine Politik bedacht werden. Sie unterliegen nicht der rigorosen Kritik, wie George W. Bush und die Politik der USA. Blök!
Die "Kommunisten-online" erwähnen die Attentate des 11. September 2001 überhaupt nicht, sondern sie gedenken auf ihrer Site allein und ausführlich des blutigen Militärputsches des chilenischen Militärs unter Führung des verräterischen Generals Augusto Pinochet gegen den Präsidenten Salvador Allende, vom 11. September 1973: "Das ist der 11. September dessen wir gedenken sollten!" Beinhart verweigern sie den Opfern von 2001 jede Empathie. Neben Links zu einer Reihe von orthodoxen kommunistischen Splittergrüppchen zieren Links zu Antiimperialista (AIK), Palästina Online und zu Gush Shalom ihre Linkliste. Blök!
Nun noch zum "Spiegel Online". Der nicht gerade als Freund der USA bekannte Marc Pitzke berichtet aus New York von den 9/11-Trauerfeiern und vom Alltag, zu dem die Wall Street wieder zurückgekehrt sei. Schaf sollte es nicht für möglich halten, aber Marc Pitzke sind die Menschen wichtig, die unter den Terroranschlägen heute noch leiden. Er berichtet von einzelnen und von Firmen aus den Twin Towers, von der Firma Cantor Fitzgerald, die am 11. September 2001, 658 von 1050 New Yorker Mitarbeitern verliert, von ihren Maßnahmen für die Hinterbliebenen der Opfer und von in Folge von 9/11 getroffenen Geschäftsentscheidungen.
"Die Trauerfeiern sind vorbei. Doch die Zeiten, schreibt Daniel Henninger im ´Wall Street Journal´, haben sich unverrückbar verändert: ´Wir leben jetzt in einer 9/11-Welt´."
Das haben viele Linke noch nicht begriffen, und schaf muß befürchten, dass sie es nie begreifen werden.
Blök!
Euer Schaf
Internetschnüffler
7. Oktober 2004
Wo ich das gefunden habe:
Adolf Hitler Schäferhunde: 914 Angebote
Google.de - Seiten auf deutsch
Deutschlandfunk, 11.9.2004 "Wir müssen leider draußen bleiben!" Probleme ausländischer Wissenschaftler in den USA Von Gunnar Schulz-Burkel
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/301863/
In Search Of Friends Among The Foes. U.S. Hopes to Work With Diverse Group. By John Mintz and Douglas Farah. Washington Post Staff Writers.
WashingtonPost.com, Saturday, September 11, 2004; Page A01
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A12823-2004Sep 10.html
Why the Tariq Ramadan Controversy Matters. By Stephen Schwartz.
Tech Central Station, September 16, 2004
http://www.techcentralstation.com/091604B.html
DAS LETZTE. "Ich habe schon das Bundesverdienstkreuz!" Henryk M. Broders
Email-Korrespondenz mit Dr. Robert Guttmann.
Offizielle Homepage von Henryk M. Broder, Juli 2004
http://www.henryk-broder.com/html/tb_guttmann.html
Bin Laden in Sarajevo. Die wichtigsten Verdächtigen des 11. September waren Bundesgenossen der NATO auf dem Balkan (Teil I), von Jürgen Elsässer
Junge Welt, 11. September 2004
http://www.jungewelt.de/2004/09-11/003.php
Als Empathie (griech. = Mitfühlen) bezeichnet man die Fähigkeit eines Menschen, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, seine Gefühle zu teilen und sich damit über sein Verstehen und Handeln klar zu werden. Wesentlich dabei ist, dass der eigene Affektzustand dem Gefühlszustand einer anderen Person entspricht. Dies wird dadurch ausgelöst, dass man die Perspektive der anderen Person einnimmt - "in ihre Schuhe schlüpft" - und so ihre emotionalen und anderen Reaktionen begreifen kann. Dies gelingt teilweise sogar in extremen Situationen....
Empathie. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Empathie
Dicks Trick High-Noon im Dschungel der Weltpolitik: Ein wilder Kerl tritt gegen den US-Vizepräsidenten Richard »Dick« Cheney an, von Thomas Immanuel Steinberg,
Junge Welt, 11. September 2004
http://www.jungewelt.de/2004/09-11/020.php
Freitag Nr. 38, 10. September 2004
http://www.freitag.de/2004/38/
Wir gedenken des 11. Septembers. Kommunisten-online
http://www.kommunisten-online.de/11september.htm
Kommunisten-online. Links zu befreundeten Organisationen
http://www.kommunisten-online.de/links.htm
WALL STREET. Drei Jahre nach Null. Von Marc Pitzke
Spiegel Online, 13. September 2004
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,317843,00.html
Hier findet Ihr mein Artikel-Archiv:
http://www.eussner.net/schaf_sectionindex.html
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