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Was das Schaf zu blöken hat...öken hat...

Der Alptraum geht weiter

Liebe Freunde!

Um meine Herrin mache ich mir jetzt ernstlich Sorgen. Nie in den mehr als drei Jahren, da ich bei ihr wohne, habe ich sie so kennengelernt. Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll: irgendwo zwischen Resignation und Verzweiflung scheint sie sich zu befinden. Ich werde ĂŒberhaupt nicht mehr kontrolliert, darf Geld aus der Haushaltskasse klauen, ohne dass sie es bemerkt, statt einem kleinen BĂŒschel Heu kriege ich mindestens drei; denn es interessiert sie nicht - Wasser jedoch stellt sie mir nicht hin. Mein Pferch, dessen TĂŒr sie nicht mehr verschließt, ist vollgestopft mit MĂŒll und Dreck, den sie achtlos hineinwirft. Wenn sie schlĂ€ft, trage ich das meiste wieder hinaus. Irgendwo muß ich ja bleiben. Blök!

"Schaf", sagt sie zu mir, "was ich ĂŒber die Farce des Ablebens von Yasser Arafat lese, das unterbietet alles, was ich je zu Gesicht bekommen habe. Alle beteiligen sich. Stell Dir nur vor, diesem Mann, der schein-, wenn nicht ganz tot, seit Tagen im MilitĂ€rkrankenhaus von Percy warmgehalten wird, damit Suha und ihre palĂ€stinensischen und französischen Freunde und Gegner das Erbe regeln können, ihm wird in der deutschen Presse ein ´Todeskampf´ angedichtet."

"Hast du daran gedacht", blöke ich, "dass mensch das ´Kampf´ nennt, damit ihn die PalĂ€stinenser zu recht als MĂ€rtyrer bezeichnen können? Deshalb halten sie auch das GerĂŒcht aufrecht, Yasser Arafat sei von den Israelis vergiftet worden. Wie sollen seine geliebten Al-Aqsa Brigaden denn rechtfertigen, dass sie sich in Arafat MĂ€rtyrer-Brigaden umbenennen, wenn er gar keiner ist, sondern ein abgewirtschafteter Terrorist? Oder ehrt mensch ihn durch die Bezeichnung mit einer Art Oscar fĂŒr sein Gesamtlebenswerk?"

"Ja", erwidert sie schwach, "das könnten GrĂŒnde sein. Wenn er nĂ€mlich als Terrorist bezeichnet wird, der er immer war, und der nun elendiglich abkratzt, dann kann man ihm auch keine Mythen und Legenden andichten, sondern man mĂŒĂŸte es bezeichnen als das, was es war und ist: LĂŒgen, BetrĂŒgen, Unterschlagen, Stehlen, Rauben, Bomben, Morden."

"Wir beide wissen, dass er sich nie geĂ€ndert hat", blöke ich verstĂ€ndnisvoll dazwischen, "aber von den meisten Journalisten in Deutschland kann schaf das nicht sagen. Woher denn auch so, wie sie sich informieren? Sie arbeiten mit leichter Feder, streuen kleinere banale Witze in ihre Texte ein, und die wenig verwöhnte Leserschaft ist´s zufrieden: Infotainment nennt mensch das."

"Schaf", meint sie, "wĂŒrdest du denn Yasser Arafat als jemanden ansehen, der seit der GrĂŒndung der Fatah, in Kuwait, 1959, Situationen jemals falsch eingeschĂ€tzt hat?"

"Also, was die eine oder andere Situation und Taktik angeht, vielleicht - so einer kann ja nicht immer alles richtig einschĂ€tzen -, strategisch aber nicht. Seine und die seiner Kumpanen Strategie zur Vertreibung der Juden und zur Zerstörung Israels hat sich nie geĂ€ndert. Vom ersten Attentat, 1965, ĂŒber die PLO-Verfassung, von 1968, den ´Phased Plan´ und den Auftritt vor der UNO, 1974, ĂŒber den Terror in Jordanien und im Libanon, 1969/70 und 1982, bis hin zu Intifada I und II, begonnen jeweils 1987 und 2000, und zu Oslo I und II, 1993 und 1995, und die angebliche Anerkennung des Extistenzrechtes Israels, 1988, 1996 und 1998, handeln er und seine Terrorgenossen immer konsequent. Wer etwas anderes behauptet, unterschĂ€tzt die PLO und die Fatah, samt ihren AnhĂ€ngseln und Derivaten.

Dazu, dass er sich in entscheidenden Situationen des palÀstinensischen Kampfes fehlentschieden hat, kann mensch nur kommen, wenn mensch ihm unterstellt oder andichtet, dass er hin und wieder lautere Absichten gehabt hÀtte, wenn mensch dem Mythos des zum Staatsmann gelÀuterten Terroristen anhÀngt", blöke ich.

"Wie kommst du zu solcher vernichtenden EinschĂ€tzung?" fragt sie mĂŒde. "Wendet er sich nicht gegen den Terror der Hamas und des PalĂ€stinensischen islamischen Jihad? Er will doch spĂ€testens nach der Unterzeichung der VertrĂ€ge von Oslo Frieden, oder?"

Jetzt werde ich aber richtig wach. Kann es angehen, dass mensch das nicht sieht?

Die Beziehungen der PLO zu den Terroristenorganisationen Ă€ndern sich nach "Oslo" nicht. Zu Anfang gibt Yasser Arafat nicht einmal vor, den Terror zu bekĂ€mpfen, im Gegenteil, er denkt gar nicht daran, die Hamas zu entwaffnen. Das wĂŒrde ihm finanziell auch schlecht bekommen, wird diese Zweigstelle der MuslimbrĂŒderschaft doch von islamistischen Kreisen der arabischen Staaten finanziert, und fĂŒr ihn fĂ€llt dabei auch reichlich ab. Schluß wĂ€re damit. Um sich aber doch ein wenig den Anschein zu geben, seine Fatah halte sich zurĂŒck, unterstellt er Teile von ihr der Hamas, so dass sie weiter ihren Terror praktizieren können. Damit die PalĂ€stinenser und die interessierten islamischen Staaten und Europas auch wissen, worum es geht, und dass sie keine Angst haben mĂŒssen, Frieden trĂ€te ein, kandidieren Fatah und Hamas bei lokalen Wahlen auf einer gemeinsamen Liste, dem "Palestinian Martyrs Bloc". Ein Block diesen Namens kandidiert noch heute zu den palĂ€stinensischen Studentenwahlen an den UniversitĂ€ten. Der MĂ€rtyrerkult wird unter der palĂ€stinensischen Jugend gepflegt, beginnend schon bei Kleinkindern. Yasser Arafat unternimmt dagegen niemals etwas, sondern er, die Fatah und ihre Al-Aqsa-Brigaden sind in diesem Block HauptantriebskrĂ€fte.

Die enge Zusammenarbeit der PLO, der Fatah und der Al-Aqsa-Brigaden mit der Hamas und dem "lieben Bruder" des Yasser Arafat Scheich Ahmed Yassin wird niemals beendet. Die Taktik der PLO Ă€ndert sich und paßt sich der jeweiligen Situation an, die GrĂŒndung eines palĂ€stinensischen Staates aber wird, da eine Beseitigung Israels militĂ€risch nicht zu verwirklichen ist, von allen immer nur als erster Schritt im Rahmen des "Phased Plan" gesehen.

Es ist also nicht anzunehmen, dass der Alptraum der Israelis bald zu Ende sein wird.

Der frischgekĂŒrte Fatah-Chef Faruq al-Qaddumi bĂŒrgt dafĂŒr. Am 3. Januar 2003 betont er, zwischen der Fatah und der Hamas habe es noch nie Unterschiede gegeben, im Gegenteil. "Widerstand ist legitim". Nach seiner Wahl erklĂ€rt er, am 11. November 2004, gegenĂŒber dem Fernsehsender der schiitischen libanesischen Terrororganisation Hezbollah Al Manar TV: "Widerstand ist der Weg zu einer politischen Lösung". Man kann ihn sich bei MEMRI im Original als Video anhören und ansehen. Da man zu schwach sei, die israelische Armee zu besiegen, mĂŒsse man auf den Bruder MĂ€rtyrer Abu Ammar (Yasser Arafat) zurĂŒckkommen, der vor der UNO im November 1974 erklĂ€rt: "Ich halte ein Gewehr in der einen und einen Ölzweig in der anderen Hand." Dabei hat der zu internationaler Reputation aufgestiegene Terrorist das Gewehr nicht in der Hand, sondern als Smith&Wesson Pistole allen deutlich sichtbar am Halfter. Der Ölzweig hingegen ist kaum zu sehen. Hat er ihn tatsĂ€chlich mitgebracht? Ja, in der UNO ist immer was los. Das hat sich bis heute nicht geĂ€ndert. Blök!

Faruq al-Qaddumis Ansicht wird unterstĂŒtzt vom Mitglied des Zentralkomitees der Fatah Hani Al-Hassan, der am selben Tag dem Sender Al-Arabiya TV Dubai gegenĂŒber meint, dass mit dem Tode Arafats die Phase des bewaffneten Kampfes beginne:

"In der Fatah haben wir eine Regel: der bewaffnete Kampf sĂ€t, und der politische Kampf erntet. Derjenige, der nicht sĂ€t, erntet nicht, und derjenige der sĂ€t und sich weigert zu ernten, ist ein Verbrecher. Deshalb kam, als Oslo keine Ergebnisse brachte, die Saat in Gestalt der Intifada. Nun ist die Frage, ob die jetzige Zeit ein Stadium des Erntens oder der Saat ist. Wir denken, dass die jetzige Zeit eine der Saat ist, bis wir Ergebnisse in der internationalen Position sehen. Wir sehen heute, dass eine Änderung in der Welt stattgefunden hat. Europa hat seine Position geĂ€ndert, sie hat sich deutlicher zu unseren Gunsten gewandelt. Amerika ist im Irak festgefahren und weiß nicht, was es tun soll. Heute sahen wir die Helden von Falluja und alles, was dort passiert. Israel befindet sich inmitten einer internen wirtschaftlichen Krise, die nicht durch einen Geldstrom aus Amerika gelöst werden wird. Deshalb gibt es Möglichkeiten. Wir werden jetzt sehen, ob uns die politische Lage erlaubt, politische Ergebnisse zu erzielen und einen Wechsel zu unseren Gunsten zu erreichen. Wenn nicht, werden wir zum SĂ€en zurĂŒckkehren."

Hier wird nebenbei sehr gut deutlich, warum der Krieg der USA gegen den Irak nicht etwa fĂŒr Israel, sondern ganz ohne BerĂŒcksichtigung Israels und zu seinem Schaden durch die USA begonnen und gefĂŒhrt wird. Sie haben die grĂ¶ĂŸenwahnsinnige Absicht, mit einem Krieg gegen mehrere islamische Staaten und gegen Nordkorea die Machtstruktur im Nahen Osten und in Asien zu ihren Gunsten zu verĂ€ndern und ein fĂŒr allemal zu festigen. Der Frieden zwischen Israel und den PalĂ€stinensern ist zur Erreichung dieser Absicht notwendig. Wenn die PalĂ€stinenser sĂ€hen, wie die Iraker ihre wirkliche Freiheit und die wirtschaftlichen Möglichkeiten schĂ€tzten und nutzten, wĂŒrden sie ihre PA zu politischen Reformen und zu Verhandlungen mit Israel auffordern. Das wĂŒrde zu einem wirklichen Friedensvertrag zwischen den Israelis und den PalĂ€stinensern fĂŒhren. So ist ihre Ansicht am Ende der Kampfhandlungen im Irak, April 2003. Der heutige Stand der Dinge zeigt, was von solchen TrĂ€umen zu halten ist.

Deutlich wird, dass Frieden und Sicherheit fĂŒr Israel als unausweichliches Beiprodukt abfallen sollen, als Kollateralnutzen. Weder Israel noch die PalĂ€stinenser zĂ€hlen fĂŒr die USA als eigenstĂ€ndige Subjekte. FĂŒr die EU zĂ€hlen sie ebenfalls nicht. Blök!

Hani Al-Hassan meint, Europa sei mehr und mehr auf der Seite der Palestinenser. Genauso ist es. Es sind die Interessen Europas, allen voran Frankreichs, die USA in ihrer Macht zu schmĂ€lern. Sie nutzen die Lage der USA im Irakkrieg dazu aus. So ist denn Javier Solana, der Vertreter der Außenpolitik der EU, der erste Besucher in Ramallah, nach der chaotischen Beerdigung Yasser Arafats. Er wird der PLO, der Fatah und der Hamas beistehen, gegen Israel vorzugehen. Die Saat kann beginnen. Der Alptraum fĂ€ngt gerade erst richtig an.

Die "internationale Staatengemeinschaft" wird den PalĂ€stinensern gewiß zubilligen, dass weder Gemeindewahlen, im Dezember 2004, noch PrĂ€sidentschaftswahlen, im Januar 2005, durchzufĂŒhren sind. Das Chaos in dem Landstrich der Welt hat jeder im Fernsehen verfolgen können, am deutlichsten bei der Beerdigung Yasser Arafats. Schon einmal werden PrĂ€sidentschaftswahlen abgesagt, die fĂŒr Januar 2003 vorgesehenen. Der Vorwand ist die Intifada II: "Es ist nicht die Zeit fĂŒr demokratische Wahlen", sagt Ahmed Qurei alias Abu Ala seinerzeit.

Die InterimsfĂŒhrung kĂŒndigt simultane Wahlen fĂŒr die Gemeinden, das Parlament und den PrĂ€sidenten fĂŒr das FrĂŒhjahr 2005 an. Die Hamas fordert die PalĂ€stinenser auf, sich an diesen Wahlen zu beteiligen. Der PIJ und die PFLP schließen sich dem an. 1996 lehnen sie die Beteiligung der beiden Abkommen von Oslo wegen ab. Die Hamas bleibt bei der Verpflichtung zur Zerstörung Israels und rechnet sich dafĂŒr heute bessere Chancen aus. Die wichtigsten Kader der Fatah sind auf ihrer Seite, schon allein, da sie in Gaza von der Begeisterung fĂŒr die Hamas weit ĂŒberflĂŒgelt werden, und sich auch in der Westbank der Wind zugunsten der Hamas dreht. Das bei einem Abzug der Israelis aus Gaza entstehende Vakuum wird durch die Terroristen der Hamas gefĂŒllt.

Es ist möglich, dass die palĂ€stinensischen Terrororganisationen wieder eine Lage herbeibomben, in der leider keine demokratischen Wahlen möglich sind. Dann könnte die EU mit ihnen in einen ihrer berĂŒhmten kritischen Dialoge eintreten. Vielleicht einigen sich die EU und die PalĂ€stinenser aber auf den gemeinsamen Kandidaten der Fatah Faruq al-Qaddumi.

FĂŒr Suha Tawil sehe ich jedenfalls keine grĂ¶ĂŸeren Chancen. Sie ist, wie ich jetzt erfahre, französische StaatsbĂŒrgerin, was ganz schlecht bei den PalĂ€stinensern ankommen dĂŒrfte. Jean-Claude Gaudin, Minister fĂŒr Stadt- und Regionalplanung Frankreichs unter Premierminister Alain JuppĂ©, dem Intimfreund des Jacques Chirac, nimmt die EinbĂŒrgerung in seiner Amtszeit vor, irgendwann zwischen November 1995 und Juni 1997. Die erzkonservativen "Freeper" veröffentlichen den Bericht der Zeitung Al-Bawaba, The Middle East Gateway, vom 22. Januar 2004, am selben Tag. Von Suha Tawil zu entrichtende Erbschaftssteuern in Höhe von zig-Millionen Euro werden Frankreich sicher sein, das somit seine Kosten fĂŒr Transport und Behandlung des Yasser Arafat reichlichst abgegolten bekommen wird.

Da nun aber demnÀchst, im Jahre 2007, PrÀsidentschaftswahlen in Frankreich anstehen, fordere ich auf Grund der engen Verbundenheit Frankreichs mit den PalÀstinensern und ihrer Sache: Suha for President in France!

Blök!
Euer Schaf
KurfĂŒrst in Ramallah und Paris

14. November 2004

Auf welchem MĂŒllhaufen meiner Herrin ich das gefunden habe? Hier:

The martyrdom and suicide culture in Palestinian universities. An-Najah University in Nablus as a case study. Intelligence and Terrorism Information Center at the Center for Special Studies (C.S.S) Special Information Bulletin, May 2003
http://www.intelligence.org.il/eng/bu/sib_mb/university.htm

The PLO´s "Phased Plan". Political Programme, Adopted at the 12th Session of the Palestinian National Council, Cairo, June 9, 1974
http://www.netaxs.com/~iris/plophase.htm

Farouq Al-Qaddoumi: In Support of ´Resistance Attacks´ Inside Israel and Pressuring Europe with Oil Hikes: ´We (Fatah) Were Never Different from Hamas´.
Memri Dispatch No. 462, vom 28. Januar 2003
http://www.memri.org/bin/opener.cgi?Page=archives&ID=SP46203

New Fatah Leader Farouq Qaddumi: Resistance is the Path to Political Settlement.
Memri TV Clip No. 344, 11/11/2004
http://www.memritv.org/Transcript.asp?P1=344

Practice to Deceive, by Joshua Micah Marshall. Washington Monthly, April 2003
http://www.washingtonmonthly.com/features/2003/0304.marshall .html

PLC leader Says Palestinian Elections Not to be Held on Time.
People´s Daily Online, December 2, 2002
http://english.people.com.cn/200212/11/eng20021211_108270.sh tml

Hamas gives backing to Palestinian elections. * 2 other hard-line factions to join political fray. Pakistan Daily Times, November 14, 2004
http://www.dailytimes.com.pk/default.asp?page=story_6-9-2004 _pg4_5

Bon Jour, Mrs. Arafat
... (She is now a French citizen). Al-Bawaba, January 22, 2004
http://www.albawaba.com/news/printArticle.php3?sid=268682&la ng=e
Posted by Free Republic, January 22, 2004
http://209.157.64.200/focus/f-news/1063320/posts

Mein eigenes Archiv findet Ihr hier:
http://www.eussner.net/schaf_sectionindex.html


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