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Was das Schaf zu blöken hat...öken hat...

Ich soll einen Dialog fĂŒhren

Liebe Freunde!

Meine Herrin ist wirklich gemein. Ihr erinnert Euch vielleicht, dass ich sie in der Wahlnacht "Kerry oder Bush" ein wenig Ă€rgere, als ich einmal (!) blöke: "Ich finde, George Bush sollte PrĂ€sident bleiben!" Das ist wirklich nur Spaß, ehrlich, aber jetzt rĂ€cht sie sich an mir, und Ihr ahnt ja gar nicht, womit.

Sie will einen Dialog mit mir fĂŒhren!

"Schaf", sagt sie, "schließlich bist Du ein europĂ€isches Tier, und es wird Zeit, dass Du lernst, Dich europĂ€isch zu verhalten, sonst ..." Ich erbleiche, was mensch unter der Wolle nicht sieht, aber meine Herrin kennt mich. Sie braucht mich dazu nicht zu scheren, sie weiß auch so, dass ich ganz blaß geworden bin. Da lacht sie: "Nein, Du sollst nicht in den Kochtopf oder an den Spieß, sondern ich habe Angst um Dich, dass Du, dialogungeĂŒbt, im Leben sonst nicht bestehst und bei anderen als Hauptspeise endest." Na, und das, wo sie mich nicht mehr aus meinem Pferch lĂ€ĂŸt. Mit wem soll ich denn im Dialog blöken? Hat sie etwa vor, mich demnĂ€chst einmal aus meinem Pferch zu lassen? Schaf muß sich immer aufs neue wundern ĂŒber die Menschen. Sie sind unberechenbar.

"Schaf", fĂ€hrt sie fort und achtet nicht mehr auf meinen Zustand, "wir EuropĂ€er haben eine lange Tradition im Dialogisieren, vor allem mit den Arabern. Den Vorsprung an Erfahrung wirst Du nie mehr aufholen können, aber ein wenig Übung wird Dir in Weide- oder vor AbgrĂŒnden vielleicht das Leben retten. Also höre:

"Du solltest gleich zu Anfang grundsĂ€tzlich eines lernen: Dialog heißt nicht, dass Du blöken kannst, wann immer Du meinst, sondern dann, wenn ich Dir Blökrecht erteile. Das Sagen habe nĂ€mlich ich. Wenn Du spĂ€ter draußen bist und mit anderen Menschen oder Schafen einen Dialog fĂŒhrst, dann sollst Du die Rolle spielen, die ich jetzt hier ĂŒbernehme. Hast Du verstanden?" Nun nehme ich an, dass ich blöken darf: "Ja, habe verstanden!"

Ich werde mißtrauisch. Dialog heißt offensichtlich, dass es sich nicht um Partner handelt, sondern um eine Herrschaftsbeziehung. Das lernt schaf schnell. Ich muß sehen, dass ich in dem kommenden Dialog so tue, als wenn ich mich mit meiner Position als gelehriger SchĂŒler begnĂŒge. Die Araber werden aber doch auch nicht blöd sein und das gemerkt haben, oder?

"Ich fĂŒhre also jetzt mit Dir eine Art ´Euro-Arab Dialogue´, damit Du lieb zu mir bist und alles machst, was ich will. Hast Du etwas dazu zu blöken?"

"Ja klar: was haben denn die EuropĂ€er zu bieten? Ich denke, sie sind diejenigen, die von der GroßzĂŒgigkeit der Araber abhĂ€ngen, die haben doch das Öl. Wenn ich die wĂ€re, dann zöge ich die EuropĂ€er aber ĂŒbers Gatter, ich meine, ĂŒbern Tisch." Nun habe ich es also doch nicht fĂŒr mich behalten, was ich meine. Ich bin nicht so gerissen wie die Menschen.

"Weißt Du, Schaf", antwortet meine Herrin enttĂ€uscht, "Du bist ein Spielverderber; denn Dir kann ich schon jetzt nicht mehr vormachen, ich wĂ€re in der stĂ€rkeren Position. Die EuropĂ€er hingegen sind bis heute der Ansicht, dass sie mit ihrem dĂ€mlichen Spiel gewinnen: Macht und Ansehen und Anteile aus dem Kuchen der USA."

"Aber, sie sehen doch, dass Umarmungstaktik nicht heißt, dass sie die Araber umarmen, sondern diese sie. Du hast doch gerade einen Artikel von Bat Ye´or ĂŒbersetzt. Ich habe ihn gelesen und sehe, dass die Autorin unseren Landstrich abfĂ€llig ´Eurabia´ nennt."

"Schaf", lacht sie, "die EuropĂ€er sehen sich selbst als Teil von Eurabia. Sie nennen ihre Zeitschrift so: Eurabia. Es macht ihnen nichts aus, ihre eigene Kultur aufzugeben, die Unfreiheit der Scharia preisen sie als zu achtende kulturelle Andersartigkeit. Sie gestatten es nicht nur, dass sich in Europa exterritoriale vom Islam beherrschte Enklaven bilden, eine Art ´befreite Zonen´, in denen die europĂ€ischen Werte nichts mehr gelten, sondern sie werfen sich den Arabern an den Hals, um sich im Schatten der den Terrorismus stĂŒtzenden und finanzierenden Araber eine zweifelhafte Sicherheit zu erkaufen. Sie geben ihre Freiheit, ihre Selbstbestimmung und ihre WĂŒrde auf. ´Es hat nichts Tragisches, das ist ein sanfter Tod, auf kleinem Feuer´, um es mit William Montgomery Watt zu sagen."

"Wieso machen sie das denn", blöke ich ernstlich besorgt.

"Wichtig ist es, den USA mit allen Mitteln Macht abzujagen. Die EuropĂ€er breiten dazu den Arabern rote Teppiche aus. Wo sie gehen und stehen, verkĂŒnden sie ihre Freundschaft mit ihnen. Dazu grĂŒnden sie ganze Netzwerke von europĂ€ischen und euro-arabischen Institutionen, Versammlungen und AusschĂŒssen. Geld ist ihnen nicht zu schade, koste es, was es wolle. Sie werfen sich an die Araber heran bis zur Selbstverleugnung, ĂŒbernehmen deren Politik gegenĂŒber Israel, unterstĂŒtzen den Terror der PalĂ€stinenser, in dem sie den als notwendigen ´Freiheitskampf´ adeln. Die ´FreiheitskĂ€mpfer´ fĂŒhren einen gerechten Krieg, eine Art Dialog mit Waffen und SprenggĂŒrteln. Das unterstĂŒtzen die EuropĂ€er nun schon seit dreißig Jahren."

"Und was ist fĂŒr sie nun wirklich herausgekommen bis heute?" blöke ich zweifelnd.

"Nichts Gutes, Schaf, nichts Gutes. Sie werden als Vermittler nicht ernst genommen, sondern abgelehnt. Ihre zahlreichen ´Dialoge´ mit den Arabern werden als das erkannt, was sie sind: einseitige Parteinahme, Unterwerfung unter die Bedingungen der Araber - nicht Partnerschaft mit ihnen. Ihre plumpen Versuche obendrein, in der Region des Nahen Ostens durch militĂ€rische PrĂ€senz im PalĂ€stinensergebiet an Einfluß zu gewinnen und somit Israel zu bedrohen, setzen dem die Krone auf. Dann könnten sie auch dort in eine unbewaffnete Menge schießen, wie die Franzosen das Anfang November in der ElfenbeinkĂŒste tun. Sie könnten endlich das tun, was sie Israel immer unterstellen."

"Herrin", blöke ich leise, "wenn das so ist, möchte ich keinen Dialog mit Dir fĂŒhren."

Blök!
Euer Schaf
dialogresistent

2. Dezember 2004

Zum Thema werfe ich Euch einiges aus meinem Pferch hin:

Eurabia - partie 1 - Le dialogue Euro-Arabe et la naissance d´Eurabia. Harissa.com, Site juif tunisien
http://harissa.com/D_forum/Autres/eurabia.htm

The Euro Arab Dialogue and the Birth of Eurabia, by Bat YeÂŽor
http://www.dhimmitude.org/archive/by_eurabia_122002_eng.doc

L´Esprit d´Eurabia, par Bat Ye´or. France-Echos, vendredi 16 juillet 2004
http://france-echos.com/actualite.php?cle=1216

Bericht der Kommission an den Rat und das EuropĂ€ische Parlament. Jahresbericht ĂŒber die DurchfĂŒhrung des Meda-Programms 2000. KOM (2001)
http://europa.eu.int/comm/europeaid/reports/meda_2000_de.pdf

Presidency Conclusions for the Euro-Mediterranean Meeting of Ministers of Foreign Affairs, The Hague, 29-30 November 2004. Council of the European Union, 14869/04, Brussels, 30 November 2004
http://europa.eu.int/comm/external_relations/euromed/conf/ha gue/conclusions.pdf

EU versucht, Friedensprozeß im Nahen Osten zu fördern, von Katja Ridderbusch. Die Welt, 30. November 2004
http://www.welt.de/data/2004/11/30/367468.html


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