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Gudrun Eussner
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Was das Schaf zu blöken hat...├Âken hat...

Polygamie oder Monotonie?

Liebe Freunde!

Warum ist es immer so, da├č schaf nie in ungetr├╝bten Freuden leben kann? Gerade bin ich bester Laune, da ... Aber der Reihe nach!

Meine Herrin l├Ą├čt mich, nachdem ich nun schon lange quengele, hin und wieder aus dem Pferch. Sie bestimmt nicht einmal, wann ich zu Hause zu sein habe. "Schaf", sagt sie, "du bist an die Leckereien in deinem Trog gew├Âhnt. So mache ich mir keine Sorge, da├č du mir abhanden kommst." Ich stelle meine Ohren auf: sie m├Âchte gern, da├č ich zur├╝ckkomme. Ja, h├Ąngt sie vielleicht an mir? Das verbirgt sie aber immer sehr gut.

Ob dieser neuen Gewi├čheit befl├╝gelt, eile ich beschwingter Klaue aus Pferch und Haus, in die Weiten der wogenden Wiesen - in die Freiheit. Dort treffe ich einen ├Ąlteren Esel, der gerade seinem Herrn entwischt ist, und wir kommen ins Plaudern ├╝ber mein aktuelles Thema: die Polygamie.

"Wie kommst du denn darauf?" fragt der Esel. "Du scheinst nicht einmal eine einzige Schafsbraut zu begl├╝cken, und da redest du schon begeistert von zwei, drei, vieren? Na, da trifft er mich auf der falschen Klaue. Es stimmt, ich habe die sch├Âne Schafsbraut aus dem Baskenland schon lange aus den Augen verloren und inzwischen vernommen, da├č sie die Angetraute eines Bockes ist, der aus Altersschw├Ąche nicht einmal mehr f├╝r die Armenk├╝che taugt. Aber ein Gutes hat das f├╝r sie: der nimmt sich kein zweites oder gar drittes Schaf zur Frau. Der Esel bringt mich auf den Gedanken: Vielleicht polyandre ich doch noch dahin und bespringe die Sch├Âne?

"Und was ist mit dir?" frage ich den Esel, "du scheinst doch auch keine Eselin dein eigen zu nennen - oder hast du hier eine versteckt?" "Nein", ich bin froh, "endlich allein zu sein und mir die Eseleien vom Fell zu halten." Ich bl├Âke suffisant, auf seinen lang ausgefahrenen Stengel starrend: "Ach, du bist der Esel mit den saueren Trauben?" Da wird er t├╝ckisch und will doch tats├Ąchlich nach mir ausschlagen!

Also: die Polygamie.... Ich verabschiede mich von dem heimt├╝ckischen Esel und trotte nach Hause, in meinen Pferch.

Kaum angekommen, geht das Gewitter los: "Schaf, wo sind die Zettel, die ich vor deinen Pferch gelegt hatte, ├╝ber die Polygamie?" Ich bl├Âke ahnungslos: "???" Sie legt nach: "Wo hast du sie verbuddelt, bl├Âke endlich!" Da merke ich, da├č es ihr ernst ist. "Herrin, meinst du das Papier von diesem Mansur? Ist das der Perser Husain Ibn Mansur al-Hallaj, der Baumwollhechler? Welch ein wunderbarer Mann! ┬┤Ana┬┤l- Haqq┬┤, ich bin die Wahrheit, meint der. ┬┤Ich bin derjenige, den ich liebe┬┤, sagt der ..." (1)

Da rastet sie aus: "Nein, der ist das nicht, der wird f├╝r seine Spr├╝che 922 in Bagdad geh├Ąngt. Ich meine diesen selbsternannten Leiter der spanischen Konvertiten und marokkanischen Immigranten Mansur Abdussalam Escudero." Ich ├╝berlege: "Ach, du meinst den von der Izquierda Unida - oder war er bei den Kommunisten?" Da steigen ihr fast die Tr├Ąnen in die Augen. "Schaf", sagt sie, "es ist einer von den ehemaligen Linken, die F├╝hrung, Heil und finanzielle Sicherheit jetzt im Islam finden und die arabisch- oder t├╝rkischst├Ąmmigen Immigranten benutzen wollen, um mit deren Hilfe die ihnen verha├čte kapitalistische Gesellschaft zu beseitigen und an die Macht zu gelangen. Es ist einer wie dieser Sulaiman Wilms, von der Sekte Murabitun, der Chefredakteur der ┬┤Islamischen Zeitung┬┤. Er erh├Ąlt inzwischen eine Plattform auf dem als links geltenden "Trend", um dort seine verworrene Analyse ├╝ber ┬┤sektiererische Linke┬┤ auszubreiten. (2)

Sie werden entweder von den wahhabitischen Saudis, vom alavitischen K├Ânigshaus von Marokko, den schiitischen Iranern oder von den sunnitischen Golfemiraten finanziert, die einen warmen Petrodollar-Regen ├╝ber sie ausgie├čen."

Ich bin beeindruckt. "Also, wo ist das Papier", fragt sie streng und erg├Ąnzt: "Schaf, ich h├Ątte es wissen k├Ânnen. Diese Linken, sie waren nie anders, immer autorit├Ątsh├Ârig, immer frauenfeindlich, und viele von ihnen antisemitisch. Die Juden, das sind f├╝r sie die Vertreter des kapitalistischen Systems, des ┬┤raffenden Kapitals┬┤."

"Waren denn die Linken fr├╝her auch f├╝r Polygamie?" frage ich verschreckt. "Nein, aber sie waren Machos, die kaum Frauen duldeten. Du siehst das heute noch bei den Gr├╝nen." "Wieso, bl├Âke ich, "da sind doch reichlich Frauen." "Ja, sie d├╝rfen ausf├╝hren, was der gr├╝ne M├Ąnnerbund unter Anleitung des Joschka Fischer beschlie├čt."

"Der geh├Ârt auch zu den Polygamisten, nicht?" frage ich. "Nein, noch nicht, der mu├č sich jedesmal scheiden lassen; denn erstens ist bei uns noch nicht die Scharia eingef├╝hrt, und zweitens ist er kein Muslim." "Da w├╝nsche ich ihm aber, da├č die Scharia bald bei uns eingef├╝hrt wird, und da├č er Muslim wird. Dann spart er f├╝rderhin viel Geld f├╝r teuere Scheidungen."

Ich wei├č nicht, warum meine Herrin jetzt ausrastet: "Schaf", kreischt sie, "es geht im konkreten Falle darum, da├č sich eine Bande ehemaliger Linker in Spanien darin versucht, die marokkanisch-st├Ąmmigen Immigranten in den Griff zu bekommen und mit ihnen gemeinsam die b├╝rgerliche Demokratie aus den Angeln zu heben. Sie haben dabei volle Unterst├╝tzung von ehemaligen Genossen vom Partido Comunista und der Izquierda Unida, die offensichtlich nicht begreifen, da├č bei Gelingen kein Sozialismus, sondern finsterstes Mittelalter einzieht.

Die Konvertiten setzen bei der Polygamie an. Da beziehen sie sich auf die Torah, das Neue Testament und auf orthodoxe Christen Amerikas, die seien auch f├╝r die Polygamie. " (3)

"Das glaube ich ├╝berhaupt nicht!" bl├Âke ich. "Aber ja, Mansur Abdussalam Escudero beruft sich ausdr├╝cklich auf den katholischen amerikanischen Anthropologen Philip Leroy Kilbride; der schreibt 1994 den hochgelobten Bestseller ┬┤Plural Marriage for Our Times. A Reinvented Option?┬┤. Die Polygamie sei die L├Âsung f├╝r einige M├Ąnner der amerikanischen Gesellschaft, vor allem f├╝r die Farbigen, und besonders im Zeichen der Krise der Familie. Sie sei dazu da, die Ehefrau und die Kinder zu sch├╝tzen und zu unterst├╝tzen. Das meinen auch konservative evangelikale Polygamie-Aktivisten, die sich ├╝ber die Wiederwahl George W. Bushs freuen. (4)

Ich wundere mich: Frau und Kinder sch├╝tzen k├Ânnten diese M├Ąnner doch bei einer Scheidung ebenfalls. Sie m├╝├čten nur angemessen zahlen. Die Frau k├Ânnte arbeiten, finde ich. Meine Herrin scheint meine Gedanken zu erraten: "Nein, Schaf, es geht hier um eine Scheidung, die von der Ehefrau gewollt wird. Sie wollen weiter die Verf├╝gungsgewalt ├╝ber die Frau haben und das Geld f├╝r die Scheidung sparen. Au├čerdem ist ihr Stolz verletzt, wenn sich die Frau scheiden lassen will. Was sollen die Familie und die Nachbarn denken?"

"Und was ist, wenn der Mann sich scheiden lassen will?" frage ich versch├╝chtert. "Wenn der sich von der Frau scheiden lassen will, dann geht das ganz schnell. Er verst├Â├čt die Frau - und fertig. Das ist ebenfalls das Recht nach der Scharia."

"Steht denn etwas davon auf den Zetteln, die du suchst?" frage ich. "Nein, von Versto├čen steht da nichts, das t├Ąte auch der Argumentation nicht gut. Der Konvertit macht nur klar, da├č Vielm├Ąnnerei nach dem Koran nicht in Frage kommt."

"Da k├Ânnen die Frauen aber froh sein", bl├Âke ich, "dann brauchen sie nicht mitzuhalten in dem Wettkampf, wer die meisten Ehepartner hat. Wieviele darf denn jeder Mann haben?"

"Werd┬┤ nicht albern, Schaf, der Typ hat genug drauf, wovon einem die Haare zu Berge stehen k├Ânnen. Er will alle Vorteile der Demokratie zu ihrer Abschaffung nutzen. Er meint, ein akonfessioneller Staat habe die verfassungsm├Ą├čige Pflicht, die religi├Âsen Praktiken aller Konfessionen und Glaubensrichtungen zu sch├╝tzen, wozu bei den Muslimen die Vielweiberei geh├Âre. Bei einigen konservativen Christen auch, sollte schaf erg├Ąnzen. In einer Gesellschaft, die Prostitution und au├čereheliche Liebschaften toleriere, sei es nicht verst├Ąndlich, warum die Polygamie verboten sei.

Dabei macht er indirekt deutlich, da├č er nichts von Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von M├Ąnnern und Frauen h├Ąlt; denn diese werden als minderwertige, zu sch├╝tzende Wesen halluziniert, die sich dem Manne in der Ehe zur Verf├╝gung zu halten haben. Er will Juden und Christen eine Diskussion ├╝ber die Einf├╝hrung der Polygamie aufn├Âtigen. Dabei k├Ânne auch die Rolle der Frau in jeder der Konfessionen vertieft werden. Aber lies selbst!"

Das tue ich, und mir wird schlecht. (5)

Da aber kommt mir ein wunderbarer Vorschlag von Daniel Pipes unter die Klauen. Den hat er schon im August 1993 gemacht:
"Die Scharia anzuwenden, w├╝rde den M├Ąnnern erlauben, sich scheiden zu lassen, wann sie wollen, die Kinder zu behalten und der geschiedenen Frau den Unterhalt zu verweigern. Sie w├╝rde ebenfalls die Polygamie f├╝r M├Ąnner gesetzlich zulassen. Das wirft eine weitere Frage auf: wenn Muslime den islamischen Familiengesetzen unterworfen sind, warum dann nicht auch ihren eigenen Strafgesetzen, einschlie├člich das Handabhacken bei Dieben und die Steinigung von Ehebrechern?" (6)

Bl├Âk!
Euer Schaf
medreseli

15. Februar 2005

In der Medrese habe ich das aufgest├Âbert:

(1) Husain Ibn Mansur al-Halladsch (858-922)
http://www.litlinks.it/hx/halladsch.htm

(2) Hintergrund: Wenn Islamkritik zur Ideologie wird. Warum ein kleiner Teil der ├╝berlebenden Linken die Muslime als neuen Feind auserkoren hat. Von Sulaiman Wilms, Berlin. Trend Onlinezeitung 01/05
http://www.trend.infopartisan.net/trd0105/t280105.html

(3) Polygamy. ThruthBearer.org. Continuing the Reformation. Organization for Christian Polygamy
http://www.truthbearer.org/

Polygamy. Punishing Honesty and Rewarding Deception? Edited by Rabia Mills
http://muslim-canada.org/polygamy.html

Women in Islam versus Women in the Judeo-Christian Tradition. The Myth and The Reality. Part 14 - Polygamy? By Sherif Abdel Azim, Ph.D. - Queens University, Kingston, Ontario, Canada
http://www.islamicity.com/mosque/w_islam/poly.htm

(4) Christian Polygamists Rejoice at 2004 Election. Pro-Polygamy.com,
November 07, 2004
http://www.pro-polygamy.com/articles.php?news=0027

(5) La poligamia está más extendida en nuestra sociedad que en la musulmana, según Mansur Escudero. Entrevista por Hashim Cabrera. WebIslam Número 277,
4 de Febrero de 2005/ 24 Dhu┬┤l Hiyya 1425
http://www.webislam.com/?idt=38

(6) Muslims in the West: Can Conflict Be Averted? I. Separatism. By Daniel Pipes and Khalid Durán. United States Institute of Peace. August 1993
http://www.danielpipes.org/article/232


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