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Was das Schaf zu blöken hat...Was das Schaf zu blöken hat...

Minu Barati

Liebe Freunde!

Wie Ihr Euch denken könnt, lasse ich meine Herrin nicht allein, wenn sie es sich antut, im Sender PHOENIX von morgens 10 Uhr an den Klamauk um die Eröffnung des Berliner Holocaust-Mahnmals zu verfolgen. Ich kann es einfach nicht ertragen, wie sie leidet. "Warum tust du dir das an?" frage ich sie zögernd, "du weißt doch, was dich erwartet: vanitas, vanitas!"

"Ach, Schaf", antwortet sie müde, dieses Spektakel muß ich dennoch sehen, ich weiß auch nicht, was das ist, aber es geht ein Reiz davon aus. Vielleicht bin ich ja masochistisch?"

"Was ist das denn?", frage ich sie; denn ein solches Wort habe ich noch nie gehört. Da wirft sie mir das Duden-Fremdwörterbuch in den Pferch und meint, ich könnte das wohl selbst nachschlagen. Gemein!

Als ich zu Ende gelesen habe, weiß ich nicht, ob ich nicht auch masochstisch bin, weil ich bei meiner launischen Herrin bleibe, die mich mal heiß&innig liebt und meine Öhrchen krault, mal mit Kochtopf und Spieß droht und mal apathisch geradeaus stiert, als wenn es mich nicht gäbe.

Sie wirft also den Ferni an, und wir sind zunächst einmal frustriert; denn der ehrenvolle Leo-Baeck-Preisträger 2004 Joschka Fischer läßt seine Bewunderer im Ballsaal des Hotels Adlon auf sich warten. Dann aber geht´s los und mir die Augen über. Welch eine bildschöne junge Frau sitzt neben unserem Außenminister? Ist es seine lange geheimgehaltene Tochter, wie seinerzeit bei François Mitterand? Ich werde ganz fickrig. Von welcher der vier Ehefrauen sollte die denn sein? Gerade will ich meine Herrin fragen, da hilft mir Paul Spiegel höchst selbeigen weiter; denn er redet den Außenminister an und "seine charmante Partnerin".

"Ja, Schaf," grinst meine Herrin maligne, "du warst eben nicht auf dem Bundespresseball, sonst wüßtest du mehr!" Dann zeigt sie mir die Fotos aus dem Focus. (1)

"Ich weiß ja nicht, wie weit es mit der Intelligenz der Menschen her ist, aber eins weiß ich, der Verstand der Männer und vieler Schafböcke schaltet aus, wenn es um Sex geht. Meiner natürlich nicht, ich bleibe immer cool. In letzter Zeit haben meine Herrin und ich einige Beispiele erlebt, was das angeht: Wenn der Mann ficken will, dann wird alles um ihn herum unwichtig, dann stört es ihn nicht, sich lächerlich zu machen mit schrillen oder merkwürdigen Frauen, die Freunde werden ausgeblendet und gelten nichts mehr, und seine sämtlichen Koordinaten geraten durcheinander," blöke ich so vor mich hin.

"Halt du nur die Schnauze", schneidet meine Herrin mein empörtes Geblöke ab, "du bist doch nicht besser. Was war denn mit deiner Liebsten im Baskenland? Für die bist du doch sogar durch einen Schneesturm getrottet, um sie zu bespringen. Es hat dich nicht im geringsten gehindert, daß sie mit diesem alten Bock verheiratet ist, der nicht einmal mehr für den Kochtopf der Armenküche in Frage kommt. Hast du es vergessen?"

Ich schweige. Nun werde ich neugierig. Wirft nicht Joschka Fischer seinem Amtsvorgänger Klaus Kinkel und seinem "kritischen Dialog mit dem Iran" im Zusammenhang mit dem terroristischen Anschlag im Berliner Restaurant Mykonos fehlgeschlagene Politik vor und meint, er könne das besser?

Am 17. September 1992 stürmen zwei bewaffnete Attentäter das Berliner Restaurant. Es sind, wie sich später herausstellt, zwei Geheimdienstleute im Auftrag der iranischen Regierung. Sie erschießen vier Mitglieder der oppositionellen Demokratischen Partei Kurdistan-Iran. Ein Mitglied erscheint auf Grund von Terminschwierigkeiten in letzter Minute nicht zu dem Treffen. Der Platz, wo dieses Mitglied sitzen sollte, wird von Kugeln durchsiebt. Der wie durch ein Wunder davongekommene ist Dr. Mehran Barati oder auch genannt Dr. Nosratollah Barati-Novbari, der Vater der jetzigen Geliebten des Außenministers Joschka Fischer. (2)

Über den Prozeß zum Attentat im Restaurant Mykonos wird beim wissenschaftlichen LIT Verlag ein Buch veröffentlicht, das der Verlag so ankündigt:

"1992 ermordeten Terroristen im Berliner Restaurant Mykonos vier iranische Oppositionspolitiker. In einem weltweit beachteten Urteil bezichtigte das Berliner Kammergericht den Iran, den Terrorakt befohlen zu haben. Nach einem jahrelangen, zähen Prozeß wurde der Richterspruch gelobt als "Sieg der Gerechtigkeit über die Macht des Staates". Tatsächlich stand das Verfahren nicht nur unter dem Druck des Teheraner Regimes, das Zeugen bedrohte und die Staatsanwälte mit Todesdrohungen einzuschüchtern versuchte. Die Justiz war auch mit Widerständen und Manipulationsversuchen seitens der Bundesregierung und ihrer Nachrichtendienste konfrontiert. In dieser Studie gelingt erstmals der Nachweis, daß die Regierung Kohl/Kinkel, die über Jahre Ahnungslosigkeit vorgab, von Anfang an über die staatlichen Drahtzieher des Attentats im Bilde war. Damit stehen der Mykonos-Prozeß sowie viereinhalb Jahre deutsche Außenpolitik in einem neuen Licht." (3)

Wie recht Autor und Verlag mit dieser Einschätzung haben, möge die Kleine Anfrage von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zeigen, aus der hervorgeht, daß die CDU/FDP-Regierung des Bundeskanzlers Helmut Kohl im Iran ausgebildete Attentäter der Hezbollah durch Wegsehen deckt. (4)

Schaf hat nun einen Eindruck, wie sich die Politik ändern würde, wenn 2006 ein Regierungswechsel stattfände: gar nicht. Blök!

Was aber ist mit dem verliebten Gockel, dem Coureur de femmes Joschka Fischer, der so beliebt ist bei dem israelischen Friedensaktivisten und Traktorfahrer Amos Oz, daß der lässig, von oben nach unten, in seiner Laudatio zur Verleihung des Leo-Baeck-Preises über den ehemaligen Taxifahrer erklären kann: "Ich mag diesen Mann"? (5)

"Dieser Mann" steckt seit geraumer Zeit mitten im iranischen Gewühl, im Scholugh. Von schönen jungen Frauen abhängig und politisch geschwächt kann man ihn leicht manipulieren, was Dr. Mehran Barati alias Dr. Nosratollah Barati-Novbari glänzend versteht. Er ist Mitglied eines "provisorischen Zentralrates der neuen politischen Bewegung Irans ´Ettehade Jomhourikhahane Iran´, die sich vom 8. bis 10. Januar 2004 in Berlin konstitutieren wird", schreibt Daniel Behruzi in der "Jungen Welt", am 24. November 2003. (6)

Das nationalbolschewistische Käseblättchen "Junge Welt" ist überall begeistert dabei, wo es etwas über rotbraune und/oder antisemitische Aktivisten zu berichten gibt. Mehran Barati ist ein solcher Aktivist. Flüchtling vor dem Schah-Regime kommt er Anfang der 60er Jahre nach Deutschland und nennt sich hier mullahkonform Nosratollah, Gelöbnis und Versprechen Allahs. Unter diesem Namen stellt ihn uns jetzt "Cicero" vor, das "Magazin für politische Kultur". (7)

Warum nennt er sich in linken Kreisen Mehran Barati und in einem Brief der EJI, der Unity for a Democratic and Secular Republic in Iran, an das Europaparlament Mehran Barati-Novbari? (8)

Als Dr. Mehran Barati tritt er bei der Gründungsversammlung der EJI, am 8. Januar 2004, im Henry Ford Bau der FU Berlin auf und gibt einen Bericht über die internationalen Aktivitäten der EJI. Seine Tochter Minu Barati ist seine Mitstreiterin. (2)

Mehr als 750 Personen, Politiker, Wissenschaftler und Künstler aus dem Iran und aus Europa, Australien und den USA, vom rechtsextremen bis linken Spektrum, nehmen an der dreitägigen Versammlung teil, auf der erlauchte Persönlichkeiten zu Wort kommen. Der Politologe Prof. Dr. Dieter Narr, FU Berlin, begrüßt die Teilnehmer, der ehemalige stellvertretende Bürgermeister von Berlin Dr. Gregor Gysi von der PDS ist der erste Gastredner des zweiten Versammlungstages. Die nächsten Sprecher sind Dr. Klaus Linsenmeier, von der Heinrich-Böll-Stiftung, und Dr. Leonidas Vrachliotis, europäischer Repräsentant der griechischen Sozialistischen Partei. Der Politologe Professor Dr. Hajo Funke, FU Berlin, bestreitet den Rest des Vormittags. Er ruft die EU auf, den "kritischen Dialog mit der islamischen Republik" fortzuführen und "betont dabei die Bedeutung der Menschenrechte als Teil des Dialogs". Das wird die Mullahs in Teheran freuen.

Joschka Fischer, zukünftiger Schwiegersohn des Dr. Mehran Barati alias Dr. Nosratollah Barati-Novbari, schickt Dr. Peter Reuss, einen für Menschenrechte und humanitäre Hilfe zuständigen Beamten seines Ministeriums, des Auswärtigen Amtes, in die Versammlung der angeblichen Oppositionellen, wo er eine kurze Unterstützungsrede hält.

Es folgt eine Pressekonferenz. Dann läßt "Dr." Claudia Roth, die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, weil sie krank ist, von einem ihrer Mitarbeiter, Ali Mahjubi, ein Statement verlesen. Die Iran Connection reicht bis ins Entscheidungszentrum der Bundesregierung und der Grünen. Weitere Grußbotschaften aus aller Welt werden verlesen.

AFP berichtet von der Versammlung: " ´Alle europäischen Institutionen und politischen Parteien sollten zusammenkommen und Irans demokratische Oppositionspartei unterstützen´, sagte einer ihrer Sprecher, Nosratollah Barati-Novbari. Er rief auch den UN-Sicherheitsrat auf, sich einzuschalten." (9)

Für wie doof halten die mich Schaf? Seit wann nehmen offizielle Vertreter der Regierung an Veranstaltungen einer Opposition teil, die eindeutig beabsichtigt, die Mullahregierung im Iran abzuschaffen? So titelt denn auch die schahtreue "Organisation der nationalen liberalen Befreiungskräfte Irans" des Badredin Dayani anläßlich des Besuches des iranischen Außenministers Dr. Kamal Kharazi: "Einweihung der Partnerschaftsagentur des islamischen Mullah-Regimes in Berlin, am 16. Februar 2005". Der iranische Außenminister wird als Brautwerber vorgestellt und die "Hochzeitsmusikanten" sind "der große Führer der islamischen Republik Iran" Ayatollah Sayyed Ali Khamenei, Geheimdienstminister Ali Fallahian und der ehemalige Staatspräsident und heutige unbestrittene Favorit der Präsidentschaftswahlen, im Juni 2005, Ali Akbar Hashemi Rafsanjani. (10)

Badredin Dayani muß es wissen. Der Schah und sein SAVAK sind ihm bestimmt Richtlinie bei der Einschätzung der Aktivitäten der iranischen Mullahregierung und deren Geheimdienstes. "Iran sucht das Einverständnis der EU zur Entwicklung seines Nuklearprogramms nach dem ´japanisch/deutschen Modell´, d.h. einen nuklearen Brennstoffzyklus zu erreichen, bei dem in drei Monaten die Bombe einsatzfähig wäre", faßt A. Savyon, Direktor des Iranmedienprojektes von MEMRI, die Aktivitäten der "Partnerschaftsagentur" zusammen. (11)

Deutschland leistet sich einen Außenminister, der zum diplomatischen Problem werden könnte, es sei denn, die Oppostition EJI ist gar keine, oder der Außenminister ist nicht mehr lange auf seinem Posten. Dann aber wird auch Minu Barati, das Miezekätzchen, jedes Interesse an dem ältlichen Fettkloß verlieren und ihre Streicheleinheiten woanders suchen und finden. Armer Joschka, schaf kann Dich nur bedauern. Demnächst mußt Du fürs Ficken wieder bar bezahlen!

Blök!
Euer Schaf
Klatschkolumnist

11. Mai 2005

Geflüster auf diplomatischem Parkett

(1) Joschkas Geliebte, die bildhübsche Minu B. FocusOnline
http://focus.msn.de/hps/fol/article/article.htm?slide=1&inte rface=slide&id=10794

(2) Foreign minister and the Iranian rebel: Germany´s oddest couple. By Justin Sparks, The Sunday Times, 11 October 2004. Iran Expert
http://www.iranexpert.com/2004/germany10november.htm

(3) Norbert Siegmund: Der Mykonos-Prozeß. Ein Terroristen-Prozess unter dem Einfluss von Aussenpolitik und Geheimdiensten Deutschlands unkritischer Dialog mit dem Iran. Reihe Politikwissenschaft Bd. 73, 2001
http://www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-6135-x

(4) Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Amke Dietert-Scheuer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drucksache 13/3098 Mögliche Beteiligung iranischer Sicherheitsbehörden am "Mykonos"-Anschlag. Deutscher Bundestag: Drucksache 13/3393 vom 21.12.1995
http://dip.bundestag.de/btd/13/033/1303393.asc
(5) "Ich mag diesen Mann", von Mariam Lau. Welt.de, 11. Mai 2005
http://www.welt.de/data/2005/05/11/717032.html

(6) Iran nach Studentenprotesten: Stehen soziale Unruhen bevor? Von Daniel Behruzi, Junge Welt, 24. November 2003
http://www.jungewelt.de/2003/11-24/016.php

(7) Königin Luise, Mykonos und die Liebe. Von Markus C. Hurek. Cicero. Mgazin für politische Kultur, 30. März 2005
http://www.cicero.de/97.php?ress_id=4&item=548

(8) Letter to the President of the European Parliament Mr. Pat Cox, 12 May 2004. Ettehade Jomhourikhahane Iran (EJI). Herndon, VA 20172 USA, and 1090 GP Amsterdam, Holland
http://jomhouri.com/plus/documents/eji2eu5-04.htm

Oral History Project Iran. Interviews with Iranian left activists. Short biographical note: Barati Mehran. Video. International Institute of Social History
http://www.iisg.nl/image_sound/video/iran.html#BARA

(9) Ettehad Jomhourikhahane Iran (EJI) - Unity for a Democratic and Secular Republic in Iran. Founding Assembly Report
http://jomhouri.com/plus/documents/ejiassemblyreport_01-21-2 004.htm

Iranian opposition figures call for EU support, AFP, EU business, January 9, 2004
http://www.eubusiness.com/afp/040109152409.puccanol

(10) Einweihung der Partnerschaftsagentur des islamischen Mullah-Regime in Berlin, am 16. Februar 2005. Badredin Dayani
http://www.dayani.de/Sefarat%2016%20Feb%202005%20.pdf

A Brief Biography of the Life of His Eminence Ayatollah Khamenei, the leader of the Islamic Republic of Iran
http://www.khamenei.ir/EN/Biography/index.jsp

(11) Iran. Ministry of Security Savak. FAS Intelligence Resource Program
http://www.fas.org/irp/world/iran/savak/

Iran Seeks EU Consent for Modeling Its Nuclear Program on the ´Japanese/ German Model ´- i.e. Attaining Nuclear Fuel Cycle Capabilities Three Months Short of a Bomb. By: A. Savyon, MEMRI, February 23, 2005
http://memri.de/uebersetzungen_analysen/laender/iran/iran_at om_EU_23_02_05.html


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