 
Wir verreisen nach Devon Island!
Liebe Freunde!
Ich habe es geschafft, meine Herrin zu überreden, mit mir bis Mitte Juni gemeinsam zu verreisen; denn ich will auch mal raus. Sie sollte mich nicht immer im Pferch einsperren; sie sähe doch, was aus mir armem Schaf würde, oder? Blök!
Ich bin allerdings etwas irritiert, daß sie so schnell einverstanden ist, mich auszuführen. Das entspricht gar nicht ihren ständigen humorlosen Nörgeleien über mich und mein angeblich ausschweifendes Leben. Kaum werde ich initiativ und trabe ein wenig in die hügeligen Weiten der Pyrenäen, finde eine willige Gefährtin, mit der ich die Gegend aufmische, und boxe mit zwei, drei scharfen Schafböcken, da läßt sie mich nicht mehr allein ziehen. "Schaf", sagt sie,"du nutzest meine Großzügigkeit nur aus. Deine Verfehlungen in der Gegend um Tarbes sind bis zu mir gedrungen, ja, man vermutet dort gar, daß du aus dem Stalle des d´Artagnan stammst. Du sollst auch beteiligt sein an dem Diebstahl einer Perlenkette, die du deiner Liebsten, diesem trampligen Wollknäuel verehren wolltest."
Ich bin fix&foxy. Wie kann sie solches von mir annehmen? Einer Perlenkette bedurfte es gar nicht; denn das schrille Fräulein war eh zu jedem Spaß bereit.
"Herrin", frage ich leise, "wohin fährst du denn mit mir? Ich bin neugierig." Da antwortet sie grinsend und zeigt mir ein paar Fotos mit richtig geil aussehenden Kanälen: "Wir fahren in die Klippen von Devon Island, wo du herrliches fließendes Wasser vorfinden wirst, zumindest in Form von Eis."
Auf eine wasserreiche Insel, schön, aber warum gerade dorthin? "Dort gibt es weder weiße noch schwarze Schafe und nur einige Menschen in einem kleinen gelben Zelt", erwidert sie triumphierend. "Da kannst du dich voll und ohne jede Konkurrenz entfalten, du bist nicht das einäugige unter den blinden, sondern das hellsichtige unter gar keinen Schafen; denn, sag selbst, deiner Hellsichtigkeit brüstest du dich doch auch hier, in deinem Pferch, schon ständig, oder?"
Nun bekomme ich doch einen Schrecken. Zu fressen finde ich da gar nix. Will sie mich strafen, nur weil ich ein bißchen lebenslustiger bin als sie? Schafe sind nun einmal anders als Menschen! Wie kann mensch nur so intolerant sein?! Was soll ich mit den kalten Quellen? Soll ich bei lebendigem Leibe eingeeist und konserviert werden?
Mir schwant Entsetzliches. Ich bange um mein Leben. Meine humorlose Herrin nutzt das letzte Molekül ihrer fehlgeleiteten Intelligenz, um mir eins auszuwischen. Sie scheut sich nicht, sich dabei selbst zu strafen; denn sagt an, was kann mensch in solch einer unwirtlichen Gegend im dünnen Zelte anfangen?
Ich aber verliere mich vielleicht in einem Abenteuer ohne Wiederkehr.
Euch empfehle ich unsere Artikelarchive, da gibt es allerlei zu lesen, wobei ich nicht weiß, ob meine vor Kälte erstarrte Klaue jemals wieder einen Beitrag für mein Archiv zu Blatte bringen wird. Wenn nicht, wollet meiner gedenken.
Blök!
Euer Schaf
Opfer der Arktis, schon jetzt ganz klamm ...
20. Mai 2005
Das Archiv meiner Herrin
http://www.eussner.net/artikel_sectionindex.html
Mein Archiv !!!
http://www.eussner.net/schaf_sectionindex.html
Devon Island
http://faculty.washington.edu/wgold/devon.htm
Where is Devon Island?
http://www.arctic-mars.org/BACKGROUND/where.html
Arctic Island a Living Lab for Mars Science. By Leonard David, Space.com, 29 June 2000
http://www.space.com/scienceastronomy/solarsystem/mars_devon _island_000629_MB_.html
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