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Gudrun Eussner
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Was das Schaf zu blöken hat...öken hat...

Die "faucheurs volontaires" reißen wieder aus!

Liebe Freunde!

Meine Herrin vermutet mich vorm Ferni, bei der Tour de France, aber da Jan Ullrich nur noch Achter ist, achtern sieben besseren Fahrern, allen voran Lance Armstrong, und nicht einmal die Holzmedaille zu erwarten hat, finde ich als deutscher Heidschnuckenbock die Tour uninteressant. So schleiche ich mich in einem unbeobachteten Augenblick leiser Klaue aus dem Pferche, den meine Herrin zwar mit einem verzinkten Drahtknotengitter versehen aber die Pforte nicht richtig gesichert hat. WĂ€hrend sie sich die stumpfsinnige Rede des StaatsprĂ€sidenten Jacques Chirac zum Nationalfeiertag antut, bĂŒxe ich aus nach Verdun-sur-Tarn und Menville; denn da soll wieder was los sein. Ich werde nicht enttĂ€uscht. Blök!

Ihr erinnert Euch? Zuletzt berichte ich Euch im April ĂŒber meine Lieblinge, die "faucheurs volontaires", die freiwilligen Schnitter, um ihren AnfĂŒhrer JosĂ© BovĂ©. 222 Schnitter wollen freiwillig fĂŒr ihre Maisausreißerei vom 25. Juli 2004 abgeurteilt werden. An dem Tage reißen sie auf einem Versuchsfeld der Gesellschaft Pioneer unter den Augen zahlreich anwesender Journalisten und der völlig untĂ€tigen Polizei mit bloßen HĂ€nden den zu Versuchszwecken angebauten genverĂ€nderten Mais aus: eine Pflanze pro Ausreißer. Da JosĂ© BovĂ© anschließend mit seinen linksradikalen Kumpanen fĂŒr das "Nein" zur EuropĂ€ischen Verfassung trommeln muß, kann sein Prozeß nicht stattfinden. Er wird auf den 20. und 21. September 2005 verschoben, was neue Ausreißerei fĂŒr den Sommer 2005 gewĂ€hrleistet. Lest die weiteren Einzelheiten hier nach, wenn Ihr wollt: Der "ewige Wachposten" und die "freiwilligen Schnitter". (1)

Schon am 3. August 2004 blöke ich ĂŒber die Gesellschaft Pioneer, die auch diesmal wieder von JosĂ© BovĂ©, jetzt Schulter an Schulter mit dem Sprecher der Ligue Communiste RĂ©volutionnaire (LCR) Olivier Besancenot, heimgesucht wird, so daß ich mein Geblöke nur zu wiederholen brauche:

Wiederum trifft es die Gesellschaft Pioneer, und nun muß ich doch einmal darauf zu sprechen kommen, wer diese Pioniere sind. Pioneer Semences SAS, mit Sitz in Aussonne, DĂ©partement Haute-Garonne, ist eine Filiale von Pioneer Hi-Bred International, einer Tochtergesellschaft des in mehr als 70 LĂ€ndern tĂ€tigen 1802 gegrĂŒndeten Chemiekonzerns DuPont de Nemours, mit Sitz in den USA. Seit 1962 ist Pioneer im Bereich Verkauf, Marketing, Forschung und Saatgutproduktion in Frankreich tĂ€tig und beschĂ€ftigt 220 Mitarbeiter. (2)

Ob sie inzwischen noch 220 Mitarbeiter in Frankreich haben oder mit ihrer Forschung schon teilweise in die NeulÀnder der EU umgezogen sind, sagt mir Schaf keiner. Zweigstellen haben sie jedenfalls in 22 europÀischen LÀndern. (3)

Schon in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 2005 fallen anonyme "faucheurs volontaires" ĂŒber ein Versuchsfeld der Gesellschaft Pioneer GĂ©nĂ©tique her. Sie zerstören 202 qm genverĂ€nderten Mais und beschĂ€digen eine BewĂ€sserungsanlage. "Drei Versuche von vier der Gesellschaft Pioneer GĂ©nĂ©tique sind im Jahre 2004 zerstört worden, davon zwei anonym, laut dem Sprecher Jean Donnenwirth. ´Wir können nicht eine Handvoll Aktivisten weiter diese Versuche zerstören lassen, die in völliger Transparenz mit Genehmigung der Regierung und bei striktester Einhaltung der französischen Gesetze durchgefĂŒhrt werden,´ hat Jean Donnenwirth erklĂ€rt. 2004 wurde mehr als die HĂ€lfte der OGM-Versuche in Frankreich von den Anti-OGM-Mitgliedern zerstört." (4)

Die Schnitter bezeichnen ihre in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli durchgefĂŒhrten Aktionen als "prĂ€ventiv". Sie wird "in grĂ¶ĂŸter Heimlichkeit" von etwa zwanzig Mitgliedern der Bewegung durchgefĂŒhrt. Ein Feld von 5000 qm genverĂ€nderter Soja wird in Menville ausgerissen. Der Ort kennt solches schon. Die TĂ€ter "verlassen den Ort so ruhig, wie sie ihn betreten haben," schreibt Boursier.com. Das verstehen JosĂ© BovĂ© und seine Clique unter "offenen Gesichtern und gewaltlos". Am 15. Juli zeichnen 400 auf der Generalversammlung der OGM-Gegner anwesende Bundesgenossen, daß sie sich der MittĂ€terschaft bezichtigen. (5)

Eine weitere Aktion soll durchgefĂŒhrt werden. "Es handelt sich um eine gewaltlose Aktion. Es ist keine Frage, sich den OrdnungskrĂ€ften entgegenzustellen, wenn sie anwesend sind. Wir begnĂŒgen uns in dem Fall, den Ort fĂŒr eventuelle zukĂŒnftige Aktionen zu markieren," prĂ€zisiert JosĂ© BovĂ© auf der Generalversammlung. Seine Mitstreiter machen´s so, wie er sagt, und deshalb ĂŒberreicht JosĂ© BovĂ© die Liste mit den 400 Namen seiner Mitfreiwilligen sofort. Die Polizei unternimmt nichts. Das ist die französische Polizei in Aktion. Innenminister und oberster Polizist ist Nicolas Sarkozy, der angeblich in Frankreich aufrĂ€umen will. (6)

Die Polizisten haben nicht mit JosĂ© BovĂ© und seinen KĂ€mpfern gerechnet, die von ihrem Treffen in Verdun-sur-Garonne ins 30 Kilometer entfernte Menville aufbrechen und spĂŒrsicher das Feld finden. Es handelt sich um die vierte Operation dieser Art, eine in Tarn-et-Garonne und zwei in Le Loiret gehen voraus. Es ist ein Kampf gegen eine "Bastille de l´agriculture productiviste", gegen eine Bastille der gewinnorientierten Landwirtschaft. Mir Schaf ist es ganz neu, daß die französische Landwirtschaft ohne Gewinn arbeitet. Darum sind die Schlachter immer hinter mir her, weil sie mich selbst- und gewinnlos in den Kochtopf oder an den Spieß bringen wollen. Sie machen das zum Spaß, um mit meinem (!) Fleisch kostenlos die linksradikalen Maisausreißer zu fĂŒttern!

"OMG, Non, Non, Non !" skandieren diese Sepahis des Volkes der Neinsager und Verweigerer und werden dabei hungrig. Olivier Besancenot und JosĂ© BovĂ© sind friedfertige Menschen, die keine HĂ€ndel mit und Befragungen durch die Polizei wollten, schreibt L´IndĂ©pendant heute, am 16. Juli 2005, auf der Seite 15.

Bwaahahahaaaaaa ... blök!

Es handelt sich nicht nur, wie die Schnitter uns Schafen weismachen wollen, um die Verhinderung der Erforschung genverĂ€nderten Mais´, sondern um eine handfeste anti-amerikanische Tat. Wenn Frankreich schon nichts an Erfolgen vorzuweisen hat, dann sollen wenigstens US-Firmen am Erfolg gehindert werden. Der Neid des Jacques Chirac, der sich zur Zeit hauptsĂ€chlich auf Großbritannien kapriziert, wird somit durch Anti-Amerikanismus seiner "faucheurs volontaires" angemessen ergĂ€nzt.

Wer in den staatstragenden Zeitungen Le Monde und LibĂ©ration dazu Artikel der letzten Woche sucht, geht leer aus. Zu entsprechenden Schlagwörtern wie JosĂ© BovĂ©, Pioneer, faucheurs volontaires bekommt schaf dort keinerlei Angebote. Die Online-Ausgaben der BlĂ€tter schweigen sich aus ĂŒber die Kleinigkeit von durch 400 "faucheurs volontaires" auf 5000 qm VersuchsflĂ€che der Firma Pioneer ausgerissene Maispflanzen. DafĂŒr finden sich Artikel der Fernsehanstalten, der kommunistischen HumanitĂ©, des Nouvel Observateur sowie der zitierten linken Bella Ciao und der Börsenzeitung. Man erfĂ€hrt, daß es inzwischen 5000 zwischen 18 und 90 Jahre alte "faucheurs volontaires" gibt in Frankreich. Sie halten am Wochenende des Nationalfeiertages ihre Generalversammlung ab in Verdun-sur-Tarn, dem symbolischen Ort der ersten Maisausreißerei. Ein Vertreter des Parti Socialiste und der GrĂŒnen sind unter den Referenten zu drei Unterthemen. Aktionen werden im voraus angekĂŒndigt. Von offenen Gesichtern und Gewaltlosigkeit, wie JosĂ© BovĂ© das bezeichnet, kann allerdings keine Rede sein. Es sei denn, man hĂ€lt das anonyme Ausreißen von anderer Leute Pflanzen fĂŒr offen und gewaltlos. (5)

Ich Schaf halte das fĂŒr einen gewaltsamen kriminellen Akt. Blök!

Der verstĂ€ndnisvolle IndĂ©pendant bringt, gewissermaßen zur ErklĂ€rung der Aktionen der "faucheurs", in einem Kasten neben dem Bericht eine Information, die besagt, daß Frankreich und Deutschland dem Gesetz der EU ĂŒber die Verwendung und Zeichnung von genverĂ€nderten Lebensmitteln nicht nachkommen. Die ĂŒberschrittene Deadline sei der 17. Oktober 2002. Es wird nicht klar, wie das mit der SachbeschĂ€digung und Zerstörung der Forschungsergebnisse auf den Versuchsfeldern zu tun hat. Sollen sie damit verharmlost werden?

Wenn der Vertreter der Gesellschaft Pioneer Jean Donnenwirth also meint, man könne eine Handvoll Aktivisten doch nicht weiter diese Versuche zerstören lassen, so blöke ich: "Na, aber sicher geht das!"

Die Prozesse werden hinausgezögert, der Held JosĂ© BovĂ© braucht bislang keine seiner Strafen abzusitzen, sondern er kann sich weiter in der Zerstörung von Versuchsfeldern US-amerikanischer Gesellschaften betĂ€tigen. Das ist schon klar, als die Gerichtsverhandlungen auf nach der Sommerpause verschoben werden. Ein schöner Ausreißsommer 2005 steht den "Aktivisten" bevor. Auch die 222 der "faucheurs volontaires", die sich im vorigen Jahr selbst bezichtigt haben, brauchen nichts zu befĂŒrchten. Dem Prozeß vor dem Berufungsgericht in Toulouse, am 20. und 21. September, können die Angeklagten gelassen entgegensehen. Die Justiz wird doch nicht die wertvollen linksradikalen Kader aus dem Verkehr ziehen, die innen- wie außenpolitisch nĂŒtzlich sind, in dem sie dem PS Stimmen abjagen und den Konkurrenten aus den USA die Forschung zerstören!

Anfang des Jahres veranstaltet die französische Nationalversammlung eine Reihe von RundtischgesprĂ€chen "zur Verteidigung der Umwelt und zum Schutze der Verbraucher". Im ersten, am 25. Januar 2005, Ă€ußern sich Umwelt- und VerbraucherschĂŒtzer. Die ATTAC ist ebenfalls vertreten. Sie ist in Frankreich anscheinend inzwischen fĂŒr alles zustĂ€ndig. Das Mitglied des Vorstandes der ATTAC Dominique Mourlane vertritt die Interessen von ATTAC. Der Maisausreißer JosĂ© BovĂ© ist ATTAC GrĂŒndungsmitglied. Durch ihre Vertretung in solchen Gremien ist die ATTAC um Bernard Cassen und Jacques Nikonoff immer bestens ĂŒber alles informiert und kann entsprechenden Einfluß nehmen im nationalistischen Sinne der Grande Nation.

Am 1. Februar sind dann die Juristen des Landwirtschaftsministeriums, von Versicherungen, der Versuchsfirmen Limagrain und Pioneer u.a. geladen. Der Sprecher von Pioneer Jean Donnenwirth nimmt an dem RundtischgesprÀch teil. Fazit des GesprÀches: nichts im Bereich der OGM ist in Frankreich auf angemessene Art gesetzlich geklÀrt. (7)

Mein Vorschlag: liegenlassen. Das nĂ€chste Ausreißspektakel entschĂ€digt fĂŒr alles!

Blök!
Euer Schaf
Liebhaber von Feldversuchen

16. Juli 2005

Auf diesen Versuchsfeldern habe ich das ausgerissen:

(1) Der "ewige Wachposten" und die "freiwilligen Schnitter". Von Gudrun Eussner, 15. April 2005
Abschnitt: Die "freiwilligen Schnitter"
http://www.eussner.net/schaf_2005-04-15_20-28-48.html

(2) Freiwillige Schnitter und unfreiwillig verprĂŒgelte Lyoner Juden im französischen Sommer
http://www.eussner.net/schaf_2004-09-27_12-01-48.html

(3) Pioneer. Worldwide Locations. Europe
http://www.pioneer.com/pioneer_worldwide/europe.htm

(4) OGM - Un champ de maïs OGM détruit dans le Tarn et Garonne, AFP. www.terre-net.fr, 6 juillet 2005
http://www.terre-net.fr/Outils/Fiches/FicheDetail.asp?id=217 57&idRub=168

(5) Les faucheurs volontaires d´OGM ne dĂ©sarment pas, de Philippe Rioux. Bella Ciao, 13 juillet 2005
http://bellaciao.org/fr/article.php3?id_article=17165

(6) Les faucheurs d´OGM passent Ă  l´action prĂ©ventivement. Boursier.com, 15 juillet 2005
http://www.boursier.com/vals/all/feed.asp?id=3507

(7) Table ronde regroupant des associations de dĂ©fense de l´environnement et de protection des consommateurs (extrait du procĂšs-verbal de la sĂ©ance du 25 janvier 2005)
Table ronde regroupant des juristes. (extrait du procÚs-verbal de la séance du 1er février 2005)
http://www.assemblee-nationale.fr/12/rap-info/i2254-t2-04.as p


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