 
Dani Levy hat noch einen Film gemacht - Das Erste finanziert das allerletzte
Liebe Freunde!
Habt Ihr mein Geblöke vermißt? Meine Herrin hält mich wie immer kurz kürzer am kürzesten, froh kann ich sein, wenn sie mir einige Möhren und zu lange abgelagertes, schon zerbröselndes, fast staubendes, gänzlich geschmackloses, total gesundheitsschädliches Heu in den Pferch wirft und dabei das Wasser nicht vergißt. Ich bekomme nur eine Chance zum Blöken, wenn meine Herrin unaufmerksam wird. Das ist der Fall, wenn sie sich so recht von Herzen aufregt. Jetzt ist es wieder soweit.
Diesmal geht Gershon sicherlich nicht ins Kino, preßt sie hervor, und ihre Augen funkeln dabei, der ist gewarnt vom letzten Film des Dani Levy "Alles auf Zucker", wo sich Deutsche köstlich amüsieren können über die fetten geldgeilen Juden, die es gern mal mit ´ner Palästinenserin treiben. Diesmal ist Gershon bestimmt gewarnt; denn nun macht sich Dani Levy mit seiner Koalition der Willigen über den Adolf her. (1)
Sie wirft einige aus dem Drucker ihres Dell gezogene Seiten herum, die wie zufällig in meinen Pferch segeln. Meint Ihr, sie könnte mich fragen und bitten, mich des Filmes anzunehmen? Sie bleibt stumm. Mich kann sie immer nur abbürsten, wenn sie gut drauf ist: Schaf mach dies, Schaf lies das. Ach, wenn ich ehrlich bin, gefällt sie mir gutgelaunt besser, auch wenn sie dann harsch mit mir ist, blök!
Ungefragt sichte ich die Blätter, und schon stoße ich aufs Wikipedia, den Volksbrockhaus für Eilige im Internet. Bevor es überhaupt richtig losgeht, tut sich der neue Film von Dani Levy schon mit einem Klau in der Überschrift hervor: Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler. Die ist dem Titel der Sendung meines Lieblingsbademantelträgers Dittsche nachgebildet: Das wirklich wahre Leben. Es kommt vor, daß ich meine Herrin warnend anblöke, wenn sie das klaut, wenn sie schreibt, im wirklich wahren Leben ist das aber anders, oder so. Dann antwortet sie, das sähe doch jeder, daß es zitiert ist von Dittsche, es wäre wie bei der Nike Werbung mit dem Haken. Es aber in die wirklich wahrste Wahrheit umzudichten und den Witz dann für sich als bare Münze einzukassieren, das ist schon frech, oder sind für Dittsche ein paar Bierchen in Ingos Imbiß dabei herumgekommen? (2)
Die Filmemacher des Führers suchen ihre Zitate, wo sie herumliegen. Das mit herrlichen Kommentaren versehene Gästebuch ihrer Site eröffnen sie mit Kurt Tucholsky: Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft! Leider ist diese Küsserei dem Kurt Tucholsky nicht gut bekommen, aber wenigstens wird er genannt und nicht wie der arbeitslose Dittsche seines Witzes beraubt. (3)
Der Film wird von Creative Directors produziert, die sind schöpferisch und nehmen´s von den Lebendigen und von im Selbstmord geendeten Toten. Solches finanziert die Filmstiftung NRW, die Filmförderungsanstalt FFA Berlin, das Medienboard Berlin-Brandenburg und die Investitionsbank Hessen, also mehrheitlich die deutschen Steuer- und Rundfunkgebührenzahler. (4)
Die Filmstiftung NRW wird getragen vom Land Nordrhein-Westfalen (35 %), dem Westdeutscher Rundfunk Köln (40 %), dem Zweiten Deutschen Fernsehen (10 %), der RTL Television GmbH (10 %) und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen - LfM (5 %). Wir können also darauf warten, daß der komische Führerfilm, diese braune Lachnummer, nach einer geraumen Zeit in den Kinos auf unseren Bildschirmen herumflimmert, zuerst beim Ersten, dann vielleicht beim ZDF, dann im WDR, und das in mehrmaligen Wiederholungen. Meine Herrin wird deshalb wütend vor meinem Pferch herumtoben, und ich kann´s ausbaden. (5)
Die Filmförderungsanstalt FFA Berlin, jährliches Budget 76 Millionen Euro, ist eine auf Grund des Gesetzes über Maßnahmen zur Förderung des deutschen Films gegründete Bundesanstalt des öffentlichen Rechts. Der deutsche Staat, vertreten durch Bundestag und Bundesrat sitzt im Verwaltungsrat der Anstalt. Die deutsche Filmwirtschaft wird seit 1968 staatlich beeinflußt und produziert Filme wie Mein Führer, die deutschen Steuerzahler bezahlen ihre Verblödung selbst. Filmtheaterbetreiber und Videoprogrammanbieter beteiligen sich daran durch eine Filmabgabe. Ein bürokratischer Apparat von Präsidium, Vorstand, 1. Stellvertretendem Vorstand, 2. Stellvertretendem Vorstand, Referentin des Vorstandes, Kommissionen, Unterkommissionen, weiteren Kommissionen, gesetzlichen Kommissionen halten den Laden in Gang, und heraus kommen Subventionen für Machwerke wie Mein Führer. (6)
Gesellschafter der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH sind je hälftig die Investitionsbanken der Länder Berlin und Brandenburg, die zentralen Förderbanken der beiden Bundesländer. Im Aufsichtsrat sitzt auch die Intendantin des RBB, so daß wir uns schon auf die Austrahlung des Filmes aus ihrem Sender freuen können. Auch die staatliche Investitionsbank Hessen ist mit von der Partie, so daß ich es gar nicht erwarten kann, die Wiederholung des Films im hessischen Fernsehen auf meiner Herrin Flachbildschirm zu sehen. Seit sie hier in Frankreich Canal+ abonniert hat, darf ich diese Sender manchmal sehen, und das Programm in ard-digital zeigt sie mir rechtzeitig an, aber nur wenn sie guter Laune ist, sonst läuft nix, und da ich mit meiner Klaue die Tastatur nicht bedienen kann, ist´s dann zappenduster in meinem Pferch. (7)
Wen wundert es also, daß der Intendant des WDR Fritz Pleitgen den Film Mein Führer lobt? Schließlich kann er nicht etwas finanzieren und es dann hinterher verreißen. Er hält den Klamauk für eine gelungene Entlarvung des Nationalsozialismus, Dani Levy habe sich in seinem Film damit auseinandergesetzt. Auf gnadenlos parodistische Art und Weise habe er das Nazi-System entlarvt. Das Entsetzen über eine derartige Fehlinterpretation packt mich. Einem in der Kindheit vom Vater mißhandelten Adolf Hitler haben wir den Nationalsozialismus zu verdanken? Der in der Badewanne plantschende Adolf Hitler bringt eine Entlarvung des Nationalsozialismus? Was haben die Deutschen doch für ein armseliges Führungspersonal, blök! (8)
Wenn die Handlung, wie sie bei Wiki dokumentiert ist, auch nur annähernd im Film so abläuft, ist sie weder lustig noch entlarvend, sondern einfach nur infam, miese Komik auf Kosten der Juden. Nicht nur über einen Adolf macht sich der Film lustig, sondern über zwei. Daß einer davon seinen Namen vom lebenden Adolf Grünbaum erhält, damit dessen Biographie ausradiert zugunsten eines Filmpopanz, das entlarvt in der Tat, allerdings nicht den Nationalsozialismus, sondern die heutige Gesellschaft. Clemens Heni nimmt dazu auf dem meiner Herrin befreundeten Blog Lizas Welt ausgiebig Stellung, und meine Herrin ist deshalb so entsetzt, weil sie den lebenden Adolf Grünbaum beim Googeln entdeckt hat. (9)
Jetzt wollt Ihr sicherlich wissen, wieso?
Also, meine Herrin ist doch ein Kabarett-Fan, und so liebt sie auch die beiden Kabarettisten Fritz Grünbaum und Karl Farkas, den Gescheiten und den Blöden. Sie kennt diese beiden aus der Berliner Ausstellung Sag beim Abschied ... Im Buch von Robert Dachs sind sie verewigt, und meine Herrin hat einen Artikel darüber verfaßt, aber da war ich noch nicht Haustier bei ihr. (10)
Sie googelt grünbaum, um zu sehen, was dabei herauskommt. Sie denkt dabei eher an Fritz Grünbaum. Daß es einen lebenden Adolf Grünbaum geben könnte, dessen Namen Dani Levy mißbraucht, darauf kommt sie nicht; solche Niedertracht ist irgendwie zu weit weg. Ihr fällt nur der Kabarettist gleichen Namens ein. Unter grünbaum ist alles voller grüner Bäume, fast wie ein Wald. Von zehn Angeboten gelten acht dem Kabarettisten, eines dem Grünbaum-Verlag und eines, gleich das zweite, dem Adolf Grünbaum. Der sagt ihr bis dahin nichts, das hat sie mir aufrichtig gestanden. Dann kommt sie aus dem Staunen nicht heraus, und darum ist sie jetzt so aufgeregt. Nicht nur, daß sie schon Alles auf Zucker entsetzlich findet, nun setzt der Regisseur noch nach!
Dani Levy nennt seinen Filmjuden Adolf Grünbaum und behauptet damit, daß im Juden auch ein Adolf stecke, daß sich Adolf Hitler und Adolf Grünbaum ähnlich sind - oder warum wählt er sonst nicht einen der zahlreichen jüdischen oder sonstigen Vornamen? Siegfried beispielsweise, zu Ehren der Wagnerverehrer unter den Juden, die ihren Sohn deshalb Siegfried genannt haben?
Keinen der Filmkritiker wundert oder ärgert es gar, daß der Jude ebenfalls Adolf heißt, niemand kommt auf die Idee darüber zu schreiben, was das bedeutet. Die New York Times greift tief in ihren Setzkasten mit den Umlauten, um den Adolf Grünbaum angemessen zu dekorieren. Alle gehen anscheinend davon aus, der Name sei ein Phantasiegebilde, niemand hinterfragt nichts. Die Schamlosigkeit, mit der Dani Levy einer lebenden Person die Identität verbiegt, sie in seine von Fritz Pleitgen entdeckte Entlarvung des Nationalsozialismus einbaut, bleibt unkommentiert. (11)
Lachen darüber, daß eine von Josef Goebbels und Heinrich Himmler unter das Hitlersche Rednerpult gelegte Bombe dem Juden zugeschoben wird, der Hitler inzwischen angeblich nahesteht, und somit der Haß auf die Juden im deutschen Volk geschürt und dessen Kriegswilligkeit gefördert werden soll, das kann nur eine deutsche Gesellschaft, die sich heute längst über ihre Verantwortung für die Judenvernichtung, genannt Holocaust, hinweggesetzt hat. Der Film zeigt, daß wir Deutschen nur noch verantwortlich sein wollen für unsere Lachmuskeln. Das fördern deutsche Medien aus Steuergeldern und Rundfunkgebühren.
Blök!
Euer Schaf
Scheltredner
14. Januar 2007
In diesen Weidegründen habe ich das ausgerupft:
(1) Dani Levy hat einen Film gemacht. Beigesteuert von Gershon. Sonntag, 23. Januar 2005. papdam.net - Juden in Frankfurt
http://www.papdam.net/index.php?option=content&task=view&id= 126&Itemid=2
Dani Levy hat einen Film gemacht. Das Erste zeigt das letzte! 28. September 2005
http://www.eussner.net/fundsachen_2005-01-27_16-21-13.html#f undsachen_2005-01-27_16-21-13
(2) Dittsche. Das wirklich wahre Leben. WDR Comedy Portal
http://www.wdr.de/comedy/sendungen/dittsche.phtml
(3) Mein Führer. Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler
http://www.meinfuehrer-derfilm.de/mfgbv1.php?seite=49
(4) Mein Führer. Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler. Eine Y Filme Creative Directors GmbH Produktion in Co-Produktion mit X Filme Creative Pool GmbH
http://www.x-filme.de/html/neu_meinfuehrer.htm
(5) Filmstiftung NRW. Gremien und Gesellschafter
http://www.filmstiftung.de/WirUeberUns/gremien.php
(6) FFA Filmförderungsanstalt. Kurzinformationen
http://www.ffa.de/start/index.phtml?page=profil
(7) Medienboard Berlin-Brandenburg. Organe der Gesellschaft
http://www.medienboard.de/WebObjects/Medienboard.woa/wa/CMSs how/1000400
Investitionsbank Hessen
http://www.ibh-hessen.de/
(8) WDR-Intendant Pleitgen lobt «Mein Führer». Quotenmeter.de, 10. Januar 2007
http://quotenmeter.de/index.php?newsid=18237
(9) Wahrheit ohne Mühe. Clemens Heni. Lizas Welt, 14. Januar 2007
http://lizaswelt.blogspot.com/2007/01/wahrheit-ohne-mhe.html
Sichtblenden. Clemens Heni. Lizas Welt, 12. Januar 2007
http://lizaswelt.blogspot.com/2007/01/sichtblenden.html
(10) Sag beim Abschied ... Die Sammlung Robert Dachs, Wien, im Berliner Zeughaus, 11. September bis 30. Dezember 1998
http://www.dhm.de/ausstellungen/abschied.htm
Fritz Grünbaum. Oesterreichisches Kabarettarchiv
http://www.kabarettarchiv.at/Bio/Gruenbaum.htm
Populäre jüdische Künstler aus Berlin, Hamburg, München und Wien. Musik & Entertainment 1903 - 1936. Berlin, 29. November 2001
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-16_00-02-04.html
(11) In Germany, a Hitler Comedy Goes Over With a Thud. By Mark Landler, New York Times, January 11, 2007
http://www.nytimes.com/2007/01/11/world/europe/11hitler.html ?_r=2&oref=slogin&oref=slogin
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